Operation Walküre - Das Stauffenberg Attentat (2008)

Originaltitel: Valkyrie
Operation Walküre - Das Stauffenberg Attentat Poster
Nicht mehr im Kino.
Userwertung (2)
  1. Ø 4
Kritikerwertung (1)
  1. Ø 4.5

Filmhandlung und Hintergrund

Operation Walküre - Das Stauffenberg Attentat: Perfekter und kühler Hollywood-Thriller über das gescheiterte Hitler-Attentat vom 20. Juli 1944.

Als sich die katastrophale Niederlage des Dritten Reiches im Zweiten Weltkrieg immer deutlicher abzeichnet, schließt sich der bislang linientreue Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg (Tom Cruise) dem Widerstand an. Die Verschwörer entwickeln einen Plan, den selbstzerstörerischen Wahnsinn Hitlers (David Bamber) zu stoppen und eine Schatten-Regierung aufzustellen. Doch die Zeit drängt und Stauffenberg muss das Attentat selbst durchführen.

Kaum ein Film erhitzte im Vorfeld derart die Gemüter wie der dramatische Geschichtsthriller von Bryan Singer (“Die üblichen Verdächtigen”), in dem Superstar Tom Cruise das Symbol des Nazi-Widerstands verkörpert. Die packende Chronik des Attentats entstand an Originalschauplätzen.

Nachdem Oberst Graf von Stauffenberg im Afrika-Feldzug schwer verletzt wird, will er nicht mehr länger tatenlos zusehen, wie Deutschland von einem größenwahnsinnigen Tyrannen zugrunde gerichtet wird. Er schließt sich einer Gruppe von hochrangigen Mitgliedern des Militärs und der Politik an, die Hitlers Treiben nach einigen gescheiterten Versuchen endlich ein Ende bereiten wollen. Akribisch wird ein Bombenattentat in der Wolfsschanze vorbereitet. Am 20. Juli liefert Stauffenberg die Bombe ab. Sie explodiert. Aber ist Hitler wirklich tot?

Videos und Bilder

Auf DVD & Blu-ray (1)

Kritiken und Bewertungen

So werten die User Ø
(2)
5
 
1 Stimme
4
 
0 Stimmen
3
 
1 Stimme
2
 
0 Stimmen
1
 
0 Stimmen
So werten die Kritiker (1 Stimmen)
5
 
1 Stimme
4
 
0 Stimmen
3
 
0 Stimmen
2
 
0 Stimmen
1
 
0 Stimmen

Wie wertest Du? Klicke auf einen der Sterne:

Kritikerrezensionen

  • Was die historische Ebene angeht, ist dieser Film nicht für ein Publikum in Deutschland geschaffen. Denn alljährlich im Sommer werden auf diversen Gedenkveranstaltungen die Verschwörer des 20. Juli und im Zusammenhang damit der gesamte Widerstand gegen das Hitlerregime geehrt und in Erinnerung gerufen. Was also die Fakten zum Hitlerattentat vom 20. Juli 1944, die Vorgänge, die handelnden Personen, die verschwörerischen Pläne angeht, kann der Film dem allgemeinen Wissen von Otto Normalschulbesucher nichts hinzufügen

    Doch darauf kommt es in diesem Film nur bedingt an. Und das unterscheidet ihn auch von vergleichbaren deutschen Großproduktionen über Sophie Scholl, den Untergang oder die RAF. Die eben allesamt nicht nur als Film funktionieren wollen, sondern als Dokument, nicht nur als präzise Wiedergabe früherer Ereignisse, sondern als pädagogische Schulung des Publikums, das unbedingt aufgeklärt werden soll über die jüngste Vergangenheit.

    Bryan Singer aber ist vor allem ein Actionregisseur, kein Volkshochschullehrer. So wendet er die filmischen Mittel moderner Actionfilme an, um seine Geschichte über die Geschichte zu erzählen. Diese eher unverkrampfte Herangehensweise an ein Thema, das in Deutschland stets sehr ernst und mit pathetischer Würde diskutiert wird, tut dem Film gut. Weil sie zwar keinesfalls die Historie zum bloßen Stoff einer Kolportageaction degradiert, aber andererseits auch nicht in den Vordergrund didaktischer Erbaulichkeit drängt.

    So wird allein durch das visuelle Leitmotiv blutroter Hakenkreuzfahnen die vollkommene Durchdringung Deutschlands durch die nationalsozialistische Politik und den hitlerischen Willen zur Macht dargestellt – buchstäblich von Anfang, vom ersten Filmbild an, und kulminierend in einem riesigen Mosaik auf dem Boden eines Schwimmbades. Ein Tagebucheintag fasst kurz und bündig Stauffenbergs Gesinnung zusammen, dass Hitler als Feind Deutschlands zu sehen sei; was kurz darauf noch einmal zusammengefasst wird in einem prägnanten Satz: „Wir können Deutschland dienen oder dem Führer“. Überhaupt sind es statt weitschweifender Darlegungen einfache, klare Sätze, die die verschiedenen Auffassungen zum Ausdruck bringen; viele davon werden schon im Filmtrailer zitiert.

    Diese effektive Ökonomie des Erzählens setzt sich fort in der dramaturgischen Gestaltung des Films, der viele der kleinen Schritte beschreibt, die zum Umsturzplan und dem Attentat, dann zum Scheitern des Putsches führten. Man mag einwenden (als Historiker), dass dieser Zeitraffermodus der Komplexität des geschichtlichen Geschehens nicht gerecht wird; und vielleicht (als Popcorn-Filmzuschauer), dass bisweilen nicht die größtmögliche emotionale Tiefe erreicht wird.

    Doch beide Argumente laufen fehl. Denn Singer will keine historische Abhandlung, sondern eine zwar möglichst vollständige, aber nicht detailversessene Zusammenfassung denkbar spannend inszenieren. Und auch kein großes Melodram, sondern die dramatische Geschichte vom Widerstand innerhalb des Systems als Suspense-Thriller.

    Tatsächlich ist Tom Cruise als Stauffenberg ein cooler Hund; allein wie er den Feldwebel blufft, der ihm den Weg aus der Wolfsschanze heraus nicht gewähren will. Ein Mann der klaren Worte, der schnellen Entscheidung, des klaren Handelns: kurz, Stauffenberg ist ein prototypischer Held.

    Und: Singer flicht in seine Inszenierung gerne popkulturelle Zitate, die wie in die Geschichte eingeschrieben wirken. Setzt à la Coppola Wagners Walkürenritt mit einem Bombenangriff in Verbindung; und wo Blofeld seine Katze hat, hat der Führer seinen Hund.

    Wie klug es Singer gelingt, dass sich Filmspannung und historische Wahrheit nicht im Weg stehen, zeigt sein Suspense-Spiel mit der berühmten Aktentasche, in der Stauffenberg den Sprengstoff ins Besprechungszimmer auf der Wolfsschanze schmuggelt. Womit Singer zeigt, dass er seinen Hitchcock nicht nur gelesen, sondern auch verstanden hat (der mit seinem Beispiel einer tickenden Bombe unterm Tisch sehr anschaulich filmischen Suspense erklärt); ebenso wie seine Fähigkeit, aus ganz einfachen Elementen sehr viel Thrill zu ziehen.

    Fazit: Die Geschichte des Hitlerattentats als Suspense-Thriller: Bryan Singer inszeniert effektvoll nicht für den Geschichtsunterricht, sondern für das Kinoerlebnis.
  • Von wegen Desaster: Bryan Singers Thriller über die Ereignisse vom 22. Juli 1944 mit Tom Cruise in der Stauffenberg-Rolle bietet bestes erwachsenes Hollywood-Entertainment.

    Es ist alles ein großes Missverständnis. Als FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher noch während der Berliner Dreharbeiten von Bryan Singers Stauffenberg-Film per Leitartikel deklarierte, “Walküre” werde das Bild Deutschlands im Ausland auf Jahrzehnte verändern, wurden seine Prophezeiungen von Filmkritikern als Ausführungen eines von den Zuwendungen des Hauptdarstellers Verblendeten abgetan. Dieselben Herrschaften sind es aber nun, die sich dem Film nähern, als habe er tatsächlich vorgehabt, einen bleibenden politischen Beitrag zur Außenwirkung Deutschlands in der Welt zu leisten. Sie irren wie Schirrmacher. Natürlich nimmt Singers minuziöse Chronik eines versuchten Tyrannenmords ihr Sujet ernst und gibt sich alle Mühe um historische Korrektheit. Aber gleichzeitig ist “Operation Walküre” kein übermäßig politisches Werk – sieht man davon ab, dass hiermit ausgerechnet ein jüdischer Regisseur dem deutschen Widerstand ein Denkmal setzt. Ein Politikum, das vermutlich an der Zielgruppe junger Männer vorbeigeht, die sich vor allem Unterhaltung und einen spannenden Thriller im historischen Kostüm erhofft, wie schon “Last Samurai” weniger ein Film über den Untergang japanischer Traditionen, sondern ein effektives säbelrasselndes Epos war.

    Tatsächlich bedient sich Singer bei der Umsetzung des Drehbuchs von Christopher McQuarrie und Nathan Alexander bei Versatzstücken des Verschwörungsthriller, mehr noch aber dient das klassische Heist Movie als Blaupause, nur dass es hier nicht um einen Diebstahl, sondern das Hitler-Attentat vom 20. Juli 1944 geht. Insofern ist der Plot der eigentliche Star des Films, dem sich selbst Tom Cruise in einer spürbar zurückgenommenen Performance als Oberst Graf von Stauffenberg unterordnet. Seine Motivation für den Anschluss an den Widerstand wird in einem Monate nach den eigentlichen Dreharbeiten im Sommer 2008 gefilmten (aber immer schon im Drehbuch enthaltenen) und doch sehr wichtigen Prolog während des Afrika-Feldzugs abgehakt, in dem der zuvor überzeugte Nationalsozialist Zweifel an Hitlers Geisteszustand äußert und wenig später bei einem Angriff schwer versehrt wird. So beginnt der Film mit einem Paukenschlag und erhält das nötige Gewicht, der langwierigen Entwicklung der Anschlagspläne den nötigen Antrieb zu verleihen. Es reicht zu wissen, dass Stauffenberg ein zu allem entschlossener Mann mit einer Mission ist wie seine zahlreichen Mitstreiter aus Militär und Politik, die allesamt Schlüsselfiguren sind, ohne dass ihre Charaktere, Ansichten oder Ziele übermäßig vertieft werden müssten. Es geht darum, Hitler zu töten. Darum geht es in dem Film. Das reicht allemal, dass man dem mit der Präzision eines Uhrwerks ablaufenden Plan gebannt folgt. Dass es sich um tatsächliche Ereignisse handelt, gedreht großteils an Originalschauplätzen, steigert den Nervenkitzel, ohne allerdings eine geschichtliche Dimension beizusteuern.

    Wie schon vor einigen Jahren bei “Thirteen Days”, Roger Donaldsons brillanter Krimi über die Kubakrise, spielt es keine Rolle, dass der Ausgang der Ereignisse bereits bekannt ist. Seine Spannung bezieht der kühl inszenierte Film, der emotional von John Ottmans Score aufgemotzt wird, letztlich aus dem weniger bekannten Umstand, wie knapp die Dissidenten scheiterten, wie kurz ihr Vorhaben davor stand, tatsächlich zu gelingen, obwohl Hitler gar nicht tot war. Nie ist Operation Walküre ein greller, prahlerischer Film. Die Stimmung ist karg, die Bilder sind funktional gewählt, die Farben gedeckt. Wenn Stauffenberg in einem trotzigen Akt der Subversion auf Befehl seinen Armstumpf zum Hitlergruß hochreißt, dann ist das schon das größte Zugeständnis an einen mitreißenden publikumsträchtigen Moment. Was den Film so fesselnd und zudem unheimlich macht, ist das ständige Gefühl der Angst, das seine Protagonisten verspüren: Bei jeder neuen Zusammenkunft mit systemtreuen Nazis ist die Panik regelrecht greifbar, man könne aufgeflogen sein und werde entlarvt. Da ist es hiflreich, dass die Nebenrollen von britischen Theaterassen wie Tom Wilkinson, Bill Nighy oder Kenneth Branagh gespielt werden, die mit kleinen Gesten Großes leisten. An ihrer Seite fallen aber weder Tom Cruise ab, noch die zahlreichen deutschen Schauspieler, die besetzt wurden. Vor allem Christian Berkel und Thomas Kretschmann haben starke Auftritte in diesem faszinierenden Film, der lange als endgültiger Genickbruch des Cruise-Studios United Artists gehandelt wurde, tatsächlich aber das Zeug hat, als Phönix aus der Asche zu steigen, weil er die Bedürfnisse eines großen Publikum perfekt bedient, ohne sein Thema zu verraten. ts.

Darsteller und Crew

News und Stories

Kommentare

Liebe Nutzer, wir überarbeiten unser Kommentarsystem um es in Zukunft noch nutzerfreundlicher und weiter zugänglich zu machen. Bitte habt noch etwas Geduld mit uns, wir werden es euch dann bald an dieser Stelle zur Verfügung stellen.