Sommer der Gaukler (2011)

Sommer der Gaukler Poster
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Filmhandlung und Hintergrund

Sommer der Gaukler: Marcus H. Rosenmüller erzählt in seiner Mischung aus Kostümfilm, Slapstick und Liebesgeschichte die turbulente Geschichte des Theaterregisseurs Schikaneder.

Im Sommer 1780 macht sich Emanuel Schikaneder, Chef einer Theatergruppe, samt Gattin und Schauspieler Wallerschenk auf nach Salzburg, um vor Wolfgang Amadeus Mozart aufzutreten. Die Kompanie strandet mangels Geld und Spielerlaubnis in einem Bergdorf, in dem gerade Bergleute für bessere Arbeitsbedingungen und Bezahlung protestieren. Die Revolte inspiriert Schikaneder zu einem neuen Stück seines “Welttheaters”. Während er eifrig schreibt, entgleitet ihm die Kontrolle über sein Ensemble, das alsbald auch aus Unzufriedenheit auf die Barrikaden steigt.

1780 macht sich Emanuel Schikaneder, Chef einer Theatergruppe, auf nach Salzburg, um vor Wolfgang Amadeus Mozart aufzutreten. Marcus H. Rosenmüller inszenierte mit leichter Hand ein barockes Bühnenspektakel über Emanuel Schikaneder.

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Kritikerrezensionen

  • Was ist Realität, was ist Suggestion? Wenn Menschen Geschichten erzählen, verflechten sie wirkliche Ereignisse mit dem Faden der Vorstellungskraft. In Marcus H. Rosenmüllers Komödie „Sommer der Gaukler“ wird der Zauber des Bühnendramas beschworen, das seinem Publikum im 18. Jahrhundert Zugang zu neuen Sphären des Geistes und der Fantasie ermöglichte. Das Drehbuch von Klaus Wolfertstetter und Robert Hültner verwendet reale Zutaten wie die Person des Dramaturgen Emanuel Schikaneder, der das Libretto für Mozarts „Zauberflöte“ schrieb, für eine fiktive Posse, die ihn und seine Theatertruppe in die bayerische Provinz verschlägt. Rosenmüllers Inszenierung spielt wie ein Vexierbild mit Realität und Fiktion und dabei mit der Bereitschaft der Zuschauer, sich etwas zusammenzureimen, was im nächsten Moment wieder anders aussieht.

    Die Handlungsebene des Films ist zwar quirlig und prall gefüllt mit Wendungen und Fügungen, aber an sich noch wenig aufregend. Schikaneders Truppe gastiert im Wirtshaus eines Dorfes, träumt von der großen Kunst in Salzburg und ihre Mitglieder verzanken sich, geplagt von Eifersucht und Geldsorgen. Gleichzeitig bahnt sich im Dorf ein Aufstand der Bergarbeiter an und die Tochter des intriganten Grubenbesitzers verliebt sich in den Anführer der Bergleute. Gemäß Schikaneders Motto, dass das Theater von der Realität nicht zu trennen ist, bringt der Film die Welt der Theaterleute mit der der Dorfbewohner in einen Kontakt, der ihr aller Leben kreativ umgestaltet, inklusive der Freilichtaufführung.

    Die Theaterleute, die Reichen und die Adeligen tragen Perücken und schminken sich. Damit distanzieren sie sich auch optisch vom einfachen Volk auf dem Land, das für Kunst nach herrschender Meinung nichts übrig hat. Der Kutscher der Theatertruppe aber begeistert die Magd des Wirtshauses, wenn er im Stall Monologe aus Shakespeare-Stücken vorträgt. Die Sprache der Figuren ist altertümlich gewählt: „Erzähl er doch bitte weiter“, fordert Babette Paccoli den Gast Schikaneder auf, Details aus seinem neuen Stück mit dem Bergrebellen preiszugeben. Die Musik von Gerd Baumann ist im Stil der damaligen Zeit gehalten und unterstützt die leichte, verspielte Atmosphäre.

    Emanuel Schikaneder, gespielt von Max von Thun, ist die schillerndste Figur der Geschichte: Halb ist er ein Tausendsassa wie aus einem Mantel- und Degen-Film, halb ist er der abgehobene Künstler, der sich die Realität interpretiert, wie er sie braucht. Er wirkt manchmal ein wenig irre, meistens wie ein Hochstapler und doch offenbart er im Laufe der Handlung auch geniale Züge. Doch auch andere Rollen bieten den Darstellern in Rosenmüllers Ensemble außergewöhnliche Möglichkeiten, ihr Talent zu entfalten. Ob es nun der von Michael Kranz gespielte Kutscher ist, der mit leuchtenden Augen einen Bühnenmonolog für seine Magd improvisiert, die von Anna Maria Sturm gespielte schlagfertige Babette, der beharrlich-verliebte Wallerschenk, den Nicholas Ofczarek gibt, Lisa Maria Potthoff als Eleonore Schikaneder oder der Kabarettist Maxi Schafroth in seiner ersten Kinorolle als Vester, sie schaffen zusammen einige brillante Momente.

    In den Dialogen prallen die verschiedenen Mentalitäten aufeinander und es ergeben sich urplötzlich neue Blickwinkel. Rosenmüller bannt die Authentizität dieses Theaters virtuos auf die Leinwand, und zwar mit den flexiblen Mitteln des Films wie beweglicher Kamera und Perspektivenwechsel. Die gehobene, ausgelassene Atmosphäre, in der nichts unmöglich zu sein scheint, überträgt sich auf den Zuschauer. Auch wenn Rosenmüllers Lust am experimentellen Spiel manchmal ins Alberne überschwappt und dadurch die Spannung dämpft, überrascht der Witz von Einfällen wie, die Bergleute einen Blues singen zu lassen oder Vester, seiner Zeit weit voraus, über sein Befinden schwafeln zu lassen.

    Fazit: Ansteckende Spielfreude, brillante Momente und eine Liebeserklärung an das Theater bietet Marcus H. Rosenmüllers im Jahr 1780 angesiedelte Ensemblekomödie.
  • Zwischen Theatergeschichte, Bauerntheater und Sozialdrama folgt Marcus H. Rosenmüller den Spuren des Emanuel Schikaneder.

    Das Bayerische lässt Marcus H. Rosenmüller nicht los und so wandelt er auch mit seinem barocken Bühnenspektakel in heimatlichen Gefilden. Die turbulente Handlung basiert auf einer historischen Begegnung, das Allroundgenie Emanuel Schikaneder lernte 1780 in Salzburg Leopold Mozart und seinen Sohn Wolfgang Amadeus kennen, später schrieb er u. a. das Liberetto zu Mozarts “Zauberflöte” und übernahm in der Uraufführung sogar den Part des Papageno.

    “Sommer der Gaukler” beschäftigt sich mit der Zeit vor dem Erfolg, als Schikaneder sich mit seiner ziemlich bankrotten Theaterkompanie aufmacht, Mozart in Salzburg vorzuspielen, weil der nie zu den Vorführungen kommt. Als man dem fahrenden Volk die Einreise in die Bischofsstadt verweigert, schlagen die Leutchen ihr Lager in einem Bergdorf auf, das Geld wird knapp, Schikaneders Frau vom Schauspieler Wallerschenk umgarnt, und in den Gassen demonstrieren obendrein Bergleute für bessere Arbeitsbedingungen und Bezahlung. Für Schikaneder ist die Revolte eine Inspiration zu einem neuen Stück seines “Weltentheaters”, während er fleißig schreibt, kündigt ihm sein unzufriedenes Ensemble die Gefolgschaft auf.

    Bei der Rekonstruktion einer vergangenen Welt im Umbruch geht’s lebenslustig zu und immer wieder um die Frage nach der Bedeutung der Kunst für den Menschen. Rosenmüller mischt wie gewohnt eine Prise Ironie, eine Portion deftigen Humor und ein bisschen Ernsthaftigkeit zu einem rustikalen Potpourri, einer durchgedrehten Geschichte über soziale Konflikte, private Liebesaffären und künstlerische Freiheit. Unbekümmert wirbelt er die Genres durcheinander ohne sich um Regeln zu kümmern, springt vom Melodram über Slapstick bis hin zu einer herrlichen Musicalszene (Musik: Gerd Baumann) und wieder zurück, erzählt von Theaterhistorie und überrascht mit intelligentem Bauerntheater. Das Trio Max von Thun als dem Alkohol und dem Weibe zugeneigter Impressario, Lisa Maria Potthoff als geduldige Gattin und Nicholas Ofczarek als sie bedingungslos liebender Wallerschenk, haut bis zum Ende des stilistisch einfallsreichen Kostümmelodrams heftig auf die Pauke. Und die Aufführung der “Bernauerin” im Film hat schon ihren eigenen (Rosenmüller)Charme.

    mk.

Darsteller und Crew

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