Mein Kampf - George Tabori (2008)

Originaltitel: Mein Kampf
Mein Kampf - George Tabori Poster
Nicht mehr im Kino.
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Filmhandlung und Hintergrund

Mein Kampf - George Tabori: George Taboris Groteske um den jungen Hitler, der sich in einem Männerheim das Zimmer mit zwei Juden teilt.

Als junger Mann landet Adolf Hitler verarmt in einem Obdachlosenheim in Wien. Als ausgemergelter Einzelgänger versucht er an der Wiener Kunsthochschule aufgenommen zu werden und hat zudem ein Auge auf das Arbeitermädchen Gretchen geworfen, das allerdings ein Verhältnis zu dem herzensguten Lebenskünstler Schlomo pflegt. Damit nicht genug lebt Hitler mit dem Juden Schlomo und dessen Kumpel Lobkowitz gemeinsam im Obdachlosenheim. Der gutmütige Schlomo empfindet Mitleid mit Hitler und nimmt sich seiner väterlich an.

Videos und Bilder

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Kritiken und Bewertungen

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    Diese Filmsatire von Urs Odermatt, die auf der berühmten Groteske von George Tabori basiert, liefert eine weitere schwarzhumorige Variante zur Aufarbeitung eines der dunkelsten Kapitel der Geschichte. Wien, Anfang des 20. Jahrhunderts. Adolf Hitler kommt als ambitionierter Künstler in die österreichische Hauptstadt, um sich an der Wiener Kunstakademie zu bewerben. Da er mittellos ist, bezieht er ein Männerwohnheim, wo der jüdische Lebenskünstler Schlomo sich ihm annimmt und ihn wie einen Vater unterstützt. Doch Hitler ist zerfressen von Selbsthass und einem stetig ansteigenden Antisemitismus. Der ständige Beweis für seine Unzulänglichkeiten gibt den Weg für ungehinderte Rachegelüste frei, die auch vor Schlomo und seinen Gefährten nicht Halt machen. Der Film von Urs Odermatt, der auf der berühmten Groteske von George Tabori basiert, liefert eine weitere schwarzhumorige Variante zur Aufarbeitung des dunkelsten Kapitels der Geschichte. Das Lachen über die exzellente und überzogene Darstellung von Tom Schilling als größenwahnsinnigem Hitler bleibt dem Zuschauer im Halse stecken. Götz George als Schlomo ist überragend, die sehr dichte Kameraführung und die Genauigkeit der Milieudarstellung überzeugen. Komplex, sperrig, intelligent.

    Jurybegründung:

    Der Witz und die Originalität von George Tabori wurden in dieser kongenialen Adaption gut eingefangen. Die Regisseure Urs Odermatt und Martin Lehwald haben Taboris Theaterstück 'Mein Kampf' nicht zu viel filmischen Realismus eingeimpft und so bleibt dies eine Groteske, in der es kaum irritiert, wenn Gott als ein Jude und eine Frau Tod in der Wiener Blutgasse wohnen und dort der junge Adolf Hitler von dem Juden Schlomo Herzl unter seine Fittiche genommen wird. Schlomo schreibt ein Buch mit dem Titel 'Mein Kampf', die Dialoge sind gespickt mit Zitaten wie dem 'Wenn Du in den Abgrund blickst, blickt der Abgrund auf dich zurück' von Friedrich Nietzsche und der junge Hitler zeichnet auf seinem Malblock schon das Tor von Auschwitz.

    Der Film ist gespickt mit solchen Andeutungen auf die kommenden Monstrositäten von Hitler, der in dieser Geschichte noch ein armseliger Kleinbürger ist, der sich von der Barmherzigkeit der Juden im Männerwohnheim so gedemütigt fühlt, dass sein Hass auf sie zusehends pathologisch wird. Götz George ist hier als Schlomo in einer seiner Vollblutrollen zu sehen: leidenschaftlich, klug, witzig, überlegen. Tom Schillings Aufgabe ist schwieriger, denn er muss den Hitler als einen schwächlichen Kleinbürger verkörpern, der sich im Laufe des Films langsam die Obsessionen, Techniken und Manierismen des zukünftigen Tyrannen aneignet.

    Dabei wird von den Filmemachern gar nicht erst versucht, ein historisch auch nur halbwegs authentisch wirkendes Porträt der Wiener Jahre von Hitler zu inszenieren. Die Schauspielführung, die Dialoge, die Drehorte, die Ausstattung, all das wirkt immer stilisiert und wie gespielt - eben wie Theater. Diese Verfremdung, die eine ironische Distanz schafft, halten die Filmemacher konsequent durch. Und ständig schillert dabei Taboris subversiver Witz durch. Hier ist es das Gute, das das Böse schafft.

    Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)

Kritikerrezensionen

  • Frei nach George Taboris berühmtem Theaterstück teilt sich der junge Hitler in dieser tragikomischen Groteske ein Zimmer mit zwei Juden.

    Vor 20 Jahren sorgte George Tabori am Theater für Aufregung: Ein gallige Farce, die vollkommen surreal vom – fiktiven – Zusammentreffen des jungen Hitler mit zwei Wiener Juden handelte, die das Gute wollten und damit doch nur das Böse schufen. Urs Odermatt hat die Parabel nun nicht ganz reibungsfrei in einen Film übersetzt, dem man seine Herkunft deutlich anmerkt und der sich von einer Satire in eine Groteske gewandelt hat. Die guten Darsteller – Tom Schilling als armseliger Adolf, Götz George als väterlicher Schlomo, dazu diverse Theatergrößen – überzeugen in der historisch denkbar unkorrekten Komödie, die dermaßen mit Hinweisen auf die späteren Monstrositäten der Nazis gespickt ist, dass einem das Lachen im Halse stecken bleibt.

    Jüdischer (Galgen)Humor ist der Tonfall, mit dem die rastlose Kamera und Montage ins derbe Milieu Wiens kurz nach der Jahrhundertwende führen. Hier landet der ausgemergelte Hitler, ein wehleidiger Wirrkopf, den keiner ernst nimmt, erst recht nicht die beiden Juden Schlomo und sein Freund Lobkowitz (Bernd Birkhahn), bei denen sich das zitternde Bürschchen im Obdachlosenheim einquartiert. In der Blutgasse. Der gutmütige Schlomo Herzl nimmt sich dem verschreckten Adolf väterlich an, unterstützt seine Bewerbung bei der Akademie, bringt ihn – absichtlich wie unabsichtlich – auf fast alle ikonischen und thematischen Ideen, auf denen der Diktator Jahre später seine Schreckensherrschaft errichten wird. Obendrein klaut der undankbare Hitler den Titel von Herzls Autobiografie “Mein Kampf”, während er seine Aggressionen in Hass auf den “jüdischen Abschaum” kanalisiert und sich gewaltbereiten Nationalisten anschließt. Dessen ungeachtet nährt der friedliche Gutmensch Schlomo weiterhin eine Schlange an seiner Brust, was das Verhängnis seines ganzen Volkes widerspiegelt.

    Es ist ein farbiges Psychogramm, das Hitler mit allen Unsympathien, Komplexen, Neurosen und Pathologien spickt, die man sich nur denken kann, und das dazu wahllos Zitate aus späteren Reden einstreut. Weniger wäre mehr gewesen, auch wenn Tom Schilling (“Napola”) seinen fahrig-ehrlosen Part mit aller Manier auskostet. Götz George als pazifistischer, herzensguter Lebenskünstler und Ersatzvater, der immer eine Lebensweisheit kennt und das erste Opfer von Hitlers Antisemitismus wird, läuft zu großer Form auf. So sind es vor allem die Charaktere und weniger die eher zwanglose Inszenierung, die selten zur Groteske verdichtet, die diesem dämonischen Schwank ihren Stempel aufdrücken. tk.

Darsteller und Crew

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