Westen (2013)

Filmhandlung und Hintergrund

Drama um eine DDR-Aussiedlerin in den 1970er Jahren und ihre enttäuschten Erwartungen im “Goldenen Westen”.

“Wissen Sie, warum ich aus der DDR weg wollte? Wegen solcher Fragen”. Nelly Senft, promovierte Chemikerin aus Ostberlin, ist eine von denen, die einen Ausreiseantrag stellten, den Job verlor und zwei Jahre lang auf dem Friedhof arbeiten musste. Nichts hält sie mehr in dem Überwachungsstaat, im anderen Deutschland hofft sie auf ein besseres und selbstbestimmteres Leben. Als sie endlich mit ihrem Sohn 1978 ausreisen darf, will sie ihr Leben mit neuer Kraft neu aufbauen, stößt im Notaufnahmelager aber auf Misstrauen, Ablehnung und Kontrolle. Im vereinten Deutschland von Heute ist es schon fast vergessen: Menschen, die aus der damaligen DDR ausreisen durften und in der Bundesrepublik nicht das Paradies fanden. Jördis Triebel spielt diese 27Jährige, die von einer Unterdrückung in die andere kommt, sich Befragungen durch die Alliierten unterziehen muss, die sie an Stasi-Verhöre erinnern. Sie fühlte sich fremd in der alten und auch fremd in der neuen Heimat. Konträr zu ihren Erfahrungen erlebt der neunjährige Sohn das Lager, der Süßigkeiten-Automat ist eine Entdeckung für ihn, die Schule ein Horror. Dort nennt man ihn hämisch “Ostpocke” und hänselt ihn wegen der nicht hippen Klamotten.

Christian Schwochow ( schrieb das Drehbuch erneut mit seiner Mutter Heide) verfilmt Julia Francks Roman “Lagerfeuer” als Zustandsbeschreibung eines “Zwischenorts” und einer “Zwischenwelt” im vom Rest der Welt abgetrennten Lager, in dem der Satz “Ich wurde politisch verfolgt” als Sesam-öffne-Dich funktioniert. Wer sich diesem Spiel verweigerte wie die Protagonistin, die schlicht sagt, sie “wolle Erinnerungen loswerden”, hatte schlechte Karten. Ob sie dem Lagernachbarn, zu dem sie sich hingezogen fühlt, trauen darf oder nicht, muss sie selbst entscheiden. Manchmal baut Schwochow Distanz zur Hauptfigur auf und verliert sich auf Nebenschauplätzen, aber die Authentizität der Geschichte bleibt packend, nicht zuletzt weil Schriftstellerin Julia Franck das Atmosphärische und das Provisorische des Transits genau beschreibt und Schwochow die Details präzise wiedergibt. Die Enge des Lagers ist zu spüren, die Absurdität des Gefangenseins mit Blick auf die ersehnte Freiheit, die Brüche in der Biografie der Insassen. Für Produzentin Katrin Schlösser, die zehn Jahre an dem Projekt arbeitete, der bisher persönlichste Film. mk.

Berlin, Ende der 1970er Jahre: Nelly Senft, promovierte Chemikerin aus Ostberlin, musste zwei Jahre warten, bis sie mit ihrem Sohn in den Westen ausreisen durfte. Im Notaufnahmelager stößt sie auf Misstrauen, Ablehnung und Kontrolle, die CIA stellt ihr ähnliche Fragen wie die Stasi. Sie verweigert sich dem entwürdigenden Prozedere und trotzt der neuen Überwachung, die der alten in nichts nachsteht. Sie überwindet die Probleme der Übergangszeit und ist bereit für ein neues Leben mit neuer Kraft.

Eine junge Witwe aus der DDR will mit ihrem Sohn in der BRD ein neues Leben aufbauen. Einfühlsam erzähltes Drama, frei nach dem Roman “Lagerfeuer” von Julia Franck.

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