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Tyrannosaur - Eine Liebesgeschichte (2011)

Originaltitel: Tyrannosaur
Tyrannosaur - Eine Liebesgeschichte Poster
Nicht mehr im Kino.
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Filmhandlung und Hintergrund

Tyrannosaur - Eine Liebesgeschichte: Starkes Regiedebüt des Schauspielers Paddy Considine. Schonungslose Milieustudie und tragische (Liebes-)Geschichte zweier verletzter bzw. verletzender Außenseiter mit komischen Untertönen.

Joseph kann seine Wut nicht unter Kontrolle halten. In den meisten Pubs hat er wegen seiner aggressiven Ausfälle Hausverbot. Da trifft er auf die religiöse Hannah, die trotz seiner Beleidigungen die Ruhe bewahrt, ihn zum Besseren bekehren will. Er findet das furchtbar, kehrt aber immer wieder zu ihr in den Secondhand-Laden, den die verheiratete, kinderlose und im Reichenviertel lebende Frau betreibt, zurück. Sie unterhalten sich, kommen sich langsam näher. Da taucht sie eines Tages mit dunkler Brille und blauen Flecken im Gesicht auf.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Der britische Schauspieler Paddy Considine legt mit diesem Spielfilm, den er eine Liebesgeschichte nennt, sein Regiedebüt vor. Die ungewöhnliche Freundschaft zweier gepeinigter Menschen ist in der Tat voller Zärtlichkeit und Hoffnung. Aber das hervorstechende Merkmal des Films ist das Ausmaß an Gewalt und Verrohung, das er zeigt. Die Figuren sind Opfer und Täter zugleich, sie bewegen sich wie Verwundete auf einem Schlachtfeld. Soziale Verelendung und sadistische Beziehungen höhlen systematisch den Glauben der Menschen an sich selbst und an das Gute aus. Considines Film, der auf seinem Kurzfilm „Dog Altogether“ von 2007 basiert, gewann auf dem Sundance Film Festival 2011 den Regiepreis, die Hauptdarsteller Peter Mullan und Olivia Colman wurden mit dem Spezialpreis der Jury ausgezeichnet.

    Joseph, gespielt von Peter Mullan, weiß vor allem unter Einfluss von Alkohol nicht wohin mit seiner Wut. Dann genügt oft schon ein böses Wort von jemandem, um ihn ausrasten zu lassen. Sein geliebter Hund wird im Film Josephs erstes Opfer, doch man ahnt, dass er auch schon Menschen gefährlich wurde. Lange bevor man mit Hannah das zerbrochene Bild von Josephs Frau in seiner Wohnung sieht und Joseph selbst ausdrücklich sagt, dass er mit niemandem zusammenleben kann. Der Mann scheint zu wissen, dass er die eigene Zerstörungskraft auf Dauer nicht unter Kontrolle halten kann. Je verlorener sich Joseph fühlt, desto stärker sehnt er sich nach Rettung.

    Josephs Freund hat Krebs. Der Sterbende beichtet ihm, dass er Angst hat, wegen seiner Untaten in die Hölle zu kommen. Joseph bittet Hannah, am Bett des Freundes für ihn zu beten. Sie tut das laut, so dass der Freund, Joseph und die Zuschauer gleichermaßen die Kraft spüren, die sich in Worten entfalten kann. Joseph lehnt im Türrahmen und sieht Hannah an, mit einem Gesichtsausdruck, wie ihn wohl nur Peter Mullan zustande bringt, so überrascht, berührt, staunend. Meistens sieht Joseph allerdings wie ein Tiger auf dem Sprung aus, vom Alkohol oder dunklen Emotionen überreizt. Er kann im Orientierungsverlust erstarren, nur um Sekunden später zu explodieren.

    Hannah, gespielt von Olivia Colman, scheint der Glaube an das Gute noch nicht genommen worden zu sein. Sie lässt sich von Josephs Verstörung oder vom Benehmen eines seiner Kneipenkumpel nicht beirren, bleibt zugewandt und honoriert jeden unscheinbaren Gesprächsbeitrag mit einem Lächeln. Colmans Leistung besteht darin, den gewaltigen emotionalen Spagat zu zeigen, in dem sich Hannah befindet, zwischen ihrer Demontage zu Hause und dem Wunsch, zu überleben. Es gibt drastische Bilder von Misshandlungen, wie sie sicherlich auch in der Realität passieren. Und wenn Joseph aus dem Fenster seiner Wohnung auf das Drama schaut, das sich mit einem kleinen Nachbarsjungen, seiner Mutter, ihrem Freund und dessen Kampfhund anbahnt, kann man nachvollziehen, wieso Abstumpfung und Lethargie ansteckend sind.

    Considine, der auch das Drehbuch schrieb, hatte jedoch keine Sozialstudie im halbdokumentarischen Stil im Sinn. Die visuelle Gestaltung ist voller Ruhe und strahlt eine sorgfältig komponierte Kargheit aus, die sich auf die Räume und das Licht auswirkt. Der poetischen Fiktion entspringt auch die Beziehung von Joseph und Hannah, die ihre Fantasie beflügelt und die Dinge in Bewegung bringt. Die Anspannung, die die unberechenbaren Gewaltausbrüche erzeugen, lässt den gesamten Film erzittern wie die Tritte eines nahenden Tyrannosaurus – und wie die Enthüllung, welche Rolle dieser Dinosauriername in der Geschichte spielt. Sicherlich ist dies ein herausragender Film, aber das Ausmaß an Elend und Zerstörung, das er einem zumutet, wirft auch Fragen auf. Zum Beispiel nach dem Sinn einer solchen Geschichte, wenn es ihr nicht explizit um Sozialkritik geht. „My Name is Joe“ von Ken Loach, ebenfalls mit Peter Mullan in der Hauptrolle, wirkt im Vergleich zu diesem Film beinahe harmlos. Vielleicht wird die Bereitschaft des Publikums, sich von Elend schockieren zu lassen und das für aufklärerisch zu halten, auch etwas unreflektiert ausgenutzt.

    Fazit: Paddy Considines Spielfilmdebüt erschüttert durch das Ausmaß der Gewalt im Leben seiner Protagonisten.
  • Wie ein Schlag in die Magengrube wirkt die erste Szene im Regiedebüt des britischen Charaktermimen Paddy Considine (der Journalist in “Das Bourne Ultimatum”). Dass man der Hauptfigur, dem von Peter Mullan wuchtig gespielten britischen Underdog Joseph, der seinen Jähzorn nicht unter Kontrolle hat, danach auch nur noch einen Funken Sympathie entgegenbringt, liegt an der geschickt entwickelten Story (Considine schrieb auch das Drehbuch) und der feinen Inszenierung. Zwischen realistisch anmutender schonungsloser Milieu- und Sozialstudie und überhöhter menschlicher Tragödie um Schuld und Vergebung lässt er eine zarte Liebesgeschichte zwischen Joseph und der tief religiösen, warmherzigen und beherrschten Hannah entstehen. Olivia Colman wurde ebenso wie Mullan für die darstellerische Leistung beim Sundance Filmfestival prämiert. Lässt Mullans Witwer Joseph seiner Wut und Verzweiflung freien Lauf, unterdrückt Colmans Hannah sie, gleiches gilt für die Alkoholsucht. Der Witwer wohnt allein in einer kleinen Wohnung in einer armseligen Gegend, wo er sich einen Kleinkrieg mit dem einen Kampfhund haltenden Freund der Nachbarin liefert, sie in einer Neubauvilla mit ihrem Mann (beängstigend: Eddie Marsan), der sie schlägt. Beide gegensätzlich scheinenden Figuren verbindet ihre tiefe Verletztheit, ja Verzweiflung. Im Laufe der Handlung helfen sie einander, wechseln ihre Rollen vom Helfer zum Hilfesuchenden. Im vorwiegend düsteren, auch in solchen Farben gehaltenen Drama, das mit Humor aufgelockert wird, lässt Considine am Ende auch Hoffnung aufkeimen. Viel Herz hat er bereits vorher für seine Figuren gezeigt, nicht nur für die zwei Protagonisten, sondern auch für die von Josephs sich als mehr als nur guter Trinkkumpan herausstellenden Tommy oder den kleinen Nachbarssohn. Nach dieser beeindruckenden ersten Regiearbeit ist man gespannt, wie sich dieses Talent weiter entwickelt. hai.

Darsteller und Crew

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