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Oscar-Preisträgerin Brie Larson und ihre Fesseln - Interview mit der "Raum"-Darstellerin

Brie Larson ist mittlerweile eine der heißesten Aktien Hollywoods. Das wichtigste Tool in ihrem Werkzeugkoffer: Neugier.

(Das Interview erscheint exklusiv im The Red Bulletin Magazin.)

Wir haben ­erlebt, wie sie sich in „21 Jump Street“ in Jonah Hill verliebte, dank „Raum“ wissen wir, dass Brie Larson mittlerweile auch Oscar-würdig ist, und in diesem Interview lernen wir die 26-jährige Schauspielerin als originelle Denkerin kennen.

The Red Bulletin: In „Raum“ spielen Sie eine junge Frau, die sieben Jahre lang gefangen gehalten wurde. Gibt es denn Momente in der Realität, wo Sie das Gefühl haben: Ich habe keine Kontrolle über mein Leben?

Brie Larson: Wann haben wir schon über alles Kontrolle? Ganz selten. Diese Lektion lernte ich, als ich vor ein paar Jahren in Indien drehte. Da gibt es keine Adressen. Du fährst zwei Stunden im Kreis, um ein Haus zu finden, das nur ums Eck liegt. Da kommst du an den Punkt, wo du in die Knie gehst. Und du kannst dich entscheiden: Lache ich oder weine ich? Und ich fand raus, dass ich mich beim Lachen wieder wie ich selbst fühle.

Fühlen Sie sich frei?

Die meiste Zeit schon, aber wir alle sind mit Fesseln auf die Welt gekommen. Das heißt: Wir werden auf eine ­bestimmte Weise erzogen, wir leben in ­einer bestimmten Gemeinschaft in einem bestimmten Teil der Welt. Aber dank unserer Neugier können wir uns da immer weiter herauswagen und diese Beschränkungen abwerfen. Ich wäre nicht auf diesem Lebensweg gelandet, und ich hätte keine solche Karriere erlebt, wenn ich diese Neugier nicht hätte.

Können Sie ein Beispiel nennen, wie Sie solche Fesseln abgeworfen haben?

Ich lese ständig Autoren und Denker, die mich inspirieren. Es gibt auch eine tolle Website namens brainpickings.org, die jeden Tag Auszüge aus den Werken verschiedener Künstler veröffentlicht. Auch liebe ich das Reisen. In Indien bewegen sich die Leute zum Beispiel in einem ganz anderen Tempo. Du musst also deine ganzen Gewohnheiten abstreifen und dich auf das einlassen, was gerade im Moment geschieht. Auf diese Weise nimmst du die Schönheit eines einzelnen Augenblicks ganz anders wahr – das hatte ich in meinem Leben in den USA total vermisst.

Sie genießen es also, solche Grenzen zu überwinden?

Es macht mir schon auch mal Angst. Manchmal wünsche ich mir, ich wäre zu Hause bei meinen Eltern und müsste bloß in die Schule gehen. Das Leben wäre so viel einfacher.

Im Innersten sehnen Sie sich also nach der Einfachheit Ihrer Kindheit?

Das nicht. Wenn du älter wirst, dann empfindest du Trauer und Verlust viel stärker denn als Kind. Aber gleichzeitig ­haben auch die Gefühle von Liebe und Glück viel mehr ­Tiefe. Diese Phänomene sind eben Segen und Fluch des Erwachsenwerdens. Deshalb ist es auch so hart, aber auch so aufregend, ein Mensch zu sein. Jeden Tag müssen wir uns entscheiden, aktiv am ­Leben teilzunehmen.

Und warum sollten wir das?

Wenn du in der Früh aufwachst und etwas aus deinem Leben machen kannst, dann ist das einfach unglaublich. Nicht viele Lebewesen haben diese Option. Mein Hund stupst mich in der Früh ins Gesicht und bellt, weil er sein Essen haben will. Und mittags will er Gassi gehen. Aber wir Menschen können aufwachen, wenn wir wollen, wir können Auto fahren und die Welt bereisen. Wir haben so viele Möglichkeiten. Das ist einerseits eine große Belastung, aber gleichzeitig ist das enorm befreiend.

Sie haben für „Raum“ sehr viele Auszeichnungen bekommen. Ist das belastend oder befreiend?

Das ist nicht die Frage. Die Preise waren nicht das Entscheidende bei diesem Film. Es geht hier nicht um mich. Wichtig waren die Begegnungen mit Menschen, die mir „Raum“ermöglicht hat. Wenn du dich mit anderen Leuten über Themen wie Kunst unterhältst, lernst du so viel Neues über dich und das Leben. Jeder hat eine persönliche Sichtweise dazu, und diese Erkenntnisse verändern dich grundlegend.

Weitere Stories findet ihr in der aktuellen Ausgabe des „The Red Bulletin“ und auf www.redbulletin.com. Der Oscar-prämierte Film “Raum” mit Brie Larson erscheint am 17. März 2016 im Kino. Den Trailer zum Film findet ihr hier unten.

Text: Rüdiger Sturm

Foto: Matt Irwin/Trunk Archive

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