Meek's Cutoff (2010)

Meek's Cutoff Poster
Nicht mehr im Kino.
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Filmhandlung und Hintergrund

Meek's Cutoff: Unkonventionelles, kraftvoll-sperriges Westerndrama über die Reise dreier Familien durch die Weite der Prärie.

1845 kämpfen sich drei Ehepaare mit ihren Planwagen durch die Wüsten und Berge des amerikanischen Nordwestens. Wachsende Zweifel machen sich immer stärker auf der beschwerlichen Reise bemerkbar, denn Stephen Meek, der die Gruppe nach Oregon bringen soll, erweist sich als Führer, der die Orientierung verloren hat. Pioniersfrau Emily misstraut Meek von Beginn an, rät in der ausweglosen Situation schließlich dazu, einem Fremden zu folgen, den nur sie bisher als Menschen wahrgenommen hat – einem gefangenen Indianer.

Mitte des 19 Jahrhunderts reisen drei Familien durch die Weite der Prärie und verlieren das Vertrauen in ihren Führer. Stimmungsvolles Kino-Westerndrama ohne die gängigen Genrezutaten, dafür mit klugem Buch und kraftvollen Bildern.

Videos und Bilder

Auf DVD & Blu-ray (1)

Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Erst nach 12 Jahren konnte Independent-Regisseurin Kelly Reichardt 2006 mit „Old Joy“ ihren zweiten Langfilm realisieren, doch seitdem liefert sie regelmäßige eines jener Dramen ab, die mit langen Einstellungen, spärlichem Dialog und überschaubarer Handlung ihrem minimalistischen Stil folgen. Auch ihr Western „Meek’s Cutoff“, falls man das Werk überhaupt in diese Sparte kategorisieren kann, arbeitet mit meditativer Stimmung und strengem Bildaufbau. Obwohl hier ein größeres Budget und zahlreiche Stars zur Verfügung standen, bleibt sie ganz ihren Motiven wie dem Reisen, dem Wiederstreit von Mensch und Natur oder herben Enttäuschungen und Desillusionierungen im täglichen Miteinander treu.

    Michelle Williams und Will Patton, schon im Vorgängerwerk „Wendy & Lucy“ vertreten, verkörpern das Ehepaar Tethrow, das mit Vergleich zu den anderen beiden Siedlerfamilien besonnener reagiert, als der großspurige Trapper Meek die Gruppe in die Felsenwüste führt. Während der Rest noch den Reden des wortgewandten, aber nicht sehr kenntnisreichen Fährtensuchers glaubt, setzt die von Williams gespielte Emily bald auf den Überlebensinstinkt des gefangenen Indianers. Den lebenslangen Erfahrungen des mit der Wüstenregion vertrauten Einheimischen stehen die rassistischen Vorurteile der Weißen gegenüber, die ihn als gefährlichen Feind betrachten.

    Bei der Vorbereitung wurde den Darstellern einiges an Strapazen abverlangt, was sich an ihren natürlichen Spiel ablesen lässt. Von Siedlerromantik fehlt jede Spur. Stattdessen stellt Reichardt den zähen Überlebenskampf und die internen Gruppenkonflikte in den Mittelpunkt. Bald überträgt sich die monotone Ereignislosigkeit der Reise, die zermürbende Hitze und die endlose Weite ohne Aussicht auf Erlösung auf den Zuschauer. Das offene Ende mag dabei enttäuschend wirken, passt aber letztlich direkt zu Tonfall und Erzählweise des bewusst spröden Werks.

    Da Reichardt zuvor besonders historische Tagebüchern aus weiblicher Hand studierte, nimmt ihre Road Movie-Studie zunehmend eine feministische Sicht ein, zumal die Meinung der streckenweise isoliert wirkenden Frauen wenig gefragt war. Eine Stimme der Vernunft hatte es trotz zunehmender Zweifel an der Zuverlässigkeit des prahlerischen Trappers schwer. Wenn sich im Handlungsverlauf zwischen Emily und dem Indianer langsam Gemeinsamkeiten heraus schälen – es handelt sich bei beiden um Außenseiter -, so unterläuft Reichardt auch hier die Erwartungen auf eine Freundschaft zwischen ihnen. Letztlich ist „Meek’s Cutoff“ eher ein Kritikerfilm, der auf diversen Festivals wie in Venedig oder München extrem positiv aufgenommen wurde. Als Kinozuschauer muss man bereit sein, sich auf den reduzierten Stil einzulassen, der wie die beiden vorhergehenden Reichardt-Arbeiten wieder in untertitelter Version in unsere Kinos kommt.

    Fazit: Ein ruhiges, poetisches Siedlerdrama unter Verzicht auf dramatische Zuspitzungen als realistischer Blick auf die US-Geschichte.
  • Kelly Reichardts dritter Spielfilm ist Pionierarbeit – ein authentischer, aus der Perspektive von Frauen erzählter Western über einen verirrten Planwagenzug.

    2010 zog Reichardt mit ihrer Low-Budget-Produktion von Festival zu Festival und erntete auf dieser Tour, was den Protagonistinnen ihres Trecks versagt blieb: Anerkennung. Verdient hatte sie sich diese mit einem realistischen Gegenentwurf zu romantisierenden Western, in denen Männer führen und das Land wie auch die Frauen dominieren. “Meek’s Cutoff” bedient keines dieser Klischees, erzählt von drei Paaren, die 1845, in den frühen Tagen des Oregon-Trails, versuchen, sich mit ihren Planwagen einen Weg durch Berge und Wüsten zum Pazifischen Nordwesten zu bahnen. Ihr Führer, sein Versagen und der gemeinsame Kampf gegen Durst, Hunger und Orientierungslosigkeit, sind authentisch und Basis für ein minimalistisches Drehbuch, das die Eroberung des Landes einmal als Kapitulation davor beschreibt und den Mythos des Mannes als Autorität entzaubert.

    Von Beginn an misstraut Michelle Williams’ Hauptfigur Emily Joseph Meek (Bruce Greenwood) und seinen abenteuerlichen Anekdoten, steht stellvertretend für die vielen hart arbeitenden Frauen, denen der Western selten eine Stimme gab. Reichardt zeigt das entbehrungsreiche Leben dieser Phantome in all seiner Nüchternheit und Monotonie – distanziert von den Gesprächen und Entscheidungen ihrer Männer, aber ohne einen anklagenden Ton, der sich allein auf Meek beschränkt. Dessen Überheblichkeit und titelgebende Abkürzung bringt die kleine Gruppe in größere Gefahr als die gefürchteten Indianer. Als man tatsächlich einem von seinem Stamm getrennten Einzelgänger begegnet, kommt größere Intensität in den Film, spitzt sich der Konflikt darauf zu, ob das vermeintliche Monstrum als Mensch erkannt und ihm Vertrauen entgegengebracht werden kann. Reichardts Indianer ist kein Mann der Aktion, sondern ein stiller Beobachter mit Geheimnissen. Ihr Film ist das insgesamt auch, stellt mit wenigen Worten und Schnitten in langen Einstellungen den Menschen als verlorenen Besucher in weiten Landschaften aus, kontrastiert diese mit dem klaustrophobischen Bildformat von 1.33:1, das Hollywood lange prägte. Es ist ein schöner, unorthodoxer Film, den man sich erarbeiten muss, aber sehr wohl genießen kann. kob.

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