Mr. May und das Flüstern der Ewigkeit (2013)

Originaltitel: Still Life
Mr. May und das Flüstern der Ewigkeit Poster
Nicht mehr im Kino.
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  1. Ø 5

Filmhandlung und Hintergrund

Mr. May und das Flüstern der Ewigkeit: Als "Funeral Officer" von London sucht Mr. May die Angehörigen unbekannter Verstorbener - zur Not trauert er selbst mit. Bewegender Film!

Während manche Menschen in ihrem Leben einem Abenteuer nach dem anderen nachjagen und täglich auf der Suche nach dem nächsten Kick sind, geht es John May (Eddie Marsan) eher ruhig an, um nicht zu sagen: sterbenslangweilig. Mr. May arbeitet beim Bestattungsamt und ist dafür zuständig, bei Personen, die in Einsamkeit gestorben sind, die nächsten Verwandten ausfindig zu machen. Sorgfalt hat dabei oberste Priorität und so passiert es schon mal, dass er die Beerdigung komplett alleine auf die Beine stellt. Doch Sparmaßnahmen des Amtes führen schließlich dazu, dass Mr. May seinen Job und damit die Ordnung in seinem geregelten Leben verliert. So gilt es, seinen letzten Fall zu bearbeiten und dieser involviert ausgerechnet seinen unlängst verstorbenen Nachbar William Stoke. Mr. May begibt sich also auf die Suche nach möglichen Verwandten, lernt dabei neue Menschen kennen und trifft schließlich auf Kelly Stoke (Joanne Froggatt), die sein Leben für immer verändern soll...

Ein Zeitungsinterview mit einem \”Funeral Officer\”, so die offizielle Berufsbezeichnung, brachte den Stein für \”Mr. May und das Flüstern der Ewigkeit\” ins Rollen. Uberto Pasolini, der zwar nicht mit dem berühmten Regisseur Pier Paolo Pasolini, dafür aber mit Luchino Visconti (\”Tod in Venedig\”) verwandt ist, zeigte sich fasziniert von der Job-Beschreibung und entschied, daraus einen Film anzufertigen. Dazu traf er sich extra mit jenem Funeral Officer, um mehr über dessen Arbeit zu lernen. Mit Eddie Marsan, vor allem bekannt als Inspektor Lestrade aus den \”Sherlock Holmes\”-Filmen von Guy Ritchie, konnte er auch schnell einen Darsteller verpflichten, der solche stillen Charaktere wunderbar darstellen kann. In der weiblichen Hauptrolle ist Joanne Froggatt zu sehen, die der ein oder andere sicherlich aus \”Downton Abbey\” kennen dürfte.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Bewegende Betrachtung des Todes als poetische Ode an die Zerbrechlichkeit des Lebens und den Triumph der Menschlichkeit.

    Er ist ein Nobody und sieht auch so aus in seinem schlecht sitzenden Mantel, Strickpullunder, Krawatte auf Halbmast und der abgewetzten Aktentasche. Ein Mann, der auf den ersten Blick nicht im Leben steht, sondern mit Tod beschäftigt ist. Im Auftrag der Londoner Stadtverwaltung arbeitet er als “Funeral Officer”, sucht akribisch Hinterbliebene der Verschiedenen und wenn sich niemand findet, sorgt er für eine würdevolle Beerdigung, bei der er oft als einziger “Trauernder” eine persönlich gehaltene Abschiedsrede hält. Wenn der unauffällige Mr. May die Fragmente eines fremden Lebens sorgfältig wieder zu einer Einheit zusammensetzt, wird er in seiner Skurrilität eine Figur, wie sie nur England hervorbringen kann.

    Uberto Pasolini, Produzent von Filmen wie “Ganz oder gar nicht”, der 2008 seine erste Regiearbeit “Machan” präsentierte, trifft mit seinem zweiten Werk, das bei der Mostra 2013 als Geheimtipp galt und von starker Mundpropaganda profitierte, mitten ins Herz. Die anrührende Geschichte geht über das Individuelle hinaus und behandelt universelle Themen, weist auf die Leerstellen der modernen Gesellschaft hin – auf mangelnde Empathie, Einsamkeit und Egoismus in der Großstadt, Arbeitslosigkeit, die Folgen eines kalten Neoliberalismus.

    Als sein Job dem Rotstift zum Opfer fällt, will der Gekündigte noch den letzten “Fall” richtig zu Ende bringen, herausfinden wer der Tote war, wie er gelebt und vielleicht auch geliebt hat. Der Einzelgänger ohne Freunde und Familie, der eine geordnete Existenz führt mit den immer gleichen Ritualen, entdeckt unbekannte Gefühlsregungen, geht sogar mal ein Pint kippen. Die Suche nach der Vergangenheit des anderen entwickelt sich zur Suche nach der eigenen Identität, nach dem, was vom Alltag übrig ist.

    Dieser leise Film ist mehr als ein ermunterndes Fanal für Menschlichkeit, er ist ein grandioser Glücksfall fürs Kino, ein delikates und großes Geschenk. Der britische Charakterdarsteller Eddie Marsan, der schon für Martin Scorsese, Steven Spielberg und Mike Leigh vor der Kamera stand, spielt diesen Verlorenen in großer Zurückhaltung mit einer rückhaltlosen Hingabe, beim überraschenden und gefühlvollen Ende sollten die Tränen rollen. Nicht weil es so traurig ist, sondern so wunderschön. mk.

Darsteller und Crew

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