Michael Kohlhaas (2013)

Michael Kohlhaas Poster
Nicht mehr im Kino.
Userwertung (0)
  1. Ø 0
Kritikerwertung (1)
  1. Ø 3.5

Filmhandlung und Hintergrund

Michael Kohlhaas: Stilisierte, wuchtige Adaption von Heinrich von Kleists Novelle um einen betrogenen Pferdehändler, der gegen die Herrschenden aufbegehrt.

Pferdehändler Kohlhaas führt mit seiner Familie auf dem eigenen Hof ein glückliches Leben. Da verlangt der Verwalter des neuen Barons eines Tages ohne rechtliche Grundlage einen Passierschein. Kohlhaas muss zwei Rappen als Pfand zurücklassen, die er später in miserablem Zustand zurücknehmen soll. Gegen dieses Unrecht reicht der Mann erfolglos Klage ein. Als seine Frau dann noch nach Misshandlungen der Untergebenen des Lehnsherrn stirbt, begibt er sich mit seinen Getreuen auf einen Feldzug gegen die Herrschenden und hält das Land in Atem.

Als ihm willkürlich sein Eigentum genommen wird, begehrt ein Pferdehändler auf und zieht gegen die Besitzenden ins Feld. Stilisierte, wuchtige Adaption von Heinrich von Kleists Novelle mit Mads Mikkelsen in der Titelrolle.

Videos und Bilder

Auf DVD & Blu-ray (1)

Kritiken und Bewertungen

So werten die User (0)
5
 
0 Stimmen
4
 
0 Stimmen
3
 
0 Stimmen
2
 
0 Stimmen
1
 
0 Stimmen
So werten die Kritiker (1 Stimmen)
5
 
0 Stimmen
4
 
1 Stimme
3
 
0 Stimmen
2
 
0 Stimmen
1
 
0 Stimmen

Wie wertest Du? Klicke auf einen der Sterne:

Kritikerrezensionen

  • "Michael Kohlhaas" versetzt die gleichnamige Novelle Heinrich von Kleists aus dem deutschen Osten in die französischen Cevennen. Der Ortswechsel betont in der Inszenierung von Arnaud des Pallières ("Adieu", "Parc") die Allgemeingültigkeit des Stoffs: Ein Mann, der sich gegen eine missbräuchliche Obrigkeit auflehnt und um Gerechtigkeit kämpft – diese klassische Konstellation fügt sich seit dem Ende des Mittelalters in nahezu jede Umgebung. Heinrich von Kleist erörterte am Beispiel dieses frühen Extremisten das Für und Wider moralischer Konsequenz und Unbeugsamkeit. Aus dem ins Philosophische driftenden Grundsatzdiskurs wird in dieser Literaturverfilmung eine emotionale, atmosphärisch dichte Ballade mit einem ikonenhaften Mads Mikkelsen in der Titelrolle.

    „Ich habe Prinzipien", sagt Kohlhaas einmal im Film. Er ist ein protestantischer, arbeitsamer Charakter, frei und stolz. Es ist herrlich, wie Mikkelsen allein schon durch die Kopfhaltung die Eigenschaften dieser Figur ausdrückt. Die Sturheit, die Kohlhaas bei Kleist nicht nur Bewunderung einbringt, sondern auch zahlreiche Sympathien kostet, verklärt das filmische Heldenepos als unausweichliche Tragik.

    Stilistisches Leitmotiv ist die Last des drohenden Unheils. Kohlhaas und seine Tochter Lisbeth (Mélusine Mayance) verstummen im Bewusstsein dessen, welchen Preis es kosten wird, sich gegen die Verhältnisse aufzulehnen. Wenn Kohlhaas mit seinen Begleitern im Nebel über die steinigen Bergwiesen reitet, wirkt er von dieser kargen Landschaft gestählt. Oft pfeift der Wind und die Percussionrhythmen des Soundtracks kündigen den nahenden Kampf an. Die Bildkompositionen – etwa wenn die tote Judith in weißem Kleid aufgebahrt im Freien liegt – haben eine Schwäche für romantische Überhöhung, die das Dramatische und das Melodiöse verbindet.

    So wirkt der Film wie eine gesungene Version des Kohlhaas-Stoffes, die auch ihre Nachteile hat. Die Betonung des fatalen Verlaufs verhindert, dass man sich näher in die Konflikte einbezogen fühlt. Auch beim Versuch, die konkrete Relevanz oder Aktualitätsbezüge auszuloten, lässt einen die große Geste des Films allein.

    Fazit: Mit einem ikonenhaften Mads Mikkelsen in der Titelrolle gerät "Michael Kohlhaas" zur romantisch überhöhten Ballade über den von Heinrich von Kleist geschaffenen Gerechtigkeitskämpfer.
  • Stilisierte, wuchtige Adaption von Heinrich von Kleists Novelle um einen betrogenen Pferdehändler, ideal besetzt mit Charakterkopf Mads Mikkelsen.

    Als “Don Quijote rigoroser bürgerlicher Moralität” bezeichnete Ernst Bloch “Michael Kohlhaas, Titelfigur von Heinrich von Kleists 1810 erschienener Novelle, ein Schulstandardwerk, das immer wieder gerne von Filmemachern adaptiert wird. Nach Wolf Vollmar (“Michael Kohlhaas”, 1967″), Volker Schlöndorff (“Michael Kohlhaas – der Rebell”, 1969) und John Badham (!) mit seiner Western-Variante “The Jack Bull” (1999) hat sich nun Arnaud des Pallières der universellen Geschichte vom Widerstand gegen Willkür, vom Kampf des Individuums gegen die Obrigkeit angenommen.

    Der Franzose des Pallières hält sich eng an den deutschen Literaturklassiker, verlegt lediglich die im 16. Jahrhundert angesiedelte Handlung von Brandenburg und Sachsen in die Cevennen, eine karge, zerklüfte Gebirgsregion wie geschaffen für diese Tragödie eines aufrechten Mannes. Mit imposanten, fast bedrohlichen Naturaufnahmen beginnt er seinen Film, dessen bedächtiges Tempo er immer wieder mit klug eingesetzten Tonbildscheren bricht. Kohlhaas treibt seine Pferd Richtung Markt. Mittelalterliche (Trommel-)Musik liegt über der Szene, stark sind die Umweltgeräusche zu hören – Wind, Insekten, Vögel -, dem Tondesign kommt immense Wichtigkeit zu.

    Ein fehlender, zu Unrecht geforderter Passierschein, führt dazu, dass der Pferdehändler

    den Untergebenen des Lehnsherren zwei Rappen als Pfand überlassen muss, die er später in miserablem Zustand zurücknehmen soll. Erfolglos zieht Kohlhaas dagegen vor Gericht. Als seine Frau dann noch nach Misshandlungen der Schergen des Barons stirbt, schart er seine Getreuen um sich und zieht gegen die Herrschenden zu Felde.

    Um den Unterschied zwischen Recht und Gerechtigkeit geht es, um Schinderei und Ohnmacht, um Religion. Mag das Drama auch in der Historie spielen, sind die Parallelen zur Gegenwart – Unterdrückung, Glaubenskampf und Volkszorn – jederzeit (be-)greifbar. Minimalistisch, kantig und wortkarg legt der ideal besetzte Mads Mikkelsen -u.a. unterstützt von Bruno Ganz, David Kross und David Bennent – den unbescholtenen Mann an, der zum Rebellen wird. Die Dialoge sind minimal, manchmal gar unverständlich, der Fokus liegt auf den strengen, kontrastreichen, wohl ausschließlich mit natürlichem Licht gedrehten Bildern. Kamerafrau Jeanne Lapoirie hat sich deutlich am rigiden Stil Robert Bressons (“Lancelot, Ritter der Königin”) orientiert. Halbnahe und nahe Einstellungen dominieren, selbst in den wenigen, zurückgenommen und einfach choreographierten Actionszenen. Frei nach Stéphane Hessel: “Empört euch!”. geh.

Darsteller und Crew

News und Stories

Kommentare

Liebe Nutzer, wir überarbeiten unser Kommentarsystem um es in Zukunft noch nutzerfreundlicher und weiter zugänglich zu machen. Bitte habt noch etwas Geduld mit uns, wir werden es euch dann bald an dieser Stelle zur Verfügung stellen.