Phoenix (2014)

Phoenix Poster
Userwertung (3)
  1. Ø 4.3
Kritikerwertung (3)
  1. Ø 4

Filmhandlung und Hintergrund

Phoenix: Drama um eine Frau, die nach dem Krieg ihr altes Leben und einstige Liebe zurück will.

Der Krieg ist vorbei, die Truppen ziehen ab, doch das Trauma bleibt. Nelly (Nina Hoss) hat schwer verletzt und mit einem entstellten Gesicht Auschwitz überlebt. Um nach diesen traumatischen Erlebnissen dennoch wieder Fuß zu fassen und irgendwie wieder einen Weg in das normale Leben zu finden, wird sie von ihrer Freundin Lene (Nina Kunzendorf), die sie noch aus den glücklichen Tagen vor dem Krieg kennt und die jetzt Mitarbeiterin der Jewish Agency ist, in ihre alte Heimatstadt Berlin gebracht.

Kaum ist sie in Berlin angekommen, unterzieht sie sich einer Gesichtsoperation, um wieder am Leben teilzunehmen und sich selbst in ihrem Körper wohler zu fühlen. Auch wenn ihr ihre Freundin Lene davon abrät, so macht sie sich dennoch auf die Suche nach ihrem Mann Johnny (Ronald Zehrfeld). Er hatte es lange geschafft, sie durch das Festhalten an ihrer Ehe vor der Verfolgung der Nazis zu schützen, doch irgendwann gab es einfach kein Entrinnen mehr und sie wurde deportiert.

Nelly findet schlussendlich ihren Mann, doch der geht fest davon aus, dass seine Frau Auschwitz nicht überlebt hat und erkennt sie einfach nicht wieder. Doch auch wenn die Optik nicht mehr dieselbe ist, so erkennt Johnny dennoch etwas in Nelly, was ihn an seine Frau erinnert.

Doch er macht aus der Not eine Tugend und unterbreitet Nelly den Plan, dass sie sich als seine Ehefrau ausgeben könne, damit sie an das Erbe, das die im Holocaust ermordete Familie Nellys hinterlassen hat, herankommen. Sie junge Frau lässt sich auf diese Idee ein, doch schnell verzweifelt sie daran, ihre eigene Doppelgängerin zu spielen.

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Kritiken und Bewertungen

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    Nelly hat den Krieg überlebt. Gerade so, mit einem fastzerstörten Gesicht. Ihre Freundin Lene holt sie 1945 aus dem Konzentrationslager zurück nach Berlin und bringt sie in ein Krankenhaus. Dort wird sie von einem Arzt, so gut es geht, "rekonstruiert". Kaum genesen, macht sich Nelly auf die Suche nach Johnny, ihrem Ehemann - gegen den Rat Lenes, die überzeugt davon ist, dass Johnny Nelly damals an die Nazis verraten hat. Doch Nelly will daran nicht glauben, zu stark klammert sie sich an die Hoffnung auf eine unendliche Liebe. Als Johnny sie bittet, die Rolle seiner Frau zu "spielen", um alle anderen von ihrer Unversehrtheit zu überzeugen, willigt Nelly ein. Und lernt sich selbst neu kennen. Dass ein Mensch, nach den Erfahrungen des Lagers und durch ein neues Gesicht seiner visuellen Identität beraubt, in das alte Leben zurückkehrt und vorgeben muss, ein anderer zu sein, ist schon als Ausgangssituation unglaublich komplex. In fast atemloser Spannung verfolgt der Zuschauer Nellys Geschichte, die mit dem Ende des Kriegs in ganz neuer Form eine Fortsetzung findet. DieLeistung von Nina Hoss in der Titelrolle ist schlicht umwerfend: Die Auferstehung Nellys und ihr verzweifelter Kampf um ihr altes Leben verkörpert sie in unzähligen Facetten der Mimik, Gestik und der physischen Präsenz. Glaubhaft vermittelt sie dabei die Liebe zu Johnny, den Ronald Zehrfeld mitgewohnt gekonnter Ambivalenz verkörpert, als Fixpunkt in ihrem Leben, an den sie sich in blinder Hoffnung klammert. Die Dialoge sind knapp, die Musik sparsam eingesetzt. Und doch ist kein Wort zu wenig, keine Szene zu ruhig. Kammerspielartig erzählt Petzold von Nelly und wie sie sich Stück für Stück neu zusammensetzt. Das musikalische Leitmotiv "Speak Low" von Kurt Weill gibt die beherrschende Stimmung vor, die sich auch in den klaren, sorgsam durchkomponierten Bildern vermittelt. Ein sanftes Beben und eine brodelnde Unruhe der Gefühle in einer Welt, die in Schutt und Asche liegt. ChristianPetzolds neuer Film ist ein beeindruckendes Spiel mit Doppelbödigkeiten. Klug, brillant, meisterlich.

    Jurybegründung:

    Was für ein grandioses Drehbuch hat Christian Petzold für dieses psychologische Filmdrama auf höchstem Niveau geschaffen! 1945: Zweiter Weltkrieg und Hitlerreich sind zu Ende. Die Jüdin Nelly hat in Auschwitz zwar überlebt, kehrt nun aber mit zertrümmertem Gesicht in die Berliner Ruinenlandschaft zurück. Nach einer aufwendigen Operation erhält sie ein neues Gesicht, aber sie kann sich nun nicht mehr als die Frau erkennen, welche sie zuvor war. Ihre Freundin Lene aus Vorkriegszeiten unterstützt sie liebevoll und will ihr den Weg in eine neue Heimat in Israel bereiten. Doch Nelly hat nur ein Ziel: Sie will ihren geliebten Mann wieder finden. Ihre Gedanken an ihn im Lager, hat sie letztlich am Leben erhalten. Aber sie will auch herausfinden, ob Johnny sie noch liebt und ob er wirklich der Verräter ist, der die Verantwortung dafür trägt, dass sie nach Auschwitz gebracht wurde. Sie will ihr Leben wieder zurück!

    Im Nachtclub "Phoenix" findet Nelly ihren Mann. Dieser erkennt sie nicht, überredet sie aber, bei einem perfiden Plan mitzumachen. Als Doppelgängerin seiner totgeglaubten Frau soll sie ihm das Erbe ihrer in Auschwitz ermordeten Familie verschaffen. Nelly lässt sich auf das Spiel ein, denn nur so glaubt sie die Antwort auf ihre Fragen zu bekommen.

    Die großartige Nina Hoss verkörpert mit ihrer fantastischen Wandlungsfähigkeit die innerlich und äußerlich zerrissene Persönlichkeit von Nelly. Ronald Zehrfeld als Johnny und besonders Nina Kunzendorf als Lene überzeugen bestens in ihren nicht einfachen Rollen. Das bereits hoch gelobte Drehbuch lieferte auch die hervorragenden, sparsam eingesetzten Dialoge zu diesem perfekten Psycho- Drama, in das der Zuschauer ganz und gar verstrickt wird. Bildgestaltung, musikalische Begleitung, Ausstattung und Kostüme verdienen ebenso das höchste Lob, wie selbstverständlich auch die große Inszenierungskunst von Christian Petzold selbst.

    Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)

Kritikerrezensionen

  • Das Nachkriegsdrama "Phoenix" beschäftigt sich in einem eindringlichen, aufwühlenden Gedankenspiel mit dem Identitätsverlust einer Frau, die das Konzentrationslager überlebt hat. Gleichzeitig legt der Film von Regisseur Christian Petzold ("Yella", "Barbara") auch den blinden Fleck frei, den die Sehnsucht der Deutschen 1945 nach einem Neuanfang mit sich zog. Die Geschichte, die bühnenhaft entrückt wirkt, basiert auf dem Roman „Le retour des cendres" von Hubert Monteilhet. Unter seiner kühlen, spröden Oberfläche entfaltet der Film einen mächtigen emotionalen Sog, in dem sich alle Bausteine wie durch Zauberhand zu einem furiosen Drama fügen.

    Konnte man in Deutschland 1945 einfach aus den Trümmern der zerbombten Städte in ein neues Leben steigen, wie ein Phoenix aus der Asche? Wie Johnny wollen auch Nellys alte Freunde – mit Ausnahme von Lene – nicht wirklich mit einer Frau konfrontiert werden, die den Holocaust kennt. Selbst der Arzt, der ihr Gesicht operiert, ist von der allgemeinen Sehnsucht nach Neuerfindung infiziert. Aber Nelly will von ihm kein anderes Aussehen bekommen: Für sie ist es nämlich gerade überlebenswichtig, wieder an die Identität anzuknüpfen, die sie vor dem Lager hatte. Es tut sich ein Abgrund auf zwischen Nelly und ihrem alten Umfeld in Berlin. Auf diesem Terrain tänzelt das Spiel mit der Doppelgängerrolle so elegant wie rasiermesserscharf.

    Mit der Leere und Kälte der realen Welt korrespondiert Nellys eiserne Selbstbeherrschung. Aber für Sekunden huscht eine ungezähmte Gefühlsregung über ihr Gesicht, dämpft eine frei flottierende Unsicherheit ihre Stimme. Ronald Zehrfeld kann sich hier neben der meisterhaften Nina Hoss keine Rolle auf Augenhöhe erspielen.

    Die Dunkelheit und die Trümmer in den Straßen, die heruntergekommenen Wohnungen mit ihrem schweren, alten Mobiliar spiegeln das allgemeine Gefühl der Verlorenheit. Die alte Zeit ist dem Krieg ebenfalls zum Opfer gefallen, und doch gibt es für sie noch keinen Ersatz. Petzolds Film ist ein intellektuelles Drama, das aufgrund seines emotionalen Suspense spannend und verblüffend zielsicher gerät.

    Fazit: Christian Petzolds spannendes Nachkriegsdrama "Phoenix" führt mit der großartigen Nina Hoss eindringlich vor Augen, dass es im Jahr 1945 weder möglich war, die Uhren zurückzudrehen, noch sich völlig neu zu erfinden.
  • Subtiles Drama um eine Frau, die nach dem Krieg ihr altes Leben und einstige Liebe zurück will.

    Ein Film von Christian Petzold ohne Nina Hoss ist kaum noch vorstellbar. Auch in ihrer sechsten Zusammenarbeit verkörpert sie eine enigmatische Person, Nelly, die im Juni 1945 schwer verletzt und mit zerstörtem Gesicht Auschwitz verlässt. Nach einer komplizierten Operation ähnelt sie nur noch entfernt der Frau, die sie einmal war. Sie will aber keine andere sein und will die Zeit umkehren, will ihr altes Leben zurück. Das Leben mit ihrem Mann Johnny, ihrer großen Liebe. Dass er, der sie durch das Festhalten an der Ehe jahrelang beschützt hat, sie an die Nazis verraten haben soll, kann sie nicht glauben. Als sie ihn in der Bar Phoenix findet, erkennt er sie nicht, schlägt ihr aber aufgrund der großen Ähnlichkeit vor, als Doppelgängerin seiner tot geglaubten Frau aufzutreten, um an deren Erbe in der Schweiz zu kommen. Nelly lässt sich auf das schmerzhafte Wechselspiel ein. Nina Hoss und Ronald Zehrfeld, das Dreamteam des deutschen Films und Liebespaar aus “Barbara”, stehen erneut gemeinsam vor der Kamera. Wie die zwei in der Seele verwundeten Menschen versuchen, im Nachkriegsdeutschland zu überleben und als dritte Figur Nina Kunzendorf als Nellys Freundin von der Jewish Agency einen Neuanfang anstrebt, das geht unter die Haut. Petzold erzählt sehr subtil von den Bemühungen, die Scherben der Existenz aufzusammeln und zu einem Ganzen zusammen zu setzen. Die ersten 20 Minuten wird nicht aus der Perspektive der Protagonistin gefilmt. Sie ist zu Anfang die Gesichtslose, die erst nach und nach aktiv in den Mittelpunkt rückt. Hans Fromm, der bisher bei allen Petzold-Filmen das Licht setzte, arbeitet mit den ästhetischen Mitteln des Film Noir, mit Kontrasten und dunklen Räumen, manchmal fast magischen Bildern (wenn Hoss in der Nacht auf den Zug wartet), die die Wirklichkeit vergessen lassen. “Phoenix” ist aber nicht nur eine Geschichte über das Suchen und sich (Wieder)Finden, sondern gleichzeitig auch eine Geschichte über das Schweigen und Nicht-Fragen-Wollen nach dem Krieg, über Täter, die ihre Taten verdrängen, über Opfer, die sprechen möchten und nicht dürfen. Wenn Johnny für Freunde Nellys Rückkehr aus dem Lager in französischen Schuhen und einem roten Kleid inszeniert, gibt das den Begrüßenden auf dem Bahnsteig das beruhigende Gefühl, alles sei doch nicht so schlimm gewesen. Die psychologisch bis zum Zerreißen spannende Handlung findet ein unerwartetes Ende, Petzold gelingt eine außergewöhnliche emotionale Volte, die in ihrer Härte und Zartheit den Zuschauer ins Mark trifft. mk.

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