Small World (2010)

Small World Poster
Nicht mehr im Kino.
Userwertung (1)
  1. Ø 5
Kritikerwertung (1)
  1. Ø 3.5

Filmhandlung und Hintergrund

Small World: Stargespickte und berührende Verfilmung von Martin Suters Debütroman über Kindheitserinnerungen, komplizierte Familienbeziehung und Gedächtnisverlust.

Konrad Lang war als zurückgelassenes Kind einer Angestellten Spielkamerad des gleichaltrigen Thomas aus der reichen Industriellenfamilie Senn. Nachdem beide sich in die gleiche Frau verliebten und der reiche Junge den Joker zog, trennten sich ihre Wege. Jahrzehnte später, die beiden sind über 60, leidet Konrad an Alzheimer, hat versehentlich das Feriendomizil der Senns abgefackelt und platzt ungebeten in die Hochzeitsfeier von Thomas’ Sohn. Er freundet sich mit der Braut an. Gemeinsam machen sie sich daran, ein streng gehütetes Geheimnis der Senn-Patriarchin zu lüften.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Der französische Film „Small World“ von Regisseur Bruno Chiche basiert auf dem gleichnamigen Roman des Schweizer Schriftstellers Martin Suter. Gérard Depardieu spielt den demenzkranken Konrad Lang, der mit seinen immer genaueren Erinnerungen an die Kindheit ein dunkles Geheimnis in der Industriellenfamilie Senn aufzudecken droht. Der einzige Mensch, der aus uneigennützigen Gründen seine Nähe sucht und trotz seiner wachsenden Verwirrung zu ihm hält, ist die junge Simone, die gerade in die Familie eingeheiratet hat und von Alexandra Maria Lara gespielt wird. Von diesen beiden Darstellern lebt die stilvolle Romanverfilmung, die wie das Buch zwischen Drama und Thriller pendelt.

    Chiche, der auch das Drehbuch schrieb, destillierte aus dem Roman die wesentlichen Elemente heraus. Zwar gibt es ein paar Reduzierungen in den Nebenhandlungen und deren Figuren, sowie in der Darstellung von Konrads langsamem geistigen Verfall. Aber die bedrückende Stimmung und die Last alter Familiengeheimnisse erscheinen auf der Leinwand wieder. Hinzu kommt eine visuelle Eleganz, die die Gediegenheit der reichen Senns und ihres Wohnsitzes spiegelt und die auch von Alexandra Maria Lara verkörpert wird.

    Gérard Depardieu passt insofern gut zu seiner Rolle des Demenzkranken, weil er das Kindliche, das Naive und Verspielte, so gut beherrscht. Wenn Konrad vom Dach des Krankenhauses auf die Rettungsmatte der Feuerwehr fällt und das für ein lustiges Abenteuer hält, verleiht er seiner Figur eine Unbeschwertheit, die über den Roman hinausgeht. Der Film-Konrad ist außerdem durchaus in der Lage, seinen Gedächtnisverfall zu bemerken. Er macht sogar selbstironische Scherze darüber. So kommt es, dass dieser Konrad beinahe zur fröhlichsten Person der Geschichte wird. Denn die Mitglieder der Familie Senn sind zwar finanziell sorglos, aber ein sonniges Gemüt besitzen sie nicht.

    Das weibliche Familienoberhaupt Elvira Senn, gespielt von Francoise Fabian, ist eine machtbewusste Dame, die jedem Respekt einflößt. Besonders Simone erkennt in dem wenig herzlichen Mienenspiel Elviras einen versteckten Hintergrund. Thomas Senn, der von Niels Arestrup gespielte trinkfreudige Lebemann, findet den schusseligen alten Kameraden äußerst lästig. Und sein Sohn Philippe, der von Yannick Renier gespielte Ehemann Simones, ist ein selbstverliebter Schürzenjäger.

    Simones Außenseiterdrama in dieser Familie vollzieht sich parallel zu ihrer detektivischen Forschungsarbeit mit Konrad. Kurze Rückblenden illustrieren, welche lange vergangenen Welten vor dessen innerem Auge wieder auftauchen. Nicht nur die Leser von Suters Roman werden diese gelungene kleine Verfilmung gerne sehen, sondern auch die Fans der beiden Hauptdarsteller. Insbesondere Alexandra Maria Lara wird von der Kamera umschmeichelt und erscheint als eine gereifte Darstellerin, die sich für große Frauenrollen empfiehlt.

    Fazit: Treffende Verfilmung des Romans von Martin Suter in eleganter Optik und mit den Kameralieblingen Gérard Depardieu und Alexandra Maria Lara in den Hauptrollen.
  • Star gespickte und berührende Verfilmung von Martin Suters Debüt-Roman über Kindheitserinnerungen, komplizierte Familienbeziehung und Gedächtnisverlust.

    Mit “Der Koch” schoss Martin Suter Anfang dieses Jahres ruckzuck auf Rang 1 der Spiegel-Bestsellerliste, der Schweizer Literat hat Konjunktur – auch auf der Leinwand. Mit “Small World” wird nach “Un Ami Parfait”, “Lila Lila” und “Giulias Verschwinden” zum vierten Mal ein Buch von ihm fürs Kino verfilmt.

    Das ernste Thema Demenz rutscht nie in Bedrückung ab, was zuallererst an einem wuchtig aufspielenden Gérard Depardieu zwischen kindlicher Naivität und vom Leben Gebeutelten liegt. Er ist Konrad Lang, einer der nie so ganz dazu gehörte zur Industriellenfamilie Senn. Als zurück gelassenes Kind einer Angestellten war er Spielkamerad des gleichaltrigen Thomas, nachdem beide sich in die gleiche Frau verliebten und der reiche Junge den Joker zog, trennten sich ihre Wege. Jetzt ist der Mann über 60, leidet an Alzheimer und hat versehentlich das Feriendomizil der Senns abgefackelt, platzt ungebeten in die Hochzeitsfeier von Thomas’ Sohn und schüttet der Braut Schampus übers Kleid. Beginn einer seltsamen Freundschaft zwischen der jungen Frau und dem verwirrten Alten, aber auch von ziemlich undurchsichtigen Familienverwicklungen, Lügen und Geheimnissen. Sehr genau verfolgt der Film, wie das Gegenwartsgedächtnis schwindet, Kindheitserinnerungen an Stärke gewinnen. Und genau das scheint die gestrengen Patriarchin (fabelhaft: Françoise Fabian) zu beunruhigen.

    Zwischen Krimi und Krankheit bewegt sich das bewegende Drama, in dem eine überzeugende Alexandra Maria Lara unter den Seitensprüngen ihres frisch Angetrauten leidet und mehr zufällig das komplizierte Puzzle zusammensetzt. Die Verrätselungen verlangen genaues und manchmal angestrengtes Aufpassen, damit einem die geschickt verwebten Handlungsfäden und Beziehungsgeflechte zwischen Jetzt und Vergangenheit nicht entgleiten. Suter, inzwischen das nationale Gewissen der Schweiz, knüpft im Buch ein feines Netz aus Neid, Gier und Macht, was Bruno Chiche subtil umsetzt. Manchmal erinnern die unterschwellige Spannung und die großbürgerliche Mischpoke mit ihren Intrigen an die infamen Protagonisten des unvergesslichen Claude Chabrol, nur sind Suters Helden nicht ganz so bösartig, sondern Getriebene, gespaltene Seelen. Neben dem hochkarätigen Darstellerensemble bis in die Nebenfiguren hinein beeindruckt die visuelle Gestaltung von Thomas Hardmeier, der durch unterschiedlichen Lichteinsatz die unterschiedlichen Welten gegeneinander stellt. Keine leichte Kost, bei der aber nicht nur Depardieu-Fans oder Literaturleser auf ihre Kosten kommen. Man möchte diesem zärtlichen Koloss immer weiter zuschauen. mk.

Darsteller und Crew

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