Müll im Garten Eden (2012)

Müll im Garten Eden Poster
Nicht mehr im Kino.
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Filmhandlung und Hintergrund

Müll im Garten Eden: Doku über den Kampf eines Dorfes an der Schwarzmeerküste gegen die Einrichtung einer gigantischen Mülldeponie.

Trotz des jahrelangen Widerstandes der Bewohner des an der türkischen Schwarzmeerküste gelegenen Dorfes Camburnu wurde unweit davon eine Mülldeponie gebaut, auf der auch der Müll aus der Großstadt Trapzon landet. Schon nach kurzer Zeit erwiesen sich die Befürchtungen der Anwohner als begründet: die unter großzügiger Auslegung der Vorschriften gebaute Anlage verpestet nicht nur mit ihrem Gestank die Luft, sondern verseucht auch das Grundwasser. Bei stärkerem Regen strömt zudem verschmutztes Wasser aus der Anlage direkt in das Dorf.

Dokumentarfilm von Fatih Akin, der sich mit einer Mülldeponie unweit des Dorfes seiner Vorfahren beschäftigt.

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Kritikerrezensionen

  • Fatih Akin widmet den Film über das Dorf Çamburnu seinem Vater, dessen Eltern dort lebten. Gäbe es nicht die Mülldeponie am oberen Ende des Ortes, sähe er mit seiner Hanglage über der Schwarzmeerküste im Nordosten der Türkei wie ein grünes Urlaubsparadies aus. Die Einwohner leben vom Teeanbau und gingen von Anfang an auf die Barrikaden gegen die riesige Deponie, die in weniger als einem Kilometer Entfernung auf einer Terrasse über ihren Köpfen seit 2007 den Müll von 88 Gemeinden aufnimmt. Akins Langzeitdokumentation verfolgt aus nächster Nähe, wie das Leben im Dorf durch die Deponie belastet wird und ist zugleich auch eine Liebeserklärung an die ländliche Heimat seiner Großeltern.

    In einer aufgelassenen Kupfermine direkt oberhalb von Çamburnu wird der Müll aus zwei Provinzen ausgekippt, der vorher einfach im Meer oder seinen Zuflüssen entsorgt wurde. Der Beschluss, eine zentrale Mülldeponie zu errichten, klingt also, zumindest wenn man seine behördlichen Befürworter im Film sprechen hört, recht vernünftig und fortschrittlich. Vor allem aber ist er unabänderlich, und das muss der Bürgermeister des Dorfs, der sich gerichtlich gegen die Deponie wehrt, schmerzlich erfahren. Am Ende des Films wird er bilanzieren, dass auf dem Rechtsweg nichts zu erreichen gewesen war. Und dennoch kündigt er weiteren Protest an, wie auch verschiedene Dorfbewohner im Verlauf der Aufnahmen erstaunlich kämpferisch die Auseinandersetzung mit den Betreibern der Deponie suchen.

    Der Fotograf des Dorfes wird für Akin zum zweiten Kameramann, der vor Ort schnell reagieren kann, wenn es einen neuen Vorfall gibt. Eine ältere Frau mit Kopftuch scheut sich nicht, am Eingang der Deponie lautstark zu protestieren und selbst den Gouverneur bei seinem Besuch mit deutlichen Worten zu bedrängen. In der Dorfkneipe wird ein Spottlied auf die Politiker gesungen, die die Heimat verschandeln. Aber alle Aktionen können nicht verhindern, dass die vorhersehbare Umweltkatastrophe tatsächlich eintritt. Die Folie, die den Boden vor dem Müll abdichten soll, hat bald Risse und Löcher, die Kläranlage, die das Abwasser der Deponie aufnimmt, ist nicht für Zeiten mit starkem Regen ausgelegt. Dann strömen die Abwässer direkt in den Bach und ins Meer, fließen schäumend an den Häusern im Dorf vorbei oder rinnen nach einer Überschwemmung den Hang hinunter. Die Menschen halten sich die Nase zu wegen des Gestanks, schimpfen wegen der streunenden Hunde und Vögel, die die Deponie anzieht und die die Teeplantagen verschmutzen.

    Vieles, was die Filmkamera sieht, wirkt wie ein Schildbürgerstreich. Die Betreiber der Deponie und die Umweltbehörde werden auch befragt und sind bemüht, die Dinge schönzureden. Oft sind sie auch einfach überfordert, etwa wenn sie die Missstände mit dem starken Regen erklären, oder den Gestank mit dem Sprühen von Parfüm überdecken wollen. Der Bau einer Mauer verursacht 2011 sogar den Einsturz des Klärbeckens und die Abwässer ergießen sich über den Hang. Das Baden im verdreckten Meer macht keinen Spaß, der Bürgermeister klagt, dass viele Einwohner fortziehen und niemand mehr investieren will.

    Der Dokumentation gelingt es, unglaubliche Umweltsünden vor Ort sichtbar zu machen. So direkt hat man wohl noch nie die Problematik einer Mülldeponie vor Augen geführt bekommen. Aber sie ist auch ein Zeugnis für die bemerkenswerte Wehrhaftigkeit der Dorfbewohner, einfacher Bauern und Fischer, die für ihre Heimat selbstbewusst auf die Straße gehen. Die Demokratisierung des Landes kommt auch im hintersten Winkel voran, wird vermutlich durch solche Konflikte sogar beschleunigt. Eine Vielzahl atmosphärisch intensiver Szenen widmen sich dem beschaulichen Dorfleben und den Porträts verschiedener Bewohner. So erfährt man auch einiges über die Mentalität der Menschen in diesem abgelegenen Gebiet der Türkei.

    Fazit: Fatih Akins Langzeitdokumentation „Müll im Garten Eden“ schildert anschaulich, wie über ein idyllisches türkisches Dorf eine albtraumhafte Umweltzerstörung hereinbricht.
  • Dokumentarfilm von Fatih Akin, der bei den Vorbereitungen für “Auf der anderen Seite” dem Dorf seiner Großeltern an der Schwarzmeerküste einen Besuch abstattete und dabei auf die drohende Mülldeponie aufmerksam wurde. Den Widerstand gegen die Deponie, ihren Bau und die Folgen filmte er über fünf Jahre hinweg mit Unterstützung des Dorffotografen Bünyamin Seyrekbasan. Zu den gezeigten Konsequenzen der Umweltverschmutzung zählt der Umstand, dass den Dorfbewohnern dadurch der Lebensunterhalt durch Fischerei und Teeanbau zerstört wurde.

Darsteller und Crew

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