Land der Wunder (2014)

Originaltitel: Le meraviglie
Land der Wunder Poster
Nicht mehr im Kino.
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Filmhandlung und Hintergrund

Land der Wunder: Wunderbar beobachtetes italienisches Drama über eine Familie auf dem Land in Umbrien in den Achtzigerjahren, die an sich selbst und einer Fernsehshow zu zerbrechen droht.

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Kritikerrezensionen

  • Die liebevoll schräge Coming-of-Age-Geschichte "Le Meraviglie – Land der Wunder" handelt von einer Aussteigerfamilie, die isoliert in einem alten italienischen Landhaus lebt. Dort gerät das vom idealistischen und sturen Vater Wolfgang dominierte Beziehungsgefüge ins Wanken. Schuld daran ist nicht nur die finanzielle Krise, sondern auch das Heranwachsen der ältesten Tochter Gelsomina. Der zweite Langfilm der Regisseurin und Drehbuchautorin Alice Rohrwacher ("Corpo Celeste") spielt in deren Heimatregion Latium. Auch sie stammt aus einer deutsch-italienischen Familie und kennt sich in der Imkerei gut aus. Der Film, der in Cannes 2014 mit dem Großen Preis der Jury ausgezeichnet wurde, beeindruckt mit seinem fundierten und wehmütigem Blick auf ein Lebensmodell ohne Zukunft.

    Unter einer Aussteigeridylle stellt man sich ein entspannteres Leben vor als in dieser Familie. Die Töchter fürchten sich vor Wolfgangs Reizbarkeit. Angelica wiederum ärgert sich, dass er den Kindern lieber ein Kamel kauft, als in die Honigherstellung zu investieren. In Wahrheit wären die Eltern ohne Gelsomina, die überall zur Hand gehen muss, aufgeschmissen. Als das patente Mädchen zufällig Milly Catena (Monica Bellucci), die gute Fee der TV-Sendung über ländliche Traditionen, kennen lernt, sehnt es sich nach der unbekannten Außenwelt. Zündstoff in die enge Beziehung zum Vater bringt auch der deutsche Gast Martin, mit dem sich Gelsomina ohne Worte versteht.

    Dass Martin überhaupt nicht spricht, ist nur eine von vielen schrägen Besonderheiten. Zwar geht vieles in der Familie drunter und drüber, aber manches funktioniert dennoch erstaunlich gut. Das zeigen vor allem die innigen Szenen zwischen Gelsomina und ihrer jüngeren Schwester Marinella (Agnese Graziani). Die Gesichtsausdrücke der Mädchen verraten oft ein tiefes Verständnis der Probleme und eine altkluge Toleranz. Die Konfrontation des unbeholfenen Wolfgang mit der hohlen TV-Show gerät zur bissigen Satire. Die stimmigen, hervorragend gespielten Charaktere sichern sich die Sympathien des Zuschauers in dieser von feinem Humor durchwirkten Geschichte.

    Fazit: Die Coming-of-Age-Geschichte "Le Meraviglie – Land der Wunder" ist ein bezaubernder Abgesang auf das Lebensmodell einer schrägen, aber liebenswerten Aussteigerfamilie.
  • Wunderbar beobachtetes italienisches Drama über eine Familie auf dem Land in Umbrien in den Achtzigerjahren, die an sich selbst und einer Fernsehshow zu zerbrechen droht.

    Mit “Wunderwerk” lässt sich der Titel der zweiten Regiearbeit der erst 32-jährigen Italienerin Alice Rohrwacher übersetzen, was auch ganz gut auf den Film selbst zutrifft, der sich dem Kino der Dardenne-Brüder und damit unbedingtem Realismus verpflichtet fühlt, aber doch ganz wundersam in die Erlebenswelt seiner 14-jährigen Hauptfigur eindringt. So erzählt der Film mit ganz unmittelbaren Bildern, die immer nah an ihren Figuren bleiben, von einer Bauernfamilie Ende der Achtzigerjahre mitten in Italien, die sich seinerzeit wohl aus radikalen politischen Gründen von der Gesellschaft losgesagt hat und mittlerweile einfach nur frei und nach eigenen Regeln auf ihrem Hof von der Honigherstellung lebt. Klar ist die Rollenaufteilung: Wolfgang ist der deutschstämmige Patriarch, der mit eiserner Faust über sein kleines Königreich herrscht und unter dessen schwelender Wut und Aggression der Rest der Gemeinschaft zu leiden hat: seine deutlich gebildetere Frau, ihre vier Töchter und eine deutsche Freundin, die immer schon zum Familienverband zu gehören scheint und deren Rolle sich auch nicht wirklich erschließt.

    Der offenkundig autobiographisch gefärbte Film rückt die älteste Tochter Gelsomina – so hieß auch Giulietta Masinas Figur in Fellinis “La strada“, die ihrerseits einer dominanten Vaterfigur in inniger Hassliebe verbunden ist – in den Mittelpunkt, eine 14-Jährige, die ihrem Vater bei allen Arbeiten stets zur Hand gehen muss, aber innerlich gegen die rigorose Weltsicht aufbegehrt, weil sie eigene Bedürfnisse zu entdecken beginnt. Als ein schwer erziehbarer Junge in die Obhut der Familie gegeben wird, damit die sich ein bisschen Geld dazu verdienen und damit womöglich auch den eigenen Hof retten kann, beginnt das fragile Gefüge aus den Fugen zu geraten. Zur offenen Konfrontation kommt es schließlich, als Gelsomina die Familie zu einem Wettbewerb in einer lokalen Realityshow anmeldet.

    Toll beobachtet ist der Film, der oftmals dokumentarische Züge trägt, wenn man den Menschen bei ihrer Arbeit zusieht. Erst spät in der Handlung beginnt das Wunder zu wirken, von dem im Titel die Rede ist, beginnen nicht leicht erklärbare Dinge und Bilder in den Alltag zu fließen: Veränderung ist unausweichlich, Entscheidungen müssen getroffen werden. “Le meraviglie” sollte ursprünglich beim 67. Festival de Cannes in Un certain regard gezeigt werden und wurde von Thierry Frémaux erst am Tag vor Bekanntgabe des Programms in den Wettbewerb aufgenommen. Da wirkte er auch ein bisschen überfordert, als würde diesem kleinen, scharf betrachteten Film eine etwas zu große Last aufgebürdet werden. Der Jury um Jane Campion war der Film dennoch der Jurypreis wert. Und ein Talent, das man im Auge halten sollte, ist Alice Rohrwacher allemal. ts.
  • The Wonders über eine Imker Familie an der Trasimenischen See, ist ein Film, der zwei verschiedene Arten des Filmemachens miteinander verbindet: Zum einen ist The Wonders emotional und intensiv, zum anderen ist es aber auch ein Film, in dem nicht allzu viel passiert. Die Imker Familie ist neu in der Gegend und noch dem modernen urbanen Leben verhaftet. Der Vater Wolfgang (Sam Louwyck), ein Landkommunarde, der als Ökobauer gegen Pestizide zu Felde zieht. Die Mutter Mutter (Alba Rohrwacher) ackert im Gemüsegarten, um die Familie zu ernähren. Ausserdem ist da noch die ehemalige Hippie Landarbeiterin Coco (Sabine Timoteo). Die Tochter Gelsomina (Maria Alexandra Lungu) hat eine besondere Fähigkeit: Sie kann die Bienen furchtlos in den Mund nehmen oder über Gesicht krabbeln lassen. Damit hofft sie in der TV Show von Milly Catena (Monica Bellucci) aufzutreten - was wiederum den Vater, den Patriarchen erzürnt. Die meiste Zeit beobachten wir einfach die Familie, wie sie ihre tägliche Arbeit verrichtet oder darüber redet. In Episode erzählt uns Alice Rohrwacher diese Geschichten, von Menschen mit Ecken und Kanten, die echt wirken. Oft denke ich beim Schauspiel gar nicht an Spiel, sondern echtes Verhalten. Der Film versucht nicht, dokumentarisch zu wirken, aber es gibt Momente, da scheint es trotzdem so. Die Aussage, der Film hätte wenig Handlung, muss an dieser Stelle korrigiert werden. Es gibt so etwas wie treibende Emotionen, nicht aber einen traditionellen Plot. Das Geschehen funktioniert weniger wie eine Grund-Effekt-Folge. Manchmal fragt man sich aber auch einfach: "Wieso sind wir immer noch an dieser Stelle? Warum kann es jetzt nicht weiter gehen?" Rohrwacher scheint dem odernen Filmemachen einfach den Rücken zugekehrt haben. Ihr Film wirkt manchmal wie aus der Zeit gefallen; ich denke an die frühen 70er, da man einfach ungewöhnliche Menschen in verschiedenen Situationen darstellte. Einfach mit der Kamera drauf halten. mehr auf cinegeek.de
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