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Sascha (2010)

Sascha Poster
Nicht mehr im Kino.
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Filmhandlung und Hintergrund

Sascha: Coming-out-Film über einen 19-Jährigen, der wegen einigen Wirrungen in seinem Leben nicht zu seiner Homosexualität stehen kann.

Der 19-jährige in Köln lebende Sascha hat es nicht leicht: Er ist schwul und noch weit von einem Coming-out entfernt. Die Schwärmerei für seinen geheimnisvollen Klavierlehrer, seine beste Freundin, die eigentlich mehr als nur Freundschaft für ihn empfindet, sein Vater, der ihn im Sinn der Familienzusammenführung gern nach Montenegro umsiedeln möchte, und seine Mutter, die in Sascha bereits den großen Pianisten sieht, machen die Sache nicht einfacher. Doch eines ist klar: Sascha muss sich endlich seinen Ängsten stellen und zu sich selbst stehen.

Der 19-jährige, in Köln lebende Sascha hat es doppelt schwer: Er stammt aus dem ehemaligen Jugoslawien, ist schwul und noch weit von einem Coming-out entfernt. Dennis Todorovics Tragikomödie ist ein gelungenes Regiedebüt.

Videos und Bilder

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Kritiken und Bewertungen

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    Auf einmal gerät für Sascha alles ins Schleudern - kurz vor der Aufnahmeprüfung zur Musikhochschule will sein Klavierlehrer aus Köln wegziehen, was nicht nur Liebeskummer, sondern auch ein nicht ganz ungefährliches Coming-Out innerhalb Saschas strenger Familie aus Ex-Jugoslawien mit sich bringt. Die mitreißende Tragikomödie changiert mit viel Humor und schönen Regieeinfällen zwischen einer emotionalen Story über das Erwachsenwerden, schwulem Liebesmelodram und multikultureller Familiengeschichte. Mit der Leichtigkeit von osteuropäischen Filmen in Anlehnung an Emir Kusturica, beschwingter Balkanmusik, sommerlicher Atmosphäre und eleganten Kamerafahrten setzt sich dieser Reigen aus vielfältigen Themen zu einem überaus unterhaltsamen Debütfilm zusammen. Ein Lob geht ebenso an die sympathischen Darsteller!

    Jurybegründung:

    Das Leben kann manchmal ganz schön kompliziert sein: Sascha ist 19, lebt als Sohn einer montenegrinischen Familie in Köln und steht kurz vor der Aufnahmeprüfung an der Musikhochschule. Seine Mutter sieht ihn schon als berühmten Pianisten und hält ihn zum Üben an. Auch seine chinesisch stämmige Nachbarin Jiao bereitet sich auf die Prüfung vor. Aber das Üben allein ist nicht das Problem. Die Liebe ist viel komplizierter. Jiao ist in Sascha verliebt und hofft, dass der es endlich bemerkt. Aber Sascha ist schwul und heimlich in seinen Klavierlehrer verliebt. Schwulsein in Köln ist an sich kein Problem, anders allerdings, wenn man aus einer Familie aus Montenegro kommt, wo Homosexualität immer noch ein Tabu und eine Schande ist. Und nun muss Sascha auch noch erfahren, dass sein Klavierlehrer aus Köln wegziehen will. Das bedeutet nicht nur Liebeskummer, sondern es wird höchste Zeit, eine Entscheidung zu treffen - eine Entscheidung, die das Leben von Sascha und seiner Familie ins Schleudern geraten lässt.

    Eine Emanzipationsgeschichte im Clash of Cultures, ein Coming-out im Prüfungsstress, Stoff genug für eine Tragikomödie, denn nur mit Humor und Ironie lassen sich Saschas Situation, aber auch die vielfältigen Hoffnungen, Erwartungen und Enttäuschungen seiner Familie und seines Umfelds bündeln. Saschas Vater, der eine Kneipe in Köln betreibt, aber innerlich noch nicht angekommen ist, die Mutter, die all ihre Hoffnungen in den Sohn legt, der Klavierlehrer, der endlich seine eigene musikalische Karriere verfolgen will, ein ganzes Ensemble von Menschen am Scheideweg. Sascha steckt mittendrin und bringt, als er sich endlich zum Handeln durchringt, das Leben aller gehörig durcheinander, aber alle schließlich auch einen Schritt weiter in ihrer Selbstverwirklichung.

    Man merkt, dass dem Regisseur das Milieu vertraut ist und dass er es trotz aller Kritik liebevoll betrachtet. Die Charaktere sind glaubhaft, detailgenau gezeichnet und gut getroffen. Geschickt changiert der Film zwischen Migrationsmilieu, Künstler- und Schwulenszene und schafft es, eine emotionale Geschichte über das Erwachsenwerden, schwules Melodram und multikulturellen Familiengeschichte miteinander zu verbinden. Die Verwendung der verschiedenen Sprachen und Musikstile trägt zum besonderen Reiz bei. Der Zusammenprall der unterschiedlichen Kulturen und die daraus entstehenden Dramen und Konflikte werden gut entwickelt und mit schönen Regieeinfällen zugespitzt und aufgelöst, ohne dass eine der handelnden Personen dabei denunziert wird oder ernsthaft Schaden nimmt. Hierin liegt auch eine große Leistung der Schauspieler. Selbst in der Tragik behält jeder seine Würde und die Härte der Konflikte wird durch Ironie und Situationskomik gebrochen. Auch die sommerliche Atmosphäre, die in schönen Bildern und eleganten Kamerafahrten gut eingefangen wird, trägt zur Leichtigkeit bei.

    Insgesamt ist der Film konventionell erzählt. In einigen Passsagen wird die Handlung hauptsächlich von der Musik vorangetrieben. Doch einige spielerische Längen in der Darstellung (wie bei der Heimkehr aus dem Sommerurlaub in Montenegro zu Beginn des Films oder bei der endgültigen Konfliktlösung) können den insgesamt sehr positiven Gesamteindruck nicht beeinträchtigen.

    Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)

Kritikerrezensionen

  • Das im Kölner Multi-Kulti-Milieu angesiedelte tragikomische Coming-Out-Melo um einen 19-Jährigen im emotionalen Schleudergang hat Klasse.

    “Ich bin schwul”, sind nur drei Worte, aber die schwersten und folgereichsten, die der 19-jährige Sascha (Sascha Kekez) aussprechen muss, so dass er sich mutlos davor drückt. Er hat auch allen Grund: Im homophoben Kulturkreis seiner montenegrinischen Sippe sind solche Bekenntnisse lebensgefährlich. Also lebt der sensible Junge die Lüge und leidet. Was seine Identitätsfrage geradewegs potenziert. Als die Familie nach einem dreiwöchigen Heimaturlaub nach Köln zurückkehrt, wo der Vater eine Kneipe betreibt, wird Sascha vom angekündigten Fortzug seines Klavierlehrers Gebhard (nach “Mondscheintarif” wieder im Kino: Tim Bergmann), in den er heimlich verliebt ist, schwer geschockt. Mit derartigem Liebeskummer steht die Aufnahmeprüfung am Konservatorium für den jungen Pianisten unter keinem guten Stern.

    Dabei setzt seine ehrgeizig-überspannte Mutter Stanka alle Hoffnungen auf die Künstlerkarriere, während Macho-Vater Vlado, der innerlich noch nicht in Deutschland angekommen ist, ihn sich lieber als Sport-As wünscht. So stehen alle Jugendlichen unter dem hohen Erwartungsdruck der Elterngeneration, während ihre Hormone im Schleudergang sind: Saschas beste Freundin, die chinesischstämmige Jiao, ist unglücklich in ihn verliebt, sein Bruder Boki wiederum in Jiao. Bald gibt es gebrochene Herzen, wohin man nur blickt. Debütant Dennis Todorovic begutachtet amüsiert die Wirren, die sich aus diesen Spannungsfeldern ergeben. Die enge Sexualmoral der Immigranten wird zwangs-liberalisiert, was nicht ohne Kultur-Schock abläuft.

    Selten gab es eine traurigere Komödie als Todorovics fabelhaften Erstling, mit der er Familie, Erwachsenwerden, Homosexualität, Integration und Identität spielerisch unter einen Hut bringt. Das gelingt mit beschwingter Leichtigkeit, ohne damit ernste Themen und die Figuren in all ihrer Tragik zu verraten. Im Gegenteil: Dank präziser Milieuzeichnung, glaubhaften Charakteren und einem starken Newcomer-Ensemble leidet man mit allen mit – und das nicht zu knapp. Es ist eine Reifeprüfung, bei der viele Träume platzen. Sie löst Erschütterungen aus, die bis ins Innerste reichen, Umwälzungen anstoßen und endlich Klarheit schaffen. Daraus schlägt Todorovic unzählige Pointen, die zwar satirisch, aber sympathisch sitzen und neben Karikaturen von typischen Deutschen auch Vlados unterzivilisierten Bruder Pero als Höhlenmenschen zum Besten geben. Dazu gesellt sich nuancierter Romcom-Humor sowie schmissiger Balkan-Pop, der für einen folkloristischen Kusturica-Touch sorgt und eine auch handwerklich ganz hervorragende Tragikomödie hervorbringt, die einen Parforceritt im Culture-Crossing hinlegt. tk.

Darsteller und Crew

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