Scherbenpark (2012)

Scherbenpark Poster
Nicht mehr im Kino.
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Kritikerwertung (1)
  1. Ø 2.5

Filmhandlung und Hintergrund

Scherbenpark: Drama nach dem gleichnamigen Roman von Alina Bronsky um eine 17-Jährige, die den Mörder ihrer Mutter töten will.

Die 17-jährige Sascha lebt in einer hässlichen Hochhaussiedlung und hat ihre ganz eigene Art, mit dem Trauma, dass ihre Mutter vom Stiefvater totgeprügelt wurde, umzugehen. So geht sie auch prompt in die Offensive, als ein Artikel in der Zeitung veröffentlicht wird, der den Mörder in ein positives Licht rückt. Wutentbrannt stellt sie den verantwortlichen Redakteur zur Rede. Als Kompensation bietet der ihr sein Haus als vorübergehende Bleibe an, worauf sich eine Dreiecksgeschichte zwischen Sascha, dem Journalisten und dessen Sohn entspinnt.

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Kritiken und Bewertungen

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    Die Mutter von Sascha wurde erschossen. Von ihrem Stiefvater, vor Saschas Augen. Nun hat das junge Mädchen nur noch einen Wunsch: Rache. Am liebsten möchte sie den Mörder selbst zur Strecke bringen, doch der sitzt im Gefängnis. Als in der Zeitung ein Bericht über ihn veröffentlicht wird, der ihn als "Mann voller Reue" darstellt, flippt Sascha aus. Wütend sucht sie den Chefredakteur auf und stellt ihn zur Rede. Rückgängig machen kann dieser den Artikel nicht. Doch er bietet Sascha Hilfe an. Und eine Zuflucht, als sie es zuhause in der Plattenbausiedlung nicht mehr aushält. Aber Flucht auf Dauer ist ganz und gar nicht Saschas Ding. Mit der Adaption des gleichnamigen Romans von Alina Bronsky ist Regisseurin Bettina Blümner und der Drehbuchautorin Katharina Kress eine ungewöhnliche Mischung aus Sozialstudie, Coming-of-age-Story und Tragikomödie gelungen. In der Hauptrolle beeindruckt Jasna Fritzi Bauer mit ihrem ausdrucksstarken und nuancenreichen Spiel. Angesiedelt in einer typischen Plattenbausiedlung vermittelt der Film eine authentische Stimmung, die sich auch glaubhaft in den hervorragend natürlichen Dialogen und dem Umgang mit den Figuren widerspiegelt. Als perfekt kontrastierende "Gegenwelt" wirkt das Zuhause des Chefredakteurs. Ulrich Noethen verkörpert ihn gewohnt präzise, als Gutmensch mit eigenen Unsicherheiten. Und Max Hegewald als Felix ist die pure jungmännliche Unschuld, die auf Saschas geballte Mädchenpower trifft. Dieses Zusammentreffen der sozialen Schichten wirkt an manchen Stellen sehr komisch, bewahrt aber immer seinen dramatischen Grundton, ohne jemals in Pathos abzugleiten. Ein starker Film über ein starkes Mädchen, mit einer Darstellerin, die man sich merken muss.

    Jurybegründung:

    Der "Scherbenpark" ist eine Hochhaussiedlung, ein sozialer Brennpunkt, wie er gerne für Sozialdramen im deutschen Film genutzt wird. Was diesen Film aber so besonders macht, ist die facettenreiche Inszenierung, pendelnd zwischen radikaler Gewalt und Gefühllosigkeit, klugem Humor und einfachen und doch zutreffenden Lebensweisheiten. Jasna Fritzi Bauer spielt ihre Sascha mit einer Wucht, Kraft und einer solchen Nuancenvielfalt, dass man als Zuschauer sofort in ihren Bann gezogen wird. Diese junge Schauspielerin überwältigt und fesselt, jeder Blick sitzt, jeder Intonierung ist stimmig. Die gesamte Inszenierung ist ebenfalls beeindruckend, vielfältig, stets überraschend und fesselnd. Selten war deutsches Kino so kraftvoll und abwechslungsreich. Und ebenso selten wird im deutschen Film ein so schwieriges, hartes Thema ernst genommen und zugleich sympathisch und positiv inszeniert.
    Abgerundet wird dieser Ausnahmefilm durch die uneingeschränkt hervorragende handwerkliche Umsetzung. Die Settings sind stimmig, die gesamte Atmo ist dicht und passend, die Kameraführung in jeder einzelnen Einstellung perfekt. Bettina Blümner hatte sich mit dem Roman "Scherbenpark" an einen schwierigen Stoff gewagt und die Herausforderung auf höchstem Niveau gemeistert.

    Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)

Kritikerrezensionen

  • Das Coming-of-Age-Drama "Scherbenpark" über eine junge russische Immigrantin basiert auf dem gleichnamigen, viel gelobten Romandebüt von Alina Bronsky. Regisseurin Bettina Blümner ("Prinzessinnenbad") inszeniert die raue Milieugeschichte realitätsnah und unaufgeregt. Die traumatisierte Hauptfigur vollzieht den inneren Spagat, trotz der schrecklichen Vergangenheit wieder nach vorne zu schauen, völlig unspektakulär und sogar mit ein wenig Humor. Diese emotionale Zurückhaltung der Inszenierung lässt den Film aber schon fast unscheinbar wirken.

    Der Mord an ihrer Mutter überschattet Saschas ganzes Leben. Ihr Hass richtet sich nicht nur auf den inhaftierten Stiefvater, sondern auf ihre ganze Umgebung. Und das nicht ganz ohne Grund: Selbst die fröhliche, zupackende Mascha bemerkt, wie die Familie seit der Bluttat von anderen russischen Immigranten im Viertel geschnitten wird. Und die rüpelhaften Jugendlichen, die Sascha fragen, warum sie nicht zu ihrem Treffpunkt "Scherbenpark" kommt, sind für die Tochter einer studierten Frau einfach zu niveaulos. Der Film betont Saschas permanente Wut, um zu verdeutlichen, wie sie sich damit unbewusst einschränkt. Erst der Besuch in dem völlig konträren Milieu von Volker und seinem Sohn öffnet ihr allmählich die Augen.

    In Volkers schön eingerichteter Villa macht die intelligente Sascha sozusagen einen Schnellkurs, was das Leben außerhalb des Problemviertels bieten kann. Aber sie erfährt, dass auch Felix und sein Vater nicht wunschlos glücklich sind. Mit dem stürmisch-kindlichen Felix Sex zu haben, ist für Sascha weniger schwer, als herauszufinden, wonach sie sich wirklich sehnt. Jasna Fritzi Bauer legt Vielsagendes in die Blicke der Jugendlichen, man erkennt darin ihr scharfes Urteilsvermögen und ihre Nachdenklichkeit. Allerdings hätte ihr Charakter auch eine lebhaftere Zeichnung vertragen können – an eine Figur wie Mia in Andrea Arnolds "Fish Tank" kommt diese Sascha nicht heran. Und Max Hegewald wirkt zu reif für die Rolle des 16-jährigen Felix, dessen unbeholfene Art er nicht glaubwürdig darstellen kann.

    Fazit: Das Coming-of-Age-Drama "Scherbenpark" nach dem gleichnamigen Roman von Alina Bronsky pflegt einen zurückgenommenen Stil, der zum Nachdenken anregt, aber keine emotionalen Höhenflüge bietet.
  • Nach der Dokumentation “Prinzessinnenbad” legt Bettina Blümner mit der Adaption von Alina Bronskys Bestseller auch dank einer überragenden Jasna Fritzi Bauer ihre Spielfilm-Reifeprüfung mit Bestnote ab.

    Bei Filmen über Randgruppen der Gesellschaft mag das breite Publikum, das unterhalten werden will, schwere Kost, tiefschürfende Dialoge und schleppendes Erzähltempo erwarten. Doch “Scherbenpark” ist anders, ganz anders – was einem bärenstarken Frauentrio zu verdanken ist: der Schriftstellerin Alina Bronsky, die mit ihrem gleichnamigen Bestseller eine wunderbare Vorlage lieferte, der Regisseurin Bettina Blümner, die die perfekten Bilder für zwei Welten wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten, fand, und der Nachwuchsschauspielerin Jasna Fritzi Bauer, die als chancenlose Außenseiterin mit Wahnsinns-Power und unbändiger Willenskraft ihrem Schicksal die Stirn bietet. Stark an “Scherbenpark” ist denn auch die Schilderung der beiden konträren Milieus. Blümner, die sich bereits mit ihrer preisgekrönten Dokumentation “Prinzessinnenbad” in einen sozialen Brennpunkt gewagt hat, zeigt mit fast schmerzhafter Authentizität den Überlebenskampf unterprivilegierter Menschen in einer heruntergekommenen Plattenbausiedlung – und mittendrin die von Bauer gespielte Sascha. Sie hat nach dem grausamen Tod ihrer Mutter eine gesunde Jetzt-erst-recht-Mentalität entwickelt und beschließt für sich, sich von nun an nichts, aber auch gar nichts mehr gefallen zu lassen. Dabei nutzt sie ihre überdurchschnittlichen rhetorischen Fähigkeiten gnadenlos aus, wenn etwa die Migrantenjungs aus dem Viertel sie mal wieder anmachen: “Tut mir leid, Igorchen. Ich kann einfach nicht mit Männern, die nicht lesen können.” Diesem sozialen Bodensatz auf der einen steht das finanziell sorglose, nur von hausgemachten Problemen berührte Leben des Journalisten Volker Trebur (Ulrich Noethen als ehrenwerter Journalist beinahe zu gut für diese Welt) auf der anderen Seite gegenüber. Weil er einen positiven Artikel über den Mörder von Saschas Mama veröffentlicht und nun ein schlechtes Gewissen hat, nimmt er das Mädchen bei sich auf, als es Hilfe benötigt. Die 17-Jährige dankt es Trebur mit lolitahaften Avancen und der prompten Entjungferung seines minderjährigen Sohnes zur Mittagszeit. Diese merkwürdige ménage à trois ist vielleicht der einzige Schwachpunkt von “Scherbenpark”, lenkt er doch zu sehr von der zwischen Drama und Komödie fein ausbalancierten Coming-of-Age-Geschichte ab, die so kraftvoll ist, dass sie den Film alleine tragen kann. Was im Übrigen auch auf Jasna Fritzi Bauer zutrifft, die verdientermaßen für diese Rolle den Max-Ophüls-Preis als beste Darstellerin gewann und von der man in Zukunft Großartiges erwarten darf. lasso.

Darsteller und Crew

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