Timbuktu (2014)

Timbuktu Poster
Nicht mehr im Kino.
Userwertung (4)
  1. Ø 3.8
Kritikerwertung (2)
  1. Ø 2.5

Filmhandlung und Hintergrund

Timbuktu: Eindringliches Drama über den Einfluss von Dschihadisten auf das alltägliche Leben der Menschen in Timbuktu und Umgebung.

Krieg, Hunger, Krankheit und Hoffnungslosigkeit. Wer sich mit Hilfe von Hollywood ein Bild von Afrika macht, der bekommt stets die gleichen, enggeführten Perspektiven angeboten. Ein viel zu kleiner Nenner, auf welchen man den schillernden Kontinent niemals reduzieren sollte. Wer Afrika selbst schon einmal bereist hat, der bringt einen Erfahrungsschatz mit, der die Darstellung afrikanischer Länder im Film ad absurdum führt. Doch es gibt Ausnahmen: „Timbuktu“ kann sich dazu zählen.

Natürlich gibt es unzählige gute Filme, die in Afrika spielen, doch leider erreichen uns die wenigstens davon hier in Europa. Dass „Timbuktu“ dieses Muster bricht, hat viel mit der ungewöhnlichen Intensität des Films und seiner Bilder rund um die Oasenstadt im westafrikanischen Staat Mali zu tun.

Regisseur Abderrahmane Sissako führt zu Beginn seines Filmes den selbstbewussten Viehzüchter Kidane (Ibrahim Ahmed aka Pino) ein, der in den Dünen nahe Timbuktu ein schlichtes und ruhiges Leben mit seiner Familie führt. Als da wären seine Frau Satima (Toulou Kiki), seine  Tochter Toya (Layla Walet Mohamed) und schließlich noch der 12jährige Issan (Mehdi Ag Mohamed). Doch ihr glückliches Leben wird jäh unterbrochen als Jihadisten in der Region ein Schreckensregime einrichten. Unter der religiösen Knute der Fanatiker werden das Lachen, Zigaretten und Musik verboten. Die Frauen trifft es besonders schwer. Sie leben fortan ein Leben in absoluter Unfreiheit. Zunächst scheint es so, als würde die Familie von der Schreckensherrschaft der Jihadisten verschont, doch das soll sich schon bald ändern.

„Timbuktu“ ist ein seltenes Juwel. Dunkel und lebensfroh zugleich zeigt uns der Film ein kompromissloses und interessantes Bild von Mali.

Videos und Bilder

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Das Politdrama "Timbuktu" schildert das Lebensgefühl in der afrikanischen Stadt, nachdem bewaffnete Dschihadisten dort das Kommando übernommen haben. Unter der Regie von Abderrahmane Sissako ("Das Leben auf Erden", "Reise ins Glück") pendelt der Film zwischen Poesie und einem fast dokumentarisch anmutenden Realismus. Oft überzieht er das böse Treiben der selbstherrlichen Besatzer mit satirischem Spott. Mittlerweile hat die Realität der Mörderbanden „Islamischer Staat" diesen Spielfilm in puncto Schrecken zwar längst überholt. Aber seine Aussage, dass die muslimische afrikanische Bevölkerung so gut wie nichts mit den Dschihadisten verbindet, bleibt aktuell und wichtig.

    Die französisch-mauretanische Koproduktion stellt die weltfremde Willkür der Islamisten-Miliz heraus. Die vermummten Männer schleichen in der Dunkelheit auf den Dächern herum, um zu lauschen, ob aus einer Wohnung Musik oder Gesang erklingt. Sie nehmen eine Fischverkäuferin zum Tribunal mit, weil sie sich lautstark weigert, bei der Arbeit Stoffhandschuhe zu tragen. Sie unterhalten sich selbst heimlich über Fußball, dulden das Training der Jungen auf dem Platz aber nur, wenn es ohne Ball abläuft. Solche absurden Situationen werden mit beißender Ironie ausgemalt.

    Dabei spart der Film aber auch die dunklere Seite der Gewaltherrschaft nicht aus, das Auspeitschen und Steinigen von Menschen. Jeder der Bewohner ist froh, wenn er nicht ins Visier der Milizen gerät. Das Schicksal des Hirten Kidane aber wird nicht verständlich genug erklärt: Er hat zwar selbst Unrecht getan, aber offenbar wird der Richter des Terrorregimes seinem Fall nicht gerecht. Die pathetische Abschiedsrede Kidanes, in der er die Liebe zu seiner kleinen Tochter beschwört, wirkt von einer exotischen Poesie durchdrungen. Auch die schönen Wüstenbilder und die melancholische Grundstimmung beschwören eine existenzielle Verlorenheit herauf. Die Menschen hier sind es gewöhnt, den Sandstürmen zu trotzen, und sie scheinen entschlossen, auszuharren, bis sich auch der terroristische Spuk wieder verzieht.

    Fazit: Das atmosphärisch beeindruckende Drama "Timbuktu" ist eine bittere, aber auch satirisch angehauchte Abrechnung mit der Willkürherrschaft islamischer Dschihadisten in der gleichnamigen Stadt.
  • Berührende Tragödie von brisanter Aktualität über Menschen einer malischen Stadt im Würgegriff religiöser Fundamentalisten.

    Die sogenannten Gotteskrieger, die im Namen Gottes die schlimmsten Gräueltaten verüben, gehören zum europäischen Fernsehalltag, bleiben aber (noch) weit weg. In Abderrahmane Sissakos Tragödie brechen sie in den Alltag ganz normaler Menschen ein, brüllen per Megaphon eine ihrer neuen Regeln: “Musik ist verboten”. Die bewaffneten Dschihadisten sorgen erst für Lacher mit ihren abstrusen Ordnungsvorstellungen, bis auch das Lachen unter Strafe steht. Wie ein grauer Schleier legt sich ihre Präsenz auf die Stadt Timbuktu. Das Leben auf den Straßen erstickt in Angst. Noch spürt der Tuareg Kidane, der friedlich mit seiner Frau und Tochter sowie einem zwölfjährigen Hirtenjungen in der Wüste lebt, wenig vom Terror. Bis eines Tages ein Fischer seine Lieblingskuh tötet und er den Täter bei einer Rangelei versehentlich erschießt. Die neuen Herrscher kennen keine Gnade.

    Sissako plante ursprünglich ein dokumentarisches Essay über die Ausbreitung des islamischen Fundamentalismus. Als er mit erlebte, wie ein Paar, das unverheiratet Kinder aufzog, gesteinigt wurde, änderte er das Thema hin zum Spielfilm, der an stiller Eindringlichkeit kaum zu übertreffen ist. Die Dschihadisten sind keine schwarz vermummte Masse, sondern eine Gruppe von Männern unterschiedlicher Herkunft, die sich kaum mit den Einheimischen verständigen können, deren Traditionen missachten und sich auch über ihre eigenen Prinzipien dreist hinwegsetzen. Während Fußball verboten ist und die Jungs in einer absurden Szene pantomimisch Fußball ohne Ball spielen, unterhalten sich die Drangsalierer über Messi & Co.. Trotz Rauchverbot raucht einer der Unterdrücker heimlich und begehrt schamlos die Frau des Tuareg. Die Menschen versuchen, ihre Würde zu bewahren und wehren sich, wie die Fischverkäuferin, die sich weigert, mit Handschuhen zu arbeiten oder die Mutter eines Mädchens, das zwangsverheiratet werden soll. Die Scheinheiligkeit der Islamisten, die auch gegen den toleranten Islam kämpfen, manifestiert sich permanent. Die Impuls gebende Steinigung wird in einer kurzen und alptraumhaften Sequenz gezeigt. Im Kontrast zu den gezeigten Grausamkeiten stehen Bilder von poetischer Kraft, ein imposantes Spiel mit Farben vor farbloser Wüstenlandschaft. Es beeindrucken auch die professionellen und Laiendarsteller, die vom Leben gezeichneten Gesichter. “Timbuktu” ist ein leiser und zeitloser Film von immenser Wucht, der Sissakos Ruf als einen großen Humanisten des heutigen Kinos festigt. mk.

Darsteller und Crew

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