Tango libre (2012)

Tango libre Poster
Nicht mehr im Kino.
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  1. Ø 5
Kritikerwertung (2)
  1. Ø 4

Filmhandlung und Hintergrund

Tango libre: Tragikomödie um einen schüchternen Gefängniswärter, der sich in die Freundin zweier Häftlinge verliebt.

Gefängniswärter JC hat seit 15 Jahren nur eine Bezugsperson, seinen Goldfisch. Penibel erledigt er seinen Dienst. Highlight seines monotonen Alltags ist der wöchentliche Tangokurs. Als er dort die verführerische Alice trifft, ahnt er, dass es wohl mehr im Leben gibt als Pflichterfüllung. Dass die junge Frau kurz darauf im Knast zwei Häftlinge besucht, ihren Mann und ihren Lover, bringt den braven Beamten in die Bredouille und bald dazu, seine Prinzipien und Regeln über Bord zu werfen.

Videos und Bilder

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Ausgefallen konstruiert, mit Esprit und augenzwinkerndem Humor angereichert, schrieb sich die Tänzerin und Akteurin Anne Paulicevich mit "Tango Libre" eine Mischung aus hintergründigem Liebesquartett und dichtem Knastkrimi auf den Leib. Ihr Lebenspartner Frédéric Fontayne setzte das ungewöhnliche Werk leichtfüßig in Szene. Acht Jahre ließ sich der Meister des französischen Beziehungskinos ("La Femme de Gilles") Zeit, bevor er seinen vierten Film inszenierte, wobei das Duo zuvor eigentlich eine Familiengeschichte konzipierten wollte. Die ist "Tango Libre" im Grunde auch: Es tauchen eine Mutter, ein Kind und gleich drei Väter auf.

    Die Hauptrolle des Gefängniswärters spielt der belgische Komödiant Francois Damiens, der häufig in derben Komödien wie "Nichts zu verzollen" oder "Taxi 4" zu sehen ist. Er ist hier als unauffälliger, schüchterner Einzelgänger JC völlig gegen den Typ besetzt. Seine Leidenschaft für Goldfische zeigt, dass sich der zurückhaltende Gefängniswärter ebenfalls in einem isolierten Zustand befindet. Soziale Kontakte beschränken sich lediglich auf Small Talk mit Kollegen sowie seine Vorliebe für den Tangotanz, bei dem er technische Perfektion anstrebt, es ihm aber an wahrer Leidenschaft mangelt. Diese entdeckt er erst durch seine neue Tanzpartnerin Alice, die sein geordnetes Leben ins Chaos stürzt. Nun reagiert der regeltreue Beamte plötzlich wagemutig und lässt sich zu illegalen, spontanen Aktionen hinreißen, an die er zuvor nicht im Traum dachte.

    Alice erweist sich keineswegs als "Femme Fatale", die Männer berechnend verführt. Als impulsive, direkte Frau folgt sie ihren Gefühlen, will sich nicht festlegen und ist zu Monogamie schlicht nicht fähig. Zunächst lässt sie alle Konsequenzen außer Acht, weshalb Lügen ihre gefestigte Basis aufrecht erhalten müssen. Damit entfesselt sie einen emotional aufgeladenen Wettkampf unter den Männern. Zwar haben sich ihr Ehemann Fernand, der aus den Gefängnismauern heraus die Erziehung seines Sohnes zu organisieren sucht, sowie ihr Geliebter Dominic als Kumpane und Komplizen einigermaßen miteinander arrangiert, doch einen "Bullen" will man keineswegs in der Mitte akzeptieren.

    Wie der Titel schon verdeutlicht, dient der Tango als Zeichen der Befreiung. Während Fernand und Dominic mit dem Tanz aus festgefahren Männlichkeitsstrukturen ausbrechen, kann sich Jean-Christophe aus seiner selbstgewählten Isolation lösen. Zusammen fließen diese Schicksale in einer virtuosen Parallelmontage im Mittelteil, wo Fernand während eines Besuchstermins vom "Argentinier" aus dem verfeindeten Block einen Tanz-Crashkurs erzwingen will. In dieser dynamisch geschnittenen Sequenz fließen Komik, Dramatik und eine unterschwellig homoerotische Komponente ein. "Tango Libre", den man erfreulicherweise in keine klare Kategorie einordnen kann, lebt von Frédéric Fontaynes Gespür für die Verdichtung von Gesten, Blicken, Rhythmus und Emotionen, was der etwas märchenhaften Geschichte erst ihre Glaubwürdigkeit verleiht.

    Fazit: In "Tango libre" entspinnt sich ein ungewöhnlicher Liebesreigen, der einfallsreich, subtil und humorvoll die unterschiedlichsten Genres vereint.
  • Tragikomödie über einen Gefängniswärter, der durch die Begegnung mit einer ungewöhnlichen Frau im Tangokurs seine Prinzipien über Bord wirft.

    Jean-Christoph hat nur eine einzige emotionale Bezugsperson, einen Goldfisch. Und den hegt und pflegt er seit 15 Jahren. JC, wie er von allen genannt wird, gehört zu den Männern, an die man sich nicht erinnert. Brav erledigt er seinen monotonen Job als Gefängniswärter, Highlight seines tristen Lebens ist der wöchentliche Tangokurs. Dort trifft er auf Alice, eine junge und attraktive Frau, die zeigt, dass es nicht nur um technische Perfektion, sondern um den lockeren Wechsel zwischen Verführung und Zurückweisung geht, um das manipulative Spiel mit dem Körper. Wenig später sieht er sie wieder – im Besucherraum, wo sie mit zwei Häftlingen spricht, der eine ihr Mann, der andere ihr Liebhaber. Die Faszination für die Unbekannte bringt den peniblen Mann dazu, gegen die Regeln seines Berufs zu verstoßen. Frédéric Fonteyne lässt zwei Welten aufeinanderprallen, die rigide des zugeknöpften Einzelgängers und die der gefühlvollen Alice. Anne Paulicevech spielt diese Lady, die sein eng umrissenes Universum zum Einsturz bringt mit delikater Leichtigkeit und Leidenschaft. Die rhythmisch wie eine Milonga komponierte Tragikomödie hinterfragt wie Fonteynes vorherige Filme die Funktion von Blick und Sehen. So wird “Tango Libre” die Geschichte eines unsichtbaren Mannes, der alles um ihn herum beobachtet, wie auch die Geschichte von offenen und versteckten Blicken des Begehrens. Als Vierter im Bunde stört JC das Love-Triangle, und als der Gatte erfährt, dass Alice mit dem Kontrolleur draußen in der Freiheit Tango tanzt, packt ihn die Eifersucht. Er möchte mithalten und bald schwingen unter der Leitung eines Zellengenossen die schweren Jungs im Knast etwas ungelenk die Hüften beim Tango Argentino, eine köstliche Einlage. Auch wenn manchmal etwas viel geredet wird beim leidenschaftlichen Wirbel, alle Protagonisten sind zum Knuddeln, nicht nur der ständig cholerische Sergi López als Ehemann, sondern vor allem François Damiens hin- und hergerissen zwischen Gesetz und Gefühl. mk.

Darsteller und Crew

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