Verdammnis (2009)

Originaltitel: Flickan som lekte med elden
Verdammnis Poster
Nicht mehr im Kino.
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Filmhandlung und Hintergrund

Verdammnis: Fulminante Fortsetzung der Bestselleradaption "Verblendung" bei der Action großgeschrieben wird und die famose Noomi Rapace als Punk-Ermittlerin brilliert.

Mikael Blomkvist recherchiert eine brisante Story um Zwangsprostitution, in die verdiente Würdenträger verwickelt scheinen. Derweilen betreibt Lisbeth Salander – ohne dessen Wissen – ihre eigenen Ermittlungen und stößt dabei auf Nils Bjurman, ihren ehemaligen Vormund und Vergewaltiger. Als dieser kurze Zeit später tot aufgefunden wird, fällt der Tatverdacht sofort auf die junge Frau – trägt die Mordwaffe doch ihre Fingerabdrücke. Eine mediale und polizeiliche Hetzjagd auf sie beginnt. Und nur Blomkvist glaubt an ihre Unschuld.

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Kritikerrezensionen

  • Konsequenterweise setzt „Verdammnis“ dort ein, wo der Vorgänger „Verblendung“ aufhörte. Die erste Adaption der „Milleniums“-Trilogie endet mit einer Rückblende in die trostlose Kindheit der Protagonistin Lisbeth Salander. Von ihrem Vater als Kind auf brutalste Weise missbraucht, rächte sich das jugendliche Mädchen an ihrem Peiniger mit drastischen Mitteln, weshalb sie für lange Zeit in eine psychiatrische Anstalt eingewiesen wurde. Dort gingen ihre Leiden weiter. Es verwundert nicht, dass die unter dem Namen „Wasp“ bekannte Hackerin zeit ihres Lebens besonders Männern gegenüber zumeist feindselig eingestellt ist. „Leg dich nie mit Lisbeth Salander an“, heißt es an einer Stelle des Romans.

    Quasi als Cliffhanger endete die erste Adaption mit einem Vorgriff auf den Beginn des zweiten Teils. Übersetzt lautet der Titel des ersten Bandes „Männer, die Frauen hassen“, was als Motto ebenso für die Fortsetzung gelten darf. Dieses Mal führen die Nachforschungen über einen Mädchenhändlerring und deren mysteriösen Kopf namens „Zala“ in höchste Kreise von Justiz und Politik, die angesichts weitreichender Verflechtungen in die schwedische Geschichte alles unternehmen, ihre Schuld zu vertuschen. Als Handlanger dienen neben einer Rockerbande noch ein blonder Hühne ohne Schmerzempfinden - eine Figur wie aus einem „James Bond“-Reißer. Erneut ermittelt das ungleiche Paar Blomkvist/Salander parallel in gleicher Sache, wobei sie dieses Mal erst im dramatischen Finale aufeinander treffen.

    Wie der Originaltitel von Stig Larssons zweitem Buch „Das Mädchen, das mit Feuer spielte“ unterstreicht, steht Lisbeth Salander und ihre schmerzhafte Vergangenheit stärker im Mittelpunkt, deren Zusammenhang mit dem Fall erst allmählich enthüllt wird. Die bisexuelle Amazone und Sicherheitsexpertin, deren Wohnung mit versteckten Kameras ausstattet ist, erweist sich als ebenso faszinierende wie ambivalente Persönlichkeit, die niemanden wirklich vertrauen will. Dadurch bringt sie allerdings ihre Freundin Miram Wu, eine „Bondage-Sadomaso-Lesbe“, in Gefahr, über die jeder an die Verschwundene heranzukommen versucht.

    Regie führt hier Daniel Alfredson, mit Werken wie „Varg - Der Wolf“ oder „Der Mann auf dem Balkon“ durchaus krimierfahren. Durch das Stilmittel, Handlungsabläufe parallel zu verfolgen, baut Alfredson ebenso wie der Roman seine Spannungsdramaturgie auf. War Niels Arden Oplevs Vorgänger jedoch in Kameraarbeit. Lichtsetzung und Inszenierung noch echtes Kino, wirkt die Fortsetzung wie ein – zugegeben immer noch spannend erzähltes – durchschnittliches TV-Movie. Mit 130 Minuten handelt es sich bei „Verdammnis“ um den kürzesten Teil der Trilogie, der zwangsläufig auf wichtige Passagen verzichtet und gelegentlich unter seinen Kürzungen leidet. So fehlt etwa auf das finale Zusammentreffen zwischen Blomquist und dem blonden Killer, womit man einen neuen Cliffhanger aufbaut. Fortsetzung folgt im Sommer 2010.

    Fazit: Ein konventioneller, etwas atemloser Politthriller, der seiner Bestsellervorlage durchaus treu bleibt und weitgehend zu fesseln weiß.
  • Fulminante Fortsetzung der Bestselleradaption “Verblendung”, bei der Action groß geschrieben wird und die famose Noomi Rapace als Punk-Ermittlerin brilliert.

    Sie ist zurück: Lisbeth Salander, die ungewöhnlichste Ermittlerin des europäischen Kinos. Punk ist sie, Hackerin und Einzelkämpferin aus Not und Überzeugung. Die großartige Noomi Rapace leiht ihr wieder ihr Gesicht, inklusive Stachelhalsband und Nasenring, schwarz gewandet und ewig rauchend. Als Beste Darstellerin war sie für diesen Part in “Verblendung” zu Recht für den Europäischen Filmpreis nominiert, nun begibt sie sich in “Verdammnis” wieder auf Spurensuche.

    Zurück in die eigene schmerzhafte Vergangenheit führt sie diese ins nasskalte Schweden, wohin sie nach einjährigem “Exil” unter südlicher Sonne zurückkehrt. Wieder hat sie es mit “Männern, die Frauen hassen” – so der wesentlich treffendere, wörtlich übersetzte Originaltitel der Verfilmung des ersten Teils von Stieg Larssons “Millennium-Trilogie” – zu tun. Nils Bjurman (erschreckend: Peter Andersson), ihr ehemaliger Vormund und Vergewaltiger wird tot aufgefunden. Ebenso wie ein Journalist, der im verbrecherischen Anwalt den Drahtzieher eines Mädchenhändlerrings vermutet. Die Tatwaffe trägt Salanders Fingerabdrücke und sofort setzt eine Hetzjagd auf sie ein. Daniel Alfredson hat die Regie von Niels Arden Oplev übernommen, das Drehbuch diesmal Jonas Frykberg verfasst. Nahtlos knüpft ihr Plot am Vorgänger an, der wieder auf mehreren aufeinander zulaufenden Handlungsebenen spielt. Auf zweiter kommt erneut Starreporter Mikael Blomkvist (souverän wie zuletzt: Michael Nyqvist) zum Zug, der für sein Magazin Millennium eine brisante Story um Zwangsprostitution recherchiert, in die zahlreiche hohe Politiker und Würdenträger verwickelt scheinen. Was ihn schnell zur untergetauchten Lisbeth führt, von deren Unschuld er überzeugt ist.

    Perversion, Standesdünkel, bürgerliche Scheinmoral, Verlogenheit, Hass, Gewalt und finstere Familiengeheimnisse, die altbekannten Zutaten skandinavischer Krimiqualitätsware sind allesamt vorhanden – und das Mädchen mit dem kleidsamen Drachentattoo steckt mittendrin. Stärker noch als im ersten Teil der Bestsellerverfilmung konzentriert sich der nervzerrende Thriller auf ihre Person, erzählt die mörderische Mär aus (ihrem) feministischen Blickwinkel. Und der öffnet dem Zuseher für moderne Missstände die Augen, für Ausländerhass, Medizinerallmacht und Bürokratie.

    Mag das Innen und das Außen von Figuren und Geschichte hier auch nicht ganz so gut zusammengehen wie beim Auftaktfilm, weil man mehr auf Action geachtet hat, bangt man bei dieser alptraumhaften Tour de Force dennoch jede einzelne der 129 schweißtreibenden Minuten um die Heldin, weil Tempo, Timing und Spannungsaufbau stimmen, Bildgestaltung und Musikeinsatz voll überzeugen. Hartes, fesselndes Kino, das wird spätestens hier klar, ist längst nicht mehr nur Sache Hollywoods – und Teil drei, “Vergebung”, schon abgedreht. geh.

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