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„Legend of Tarzan“ – die Kritik

Der legendäre Dschungelheld im Kampf gegen die Machtbestrebungen belgischer Kolonialisten. Ein Filmfest für alle Fans epischer Abenteuer.

Als Autor Edgar Rice Burroughs seinen Romanhelden im Jahr 1912 zum ersten Mal ins Urwald-Abenteuer schickte, war ihm sicher nicht klar, dass er einen der erste Superhelden schuf: überragende physische Fähigkeiten, Spezialist im Nahkampf, Tierflüsterer – ein Platz bei den „X-Men“ wäre Tarzan sicher gewesen. Gott sei Dank erinnern sich seitdem regelmäßig Filmemacher an das große Potential, das in dem klassischen Helden steckt. Bei „Legend of Tarzan“ ist es „Harry Potter“-Regisseur David Yates, der den legendären Dschungelkämpfer optisch und dramaturgisch runderneuert auf die Leinwand bringt. Und das Resultat ist großes Abenteuerkino der allerbesten Sorte.

Und zwar groß in jeder Hinsicht:  Afrika ist natürlich ein Kontinent, der für bombastische Landschaftsaufnahmen prädestiniert ist – und auch Flora und Fauna des Urwalds können durchaus opulent präsentiert werden. Doch der Filmemacher setzt nicht allein auf visuelle Wucht: Seine Bilder und Szenen sind auch emotional aufgeladen, dazu oft von großer Schönheit und dichter Atmosphäre. Filmisches Eyecandy, das durch den moderaten Einsatz von CGI-Effekten zwar näher an den Betrachter heranrückt, aber nicht optisch verkitscht und unglaubwürdig wirkt.

Okay: Realismus pur ist es natürlich nicht, was hier geboten wird. Dazu eignet sich die literarische Basis um ein von Menschenaffen aufgezogenes Kind, das später zum geheimnisvollen Herrscher des Dschungels wird, auch nicht wirklich. Der Kampf Mann gegen Gorilla, atemberaubende Jagden durch das grüne Dach des Dschungels, tierische Begegnungen – natürlich ist das alles überlebensgroß. Aber nie triefend von Pathos und Kitsch. Immer schaffen es Yates und sein tolles Ensemble, das Überschreiten dieser Schamgrenze souverän zu vermeiden.

Dieses Ensemble aus Alexander Skarsgård als Tarzan, Margot Robbie als Jane – und nicht zuletzt Christoph Waltz als Mistkerl vom Dienst – erweist sich dabei als absolute Bestbesetzung. Und auch Samuel L. Jackson als Sidekick des Dschungelhelden sorgt für witzige Momente, ohne je ins Alberne abzudriften.

Sogar die Story ist nicht so ausgetreten, wie man befürchten könnte: Tarzans berühmte Historie wird zwar mit Rückblenden noch mal ins Gedächtnis gerufen – schließlich könnte ja tatsächlich jemand im Saal sein, dem sie nicht geläufig ist. Doch eigentlich beginnt das neue Abenteuer des Helden zu einer Zeit, da er bereits als Lord Greystoke zum Hochadel von England gehört. Aus geopolitischen Gründen muss der in seine alte Heimat reisen und wird im Kongo schnell Opfer perfider Machtspielchen von Christoph Waltz in der Rolle des Captain Rom – einem historisch verbürgten Mann fürs Grobe der Belgischen Kolonialisten.

Wir haben also große Stars, opulent abgefilmt in einer spannenden Story – die auch noch Dialoge sprechen dürfen, die es wert sind, geführt zu werden. Dazu Tricktechnik, die nicht selbstverliebt ist, sondern der optischen Glaubwürdigkeit dient und dazu einen Score, der das Geschehen perfekt untermalt. Zusammen gibt das ganze 109 Minuten Hollywood in Breitwand-Bestform. Und einen Film, der die Vorteile des Kinos perfekt ausnutzt – jeden einzelnen Lautsprecher und jeden Zentimeter Leinwand.

Der Trailer zu „Legend of Tarzan“:

 

 

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