Poll (2010)

Poll Poster
Nicht mehr im Kino.
Userwertung (0)
  1. Ø 0
Kritikerwertung (1)
  1. Ø 1.5

Filmhandlung und Hintergrund

Poll: Episches Drama in imposanten Kinobildern, das ausgehend von der Jugend der Schriftstellerin Oda Schäfer Coming-of-Age-Drama und Historiengemälde kombiniert. Subtil, drastisch und manchmal grotesk.

Die junge Deutsche Oda kommt zu ihrem Vater auf sein abgelegenes, ins Meer auf Stelzen gebautes Gut an der estnischen Küste. Sie teilt mit ihm das morbide Interesse für Anatomie. Die blutige Jagd der zaristischen Armee auf estnische Anarchisten wird direkt vor ihrer Haustüre ausgetragen. Als Oda einen verletzten Anarchisten entdeckt, lässt er sich widerwillig von ihr helfen und auf dem Dachstuhl verstecken. Allmählich freunden sich die beiden an.

Junge Deutsche versteckt im Haus ihres Vater an der estnischen Küste einen Anarchisten vor der zaristischen Armee. Ungewöhnliche Coming-of-Age-Geschichte vor opulentem Historiengemälde von Chris Kraus (“Vier Minuten”).

Videos und Bilder

Auf DVD & Blu-ray (1)

Kritiken und Bewertungen

So werten die User (0)
5
 
0 Stimmen
4
 
0 Stimmen
3
 
0 Stimmen
2
 
0 Stimmen
1
 
0 Stimmen
So werten die Kritiker (1 Stimmen)
5
 
0 Stimmen
4
 
0 Stimmen
3
 
0 Stimmen
2
 
1 Stimme
1
 
0 Stimmen

Wie wertest Du? Klicke auf einen der Sterne:

Kritikerrezensionen

  • "Poll", der neue Film von Chris Kraus, wurde weitgehende mit dem selben Team wie sein überwältigender Erfolg "Vier Minuten" (2006) gedreht, frei erzählt nach der wahren Geschichte einer Verwandten von ihm, der Lyrikerin Oda Schaefer.

    Oda kommt als 14jährige im Jahr 1914 nach Estland, zusammen mit dem Sarg ihrer Mutter: das ist natürlich ein doppelter Schock, der des Verlustes und der der Ankunft in einer ganz fremden Kultur, mit ganz fremden Menschen. Estland 1914: das ist ein multikultureller Raum, in dem Deutsche und Russen und Esten nebeneinandersitzen; wobei die Deutschen zarentreu sind und gute Dienste tun, indem sie die Esten, das eingesessene Volk, kräftig als eine Art Kolonialmacht unterdrücken. Und die russischen Soldaten bringen die Macht mit hinein, die Gewalt von oben, die Unterdrückung jeder rebellischen Bewegung.

    Odas Vater ist so ein deutscher Baron, er residiert in einer herrschaftlichen Villa, die ins Meer gebaut ist. Und er ist ein wunderlicher Kauz: Als geschasster Professor betreibt er in seinem Privatlaboratorium anatomische Studien an den Leichen estischer Anarchisten, die von den Russen erschossen und an ihn verkauft wurden. Das ist die Grundlage, auf der sich der dramaturgische Konflikt aufbaut: Oda findet nämlich einen verletzten Anarchisten, versteckt ihn, pflegt ihn, lernt von ihm die Grundzüge literarischen Erzählens, will ihm bei der Flucht helfen und von ihm mitgenommen werden.

    Mehr geschieht nicht. 133 Minuten lang. Viel zu lang. Denn dieser Konflikt zwischen der Herrschaftswelt des Vaters und der Romantik eines versteckten Rebellen ist viel zu dünn, es passiert wenig, das reine Coming-of-Age-Historien-Familiendrama rechtfertigt die mehr als zwei Stunden Filmzeit nicht. Denn richtige Spannung kommt nicht auf: Nie ist Oda mit ihrem Geheimnis in Gefahr, entdeckt zu werden. Lange weiß man ohnehin gar nicht, worum es eigentlich geht; und als sich dann diese leise, kleine Story herausschält, fragt man sich, ob das schon alles ist. Es ist.

    Man hätte aus dem Material viel mehr machen können; hätte mehr Suspense - die über emotionale Entfremdungen hinausgeht - einbauen können, hätte aus den einquartierten russischen Soldaten mehr machen können als reine Staffage, hätte vielleicht gar ein scharfes, pointiertes Zeitbild des Estland in den Tagen vor dem Ersten Weltkrieg zeichnen können – die vielfältigen politischen, gegnerischen, revolutionären Spannungen aus dieser Konstellation entfalten sich nie. Wenn einmal einer zum Baron sagt, nicht die Anarchisten, sondern Leute wie er seien der Grund für die kommende Revolution, bleibt das Behauptung. Der Film ergeht sich in einem Familiendrama, Politik und Historie laufen nebenher. Man hätte von Kraus, der mit "Vier Minuten" großes Erzählkino geschaffen hat, erwarten können, dass er sein Drehbuch etwas öfter überarbeitet, etwas mehr kürzt. Immerhin sieht der Film gut aus; aber Ausstattung und Kamera tragen auch nicht über zwei Stunden.

    Fazit: Vor spannendem Hintergrund – Estland am Vorabend des Ersten Weltkriegs – entfaltet sich ein Drama von gepflegter Langeweile.
  • In imposanten Bildern, wie man sie im deutschen Kino viel zu selten zu sehen bekommt, erzählt Chris Kraus eine ungewöhnliche Coming-of-Age- und Freundschafts-Geschichte – eingebettet in ein opulentes Historiengemälde im Vorfeld des Ersten Weltkriegs.

    Die Inspiration dazu lieferte dem für “Vier Minuten” vielfach prämierten Regisseur und Drehbuchautor eine Verwandte. Die spätere Schriftstellerin Oda Schäfer hat einen Teil ihrer Jugend auf dem titelgebenden, estnischen Gut Poll verbracht, wo im Sommer 1914 quasi vor der Türe zaristische Truppen estnische Anarchisten jagen. Im Film stattet Oda (gespielt von Neuentdeckung Paula Beer) ihrem dort lebenden Vater (Edgar Selge in einem seiner zu seltenen Kinoauftritte) einen Besuch ab. Mit ihm teilt sie das Interesse für Anatomie. Über seinem Labor auf dem Dachstuhl versteckt sie einen verletzten estnischen Freiheitskämpfer (noch ein neues Gesicht: Tambet Tuisk) und setzt damit ihr Leben und das ihrer Familie aufs Spiel. Seine Mitstreiter wurden von den in der Nähe stationierten Kosaken getötet und deren Gehirne von ihrem Vater konserviert. Das frühreife, kecke und kluge Mädel und der Kämpfer, der sich Schnaps nennt, freunden sich an, lernen voneinander, lachen auch miteinander. Währenddessen läuft das großbürgerliche Leben mit Dinner- und Picknickgesellschaften weiter, hat des Vaters neue Frau (Jeannette Hain) eine Affäre mit dem Gutsverwalter (Richy Müller). Alles steuert unweigerlich auf eine Tragödie zu.

    Das auf Stelzen ins Meer gebaute, verwitterte, hochherrschaftliche Holz-Gebäude ist nicht nur perfektes Symbol für den bevorstehenden Krieg , sondern auch ein Beispiel für das eindrucksvolle Produktionsdesign und ebensolche Kameraarbeit . Die Kamera von Daniela Knapp fängt die nordischen Lichtstimmungen ein, das Licht-und Schattenspiel, wenn eine Gruppe berittener Kosaken durch die Wälder galoppiert. Solche herausragenden Bilder sieht man nur ganz selten im deutschen Kino. Während bei den Landschaften Blau, Grau, Grün dominieren, sind es wärmere Farbtöne bei den auch räumlich begrenzten Bilder der Intimität zwischen den zwei jungen Protagonisten auf dem Dachstuhl. Die Darsteller (jung und alt) passen perfekt in ihre Rollen und sehen auch so aus, als hätten sie vor 100 Jahren gelebt. Der klassische Score betont das Epische, auch Symbolhafte der Bilder, setzt auf Pathos, während der Ton der Erzählung zwischen subtil und zart und drastisch, bisweilen auch grotesk und morbid changiert. Eine Mischung, die fasziniert und polarisiert. hai.

Darsteller und Crew

News und Stories

  • Fakten und Hintergründe zum Film "Poll"

    Mehr zum Film? Wir haben die wichtigsten Hintergründe und Fakten für Dich gesammelt: detaillierte Inhaltsangaben, Wissenswertes über die Entstehung des Films, ausführliche Produktionsnotizen. Klick rein!

  • Piffl Medien: Drama "Poll" und weitere DVDs im September

    Piffl Medien hat für den September seine DVD-Neuheiten angekündigt. Dazu gehört das historische Drama “Poll” von Chris Kraus. Der Regisseur von “Vier Minuten” inszeniert die Geschichte über eine Familie auf dem Gut Poll in Estland während des ersten Weltkriegs. In den Hauptrollen sind Paula Beer, Edgar Selge, Tambet Tuisk und Richy Müller zu sehen. Die DVD erscheint 9. September im Handel und bietet als Bonusmaterial...

  • Deutscher Filmpreis für "Vincent will Meer"

    Die 61. Verleihung des Deutschen Filmpreises fand am 8. April 2011 im Rahmen einer Galaveranstaltung im Berliner Friedrichstadtpalast statt. Als Favorit ging Tom Tykwers “Drei” mit sechs Nominierungen um eine Lola ins Rennen und gewann schließlich drei Auszeichnungen für die Beste Regie, Beste weibliche Hauptrolle und Bester Schnitt. Als Bester Film erhielt jedoch die Tragikomödie “Vincent will Meer” von Ralf Huettner...

  • "Vincent will meer" - und bekommt zwei Lolas

    Florian David Fitz und sein "vincent will meer" sind die großen Gewinner bei den Lolas 2011. Bester Regisseur ist Tom Tykwer mit "Drei".

Kommentare

Liebe Nutzer, wir überarbeiten unser Kommentarsystem um es in Zukunft noch nutzerfreundlicher und weiter zugänglich zu machen. Bitte habt noch etwas Geduld mit uns, wir werden es euch dann bald an dieser Stelle zur Verfügung stellen.