Nymphomaniac 1 (2013)

Nymphomaniac 1 Poster
Nicht mehr im Kino.
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  1. Ø 3
Kritikerwertung (2)
  1. Ø 3.8

Filmhandlung und Hintergrund

Nymphomaniac 1: Erotik-Drama mit expliziten Szenen um eine Nymphomanin. Von Skandalregisseur Lars von Trier, starbesetzt mit Charlotte Gainsbourg und Shia LaBeouf.

An einem kalten Winterabend findet der Junggeselle Seligman eine übel zugerichtete Frau in einer Gasse hinter seinem Haus. Er nimmt Joe, die sich selbst als Nymphomanin bezeichnet, mit in seine Wohnung, wo er ihre Wunden versorgt und sie fragt, was ihr passiert ist. Ein langes, intimes und detailreiches Gespräch entspinnt sich. Aufmerksam hört der ältere Mann zu, während Joe – in acht Kapiteln – die lustvolle, verzweigte und facettenreiche Geschichte ihres Lebens, von ihrer Geburt bis zu ihrem 50. Lebensjahr, erzählt.

Eine selbsterklärte Nymphomanin lässt aus gegebenem Anlass ihr ereignisreiches Leben Revue passieren. Sex, schwarzer Humor, und die Dinge des Lebens in einem um kulturelle Querverweise nicht verlegenen Kinoexperiment.

Videos und Bilder

Auf DVD & Blu-ray (1)

Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Nur die erste Hälfte einer Geschichte, aber schon jetzt ein großer Film!
  • Als der einsame Junggeselle Seligman (Stellan Skarsgård) an einem kalten Winterabend Joe (Charlotte Gainsbourg) zusammengeschlagen in einer Gasse findet und mit nach Hause nimmt, erzählt sie ihm ihre wilde, poetische Geschichte, von der Geburt bis zu ihrem fünfzigsten Lebensjahr. Aufmerksam lauscht er der lustvollen, facettenreichen Lebensbeichte der Frau, die sich selbst als Nymphomanin bezeichnet. In acht Kapiteln erzählt sie von der kindlichen Wette mit einer Freundin, wer bei einer Zugfahrt die meisten Männer verführt, von Lust und Eifersucht, dem Verlust der Übersicht bei zu vielen Liebhabern, von Verwirrung und Illusionen, einem Orgelvorspiel von?Bach oder dem Bild, das Joe von sich selbst im Spiegel sieht und vom Versuch, sich vom Sex zu befreien … Neben Charlotte Gainsbourg versammelt Dänemarks skandalumwitterter Meisterregisseur internationale Stars, die zu seinen Regulars zählen, wie Stellan Skarsgård, Willem Dafoe, Jean-Marc Barr und Udo Kier. Neu zur von Trierschen Schauspielergemeinde stoßen u. a. Shia LaBeouf, Christian Slater und Uma Thurman sowie Shootingstar Stacy Martin in ihrem Filmdebüt. Schon jetzt heiß erwartet:?Teil 2 startet am 3. April!

    Fazit: Vergiss die Liebe:?Die wilde, kompromisslose Reise einer Frau durch ein Leben voller Leidenschaft.
  • Immer neue Meldungen rankten sich um Lars von Triers skandalumwittertes Projekt "Nymph()maniac", das nach "Antichrist" und "Melancholia" seine "Trilogie der Depression" um Hauptdarstellerin Charlotte Gainsbourg abschließen sollte. Schon immer erwies sich von Trier als versierter PR-Experte, der es verstand, sich und seine so stilistisch wie inhaltlich unterschiedlichen Arbeiten ins Gespräch zu bringen. Nachdem zunächst propagiert wurde, die prominenten Darsteller der in acht Kapitel eingeteilten Beichte einer Sexhungrigen zeigten echten Sex vor der Kamera, kam bald der Rückzieher, die enthaltenen Szenen stammen in Wahrheit von Pornoakteuren und würden per Computernacharbeitung eingefügt. Wie zur Beruhigung bestätigt dies noch einmal ein Insert im Nachspann des zweiten Teils.

    Ungeachtet dessen, dass davon in der vierstündigen, zweiteiligen Kinofassung kaum noch etwas zu sehen ist, handelt es sich keinesfalls um ein neues Verfahren, denn das "Entfant Terrible" nutzte diese provokante Methode schon bei "Die Idioten" und "Antichrist". Daher bleibt es unklar, ob der mitunter ruppige, raue Erzählrhythmus gewollt ist oder auf den Produzentenschnitt zurückzuführen ist. Bei der deutschen Kinofassung fehlt allerdings der Eingangshinweis, dass es sich hierbei um eine von Trier nur geduldete, gekürzte Version des ursprünglich fünfeinhalbstündigen "Director’s Cut" handelt.

    Dieser vermeintliche Arthouse-Porno bietet nicht nur ein Wiedersehen mit vertrauten Darstellern des Trier-Universums, sondern bietet ebenfalls bewährte Motive, inszenatorische Mittel und (Selbst-)Zitate. Schon der Beginn nach einer längeren, mit Geräuschen unterlegten Schwarzblende, an die der Schluss des zweiten Teils wieder anknüpft, erinnert mit seinen stilisierten, überhöhten Einstellungen an die "Antichrist"- und "Melancholia"-Prologe, ohne deren surreale Stimmung erreichen zu wollen. Dazu versprechen die wuchtig wummernden "Rammstein"-Rhythmen eine unheilvolle Drastik, die von Trier immer wieder mit bissigem Humor in Form von ironischen Einblendungen wie Diagramme und andere Inschriften, Dokumentaraufnahmen oder verspielte Abschweifungen unterläuft.

    Wenn der nicht praktizierende Jude Seligman und sein weiblicher Gast über die unglaubwürdigen Plotvoten diskutieren, erinnert diese Metaebene etwa an das Spiel mit dem eigenen Metier, wie es Lars von Trier als eigener Hauptdarsteller in dem Film-im-Film "Epidemic" praktizierte. Auf den dort eingesetzten Schwarzweiß-Look greift er in der tragischen fünften Episode über den qualvollen Krankenhaustod von Joes geliebtem Vater (Christian Slater) zurück, wie er überhaupt in jeder Episode einen anderen Stil und Ton anschlägt. Die Bandbreite reicht von den exakt komponierten Einstellungen des Prologs über den nervösen Handkamera-Einsatz im "Dogma"-Stil bis hin zur Split Screen, wenn Joe am Ende des ersten Teils ihre aktuellen drei Liebhaber vergleicht.

    Eine der witzigsten Sequenzen mit einem Gastauftritt von Uma Thuman, die als Mrs. H gemeinsam mit ihren drei Kindern den untreuen Ehemann in Joes Wohnung bloßstellt, erinnert nicht nur im sarkastischen Tonfall an Lars von Triers satirische Komödie "The Boss of It all". Auch der Stil aus unruhiger Handkamera-Ästhetik, abruptem Schnitt und unorthodoxer Kadrierung wirkt exakt, als habe der dort verwendete elektronische Zufallsgenerator erneut die Bildgestaltung übernommen. Den "Boss"- und "Idioten"-Hauptdarsteller Jens Albinus begegnet man übrigens zu einem früheren Zeitpunkt in der Zugsequenz als Joes letztes "Sexopfer".

    Leider holt Lars von Tier häufig aus zum Ausflug in die Kulturgeschichte und in den Bildungskanon, was seit seiner "Medea"-Adaption bei ihm an der Tagsordnung ist. Joes schlüpfrige Erlebnisse ordnet der asexuelle Seligman immer wieder in den eigenen Wissens- und Erfahrungshorizont ein, wenn er etwa Vergleiche aus dem Bereich des Fliegenfischens heranzieht oder Parallelen zur Fibonacci-Zahlenfolge, griechischen Philosophie, zu Edgar Allen Poes "House of Usher" oder Johann Sebastian Bachs Fugen schlägt. Auf Dauer wirken solche Exkurse eher aufgesetzt.

    Zwar verzichtet "Nymph()maniac" auf das Pathos der Vorgänger, wo es um das absolut Böse oder das Ende der Welt ging, besitzt aber auch nicht deren Geschlossenheit. Bei seiner Tragikomödie um Sex als Waffe, Mittel zum Zweck oder ewiger Fluch sind Lars von Triers Stammthemen Religion und Blasphemie, Schuld und Sühne, Untergang und Erlösung nicht weit. Getragen wird der erste Teil besonders von seiner Entdeckung, dem Ex-Model Stacy Martin als junge Joe, die trotz aller Nacktheit ihrer Figur noch eine Verletzlichkeit und ein Geheimnis verleiht. Trotz Charlotte Gainsbourgs Leistung wird man sie im zweiten Teil vermissen.

    Fazit: "Nymph()maniac 1" schildert die Sexbeichte einer rastlosen Frau in fünf Rückblenden-Kapiteln. Jenseits brillant inszenierter Passagen und bissigem Humor wirkt sie wie ein "Best-of-Lars von Trier" mit Themen und Elementen aus fast allen seiner Werke.
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