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Mommy (2014)

Mommy Poster
Nicht mehr im Kino.
Userwertung (3)
  1. Ø 5
Kritikerwertung (3)
  1. Ø 2.3

Filmhandlung und Hintergrund

Mommy: Drama um eine alleinstehende Mutter und ihren gewalttätigen Sohn von Kanadas Wunderkind Xavier Dolan.

Steve (Antoine-Olivier Pilon) ist alles andere als ein Musterknabe. Er leidet an ADHS und besitzt damit zu viel Energie, die sich irgendwie entladen muss. Nicht selten neigt der Jugendliche zu gewalttätigen Wutausbrüchen, die vor allem seine Mutter Diane Després (Anne Dorval) abbekommt. Seit ihr Mann und damit Steves Vater gestorben ist, muss sie sich alleine um die cholerischen Anfälle des Sohnemanns kümmern. Eines Tages zieht die junge Kyla (Suzanne Clément) gemeinsam mit ihrem Ehemann und dem kleinen Sohn ins Nachbarhaus und tritt ins Leben der eingeschüchterten Mutter Diane. Sie schafft es, Steve Parolie zu bieten und seinen Tatendrang etwas herunterzufahren. Zwischen den dreien entwickelt sich ein wertvolles Verhältnis, aus welchem Diane die nötige Kraft zieht, um mit ihrem eigenen Sohn richtig umzugehen und sich seine Ausbrüche nicht mehr gefallen lassen zu müssen.

Schon mit seinen jungen Jahren kann Regisseur Xavier Dolan auf eine beeindruckende Karriere zurückblicken. Nicht nur begann er sich bereits mit fünf Jahren als Schauspieler zu engagieren, sondern fing im Jahr 2009 auch an, als Produzent, Regisseur und Drehbuchautor zu arbeiten. Sein Debüt-Film, “Ich habe meine Mutter getötet”, zu dem er mit 16 Jahren das Skript schrieb und den er selbst ohne diverse Vorkenntnisse inszenierte, wurde bei der ersten Einreichung direkt in Cannes angenommen und mit Preisen überhäuft. “Mommy” war im Jahr 2014 bereits der vierte Film von Dolan, der bei den Filmfestspielen von Cannes lief und wieder geht es um eine Mutter-Sohn-Beziehung, in welcher der Regisseur oft auch eigene Erfahrungen einfließen ließ. Mit der Hauptdarstellerin Anne Dorval arbeitete er bereits in “Ich habe meine Mutter getötet” und “Herzensbrecher” zusammen.

Videos und Bilder

Auf DVD & Blu-ray (1)

Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Der Begriff Sozialdrama beschreibt nur zur Hälfte, was in "Mommy" passiert. Eine alleinerziehende Mutter mit prolligen Zügen und ein emotional gestörter Teenager überfordern sich gegenseitig. Aber der frankokanadische Regisseur Xavier Dolan ("Laurence Anyways", "Sag nicht, wer du bist!") benutzt seine Charaktere nicht als Vehikel für psychologische Erkenntnisse und gesellschaftskritische Botschaften. Vielmehr will er das Leben in seiner ganzen Komplexität abbilden, Menschen aus Fleisch und Blut in Aktion beobachten. Diane und ihr Sohn erfahren die Höhen und Tiefen ihrer Beziehung hautnah, in der Kompromisslosigkeit des einzelnen Moments.

    Der Film nimmt den Spruch von der Familie als Keimzelle der Gesellschaft beim Wort. Die Liebe, nach der sich Steve sehnt, findet er bei seiner Mutter eher als im geschlossenen Heim. Auf Diane aber lastet der immense Druck, dass sich Steve endlich fängt. Die einzige Alternative wäre, auf das Sorgerecht dankend zu verzichten. Aber in der nahen Zukunft, in der der Film spielt, hieße das, Steves Chancen deutlich zu schmälern. Die Hilfe, die Mutter und Sohn brauchen, erhalten sie von gänzlich unerwarteter Seite, nämlich von ihrer Nachbarin, die zur guten Freundin wird. So bekommt die Hoffnung auf Glück und Erfolg, darauf, dass Steve den Schulabschluss durch Heimunterricht schafft und in die USA auf eine Schauspielschule geht, neue Nahrung.

    Im quadratischen Format gedreht, konzentriert sich der Film vollkommen auf die Gesichter, die das ganze Bild füllen, ohne dass man ihnen entkommen könnte. Man wird mitten hineingezogen in den Strudel unberechenbarer Emotionen. Anne Dorval spielt Diane als impulsives Energiebündel, als sympathische Frau, die trotzdem ihre Geheimnisse hat. Die wahre Entdeckung aber ist Antoine Olivier Pilon, der als Steve elektrisierend zwischen Küken und Macho schwankt, vor Lebenshunger bebt und aus lauter Unschuld besteht, sobald sich seine Wut verzogen hat. Diese Charaktere sorgen für ein pulsierendes Abenteuer, das sich aber am Schluss eine kleine Runde zu lang dreht.

    Fazit: Xavier Dolans elektrisierend intensives Mutter-Sohn-Drama "Mommy" lebt von seinen hervorragend gespielten, authentischen Charakteren und gerät zur Hommage an die verletzliche Kraft der Liebe und der Freundschaft.
  • Alles wirkt entschlossen gewollt und pervers stilisiert - so sieht die fünfte Regie-Arbeit des Wunderkindes Xavier Dolan aus. In Cannes von den Kritikern gefeiert, lohnt sich ein genauerer Blick, um festzustellen, was Mommy in Wahrheit darstellt: Einen Hype. Der 25jährige Regisseur Xavier Dolan hat sich eine öffentliche Persönlichkeit zugelegt, die so anbiedernd wirkt, dass er als Antwort des Kinos auf Justin Bieber gelten darf. Hier die Geschichte von Mommy (sofern es eine ist): Diane (Anne Dorval) ist heftig geschminkt und geschmacklos gekleidet. Allein ihr Schlüsselbund wirkt wie eine Sammlung von Kitsch aus verschiedenen Epochen. Diane raucht Kette und ist wahrscheinlich auch Alkoholikerin. Und sie ist schlagfertig (obwohl sie einen Akkzent hat, den fast niemand versteht). Diane holt ihren Sohn Steve (Antoine-Olivier Pilon) aus einem Heim ab. Er leidet an ADHS und ist hyperaktiv. Steve ist gefährlich für andere Menschen. Das Zusammenleben von Diane und Steve gleicht einer Schlacht, aber trotzdem lieben sich beide innig. Kyla (Suzanne Clément) ist Lehrerin, doch sie arbeitet nicht. Sie stottert, bringt kaum ein Wort über die Lippen gegenüber ihrer Familie. Dafür spricht sie aber in Gegenwart von Diane und Steve. Kyla ist die Dritte im Bunde. Ihr Bündnis gleicht einer Verschwörung gegen die Enge des Lebens. Mommy ist ungeheuer kitschig und voller "Momente" - Dolan hat bestimmt keine Schwierigkeiten, auch in Hollywood Arbeit zu finden! Er kanns nicht lassen, uns mit seinen filmischen Effekten zu beschiessen, auf dass wir nie vergessen, wer hier regiert: Er. Für mich wars das, ich geb auf.
  • Mit dem Preis der Jury beim Festival de Cannes ausgezeichnetes radikales Drama von Xavier Dolan über eine außergewöhnliche Mutter-Sohn-Beziehung.

    Das Mutter-Sohn-Verhältnis treibt Xavier Dolan seit seinem ersten Film um. Mit “I Killed my Mother” wollte er seine Mutter bestrafen, heute, fünf Jahre später, will er sie mit “Mommy” rächen, wie er sagt. Und es handelt sich nicht mehr um eine Pubertätskrise, sondern um eine existenzielle. Wenn er von seiner Mutter spricht, meint er “die Mutter” im Allgemeinen, die Frau, die Leben schenkt und ihre Kinder liebt, egal wie sie sind.

    Ihren 15jährigen Sohn liebt auch Diane, genannt “Die”, die laut und prollig durchs Leben stapft und nur möchte, dass Steve die Schule schafft und nicht wieder in einem dieser Heime für schwer erziehbare Kinder landet, die ihn nur noch aggressiver machen. Doch selbst zu Hause kann die Witwe ihn kaum bändigen, wie vom Himmel geschickt, taucht die traumatisierte und sprach gestörte Nachbarin auf, zu der der kaum zähmbare Junge Vertrauen fasst. In der Dreier-Gemeinschaft keimt Hoffnung auf ein Quäntchen Glück.

    Die aus der Perspektive der Mutter erzählte Geschichte beginnt als schwieriges Miteinander im White Trash-Milieu, entwickelt neben der emotionalen Wucht eine unglaubliche Zärtlichkeit, wobei Ausbrüche von Hass und Liebe wechseln. Trotz dunkler Momente überrascht das Drama mit Licht und warmen Farben als Kontrapunkt zur alltäglichen Misere. Dolan vermeidet das Etikett von Losern, das man diesen Menschen gerne aufdrückt, beschreibt lieber ihre Gefühle und Träume und macht sie zu Gewinnern über widrige Umstände. Das Gefangensein ihrer selbst unterstreicht das enge und ungewöhnliche Leinwandformat 1:1, das die Gesichter quadratisch umrahmt und Nähe schafft. Fast tut es weh, die Protagonisten auf so begrenztem Raum zu sehen. Umso befreiender die Szene, in der sich das Bild öffnet bei einem sommerlichen Ausflug des Trios. Wenn Steve die Bildränder mit den Händen wegschiebt und quasi in ein neues und unbeschwertes Leben abhebt, ist der Atem lang vermisster Freiheit zu spüren. Bis die schnöde Wirklichkeit die Drei einholt und das Format wieder schrumpft.

    Eins drauf setzt Dolan mit dem Soundtrack mit Songs von Dido, Oasis oder Céline Dion, die im Kontext mit André Turpins Bildern eine ganz neue Wirkung entfalten und Erinnerungen wecken. Das Zuschauerglück komplettieren die grandiosen Darsteller. Neben einer sexy und leicht ordinären Anne Dorval als überfordertes, aber kämpferisches Muttertier, die schon in “I Killed my Mother” auftrumpfte, steht als ausgleichendes Element die zurückhaltende Suzanne Clément. Kaum zu toppen ist Antoine-Olivier Pilon, der wie ein Tornado über die Leinwand rast, ungestüm, wild und verletzlich. mk.
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Darsteller und Crew

News und Stories

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