Stereo (2014)

Filmhandlung und Hintergrund

In Maximilian Erlenweins beinhartem Psychotrip wird das Leben eines vermeintlich gutherzigen Mechanikers von einem Fremden auf den Kopf gestellt.

Das Genrekino führt hierzulande ein Schattendasein, billig, oft in Heimarbeit produzierte Horror- und Sci-fi-Filme können darüber nicht hinwegtäuschen. Doch nun tut sich auf dem Gebiet endlich wieder etwas, der Österreicher Andreas Prochaska hat mit “Das wilde Tal” gerade einen Heimatfilm im Gewande eines Western gedreht, Maximilian Erlenwein, seit “Schwerkraft” (2010) Max-Ophüls-Preisträger, legt nun mit “Stereo” einen verwegenen, fesselnden Mix aus Thriller und Mysteryfilm vor.

Ein ölverschmierter, tätowierter Mann braust in “Easy Rider”-Manier durchs ländliche Idyll. Entspannt, glücklich, nicht einmal der Polizist (Rainer Bock), der ihn wegen Tempoüberschreitung aufhält, kann ihm die Laune verderben: “Wollen Sie sich etwa so nach Öl stinkend mit ihrer Freundin treffen?” – “Sie steht drauf” grient der ideal besetzte Jürgen Vogel als Erik. Eine kleine Motorradwerkstatt betreibt er, lebt glücklich mit seiner neuen Freundin (Petra Schmidt-Schaller) und deren kleiner Tochter. So fangen normalerweise stereotype Rosamunde-Pilcher-Sommerromanzen an.

Doch nur kurz bleibt der Ton heiter – schon bald taucht eine mysteriöse Gestalt namens Henry auf. Kapuzenpulli, gesenkter Kopf, ordinäre Sprache. Ein Querulant, eine Nervensäge. Moritz Bleibtreu spielt den Mann, der sich bald als Alter Ego Eriks entpuppt. “Mein Freund Harvey”, aber die böse Variante – oder doch nicht? Und dann stehen plötzlich auch noch ein paar richtig fiese Ganoven auf der Matte. Alte Schulden gilt es zu begleichen, die Schatten der Vergangenheit holen Erik ein.

Nichts ist wie es scheint bei Erlenwein, der Gattungsgesetze bedient, um sie gleich wieder radikal zu brechen. Erik ist keinesfalls ein netter Schrauber, sondern ein echter Psycho – was eine gutaussehende Hellseherin, die in einem desolaten Plattenbau wohnt schnell herausfindet. Wüst ist das Figurenarsenal – darunter Georg Friedrich (“Hundstage”) als widerlicher Bordellbetreiber -, wilde Haken schlägt der Plot. Die Sonne weicht bald fast undurchdringbarem Dunkel. Bei Schwarz in Schwarz mit leuchtendrotem Blut ist gewalttätige Action angesagt, dazu hohes Tempo, nicht nur auf dem Zweirad. Das ausgeklügelte Tondesign schmerzt fast in den Ohren, souverän sind Lichtsetzung und Bildgestaltung des vielfach prämierten Ngo The Chau. Verwunderlich, dass ZDF und arte mitproduziert haben. Wagemutiges Kopfkino und zugleich packender Leinwandtrip in die Abgründe der Seele. Mit den Worten von Nicolas Winding Refn: “Only God Forgives”. geh.

Ins ländliche Idyll hat sich Erik zurückgezogen. Er betreibt eine kleine Motorradwerkstatt, die freie Zeit verbringt er mit seiner neuen Freundin und deren kleiner Tochter. Doch diese scheinbar heile Welt findet ein jähes Ende als der mysteriöse Henry auftaucht und sich rücksichtslos in Eriks Leben drängt. Damit aber nicht genug. Bald melden sich weitere zwielichtige Gestalten, eiskalte Verbrecher, die vorgeben den vermeintlich freundlichen Mechaniker zu kennen und ihn auffordern, alte Schulden zu begleichen. Erik muss handeln – ob er will oder nicht.

Das Leben eines Mechanikers wird auf den Kopf gestellt, als unvermittelt ein Fremder in sein Leben tritt. Beinharter Psychotrip mit “Fight Club”-Feeling, in dem Moritz Bleibtreu und Jürgen Vogel dunkle Seelenabgründe ausleuchten.

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