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Molière auf dem Fahrrad (2012)

Originaltitel: Alceste à bicyclette
Molière auf dem Fahrrad Poster
Nicht mehr im Kino.
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Filmhandlung und Hintergrund

Molière auf dem Fahrrad: Top-besetzte Komödie um zwei Schauspieler, die Molières "Der Menschenfeind" proben.

Der populäre Fernsehstar Gauthier Valence besucht seinen früheren Weggefährten Serge Tanneur, der sich vom Theatergeschäft angeekelt zurückgezogen hat. Auf der winterliche île de Ré will er den Misanthrophen für eine Neuinszenierung von Molières “Der Menschenfeind” gewinnen. Beide interessieren sich für die Rolle des Alceste. Während sie fünf Tage lang die erste Szene des ersten Akts proben, Radfahren, Spazierengehen und Philosophisches plaudern, offenbaren sie ihr Innerstes, finden in Molières Alexandriner Halt im persönlichen Lebenschaos.

Zwei Schauspieler treffen sich, um in Abgeschiedenheit Molières “Der Menschenfeind” zu proben. Topbesetzte melancholische Komödie und fulminante Verknüpfung von Molière-Theater und lebendigem Kino.

Videos und Bilder

Auf DVD & Blu-ray (1)

Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Auf seinen Stammschauspieler Fabrice Luchini zugeschnitten, entwickelte Regisseur Philippe Le Guay mit "Molière auf dem Fahrrad" eine pointierte Tragikomödie über Freundschaft, Liebe, Verrat und gekränkte Eitelkeit. Als Ausgangssituation dient die persönliche Übergabe von Le Guays Skript zu "Nur für Personal" auf der Ile de Ré, wo Luchini in aller Abgeschiedenheit residiert. Als der Regisseur auf dem Fahrrad ein unfreiwilliges Bad im Sumpf nahm und ihn Luchini daraufhin entgegen kam, war die Idee zu einem gemeinsamen Projekt geboren. Als Slapstickeinlage und Running Gag bauten beide diese Anekdote ebenso in das Skript ein wie Luchinis Begeisterung für Molière und dessen Stück "Der Menschenfeind oder Der verliebte Melancholiker".

    Somit kommentieren Molières Verse stets die Handlung, die sich um das Machtspiel der beiden Freunde dreht. Trotz oder aufgrund seines Erfolges mit der Ärzte-Schmonzette "Docteur Morange" fühlt sich Lambert Wilson als populärer Fernsehstar Gauthier Valence zu Höherem berufen. Mit weißem Mantel und souveränem Auftreten will es das TV-Idol allen recht machen, sei es dem Taxifahrer mit kranker Mutter oder einem Pornosternchen, das zum Schauspiel-Beruf strebt. Damit eckt er jedoch überall an. Mit Schal und Dreitagebart verkörpert Luchini seinen Gegenpart, einen Misanthrop im wahrsten Sinne, der die Akteursszene wegen ihrer Eitelkeiten und Heucheleien verabscheut. Teils interpretiert Luchini die Bühnen-Textpassagen in unterschiedlichen Ansätzen. Dabei spiegeln sich die Standpunkte von Menschenfeind Alcese und seinem Freund Philinte im Tauziehen der beiden Kollegen wieder.

    Die Ausgangssituation wirkt reichlich minimalistisch, doch gerade das Zusammenspiel der beiden Stars und die Konflikte um ihre Figuren machen den Reiz des "Theater-im-Film"-Projekts aus. Der malerische Küstendrehort Ile de Ré hilft, den Kammerspiel-Ansatz aufzubrechen. Offenbar waren Luchini und Regisseur La Guay der Ansicht, dieser Ploteinfall reiche nicht aus für einen kompletten Film. Daher reicherten sie den Aufeinanderprall der zwei Individualisten mit manchen Slapstickeinlagen an, die mitunter aufgesetzt und nicht immer komisch wirken. Trotzdem entwickelte sich "Molière auf dem Fahrrad" (im Original eigentlich "Alceste auf dem Fahrrad") zum französischen Kassenerfolg. Trotz aller Qualitäten fiel die humorvolle Geschichte um Rivalitäten, Lüge und Wahrheit nicht ganz so rund aus wie die Vorgänger "Le Coût de la Vie" zum Thema Geld und "Nur für Personal", beides amüsant-hintergründige Ensemblefilme.

    Fazit: Die Tragikomödie "Molière auf dem Fahrrad" glänzt als französisches Schauspielerkino par Excellenze, wobei das Duell zweier Mimen vor einer herben Landschaft mit einigen zu klamaukhaften Momenten angereichert wurde.
  • Mit Fabrice Luchini und Lambert Wilson top besetzte witzige und geistreiche Komödie und eine originelle Hommage an Molière.

    Mit “Nur für Personal” zeigte Philippe Le Guay ein Händchen für die Verbindung von Leichtfüßigkeit und moderater Gesellschaftskritik, in seinem neuen Werk gelingt ihm die fulminante Verknüpfung von Molière-Theater und lebendigem Kino, zieht er einen Bogen von Molières zeitgenössischer Kritik am 17. Jahrhundert zum heutigen Leben. Der Zusammenprall von intellektuellen Wortgefechten und männlichen Eitelkeiten wird zum Feuerwerk von perfidem Witz, unangenehmen Wahrheiten und ernüchternder Wirklichkeit.

    Schon die Besetzung entpuppt sich als genialer Schachzug. Lambert Wilson spielt Gauthier Valence, einen populären Fernsehstar, der auf die einsame île de Ré kommt, um Serge Tanneur (Fabrice Luchini ), einen renommierten Theaterschauspieler, zu überreden, bei einer Neuinszenierung von Molières “Der Menschenfeind” mitzumachen. Der Haken: Der Einsiedler, der mit dem Theater nichts mehr zu tun haben will und Drehbücher, die man ihm zusendet, verbrennt, kann sich nur langsam dafür erwärmen, die Rolle des Alceste zu übernehmen, auf die auch Gauthier versessen ist. Fünf Tage und Nächte ringen die alten Weggefährten um die richtige Interpretation des Bühnentextes, proben miteinander und messen sich. Höhepunkt ist die ständige Wiederholung der ersten Szene des ersten Akts, in denen sie die Rollen wechseln zwischen Alceste und Philinte und die philosohischen Standpunkte auseinanderpflücken, das Dilemma der Wahl zwischen milder Nachgiebigkeit und dem Beharren auf Wahrheit. Dabei belauern sie sich, offenbaren ihre unterschiedlichen Lebensentwürfe, ihre Ängste, aber auch einen ungewöhnlichen Humor. Molières Alexandriner geben ihnen Halt im persönlichen Chaos. Ansonsten geschieht wenig, der Alltag auf der winterlichen Insel erschöpft sich in langen Radfahrten, Spaziergängen und Diskussionen. Die beiden leiden unter Anfällen von Melancholie und Unbarmherzigkeit dem anderen gegenüber, wobei Luchinis Serge sich als Meister erweist. Sie plaudern mit dem örtlichen Wirt, der ihnen seine Nichte, eine junge Pornodarstellerin, ans Herz legt. Betört werden Gauthier und Serge von einer schönen Italienerin.

    Wie sie verbal das Florett kreuzen, der eine desillusioniert, enttäuscht und in phänomenaler Boshaftigkeit, der andere nur scheinbar locker und trotz Erfolg unsicher, das ist Schauspielkunst pur und macht Lust, den guten alten Klassiker mal wieder zu lesen oder auf der Bühne zu sehen. mk.

Darsteller und Crew

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