The King's Speech - Die Rede des Königs (2010)

Originaltitel: The King's Speech
The King's Speech - Die Rede des Königs Poster
Nicht mehr im Kino.
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Kritikerwertung (1)
  1. Ø 4.5

Filmhandlung und Hintergrund

The King's Speech - Die Rede des Königs: Bewegendes und pointiertes Drama über King George VI, der sich an einen australischen Sprachtherapeuten wendet, um vor einer wichtigen Rede Herr über sein unkontrollierbares Stottern zu werden.

Prinz Albert (Colin Firth), zweiter Sohn von König Georg IV. (Michael Gambon), stammelt seit seiner Kindheit. Als Amtsträger und Person des öffentlichen Lebens wird dennoch von ihm verlangt, dass er des Öfteren Reden halten muss. Verbittert von den niederschmetternden Erfahrungen, hat er längst die Hoffnung auf eine Besserung seines Zustandes aufgegeben. Seine Frau Elisabeth (Helena Bonham Carter) zwingt ihn regelrecht dazu, einen weiteren Versuch bei dem australischen Logopäden Lionel Logue (Geoffrey Rush) zu wagen. Logue geht bei seinen Therapiestunden äußerst unkonventionell vor; so verlangt er unter anderem, dass er den Prinzen mit dessen Spitznamen „Bertie“ anreden darf. Albert will deswegen kurz darauf die Besuche wieder einstellen, doch bemerkt er, dass die merkwürdigen Praktiken von Logue durchaus erste Erfolge bringen. Trotz seiner Bitte, nur physische Übungen zu praktizieren und keine Therapie, gräbt Logue in der Vergangenheit von Bertie, um die Gründe für seine Sprachstörung zu ermitteln. Der Prinz öffnet sich daraufhin seinem Logopäden und die beiden beginnen, eine Freundschaft aufzubauen. Im Januar 1936 stirbt schließlich sein Vater, der König. Berties Bruder Edward wird zum neuen König ernannt, legt sein Amt jedoch kurz darauf aus privaten Gründen nieder, und Bertie wird zu König Georg VI. ernannt. Dadurch beginnen für ihn erst die richtigen Probleme. Neben einer umständlichen Krönungszeremonie, erwartet das neue Staatsoberhaupt eine angespannte Situation in Europa. Denn das aggressive Deutsche Reich droht den Kontinent erneut mit Krieg zu überziehen. „The King's Speech“ ist ein britisches, historisches Drama von Regisseur Tom Hopper, das auf wahren Begebenheiten beruht. Der Film wurde für zwölf Oscars nominiert, von denen er vier gewinnen konnten, unter anderem den für Bester Film.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Der Prinz ist nervös: Zehntausende werden ihm im Wembley-Stadion zuhören; und weltweit, im gesamten britischen Großreich, werden die Untertanen ihn hören können, denn die Abschlussrede der Empire Exhibition wird live im Radio übertragen. Das ist so etwas wie das Einstiegstor in die mediale Massenkommunikation, das der Prinz hier durchschreiten muss, im Jahr 1925. Er ist nervös, und natürlich wird es ein Desaster: denn Albert Frederick Arthur George, Duke of York, Sohn des Königs von England, in der Familie Bertie genannt, stottert. Seit seiner Kindheit schon. Dabei ist es als Mitglied der Royal Family seine einzige Aufgabe zu repräsentieren. Früher hieß das, in Uniform gut auszusehen und nicht vom Pferd zu fallen. In Zeiten des Radios bedeutet es insbesondere auch, gut reden zu können. Das ist Berties Problem.

    Ein Problem, das Regisseur Tom Hooper glänzend in den Film übersetzt. Durch gezielt gesetzte groteske Übertreibungen: in Unter- oder Aufsicht, in extremem Weitwinkel gefilmt, verzerrt er seine Bilder, wenn er zeigt, wie es richtig geht, wie’s die Professionals machen: der BBC-Moderator gurgelt, nutzt Rachenspray, macht Konsonantenübungen, gespreizte Finger geben die richtige Entfernung zum Mikrophon an, und dann legt er flüssig los, redet für Millionen Zuhörer. Bertie dagegen steht verloren da, und das Mikrophon sieht wie ein Fadenkreuz aus, das ihn ihm Visier hat.

    Diese Inszenierungsmittel zwischen sensibler Einfühlsamkeit und überzogener Karikatur, zwischen emotional-zugeneigtem Blick auf seine Charaktere und einem frechen Schlüssellochblick hinter die Kulissen der Monarchie hält Hooper konsequent durch, mit größter Souveränität, mit viel Witz und genauestem Gespür für Figuren und Situationen. Nach einigen Fernsehsachen ist dies erst seine zweite Kinoregie, und er übt diese Kunst mit vollendeter Meisterschaft aus.

    Und kann sich dabei auf Colin Firth stützen, der absolut perfekt spielt, mit genauestem Gefühl für die Sprache, der jeden Wortstolperer punktgenau und völlig unangestrengt richtig setzt, der mit komischem Timing glänzt, einen schlagfertigen und selbstironischen Charakter prägt und die charakterliche Tiefe seiner Figur bis ins Letzte ausleuchtet. Für „A Single Man“ hätte er schon im letzten Jahr den Oscar bekommen können; diesmal sollte es doch locker klappen, den Golden Globe hat er für diese Rolle schon gewonnen.

    Tom Hooper und Drehbuchautor David Seidler – der selbst als Kind, in den 1940ern, gestottert hatte – gehen mit äußerster historischer Akkuratesse vor, ohne je lehrbuchhaft zu werden. Die geschichtlichen Hintergründe spielen hinein: Hitlers Aufstieg auf dem Kontinent; der patriarchalische Vater König George V., nach dessen Tod 1936 Berties Bruder gekrönt wird und – ein Skandal erster Güte, der die Monarchie existentiell bedrohte – im selben Jahr noch abdankt aus Liebe zu einer mehrfach geschiedenen Bürgerlichen. Was hier erzählt wird, ist Zeitgeschichte: es geht auch um die Ehe von Elisabeth, Frau von Bertie und spätere Queen Mum, und um die Kindheit von Margaret und Elisabeth, der heutigen Königin…

    Aber vor allem geht es um eine ganz ungewöhnliche Beziehung zu dem unkonventionellen Sprachtrainer Lionel Logue, einem Australier noch dazu – seine Tagebuch-Aufzeichnungen waren wichtige Grundlage fürs Drehbuch. Das Stottern muss weg, ganz klar. Und Logue versucht alles, diesen als rein mechanische Sprachschwierigkeit angesehenen Fehler zu reparieren, und weiß natürlich, dass die Ursachen tiefer liegen könnten. Denn er merkt, wann das Stottern sich verbessert: wenn Bertie singt, wenn er schimpft und flucht, wenn er mit Lionel redet wie mit einem normalen Menschen. Also: Hüpfen, singen, auf dem Boden rollen, übelst fluchen stehen auf dem Therapieplan; und: Gespräche, eine Art unaufdringliche Vertiefung der Beziehung zwischen Lionel und dem Prinzen, später dem König, eine Begegnung unter gleichen, unter Umgehung der Standesschranken…Witzig und durchaus bewegend, wie der Hochadlige sich herunterbegibt, nicht nur räumlich in das abgerissen-unaufgeräumte Sprechstundenstudio von Logue, auch sozial, wenn er sich mit Logue einlässt. Und wenn die beiden unterschiedlichen Sozialisierungen miteinander in Konflikt geraten, dann wird es richtig komisch…

    Eine seltsame Beziehung zeigt sich da zwischen zweien, die sich eigentlich niemals getroffen hätten: der Prinz mit all seinen antrainierten Ritualen und Zeremonien im Umgang mit anderen und ein unorthodoxer Sprachtherapeut, der kaum etwas auf Tradition, Brauchtum, Etikette hält. Einer, der den Prinzen/König wieder menschlicht macht, ihn zur Akzeptanz seiner selbst bringt: Am Ende kann Bertie Lionel als Freund, und Mr. Logue kann König George VI. als Majestät anerkennen.

    Dass vor ein paar Jahren mit Dani Levys „Mein Führer“ eine ganz ähnliche Figurenkonstellation verfilmt wurde, in ganz anderem Ton – Hitler, der sich von einem Juden rhetorische Fähigkeiten beibringen lässt – ist sicher Zufall. In einer Szene in „The King’s Speech“ sieht sich die königliche Familie eine Wochenschau an, Nürnberger Parteitag mit einem feurigen Führer. „Papa, was sagt der Mann?“, fragt die kleine Elisabeth. „Ich weiß nicht, aber er macht es gut“, antwortet der königliche Stotterer. Der dann, drei Jahre später zu Anfang des Zweiten Weltkriegs, eine große Rede halten soll zum Volk, für’s Volk, als das Volk. Nach der offiziellen politisch/diplomatischen sorgt er für die moralische Kriegserklärung: Die Rede gegen Hitler, bei der er nicht versagen darf…

    Fazit: Witziger, berührender, rundum gelungener Film über eine ungewöhnliche Freundschaft des Königs zu seinem Sprachtherapeuten. Unaufdringlich spielt die Zeitgeschichte hinein, perfektes Schauspiel sorgt für beste Unterhaltung, und die Blicke hinter die monarchischen Kulissen sind hochinteressant, ohne voyeuristisch zu werden.
  • Bewegendes und pointiertes Drama über King George VI, der sich an einen australischen Sprachtherapeuten wendet, um vor einer wichtigen Rede Herr über sein unkontrollierbares Stottern zu werden.

    George VI (1895 – 1952) war kein großer König, die Nachwelt kennt ihn vor allem als Vater von Queen Elizabeth II., aber nicht wegen großer Leistungen während seiner Regentschaft: Unter seiner Regentschaft zerfiel das Britische Empire zusehends und wurde durch das Commonwealth ersetzt. Tom Hooper (“The Damned United”), im Umgang mit den Royals erfahren dank der Miniserie “Elizabeth I”, setzt ihm dennoch ein filmisches Denkmal, das es in sich hat. Nicht zuletzt weil der Mensch im Vordergrund steht, nicht aber der Regent, wenngleich die Blaublütigkeit des vormaligen Prinz Albert Frederick Arthur George die Triebfeder für die vielen Konflikte ist, die der Film auf pfiffige, unterhaltsame und bewegende Weise aufarbeitet.

    Am Anfang steht die Erniedrigung. King George V, ein Monarch und Patriarch von altem Schrot und Korn, schickt seinen zweiten Sohn zu einer unangenehmen Aufgabe: Zur Eröffnung der British Empire Expedition soll er 1925 vor versammelter Menge eine Rede halten. Sein krankhaftes Stottern lässt den Auftritt zum Desaster für den schüchternen Royal werden. Seine Frau Elizabeth, wunderbar unschrullig gespielt von Helena Bonham Carter, sucht einen Sprachtherapeuten, der ungefähr das exakte Gegenteil seines künftigen Patienten ist: Lionel Logue ist Australier, gescheiterter Shakespeare-Darsteller mit einem Hang zum extrovertierten Auftritt und frei von Respekt vor großen Tieren. Er nennt den Prinzen zu dessen Verärgerung “Bertie” und springt in den heruntergekommenen vier Wänden seiner Kellerpraxis auch sonst nicht zimperlich um mit dem reservierten Mann, was zunächst zum Zerwürfnis führt. Als jedoch Alberts Vater stirbt und sein leichtlebiger Bruder Edward VIII nach nur einem Jahr abdankt, um eine Amerikanerin zu heiraten, wird er zu King George VI gekrönt und steht wieder Erwarten in der Öffentlichkeit. Weil Logues unorthodoxe Methoden verblüffende Wirkung zeitigen, wendet sich der König wieder dem Australier zu, zumal es gilt, das Volk mit einer entscheidenden Rede auf den Krieg gegen Hitler-Deutschland einzustimmen. Es gibt weitere Haken und Ösen, Wendungen und Überraschungen, die die aufkeimende Freundschaft zwischen den ungleichen Männern stärken, aber auch wiederholt auf eine harte Probe stellen.

    Nur an der Oberfläche bewegt sich “The King’s Speech” auf dem hüftsteifen Terrain von Merchant-Ivory. Tatsächlich ist Tom Hooper nicht im Entferntesten an einem Kostümdrama über Zeiten und Sitten gelegen. Der historische Rahmen, die wohlfeilen Kostüme und hochgestochenen Redensarten sind nur Verpackung für einen Film über menschliche Nöte und eine ungewöhnliche, aber stets nachvollziehbare Freundschaft, aber auch über die zunehmende Bedeutung von öffentlicher Wahrnehmung: Wie ein Menetekel hängt in der entscheidenden Szene des Films das Radiomikrofon im Raum. Zuvor hatte der König zu seinen Töchtern beim Betrachten einer Hitlerrede angemerkt: “Ich verstehe kein Wort von dem, was er sagt, aber er sagt es sehr gut.” Das lässt sich eins zu eins auf den Film übertragen: Was er macht, macht er ausgesprochen gut. Nicht zuletzt dank zweier entfesselt aufspielender Hauptdarsteller, die die Charaktere ihrer Figuren verinnerlicht haben: Während Colin Firth seine Rolle bravourös unterspielt, obwohl gerade das unsägliche Stottern regelrecht eine Einladung zum Overacting ist, gibt Rush dem Affen Zucker, als würde seine Figur auf ewig auf einer Laienbühne den “Richard III” geben. Der König und der Narr – ein nicht zu schlagendes Gespann für das Publikum, das bereits “Die Queen” zum Hit gemacht hat. ts.

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