Troja (2004)

Originaltitel: Troy
Troja Poster
Nicht mehr im Kino.
Userwertung (5)
  1. Ø 4
Kritikerwertung (1)
  1. Ø 4

Filmhandlung und Hintergrund

Troja: Monumentales Schlachtspektakel mit Brad Pitt als legendärer Superkrieger Achilles.

Irgendwann im zwölften Jahrhundert vor Christi Geburt: Der schwer verliebte trojanische Königssohn Paris (Orlando Bloom) verschleppt die spartanische Königsgemahlin Helena (Diane Kruger) in seine davon mäßig begeisterte Heimat. Unter der Leitung von Helenas Schwager Agamemnon wird eine sofortige und grenzübergreifende Generalmobilmachung Großgriechenlands eingeleitet. In den darauffolgenden zehn Jahren der Belagerung Trojas tun sich diverse Helden hervor, darunter auf trojanischer Seite Hector (Eric “Hulk” Bana) und auf der hellenischen Achill (Brad Pitt).

Da bebt die Ägäis: Wolfgang “Outbreak” Petersens Effekt geladene HighEnd-Sandale über die blutigste Liebesgeschichte aller Zeiten verschluckte mal eben ein Budget von 130 Millionen fetten Dollars.

Als Prinz Paris Spartas Königin Helena der Liebe wegen nach Hause entführt, zieht die griechische Streitmacht unter Agamemnon gegen Troja. Doch dort eskaliert der Streit zwischen dem König von Mykene und Achilles, dem Kriegeridol der Griechen. Als aber Trojas noble Kampfmaschine Hektor Achilles’ Cousin tötet, erwacht der schlafende Halbgott, um grausame Rache zu nehmen.

Als Trojas Thronfolger Paris Menelaos, dem König von Sparta, dessen Frau Helena raubt, zieht er sich den Zorn des gesamten Stadtstaates zu. Unter Führung von Agamemnon, Menelaos’ Bruder, ziehen die Truppen gegen Troja. Agamemnon handelt dabei aus Eigennutz, will er die Stadt doch nur deshalb einnehmen, um sich die Vormachtstellung zu sichern. Dazu muss er allerdings erst den mächtigen Krieger Hector beseitigen, der Troja verteidigt. Als “Waffe” dient ihm der arrogante Egozentriker Achilles, der größte Krieger seiner Zeit.

Videos und Bilder

Auf DVD & Blu-ray (8)

Kritiken und Bewertungen

So werten die User Ø
(5)
5
 
3 Stimmen
4
 
1 Stimme
3
 
0 Stimmen
2
 
0 Stimmen
1
 
1 Stimme
So werten die Kritiker (1 Stimmen)
5
 
0 Stimmen
4
 
1 Stimme
3
 
0 Stimmen
2
 
0 Stimmen
1
 
0 Stimmen

Wie wertest Du? Klicke auf einen der Sterne:

Kritikerrezensionen

  • Wolfgang Petersens Troja steht fest in der Tradition Amerikanischer Monumental- und Sandalenfilme wie „Die zehn Gebote“ oder „Ben Hur“. Anders als seine Vorbilder, thematisiert „Troja“ aber nicht Religion oder Gerechtigkeit, sondern baut auf einer Liebesgeschichte auf. Zurückgehend auf ein Epos Homers will dieser Film Unterhaltung in Form einer klassischen Tragödie mit den maximalen Mitteln des technisch Machbaren erzählen. Um Massenszenen und Schlachten, die in ihrem Ausmaß denen von „Der Herr der Ringe“ in nichts nachstehen, gruppieren sich die Geschichten der Schlachtenlenker und ihrer rehäugigen Frauen. Deren Dialoge sind reduziert auf Äußerungen wie „Ich will nicht, dass du morgen in diese Schlacht ziehst, Liebling“. Ebenso schlicht auch die Zeichnung des imperialen Herrschers Agamemnon oder die dümmliche Naivität des Paris, der durch seine jugendliche Verliebtheit das ganze Schlamassel erst auslöst. Mehrfach deutet der Film an, es gehe um die Geschichte einer großen Liebe, die zur größten aller Schlachten geführt habe. Die Geschichte vom Brautraub aber ist eigentlich banal, die Erzählung widmet Achilles und Hektor und ihren Geschichten viel mehr Aufmerksamkeit, als den Gefühlen des dümmlichen Paris.

    Viele sehen in Brad Pitt als Achilles eine Fehlbesetzung. Letztlich aber sind Besetzungsfragen im Zusammenhang mit Troja nicht entscheidend, denn die Stärken des Films liegen vor allem in den epischen Sequenzen, wenn in breitestem Cinemascope Format die Armeen vor den Mauern der Stadt aufmarschieren. Diese Bildgewalt macht es einzelnen Figuren trotz Starbesetzung und zahlreicher Großaufnahen schwer, für ihre schauspielerische Leistung in Erinnerung zu bleiben.

    Letztlich entspricht „Troja“ dem Klischee vom sogenannten „Hollywood Film“: an keinem Punkt mit dem Leben vergleichbar, überhöht ins Grenzenlose, völlig unpolitisch, dabei handwerklich meisterhaft. Deswegen wird dieser Film niemanden wirklich stören, und er wird vom Fernsehen in den kommenden Jahrzehnten immer an Weihnachten dankbar neben „Ben Hur“ und „Die Zehn Gebote“ ausgestrahlt werden.

    Fazit: Monumentalfilm, handwerklich und technisch auf der Höhe der Zeit. Trotz des riesigen Aufwands bringt Troja allerdings überhaupt nichts Neues und bleibt so gediegene Hochglanzunterhaltung für Freunde gewaltiger Bilder.
  • Die Götter müssen verrückt sein: ein deutscher Regisseur zerstört Troja, ein amerikanischer Akteur beschwört Griechenlands Heldenmythos und ein australischer hunk, der einmal ein “Hulk” war, rettet die Würde aristokratischer Krieger. Doch Unvorstellbares hat Tradition in der Auseinandersetzung um Troja, in der ein unverwundbares Idol den Tod durch seine Ferse und eine uneinnehmbare Stadt den Untergang durch ein Pferd findet. Wenn alles möglich ist in dieser unglaublichen Geschichte, wenn Trinker (John Drew Barrymore) schon Titanen (Odysseus, 1962) verkörpern durften, dann kann auch das Duo Pitt-Petersen ein gewaltiges Epos an Pathos und Posen vorbei zu einem Hit führen, der trotz allem Schlachtengetümmel den Kopf nicht verliert.

    Man merkt diesem Ausstattungs-Riesen die Bemühungen an, während der Herrschaft der Bilder auch das Wort zu pflegen. Manche Konfrontation findet im Dialog ein bissiges Vorspiel (“50.000 Mann sehe ich hier, die für die Gier eines Einzigen kämpfen sollen”) oder eine besinnliche Reflexion. Exemplarisch präsentiert in einer der packendsten Szenen, in der Peter O’Toole mit verbaler und emotionaler Kraft Respekt für seinen gefallenen Sohn erbittet und nicht nur Achilles, sondern auch Brad Pitt in Verlegenheit bringt. O’Toole und die anderen Charakterköpfe der englischen, schottischen und irischen Theaterszene (Brian Cox, Sean Bean, Brendan Gleeson) sind spielsichere Intensitätsgaranten wie auch der australische Exportschlager Eric Bana (“Hulk”) als trojanischer Königssohn Hektor. Pitt dagegen überzeugt vor allem als körperliches Gesamtkunstwerk, als Harmonie von Genetik und Athletik. Obwohl unglückliche visuelle Zitate aus den “Legenden der Leidenschaft” Pitt als gelangweilt-gequältes Pin-up präsentieren, akzeptiert man ihn schließlich als Achilles, toleriert das Konzept, die Eitelkeit des Halbgotts auch in seiner Inszenierung zu spiegeln.

    Das Drehbuch von David Benioff (“25 Stunden”) vermischt furchtlos Motive aus “Ilias”, “Odyssee” und Hollywood, erspart dem kriegsmüden Amerikaner einen endlosen Belagerungskrieg und reduziert zehn Jahre auf wenige Tage. Die Götter, die bei Homer die Menschen wie Marionetten steuern, sind Bestandteile der Dialoge, im Unterschied aber etwa zum “Kampf der Titanen” nicht präsent in den Bildern. Wie einst “Karate Kid” mit seinem Flamingo-Tritt bekommt auch Achilles als tänzelnder Antik-Ali eine eigene Kampftechnik – eine hoch eingesprungene Attacke mit halber Drehung in die ungeschützte Flanke des Gegners. So cool wird das Idol der Griechen eingeführt, liefert sich fortan als rebellischer Individualist mit dem griechischen Heerführer Agamemnon (Brian Cox) giftige Auseinandersetzungen, die schließlich im akuten Einsatzfall in passivem Schmollen gipfeln. Zu diesem Zeitpunkt hat Paris Helena bereits nach Troja entführt, damit Agamemnon die Chance gegeben, seiner Kriegslust einen Grund zu geben. Das Auftauchen der griechischen Armada könnte man sich dramatischer vorstellen (Vorbild: das Signalfeuer in der “Ring”-Trilogie), doch Achilles’ Strandeinnahme, sein Omaha-Beach, zeigt den Einzelkämpfer in Actionperfektion.

    Zu Recht selbstbewusst stellt Petersen den Umfang seines Epos’ aus. So fliegt man mit der Kamera eindrucksvoll über das Landungspanorama, sieht ein Heer von 50.000 Griechen sich mit 25.000 Trojanern messen, wird aber auch von Zweikämpfen mitgerissen, die im Duell zwischen Achilles und Hektor ihren Höhepunkt finden. Im Krieg ist “Troja” überzeugender als in der Liebe. Die Beziehung zwischen Paris und Helena krankt stoffimmanent daran, dass man dem Schön- und Feigling den Blitztod wünscht. Auch die Affäre zwischen Achilles und Briseis, die hier zur Cousine Hektors befördert wird, entwickelt sich überstürzt und wird auch nicht abgelöst von seiner Betörung durch Amazonenkönigin Penthesilea, weil es Frauen, die in den Krieg ziehen, im Hollywood-Troja nicht gibt. Ein Verlust für Petersens trotz mancher Abstriche sehr wohl spektakulären Film ist das aber nicht, weil die größten Gefühle unter Männern ausgetauscht werden. Hier gibt es Hass, hier gibt es Liebe, hier brennen die Helden – im Leben wie auch im Tod. kob.

Darsteller und Crew

News und Stories

Kommentare