Michael Kohlhaas (2013)

Filmhandlung und Hintergrund

Stilisierte, wuchtige Adaption von Heinrich von Kleists Novelle um einen betrogenen Pferdehändler, ideal besetzt mit Charakterkopf Mads Mikkelsen.

Als “Don Quijote rigoroser bürgerlicher Moralität” bezeichnete Ernst Bloch “Michael Kohlhaas, Titelfigur von Heinrich von Kleists 1810 erschienener Novelle, ein Schulstandardwerk, das immer wieder gerne von Filmemachern adaptiert wird. Nach Wolf Vollmar (“Michael Kohlhaas”, 1967″), Volker Schlöndorff (“Michael Kohlhaas – der Rebell”, 1969) und John Badham (!) mit seiner Western-Variante “The Jack Bull” (1999) hat sich nun Arnaud des Pallières der universellen Geschichte vom Widerstand gegen Willkür, vom Kampf des Individuums gegen die Obrigkeit angenommen.

Der Franzose des Pallières hält sich eng an den deutschen Literaturklassiker, verlegt lediglich die im 16. Jahrhundert angesiedelte Handlung von Brandenburg und Sachsen in die Cevennen, eine karge, zerklüfte Gebirgsregion wie geschaffen für diese Tragödie eines aufrechten Mannes. Mit imposanten, fast bedrohlichen Naturaufnahmen beginnt er seinen Film, dessen bedächtiges Tempo er immer wieder mit klug eingesetzten Tonbildscheren bricht. Kohlhaas treibt seine Pferd Richtung Markt. Mittelalterliche (Trommel-)Musik liegt über der Szene, stark sind die Umweltgeräusche zu hören – Wind, Insekten, Vögel -, dem Tondesign kommt immense Wichtigkeit zu.

Ein fehlender, zu Unrecht geforderter Passierschein, führt dazu, dass der Pferdehändler

den Untergebenen des Lehnsherren zwei Rappen als Pfand überlassen muss, die er später in miserablem Zustand zurücknehmen soll. Erfolglos zieht Kohlhaas dagegen vor Gericht. Als seine Frau dann noch nach Misshandlungen der Schergen des Barons stirbt, schart er seine Getreuen um sich und zieht gegen die Herrschenden zu Felde.

Um den Unterschied zwischen Recht und Gerechtigkeit geht es, um Schinderei und Ohnmacht, um Religion. Mag das Drama auch in der Historie spielen, sind die Parallelen zur Gegenwart – Unterdrückung, Glaubenskampf und Volkszorn – jederzeit (be-)greifbar. Minimalistisch, kantig und wortkarg legt der ideal besetzte Mads Mikkelsen -u.a. unterstützt von Bruno Ganz, David Kross und David Bennent – den unbescholtenen Mann an, der zum Rebellen wird. Die Dialoge sind minimal, manchmal gar unverständlich, der Fokus liegt auf den strengen, kontrastreichen, wohl ausschließlich mit natürlichem Licht gedrehten Bildern. Kamerafrau Jeanne Lapoirie hat sich deutlich am rigiden Stil Robert Bressons (“Lancelot, Ritter der Königin”) orientiert. Halbnahe und nahe Einstellungen dominieren, selbst in den wenigen, zurückgenommen und einfach choreographierten Actionszenen. Frei nach Stéphane Hessel: “Empört euch!”. geh.

Pferdehändler Kohlhaas führt mit seiner Familie auf dem eigenen Hof ein glückliches Leben. Da verlangt der Verwalter des neuen Barons eines Tages ohne rechtliche Grundlage einen Passierschein. Kohlhaas muss zwei Rappen als Pfand zurücklassen, die er später in miserablem Zustand zurücknehmen soll. Gegen dieses Unrecht reicht der Mann erfolglos Klage ein. Als seine Frau dann noch nach Misshandlungen der Untergebenen des Lehnsherrn stirbt, begibt er sich mit seinen Getreuen auf einen Feldzug gegen die Herrschenden und hält das Land in Atem.

Als ihm willkürlich sein Eigentum genommen wird, begehrt ein Pferdehändler auf und zieht gegen die Besitzenden ins Feld. Stilisierte, wuchtige Adaption von Heinrich von Kleists Novelle mit Mads Mikkelsen in der Titelrolle.

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