Westen (2013)

Westen Poster
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Filmhandlung und Hintergrund

Westen: Drama um eine junge Witwe aus der DDR, die mit ihrem Sohn in der BRD ein neues Leben aufbauen will (frei nach dem Roman "Lagerfeuer" von Julia Franck).

Berlin, Ende der 1970er Jahre: Nelly Senft, promovierte Chemikerin aus Ostberlin, musste zwei Jahre warten, bis sie mit ihrem Sohn in den Westen ausreisen durfte. Im Notaufnahmelager stößt sie auf Misstrauen, Ablehnung und Kontrolle, die CIA stellt ihr ähnliche Fragen wie die Stasi. Sie verweigert sich dem entwürdigenden Prozedere und trotzt der neuen Überwachung, die der alten in nichts nachsteht. Sie überwindet die Probleme der Übergangszeit und ist bereit für ein neues Leben mit neuer Kraft.

Eine junge Witwe aus der DDR will mit ihrem Sohn in der BRD ein neues Leben aufbauen. Einfühlsam erzähltes Drama, frei nach dem Roman “Lagerfeuer” von Julia Franck.

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Kritikerrezensionen

  • Wem es vor wenigen Jahrzehnten gelang, den Eisernen Vorhang zu überwinden, auf den wartete gleich die nächste Prüfung: die Begegnung des langgehegten Traums von Freiheit, Glück und Wohlstand mit der Wirklichkeit. Und die gestaltet sich für Nelly, die Hauptperson des Dramas "Westen", durchwachsener als erwartet. Regisseur Christian Schwochow ("Novemberkind", "Die Unsichtbare") verfilmt ein Drehbuch seiner Mutter Heide Schwochow, das auf dem Roman „Lagerfeuer" von Julia Franck basiert. Man merkt es der interessanten Geschichte mit ihrem ungewöhnlichen Blickwinkel auf die deutsch-deutsche Vergangenheit an, dass sie ein Stück weit die Erfahrungen ihrer Autoren widerspiegelt.

    Im Auffanglager ist vom Glamour der freien Welt zunächst nicht viel zu sehen. Dafür begegnen die Neuankömmlinge Vorurteilen, etwa in Bezug auf ihre berufliche Qualifikation. In den Befragungen durch die westlichen Geheimdienste fühlt sich Nelly gedrängt, ihre politische Gesinnung offenzulegen. Dabei hatte sie erwartet, gerade das im freien Westen nicht mehr tun zu müssen. Leider stellt der Film keinen direkten Bezug zu ihren Erinnerungen her. Ihr Leben in der DDR bleibt bis auf die berüchtigte Grenzkontrolle bei der Ausreise im Dunkeln. So versteht man nur ansatzweise, warum sie die Befragungen so irritieren.

    Jördis Triebel spielt Nelly emotional glaubhaft und lebendig als komplexen Charakter, der in eine Krise gerät. Die Männer aber bleiben ziemlich konturlos. Mit dem verheirateten CIA-Agenten muss sie eine unglaubwürdige Affäre haben und der zwielichtige Hans hängt seit zwei Jahren im Lager fest, als hätte er sich aufgegeben. Warum er nicht auszieht, obwohl er von anderen Bewohnern für einen Stasispitzel gehalten und angefeindet wird, bleibt wohl aus dramaturgischen Gründen offen. Nelly soll nämlich erkennen, dass sie das Geflecht aus Gerüchten und Vermutungen gar nicht entwirren kann. Das Lager selbst ist der Albtraum, aus dem sie aufwachen muss. Obwohl das Thema des Films wichtig ist, eignen sich die Charaktere nur bedingt als Identifikationsfiguren. Sie sind zu sehr auf ihre diffuse, schlecht artikulierte Unzufriedenheit reduziert.

    Fazit: Christian Schwochows "Westen" ist eine interessante Abrechnung mit den Zumutungen, denen DDR-Emigranten in Aufnahmelagern ausgesetzt waren, aber sie verfällt in einen ungünstigen Klageton.
  • Drama um eine DDR-Aussiedlerin in den 1970er Jahren und ihre enttäuschten Erwartungen im “Goldenen Westen”.

    “Wissen Sie, warum ich aus der DDR weg wollte? Wegen solcher Fragen”. Nelly Senft, promovierte Chemikerin aus Ostberlin, ist eine von denen, die einen Ausreiseantrag stellten, den Job verlor und zwei Jahre lang auf dem Friedhof arbeiten musste. Nichts hält sie mehr in dem Überwachungsstaat, im anderen Deutschland hofft sie auf ein besseres und selbstbestimmteres Leben. Als sie endlich mit ihrem Sohn 1978 ausreisen darf, will sie ihr Leben mit neuer Kraft neu aufbauen, stößt im Notaufnahmelager aber auf Misstrauen, Ablehnung und Kontrolle. Im vereinten Deutschland von Heute ist es schon fast vergessen: Menschen, die aus der damaligen DDR ausreisen durften und in der Bundesrepublik nicht das Paradies fanden. Jördis Triebel spielt diese 27Jährige, die von einer Unterdrückung in die andere kommt, sich Befragungen durch die Alliierten unterziehen muss, die sie an Stasi-Verhöre erinnern. Sie fühlte sich fremd in der alten und auch fremd in der neuen Heimat. Konträr zu ihren Erfahrungen erlebt der neunjährige Sohn das Lager, der Süßigkeiten-Automat ist eine Entdeckung für ihn, die Schule ein Horror. Dort nennt man ihn hämisch “Ostpocke” und hänselt ihn wegen der nicht hippen Klamotten.

    Christian Schwochow ( schrieb das Drehbuch erneut mit seiner Mutter Heide) verfilmt Julia Francks Roman “Lagerfeuer” als Zustandsbeschreibung eines “Zwischenorts” und einer “Zwischenwelt” im vom Rest der Welt abgetrennten Lager, in dem der Satz “Ich wurde politisch verfolgt” als Sesam-öffne-Dich funktioniert. Wer sich diesem Spiel verweigerte wie die Protagonistin, die schlicht sagt, sie “wolle Erinnerungen loswerden”, hatte schlechte Karten. Ob sie dem Lagernachbarn, zu dem sie sich hingezogen fühlt, trauen darf oder nicht, muss sie selbst entscheiden. Manchmal baut Schwochow Distanz zur Hauptfigur auf und verliert sich auf Nebenschauplätzen, aber die Authentizität der Geschichte bleibt packend, nicht zuletzt weil Schriftstellerin Julia Franck das Atmosphärische und das Provisorische des Transits genau beschreibt und Schwochow die Details präzise wiedergibt. Die Enge des Lagers ist zu spüren, die Absurdität des Gefangenseins mit Blick auf die ersehnte Freiheit, die Brüche in der Biografie der Insassen. Für Produzentin Katrin Schlösser, die zehn Jahre an dem Projekt arbeitete, der bisher persönlichste Film. mk.

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