Tatort: Wem Ehre gebührt (2007)

Filmhandlung und Hintergrund

So oft ist selbst in Gerhart Polts Bürokratiesatire “Kehraus” das Wort “Mahlzeit” nicht gefallen. Der Mittagsgruß als Merkmal betrieblicher Gemütlichkeit entwickelt sich für Charlotte Lindholm alsbald zum phonetischen Albtraum. Weil die Kommissarin, die sich stets allein und an vorderster Front dem Kampf gegen das Verbrechen gewidmet hat, nun im fünften Monat schwanger ist, versetzen die “MuSchRiV” (Mutterschutz Richtlinien Verordnung) sowie ein schlecht gelaunter Vorgesetzter sie zum Innendienst.

Da sitzt sie nun rum wie das fünfte Bein am Schreibtisch, wird von den männlichen Kollegen bestenfalls ignoriert, schlimmstenfalls gemobbt, und mümmelt an ihrer Rohkost; bis endlich das Telefon klingelt, als mal alle zu Tisch sind.

Angelina Maccarone (Buch und Regie) ergötzt sich regelrecht an der Demontage der niedersächsischen “Tatort”-Heldin (Maria Furtwängler), die erstmals in der Landeshauptstadt ermittelt; auch wenn es Lindholm selbstredend nicht lange im Büro hält. Während der Rest der Belegschaft Raubkopierer jagt, wird die LKA-Ermittlerin zu einem Suizid gerufen: Eine Türkin hat sich aufgehängt. Nicht nur der weibliche Instinkt sagt ihr jedoch, dass etwas nicht stimmt: Tags zuvor, als sie die junge Frau beinahe überfahren hätte, wirkte sie alles andere als lebensmüde. Weil die Tote aber die Schwester just jenes Informanten war, mit dessen Hilfe die Kollegen die Digitalpiraten überführen wollen, wird Lindholm erst recht zu Stubenarrest verdonnert. Doch dann sucht die kleine Schwester (Aylin Tezel) bei ihr Unterschlupf, und plötzlich steckt die Kommissarin mitten drin in einem Familiendrama, dessen Protagonisten durchaus auch deutsche Wurzeln hätten haben können.

“Wem Ehre gebührt” bezieht seinen großen Reiz aus gleich einem doppelten Zusammenprall: Giftigster Kontrahent am Arbeitsplatz ist der türkische Kollege Attila Aslan (Mehmet Kurtulus), der hinter jeder Äußerung Lindholms gleich ein Vorurteil wittert und ihr als Frau ohnehin nur wenig zutraut. Gleichzeitig wird die Ermittlerin mit der ihr völlig unvertrauten türkischen Kultur konfrontiert; dass die Türken untereinander immer wieder in ihre eigene Sprache verfallen, unterstreicht den Eindruck der Fremdheit noch. Ein fesselnder, wenngleich mitunter allzu vorsätzlich verwirrender “Tatort”, der außerdem einen Vorgeschmack gibt: Im Herbst 2008 wird Kurtulus seinen Job als neuer Hamburger “Tatort”-Kommissar Cenk Batu antreten. tpg.

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