Shutter Island (2010)

Shutter Island Poster
Nicht mehr im Kino.
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Filmhandlung und Hintergrund

Shutter Island: Virtuos bebilderte Verfilmung des Erfolgsromans von Dennis Lehane, mit dem sich Martin Scorsese einen lupenreinen Ausflug in die Welt des Genrekinos gönnt.

Im Jahre 1954 befindet sich vor der Küste von Massachusetts eine kleine Insel namens Shutter Island. Auf ihr befindet sich nichts anderes als eine riesige Heilanstalt für psychisch gestörte Schwerverbrecher, die fernab jeglicher Zivilisation unter Beobachtung stehen. Das Ashcliffe Hospital gilt als ausbruchsicher und wer einmal hierhergelangt, für den ist eine Flucht beinah unmöglich.

Dennoch schafft es die Patientin Rachel Solando irgendwie aus ihrer abgeschlossenen Zelle zu flüchten und ist seitdem unauffindbar. Die Verantwortlichen der Anstalt sind überfordert und rufen Verstärkung, die in Form des U.S. Marshals’ ‘Teddy' Daniels (Leonardo DiCaprio) und Chuck Aule (Mark Ruffalo) auf der Insel eintrifft. Kaum angekommen, nimmt sie die düstere und unheimliche Atmosphäre der Insel gefangen und sie spüren sofort, dass hier etwas nicht mit rechten Dingen zugeht. Die Insel und die Anstalt verbergen ein dunkles Geheimnis und die beiden Ermittler wollen es um jeden Preis aufdecken.

Am Horizont braut sich ein Hurrikan zusammen, der eine Rückkehr von der Insel unmöglich macht. So hat Teddy genug Zeit, um sich genau in der Anstalt umzuschauen. Dabei stößt er schnell auf medizinische Experimente an Menschen und traumatisierte Insassen. Er scheint dem Geheimnis der Anstalt auf den Schlichen zu sein. Doch nicht nur die Ermittlungen im Fall Solando machen ihm zu schaffen, sondern ihn plagen immer stärker werdende Kopfschmerzen sowie Erinnerungen an seine Familie und den traumatischen Erlebnisse im Zweiten Weltkrieg.

Sein Zustand verschlimmert sich immer mehr, doch er ist nicht bereit, die Ermittlungen abzubrechen sondern er will diesen Fall, komme was wolle, lösen. Die Arbeit zahlt sich aus, denn er findet heraus, dass auf der Insel noch ein weiterer Patient eingesperrt ist, dessen Behandlung jedoch vertuscht werden soll.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • „Shutter Island“ ist großes Genrekino mit erlesenen Zutaten, das die eigenen Ansprüche etwas zu sehr hochkocht und dabei besonders am Ende in hohles Tamtam abdriftet.
  • Virtuos bebilderte Verfilmung des Erfolgsromans von Dennis Lehane, mit dem sich Martin Scorsese einen lupenreinen Ausflug in die Welt des Genrekinos gönnt.

    “Shutter Island” ist ein monströser Film, eine Übung in Exzess. Weil man den Roman von “Mystic River”-Autor Dennis Lehane nicht anders verfilmen kann: ein starkes Stück Pulp Fiction, ein wild geplottetes Horrorszenario, das zahllose falsche Fährten auslegt und dabei auch schon mal derbe den Holzhammer auspackt, um den Leser von seinem gut gehüteten und doch so offensichtlichen Geheimnis abzulenken. Das verlangt nach einer entsprechenden Umsetzung. Martin Scorsese lässt sich nicht lumpen bei seiner ersten Regiearbeit seit seinem Oscar-Gewinner “Departed – Unter Feinden” aus dem Jahr 2006, die er sich nach den zuletzt schweren Themen einfach mal gegönnt hat. Von Alterswerk keine Spur. Unterstützt von getreuen Mitstreitern wie Cutterin Thelma Schoonmaker, Kameramann Robert Richardson oder Szenenbildner Dante Ferretti zelebriert der 67-Jährige mit großer Lust und noch größerem Können pures Kintopp, beschwört das expressive Gruselkino eines Val Lewton und Jacques Tourneur, verweist auf Genreklassiker wie Franjus “Augen ohne Gesicht” oder Hitchcocks “Rebecca” und genießt die Freude, bei seinem ersten puren Genrefilm seit “Kap der Angst” richtig over the top sein zu dürfen: Es ist ein Film über Wahnsinn, der sich ankündigt mit lautem Donnergrollen, peitschendem Regen und tobenden Stürmen.

    Willkommen auf Shutter Island. Eine Welt ohne Gott, an den man hier nicht mehr glauben kann: Teddy Daniels, der Held des Films, hat die Leichenberge bei der Befreiung des Arbeitslagers von Dachau gesehen, und er musste miterleben, wie seine Frau bei einem Wohnungsbrand ums Leben kam. Nun wird der U.S. Marshal, der unter unseligen Migräneattacken leidet, im Jahr 1954 nach Shutter Island geschickt, eine unwirtliche, schroffe, feindselige Insel, die schnell aufgrund eines aufziehenden Unwetters von der Außenwelt abgetrennt ist. Mit seinem neuen Partner Chuck Aule soll er im Ashecliffe Hospital, einer Anstalt für geisteskranke Schwerverbrecher, nach einer Mörderin suchen, die spurlos aus ihrer gut bewachten Zelle entkommen ist. Der Ärzteschaft um Dr. Cawley ist nicht zu trauen, spürt Daniels schnell, die Wachleute, das Personal, selbst die befragten Insassen benehmen sich auffallend, und auch der Partner macht sich verdächtig. Während er von immer wieder kehrenden Albträumen gepeinigt, in dem ihm die Toten des Arbeitslagers von Dachau, das er mitbefreite, erscheinen und seine tote Frau vor ihm in Flammen aufgeht, verstärkt sich die Isolation Daniels’, der entschlossen ist, dem Geheimnis der Insel auf die Spur zu kommen. Ihm schwant Unfassbares, und doch ist er auf dem Holzpfad. ts.
  • Mit „Shutter Island“ verfilmte Martin Scorsese den gleichnamigen Thrillerbestseller von Dennis Lehane, der ebenfalls die Vorlage zu Eastwoods „Mystic River“ (USA 2003) lieferte und dies ist mit Sicherheit nicht Scorseses beste Arbeit. Mehrfach stellte Scorsese bereits sein enormes Filmwissen unter Beweis, aber hier scheint es, als habe er einen zu großen Teil seines Wissens in seinen neuesten Film unterbringen wollen: „Shutter Island“ ist ein Genremix, beginnt als Thriller, wird dann zum Horrorfilm und endet als Psychothriller, gespickt mit Elementen aus weitern Genres wie zum Beispiel dem Film Noir und Zitaten aus zahlreichen Filmen wie „Shining“ (Kubrick, USA 1980) und „Das Schweigen der Lämmer“ (Jonathan Demme, USA 1991). Und manchmal tut Scorsese dabei zu viel des Guten. Die Musik zum Beispiel, die aber auch wirklich auf Teufel komm raus signalisieren soll, dass dieses uralte Gemäuer Ashecliffe unheimlich ist und damit beinahe eher das Gegenteil erreicht.

    Trotzdem ist „Shutter Island“ viel mehr als nur ein banaler Patchwork-Film. Zusammen mit Kameramann Robert Richardson fängt Scorsese gekonnt die klaustrophobische, irrgartenartige Atmosphäre der Insel und vor allem der Nervenheilanstalt ein und Shutter Island wird so zu einem Ort, an dem man nicht länger als unbedingt notwendig verweilen möchte. Und Drehbuchautorin Laeta Kalogridis ist vor allem sehr genau in der Figurenzeichnung des Protagonisten – einem Mann, der immer mehr befürchtet, seinen Verstand zu verlieren und bald in jedem Menschen einen Feind vermutet. Letzteres ist natürlich vor allem der Zusammenarbeit mit Leonardo DiCaprio verdanken. Auch als Teddy Daniels gelingt DiCaprio einmal mehr die hervorragende Darstellung einer zerrissenen Figur: Auf der einen Seite der äußerst intelligente, routinierte U.S. Marshal, der durchaus im Stande ist, eine Lüge als solche zu entlarven und auf der anderen Seite der durch seine Erlebnisse im Zweiten Weltkrieg und den Tod seiner Frau traumatisierten Mann, der durch seine Halluzinationen an der Wirklichkeit zu zerbrechen droht. Die innere Anspannung dieser Figur ist in jeder Sekunde sichtbar und äußert sich in Kleinigkeiten, wie zum Beispiel der Art und Weise, wie Daniels mit vollkommen angespannten, unbiegsamen Fingern eine Zigarette raucht.

    Die gesamte Besetzung allein macht Scorseses jüngstes Werk zu einem sehenswerten Film. Ben Kingsley spielt unterkühlt und gewohnt minimalistisch, weshalb Dr. Cawley das nötige Maß an Undurchsichtigkeit erhält. Auch Max von Sydow als Dr. Jeremiah Naehring ist mehr als unheimlich und wirkt während der Drehung im roten Samtsessel zur Kamera und somit zu Daniels hin wie der Antichrist persönlich. Chuck Aule, die von Marc Ruffalo verkörperte Figur ist leider mehr als Sidekick zu Daniels angelegt, was aber keinesfalls an Ruffalo liegt, der trotz seines eher begrenzten Rahmens, qualitativ den anderen in nichts nachsteht.

    Das einzige, was wirklich stört, ist die Tatsache, dass wieder einmal die Nazis als Ursache für das Trauma einer Figur herhalten müssen - da hätte sich bestimmt eine ebenso drastische, aber weniger platte Ursache finden lassen.

    Fazit: Nicht unbedingt Scorseses neuer Geniestreich, aber trotzdem ein sehenswerter Thriller, der am Ende die Frage stellt, was besser ist: Als Monster zu leben oder als guter Mann zu sterben?
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