Precious - Das Leben ist kostbar (2008)

Originaltitel: Precious: Based on the Novel Push by Sapphire
Precious - Das Leben ist kostbar Poster
Nicht mehr im Kino.
Userwertung (1)
  1. Ø 5
Kritikerwertung (2)
  1. Ø 4.5

Filmhandlung und Hintergrund

Precious - Das Leben ist kostbar: Hoch emotionale Verfilmung des gefeierten Romans "Push" von Sapphire, in der sich eine 200 Kilo schwere Teenagerin gegen alle Widrigkeiten durchsetzen kann.

Harlem, 1987. Precious ist eine 200 Kilo schwere Teenagerin, die vom Leben arg gebeutelt wird. Vom Vater vergewaltigt, von der Mutter misshandelt, flüchtet sich die 16-Jährige in Tagträume die ein besseres Leben verheißen. Das ist allerdings weit entfernt. Obwohl schon in der neunten Klasse, kann das Mädchen weder lesen noch schreiben. Als Precious von der Schule zu fliegen droht, schließt sie sich einem alternativen Lehrprogramm an und stößt auf eine verständnisvolle Lehrerin. Die entdeckt das kreative Potenzial ihrer Schülerin.

Videos und Bilder

Auf DVD & Blu-ray (3)

Kritiken und Bewertungen

So werten die User Ø
(1)
5
 
1 Stimme
4
 
0 Stimmen
3
 
0 Stimmen
2
 
0 Stimmen
1
 
0 Stimmen
So werten die Kritiker (2 Stimmen)
5
 
1 Stimme
4
 
0 Stimmen
3
 
0 Stimmen
2
 
0 Stimmen
1
 
0 Stimmen

Wie wertest Du? Klicke auf einen der Sterne:

Kritikerrezensionen

  • „Precious“ von Regisseur Lee Daniels hat als Gewinnerfilm des Sundance Film Festivals 2009 weltweit Aufmerksamkeit erregt und auf zahlreichen weiteren Festivals Preise erhalten. Im Januar 2010 bekam Mo’Nique einen Golden Globe als beste Nebendarstellerin für ihre Rolle der Mutter und inzwischen auch den Oscar in der gleichen Kategorie. Das drastische Sozialdrama eines in mehrfacher Hinsicht benachteiligten Mädchens bietet einen seltenen Blick auf die Realität, die sich hinter dem Begriff des Aufwachsens unter erschwerten Bedingungen verbergen kann.

    Dem Mädchen Precious begegnet im Alltag nichts als Menschenverachtung. Die stark übergewichtige schwarze Sechzehnjährige wird von ihrer Mutter mit Gegenständen beworfen, beschimpft und bedrängt, statt zur Schule zum Sozialamt zu gehen, um Geld zu holen. In der Schule sitzt das stumme Mädchen in der hintersten Bank und schwärmt heimlich für den Mathelehrer. Die Direktorin, die Precious zuhause besuchen will, wird von der Mutter nicht hereingelassen. Also nennt sie Precious die Adresse einer alternativen Schule über die Sprechanlage. Obwohl die Mutter ausrastet, geht Precious am nächsten Tag zu der Bildungseinrichtung „Each One/Teach One“. In der kleinen Klasse von Ms. Rain erfährt sie zum ersten Mal Aufmerksamkeit.

    Die Newcomerin Gabourey Sidibe spielt die in sich gekehrte Precious mit einer stillen, unbeirrbaren Würde, wie ein Fels in der Brandung. Ihre einsilbige, abweisende Art könnte leicht als Desinteresse zum Beispiel für schulische Belange interpretiert werden. Doch dahinter verstecken sich Komplexe und Scham, worüber auch ihre Erklärungen im Off Aufschluss geben. In aller Unschuld setzt Precious trotz allem, was sie erduldet, jeden Tag ihren Weg fort, getragen von einer neugierigen Sehnsucht nach dem Leben.

    Der Film basiert auf dem Roman „Push“ von Sapphire. Die Schriftstellerin war selbst viele Jahre Lehrerin an einer Förderschule in New York und wollte in der Figur Precious ihre Schülerinnen würdigen, die sich trotz widrigster familiärer Verhältnisse als wissbegierig und lernfähig erwiesen. Die Wucht der Geschichte rechtfertigt auch die idealtypische Darstellung des Opfers als unglaublich gut und stark.

    Regisseur Lee Daniels hat die schockierende Erzählung mit schönen Tagträumen von Precious aufgelockert, sowie mit positiven Erlebnissen. Lenny Kravitz spielt zum Beispiel einen Krankenpfleger, der sich nach der Geburt ihres Kindes mit ihr anfreundet. Mo’Nique spielt die schreckliche Mutter als durch und durch selbstsüchtige Frau, die die eigene Verwahrlosung an ihrer Tochter abreagiert. Doch trotz aller Negativität ihrer Figur lässt sie durchscheinen, wie sich soziale Ausgrenzung fortpflanzt, dass die Mutter nicht nur eine x-beliebige durchgeknallte Täterin ist, sondern eine Schwarze mit einem lädierten Selbstwertgefühl.

    Fazit: Drastisches Sozialdrama über eine schwarze Jugendliche, die sich aus widrigsten Lebensumständen emanzipiert.
  • Zweifach Oscar-prämiertes schmerzhaft realistisches Sozialdrama von Lee Daniels, in dem es mit Gabourey Sidibe als Titelheldin eine sensationelle Newcomerin zu feiern gilt.

    “Precious”, was sich (auch) mit “geschätzt” übersetzen lässt, wird Claireece “Precious” Jones nicht – ihre Umwelt verachtet sie zutiefst. Der Teenager ist extrem übergewichtig, verschlossen und hat keine Freunde. Sie kleidet sich nachlässig, redet kaum. Ihr Leben im Harlem des Jahre 1987 ist die Hölle, zum zweiten Mal hat der eigene Vater sie bereits geschwängert. Die Mutter sitzt tagein tagaus auf dem Sofa, schaut fern, behandelt die Tochter wie einen Dienstboten und prügelt sie windelweich. In der Schule lümmelt sie teilnahmslos in der letzten Reihe, die neunte Klasse besucht sie, doch sie kann weder lesen noch schreiben.

    “Precious – Das Leben ist kostbar” besticht als raues, schonungsloses, hartes und doch optimistisches Sozialdrama, trifft einen wie ein Schlag in die Magengrube. Hier bekommt man es mit einer der überzeugendsten US-Produktionen aus dem Jahr 2009 zu tun, Dutzende Preise sind der verdiente Lohn. Lee Daniels (“Shadowboxer“) zeichnet als Regisseur verantwortlich, den Roman “Push” von Sapphire hat er adaptiert und dafür einen Oscar bekommen, als ausführende Produzentin war die einflussreiche TV-Moderatorin Oprah Winfrey – sie wurde als Kind sexuell missbraucht und mit 13 Jahren ungewollt schwanger – maßgeblich am Zustandekommen des Projekts beteiligt.

    Der “Push”, der Stoß, der Ruck, setzt die Handlung in Gang. Precious selbst gibt ihn sich. Äußerlich vielleicht unansehnlich, besitzt sie ein reiches Seelenleben, kann träumen und hoffen. Als sie von der Schule zu fliegen droht, schließt sie sich einem alternativen Lehrprogramm an. Each One/Teach One heißt dieses und ihre neue Lehrerin Ms. Rain (verständnisvolle Augenweide: Paula Patton). Die entdeckt bald das kreative Potenzial in ihrer Schülerin, ermutigt sie Tagebuch zu schreiben.

    Wer nun glaubt, dass der Film an diesem Punkt zur typischen sacharinsüßen Hollywood-Aschenputtel-Mär mutiert, aus dem hässlichen Entlein ein strahlender Schwan wird, sieht sich getäuscht. Daniels baut bedingungslos auf Realität und realistische Figurenzeichnungen, verzichtet bei seiner Inszenierung auf jegliche Mätzchen – was nicht heißt, dass er konventionell erzählt. Vielmehr verwebt er Rückblenden, Erinnerungen, innere Monologe und Traumszenen gekonnt miteinander, baut humoristische Momente mit ein, meidet im Soundtrack Schmalz und Kitsch, setzt auf dynamische, kraftvolle Songs.

    Der größte “Effekt”, der genialste Coup bleibt aber Gabourey Sidibe als gebeutelte (Anti-)Heldin, die hier erstmals auf der Leinwand zu sehen ist und ihre Rolle auslebt – dumpf nach außen, trotzig, den Kopf demütig gesenkt, schwerfällig im Gang und doch tief im Inneren kämpferisch und hoffnungsfroh. Oscar-nominiert ist sie, genauso wie die populäre Komikerin Mo’Nique, die ihre gewalttätige Mutter spielt und den Preis auch tatsächlich in Empfang nehmen durfte. Als Klasse für sich erweist sich, höchst überraschend auch kaum zu erkennen, Skandal-Pop-Star Mariah Carey als Sozialarbeiterin, während Rockmusiker Lenny Kravitz als schmucker Krankenpfleger für die Wohlfühl-Vibes zuständig ist. A-Klasse-Kino mit variierter Obama-Botschaft: “Yes, she can!”. geh.

Darsteller und Crew

News und Stories

Kommentare