Mit aller Macht - Primary Colors (1998)

Originaltitel: Primary Colors
Mit aller Macht - Primary Colors Poster
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Filmhandlung und Hintergrund

Mit aller Macht - Primary Colors: Mit brillanten Dialogen gespickte, rasante und brisante Politsatire in Hollywood-Format.

Südstaaten-Gouverneur Jack Stanton ist angetreten, um zum Präsidentschaftskandidaten gewählt zu werden. Mit seinem Auftreten und Charme fesselt er die Wähler. Je näher jedoch der Wahltermin rückt, desto mehr häufen sich die Skandale – und der Weg ins Weiße Haus entwickelt sich zum Spießrutenlauf, in dessen Verlauf alle Beteiligten gezwungen sind, Farbe zu bekennen.

Der Südstaaten-Gouverneur Jack Stanton muß die Vorwahlen gewinnen, um als Präsidentschaftskandidat seiner Partei aufgestellt zu werden. Dank seines charismatischen Auftretens und unwiderstehlichen Charmes fesselt er Wähler aller Schichten und schwört ein kleines, höchst effizientes Beraterteam auf sich ein. Nichts scheint Stanton auf seinem Weg zum höchsten Amt im Staat aufhalten zu können. Außer vielleicht dieser Trieb, der ihn förmlich dazu zwingt, weibliche Mitbürgerinnen ebensogerne zu vernaschen wie Doughnuts…

Südstaaten-Gouverneur Jack Stanton will Präsident werden, doch er könnte über eine angebliche Affäre mit einem schwangeren Mädchen stürzen… Mit brillanten Dialogen gespickte, rasante und brisante Politsatire in Hollywood-Format.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Eine bessere Werbekampagne als aktuelle Ereignisse der Zeitgeschichte kann sich ein Studio kaum wünschen. Wie Barry Levinsons jüngst gelaufene Politsatire “Wag The Dog” profitiert auch das augenzwinkernde Moraldrama “Primary Colors” um den aufreibenden Präsidentschaftswahlkampf eines Südstaaten-Gouverneurs im Zuge des hohe Wellen der Entrüstung schlagenden Skandals um US-Präsident Bill Clinton von einem überaus trefflichen Cinema-verité-Effekt. Regisseur Mike Nichols, ein Meister der geistreichen Komödie, verwehrt sich zwar vehement dagegen, bewußte Parallelen zu den Clintons gezogen zu haben, doch gravierende Ähnlichkeiten zu gewissen lebenden Personen sind unbestreitbar. Geschürt wird diese Annahme zudem von John Travoltas ausgeklügelter Darstellung, die als perfekte Clinton-Imitation für einiges Aufsehen sorgen wird.

    Bereits der 1996 anonym veröffentliche Roman (deutscher Titel: “Mit aller Macht”) sorgte für einigen Medienrummel, da viele in den detaillierten Beschreibungen Bill und Hillary Clinton nebst etlicher Randfiguren (beispielsweise gleicht Billy Bob Thorntons Figur dem Präsidentenberater James Carville) in ihrem Dunstkreis zu erkennen glaubten. Als Autor entpuppte sich schließlich “Newsweek”-Reporter Joe Klein, der sich erst im Angesicht zwingender Beweise zu seinem explosiven Werk bekannte. Das Drehbuch wurde nun von Nichols mit Hilfe seiner langjährigen Partnerin Elaine May adaptiert, die zuletzt Nichols’ Komödienhit “The Birdcage” mit unwiderstehlicher Treffsicherheit mit Pointen vollpfropfte. Ihren schwierigen Stoff erzählen sie – wie schon die Vorlage – aus der Sicht der relativ passiven, wenn auch fast stets anwesenden Figur des idealistischen afro-amerikanischen Wahlkampfmanagers Henry Burton (der bühnenerprobte Brite Adrian Lester), der gleichermaßen als Identifikationsfigur und moralischer Katalysator in dieser Achterbahnfahrt auf den Weg ins Weiße Haus dient.

    Bereits in der Eröffnungsszene wird Protagonist Jack Stanton bei einem Analphabeten-Treffen als Charakter mit gegensätzlichen Eigenschaften skizziert: Er ist sensibel und charismatisch, verfügt aber auch über einen Hang zum Egoismus und zur Wahrheitsmanipulation. Die rauh-raspelnde Stimme, das graue Haar, die runden Backen, die leicht zitternde Unterlippe und die Körperhaltung, von Travolta in einem Face/Off der virtuosen Art brillant emuliert, sorgen dafür, daß schon die äußerlichen Merkmale unbedingt an Clinton erinnern. Zudem ist dieser Stanton Gouverneur eines nicht weiter spezifizierten Südstaates, ist mit einer cleveren, resoluten Frau (top: Emma Thompson als Leinwand-Hillary, die mehr Sinn für Aufstieg als Sinnlichkeit projiziert) verheiratet, hat in Jugendjahren an einer Anti-Vietnam-Demo teilgenommen und wird als Schürzenjäger mit jungenhaftem Charme gezeichnet. Stanton sieht sich als Underdog, als Mann der kleinen Leute und nimmt sich Zeit für das (Smalltalk-)Gespräch und den persönlichen Kontakt mit seinen potentiellen Wählern. Voller Enthusiasmus wirkt er mitreißend-inspirierend, insgesamt aber auch ein wenig naiv-dümmlich. Lediglich bei politischen Debatten brilliert er mit unerwarteter Intelligenz. Höhepunkt des Films ist die Konfrontation zwischen den Stantons und ihrer langjährigen Vertrauten Libby Holden (Kathy Bates kurbelt ihren urigen Schrullenfaktor an), die ihnen vernichtenes Material über seinen Opponenten (“Dallas”-J.R. Larry Hagman) zukommen läßt und damit ihre Integrität (bisher hat Stanton Schlammschlachten abgelehnt) testen will.

    Übermäßig glaubhaft ist diese Konstruktion zwar nicht, dafür aber sicherlich emotional ergiebig. Oft hat man den Eindruck, daß die Filmemacher ihr 65-Mio.-Dollar-Projekt voller Bedacht und mit Samthandschuhen angegangen sind, um niemanden allzusehr auf die Füsse zu treten. So wird zwar ein kritischer Blick hinter die Politkulissen geworfen, doch gleichzeitig legen Nichols und Co. Wert darauf, den Protagonisten stets als Menschen mit Fehlern zu porträtieren, der trotz aller Defizite symphatisch bleibt. Für das amerikanische Publikum ist die milde Realsatire wohl durchaus als therapeutische Gegenwartsbewältigung geeignet, im Rest der Welt muß die politische Moralfabel in erster Linie auf ihre filmischen Meriten setzen.ara.

Darsteller und Crew

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