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Sin Nombre (2009)

Sin Nombre Poster
Nicht mehr im Kino.
Userwertung (1)
  1. Ø 5
Kritikerwertung (2)
  1. Ø 2.5

Filmhandlung und Hintergrund

Sin Nombre: Beeindruckendes Drama über einen jungen Mexikaner, der einem Mädchen Unschuld und vielleicht Leben rettet und damit auf die Abschussliste seiner eigenen Gang gerät.

Seiner Gang, einer lokalen Clika der berüchtigten Mara Salvatrucha, ist der 18-jährige Mexikaner El Casper treu ergeben. Doch der Tod seiner großen Liebe, für den er Gangleader Lil’ Mago verantwortlich macht, verändert alles. Bei einem Überfall auf einen Zug mit Flüchtlingen aus Mittelamerika rettet er kurz entschlossen das junge Mädchen Sayra aus Honduras, muss dafür aber seinen Anführer töten. Aus Dank und Zuneigung schließt sich Sayra El Casper an, doch die Mara folgt den Spuren der Flüchtenden mit blutiger Konsequenz.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Seit – sagen wir mal – „City of God“ sind südamerikanische Gangsterfilme, Jugendfilme, Gangfilme en vogue. „Sin Nombre“ benutzt die Standard-Versatzstücke und fügt sie zu einem Film irgendwo zwischen Gangstergewalt, Liebesdrama, Coming of Age und Sozialanklage zusammen. Und wenn man nicht schon einige dieser immer wieder ähnlichen Filme gesehen hat – „Tropa de Elite“ vielleicht oder – oh Gott! – „Border Town“, oder sagen wir „Maria voll der Gnade“ oder was weiß ich –, dann wirkt das auch dynamisch, hinter der Stilisierung ist immer noch die soziale Realität zu erkennen, Gewalt ist verbunden mit dem Gefühl der Niederlage, die Slums, in denen die Gangs herrschen, sind Brutstätten des Bösen und gleichzeitig Biotope von Gefühl und Liebe.

    Cary Fukunaga baut all dies ein in seinen Film, der zunächst zwei Parallelstränge erzählt: von Casper in der Mara-Gang, der den sehr, sehr jungen Smiley rekrutiert als Gangster-Nachwuchs. Und von Sayra, die mit ihrem Vater und ihrem Onkel aus Honduras über Guatemala nach Mexiko flieht, um von dort per illegaler Zugreise nach USA zu gelangen. In Mexiko, auf dem Dach des Zuges, treffen sich Casper und Sayra – Casper als Teil des Gangsterkommandos, das die ohnehin armen Blinden Passagiere ausrauben soll, Sayra als Beinahe-Vergewaltigungsopfer. Und Casper entscheidet sich, tötet seinen Boss und ist fort an selbst ein toter Mann. Weil ihn alle Mara-Gang-Organisationen in ganz Mexiko jagen. Und Sayra ist ihm dankbar, ja, beginnt ihn zu lieben… Während zugleich Smiley, um sich zu beweisen, auch, um die Coolness eines richtigen Gangsters zu erlangen, um nicht selbst als Verräter gekillt zu werden, der hartnäckigste Verfolger von Casper wird.

    Es ist zu fragen, ob das lange Nebeneinander der Casper- und Sayra-Erzählstränge ratsam war; ob nicht ein schnelles Zusammenfügen und dafür ein rascheres Abzweigen des Smiley-Verfolgungs-Szenarios dramaturgisch spannender gewesen wäre. So ergibt sich erst nach vielleicht einem Drittel Film das Rückgrat, das den Film aufrecht hält – die Casper-Sayra-Verbindung unter dem Damoklesschwert. Zuvor erzählt Fukunaga zwar mitreißend vom Gang-Leben, von den strengen Regeln, von den brutalen Initiationsritualen – erstens: Verprügeltwerden, zweitens: einen Feind erschießen –, die ein Zwölfjähriger (!) über sich ergehen lassen muss. Von der Unerbittlichkeit, wenn es um Gehorsam geht, von der Entschiedenheit, mit der jeder Kontakt nach außen, ins normalbürgerliche Leben verhindert oder zumindest geregelt wird. Aber das hat halt wenig zu tun mit der Atmosphäre, die der Film erhält, wenn sich eine Annäherung auf dem Zugdach ergibt, bei der Reise Richtung gelobtes Land USA.

    Da ergibt sich plötzlich eine Initimität, die von vornherein keine Zukunft hat: Weil Casper sich von seiner Gang abgewendet hat, weil er seinen Boss getötet hat, der ihm seine Liebste gekillt hat – emotional ohnehin zerrissen, ist ihm jetzt nur noch der Tod gewiss, irgendwann, irgendwo. Und Sayra ist eine Verlorene, die zwar in den USA irgendwo eine Anlaufstelle hat, eine neue Familie – für die aber dennoch alles, was über den Tag hinausgeht, völlig unsicher ist. Und die sich in jugendlicher Schwärmerei mit Casper auf jeden Fall den falschen aussucht.

    So ist Fukunagas Gangsterdrama seltsam unausgewogen. Sehenswert? Ja. Völlig befriedigend? Nein.

    Fazit: Mexiko-Gangsterdrama, das sich nicht richtig befreien kann von den Versatzstücken, die aus anderen Filmen bekannt sind; und das dramaturgisch seltsam unausgewogen wirkt.
  • Das Regiedebüt des Amerikaners Cary Joji Fukunaga ist ein Glücksgriff, eine überzeugende Mischung aus Gangdrama, Lovestory und Roadmovie.

    Seit der Uraufführung beim Sundance Film Festival ist “Sin Nombre” durch internationale Festivals getourt. Dass der Film hierzulande nicht unter dem Laser Premiere feiert, ist trotzdem keineswegs selbstverständlich, aber eine Chance für Kinofans, ihren Akku wiederaufzuladen.

    Denn “Sin Nombre” zeigt, wie auch ein Erstlingsfilm aussehen kann: handwerklich souverän, formatiert in Cinemascope, unsentimental und hart, aber doch voller Menschlichkeit. Fukunagas geradliniges Drehbuch beginnt in Mexiko, mit dem brutalen Aufnahmeritual des zwölfjährigen Smiley in die lokale Dependance der Mara Salvatrucha, der größten und gefährlichsten Gang der Welt. Hauptfigur aber wird Smileys älterer Freund El Casper (Edgar Flores) werden, denn er leistet sich in dieser Welt der Gnadenlosigkeit Gefühle, verheimlicht Gangleader Lil’ Mago, dass er ein Mädchen mehr noch als die Mara liebt. Ein Unfall, verursacht durch einen Schlag Lil’ Magos, tötet das Mädchen kurz vor der Vergewaltigung, bringt El Caspers Welt zum Einsturz. “Du findest eine andere”, resümiert der Anführer lapidar und setzt seine These beim Überfall auf einen Zug mit Flüchtlingen aus Mittel- und Südamerika selbst in die Tat um. Doch dieses Mal schreitet El Casper ein, tötet den Gangleader, bevor dieser die junge Honduranerin Sayra (Paulina Gaitlan, das entführte Mädchen in “Trade – Willkommen in Amerika”) missbrauchen kann. Der Beginn einer überraschenden Zuneigung, für die der Film keinen Namen finden muss. Aber auch der Anfang vom Ende El Caspers, nach dem jetzt der lange Arm der Mara greift. Ohne große Worte etabliert Fukunaga Kodex und Zusammenhalt der Mara, aber auch die Ausnahmestellung des Protagonisten, der seinen Wert im Schutz für eine völlig Fremde erkennen lernt.

    Kitschfrei ist diese Beziehung entwickelt, in ein authentisches Umfeld eingebettet, in denen die Flüchtlinge vom amerikanischen Paradies träumen, in denen gerade aber die Gangs, die sie hier terrorisieren, ihre Wurzeln haben. Die Mara, die unlängst durch die Ermordung des Filmemachers Christian Poveda (“Mi Vida Loca”) Schlagzeilen machte, und längst auch über Dokus hinaus Plotzugang in den US-Serienmainstream (“Nip/Tuck”) gefunden hat, wirft einen furchterregend realistischen Schatten über diese nie belehrende oder exzessiv gewalttätige, stets der Unterhaltung verpflichtete Reise durch unterschiedliche Gefühlswelten, durch Verrat, Vertrauen und die Armenhäuser Mittelamerikas. Eine stark bebilderte, auf Zugdächern erlebte Reise mit ungewöhnlichen Perspektiven und klugen Einstellungen (die aus der Unschärfe im Rücken El Caspers hervortretende Sayra), mit der sich Fukunaga dem Titel zum Trotz auf Anhieb einen Namen gemacht hat. kob.

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