Kriegerin (2011)

Kriegerin Poster
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Filmhandlung und Hintergrund

Kriegerin: Packendes Sozialdrama um eine junge Frau in einer rechtsradikalen Clique in der Provinz, die versucht, ihr Leben zu ändern.

Marisa ist Anfang 20, Neonazi und sie schlägt zu, wenn ihr jemand dumm kommt. Sie lebt in einer miefigen ostdeutschen Kleinstadt, hasst Ausländer, Politiker, den Kapitalismus, die Polizei und alle anderen, denen sie die Schuld dafür gibt, dass ihr Freund Sandro im Knast landet und ihre Welt aus den Fugen gerät. Und der Sommer hält noch mehr Ärger für sie parat: Die rebellische Svenja drängt in Marisas Clique, macht ihr den Platz streitig, und der afghanische Flüchtling Rasul sucht sich ausgerechnet ihren Badesee zum Schwimmen aus.

Ein überzeugtes Neonazi-Mädchen im Osten freundet sich wider Erwarten mit einem afghanischen Flüchtling an. Packendes Sozialdrama um eine junge Frau in einer rechtsradikalen Clique in der Provinz, die versucht, ihr Leben zu ändern.

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Kritiken und Bewertungen

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  • „Besonders wertvoll”

    Die 20jährige Marisa gehört zu einer rechtsradikalen Jugendclique in einer ostdeutschen Kleinstadt. Ihr Leben ist geprägt von Orientierungslosigkeit. Nur zu ihrem kranken Opa hat sie noch wirklich Vertrauen. Als die Gewalt ihrer Clique gegen Unschuldige immer stärker eskaliert, beginnt Marisa ihre bisherigen Überzeugungen zu hinterfragen. Der Abschlussfilm von David Wnendt beeindruckt vor allem durch seine starken weiblichen Protagonistinnen. Alina Levshin als Marisa und Jella Haase als Svenja liefern eine grandiose darstellerische Leistung, die den inneren Kampf zwischen Hass, Hilflosigkeit und der Suche nach Halt reflektiert. Die Inszenierung ist beängstigend authentisch, vor allem durch die Fokussierung auf die Dynamik innerhalb der Clique, die politikentleert ihren Zusammenhalt durch rechtsradikale Symbole sucht. Viele subtile Andeutungen lassen Raum für eigene Schlüsse. Kraftvoll und beängstigend nah - ein wichtiger deutscher Film.

    Jurybegründung:

    Ein junges Mädchen erhält Unterricht im Überlebenstraining am Meer. Der geliebte Großvater lässt sie einen mit Sand gefüllten Rucksack schleppen. Auf eine Frage seiner Enkelin nach der Zeit im Zweiten Weltkrieg und den Verbrechen an Unschuldigen reagiert er eindeutig: Es seien die Juden, die noch immer die Fäden ziehen. Der Keim ist gelegt. Jahre später ist Marisa in einer rechtsradikalen Clique und trägt passende Tattoos. Prügelt in der U-Bahn mit beim ?Ausländerklatschen'. Die Liebesakte mit ihrem Freund aus dieser Clique sind von einer ebenso aggressiven Radikalität geprägt. Lediglich gegenüber ihrem Großvater im Krankenhaus verhält sie sich zärtlich und sensibel. Dies zeigt, dass sie auch verletzlich ist und nicht nur verroht, nicht nur angeblich frei von jedweden Schuldgefühlen. Das ist ein Teil des roten Fadens im Film der Protagonistin Marisa.

    Es ist schwer, nicht hineingezogen zu werden in diesen Film. Mit größter Genauigkeit stellt er die Verrohung und Distanzlosigkeit einer Horde von jungen Erwachsenen im rechtsradikalen Milieu in einer beliebigen ostdeutschen Kleinstadt dar. Wie selbstverständlich tragen sie in ihrer eindimensionalen Welt ihren Hass und ihre Wut nach innen in der Gruppe und nach außen auf alles und jeden aus. Diese Welt erscheint im Film statisch und unveränderbar.

    Marisas Geschichte wird jedoch von einem Ereignis geprägt, das sie verändern wird. In ihrer Wut drängt sie zwei Asylanten auf ihrem Moped in den Straßengraben. Nur einer, Rasul, scheint überlebt zu haben. Er sucht Unterstützung bei ihr zum Untertauchen und zur Flucht. Ihr zum Idol erhobener Großvater stirbt und sie erfährt von ihrer Mutter, dass er mitnichten ihrem Idealbild entspricht. Im Film unaufdringlich motiviert, verändert sich ihre Einstellung auf ihre bisherigen eindeutigen Zuordnungen. Die gleiche Brutalität, die sie als "Kriegerin" eingesetzt hat, zeigt sie nun gegenüber denen, die sie verletzt haben, in ihrer Gruppe und ihrem Freund. "Man muss für alles bezahlen und gerade stehen für den Dreck, den man gemacht hat". Ein Spruch ihres Großvaters als Lebensweisheit, der nun mit bitterer Konsequenz für sie eingelöst wird.

    Im Film sehen wir die Innenansicht der Gruppe, deren Identität sich durch Dresscodes, Tattoos mit Hakenkreuzen und eindeutigen Verweisen auf die Verherrlichung der Nazi-Ideologie auszeichnen. Verbunden mit der Lust an Verbotenem, die aber kaum einen zu stören scheint, und geprägt durch männliche Härte und Schlagworte als Zeichen der Zugehörigkeit. Unscharf bleiben die Konflikte mit einem äußeren Feind, als wären sie nicht nötig. Sie sind sich eigentlich selbst genug. Das Politische scheint ausgeblendet und spielt kaum eine Rolle, weil die notwendige Reflexion fehlt.

    Svenja stößt dazu, sie will weg vom despotischen Vater, ihre Pubertät lässt ihr nur den Protest-Raum der Faszination der Nazigruppe. Immer stärker lässt sie sich ein, zunächst nur vorsichtig tastend, bricht sie nach einer Eskalation mit ihrem Vater die Kontakte mit der Familie ab. Nur langsam scheint es eine Annäherung der beiden jungen Frauen Svenja und Marisa zu geben. Sie bleibt brüchig bis zum Ende des Films. Beim Schlussbild am Meer wird der Zuschauer nicht wissen, ob es für Svenja einen Weg zurückgibt. Er wird es aber hoffen.

    Die Dichte des Films lässt den Zuschauer von Anfang an nicht los. Weil es kein Actionfilm ist, der uns von einer Szene zur nächsten treibt, sondern die Mehrdimensionalität und Mehrschichtigkeit der unterschiedlichen Lebenswelten der Eltern, der Entwicklungsstränge der Protagonistinnen und der genaue Blick auf die Innenansichten der rechtsradikalen Gruppe. Wie in ein Brennglas hinein.

    Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)

Kritikerrezensionen

  • Von den blühenden Landschaften, die Kanzler Kohl einst prophezeite, ist diese ostdeutsche Provinz weit entfernt. Die Elterngeneration hat sich in Gefühlsarmut zurückgezogen. Die rechtsextremen Jugendlichen in Marisas Clique sind erlebnishungrig, und sie haben wenig, worauf sie stolz sein können. Regisseur und Drehbuchautor David Wnendt hat für seinen Abschlussfilm an der Filmhochschule Konrad Wolf in Potsdam-Babelsberg viel recherchiert unter jungen ostdeutschen Neonazis. Das merkt man dem Drama „Kriegerin“ an.

    Marisa wohnt nicht nur bei ihrer Mutter, sie arbeitet auch im gleichen Supermarkt wie sie. Die Mutter nimmt Sandros Anwesenheit in ihrer Wohnung hin, selbst als es deswegen einen Polizeieinsatz im Haus gibt. Als im Supermarkt die beiden Afghanen an die Kasse kommen, weigert sich Marisa, ihre Waren anzunehmen, und die Mutter eilt von hinten herbei, um ihre Tochter an der Kasse abzulösen. Einerseits also akzeptiert sie ihre Einstellung, andererseits macht sie ihr einmal klar, dass sie ihr außer Kinderkriegen nicht viel zutraut.

    Alina Levshin stellt Marisa dar, die extrem gewalttätig werden kann und sich burschikos und abgebrüht gibt. Aber wenn sie ihren Großvater im Krankenhaus besucht, zeigt sie eine weiche Seite. Ihre Impulsivität beweist, dass sie noch nicht erwachsen geworden ist. Glücklicherweise geht der Film nicht so weit ins Unglaubwürdige, dass er Marisa und den Afghanen Rasul zum Liebespaar macht, vielmehr geht ihr allmähliches Sich-Kennenlernen nur zögerlich in Richtung Freundschaft. Rasul erscheint als ein Opfer der Behörden, ihm wird vom Amt sogar ein Telefongespräch mit seinem Onkel in Schweden verweigert. Wenn sich der Junge in einem leerstehenden Haus versteckt und sich fragt, wie er die Schlepper bezahlen soll, die über das Meer fahren, sieht Marisa einen Menschen in Not, statt ihr Feindbild von gestern.

    Die 15-jährige Svenja, gespielt von Jella Haase, rutscht in die rechte Szene aus Protest gegen ihren Stiefvater. Mit ihr wird der Zuschauer durch die Räume einer Blockwohnung geführt, die einem älteren Nazi gehört. Dutzende meist männliche Jugendliche haben sich dort eingefunden, um sich zu betrinken und sich von NS-Propaganda berieseln zu lassen, als wäre das ultimatives Geheimwissen. Der kollektive Rausch wirkt abstoßend und verwandelt die Wohnung in eine Bruchbude. Die hemmungslose Randale, die in der Neonazi-Gruppe gefeiert wird, dient offenbar dazu, das individuelle Verlierergefühl für kurze Zeit in Triumph zu verwandeln.

    Wnendt zieht auch einen Bogen von Marisas Ansichten zu denen ihres geliebten Großvaters. Während die Mutter arbeitete, kümmerte sich der Alte früher um das Kind und legte ihm die Werte seiner braunen Ideologie ans Herz. Die Mutter selbst ist emotional verkümmert, wie auch Svenjas Mutter als Bezugsperson nicht wirklich zur Verfügung steht. Auch gegen die Unsicherheit der Eltern richten sich die geballten Hassparolen der Neonazis. In diesem Spielfilm, der den Rechtsextremismus unter ostdeutschen Jugendlichen sicherlich nicht umfassend erklären kann, sieht er aus wie die hässliche Fratze einer Verwahrlosung, die sich von der Landesebene über die soziale Kommunikation bis zu den Individuen erstreckt.

    Fazit: Der Filmhochschul-Absolvent David Wnendt hat für sein Drama gründlich in der rechtsextremen Jugendszene Ostdeutschlands recherchiert.
  • Realitätsnahe, schonungslose und fürs Skript mit dem Förderpreis Deutscher Film prämierte Sozialstudie um eine Rechtsextremistin, die nach ihrem Platz im Leben sucht.

    “Nazibraut” steht auf ihrem T-Shirt. Auf die Schulter hat sie sich “Skingirl” tätowiert und den rechten Unterarm ziert der dem US-Faschisten David Eden Lane zugeschriebene Glaubenssatz “14 Words”, der verklausuliert ausdrücken soll, dass die sogenannte “arische Rasse” allen anderen Rassen überlegen ist. Keine Springerstiefel, keine Bomberjacken – und doch ist gleich ganz klar, worum es in “Kriegerin” geht: Um den alltäglichen Rassismus in Deutschland, mit Blick auf die aktuellen tagespolitischen Ereignisse ein brennendes Thema, das David Falko Wnendt in seinem Kinoerstling mit schonungsloser Offenheit abhandelt. Er klärt in seinem Diplomfilm ohne erhobenen Zeigefinger auf, meidet Klischees, ermöglicht ein Verstehen, entschuldigt dabei aber die Taten seiner Figuren nicht.

    Seine “Heldin” Marisa, eindringlich gespielt von der talentierten Newcomerin Alina Levshin, ist wütend, orientierungslos und gewaltbereit. Die Sonne brennt wie beim Existenzialisten Albert Camus vom Himmel. Die Luft steht. Die Nerven liegen blank. In einer miefigen ostdeutschen Kleinstadt sucht die junge Frau nach einem Platz in ihrem Leben. Die Eltern, Ausländer, Politiker, alle sind ihre Feinde. Freund Sandro wird bei einer Razzia verhaftet, die rebellische Svenja (Jella Haase) macht ihr den Platz in ihrer Clique streitig und am Baggersee taucht der afghanische Flüchtling Rasul (Sayed Ahmad) auf.

    Aus streng weiblicher Perspektive erzählt Wnendt seine Geschichte, in der er nach Wurzeln und Ursachen des modernen Rechtsextremismus sucht. In der Vater- und Großvatergeneration macht er die Ursache des Übels fest, nichts hat man aus der Geschichte gelernt, patriarchalische Strukturen mit Schlägen als Erziehungsmethode sind immer noch an der Tagesordnung, die latente Fremdenfeindlichkeit ist omnipräsent und auch nationalsozialistisches Gedankengut wird immer noch bedenkungslos weitergegeben. Rastlos wird nach Schuldigen am eigenen trostlosen Schicksal gesucht, die nervöse Handkamera Jonas Schmagers fängt die innere Unruhe der Protagonisten perfekt ein. Fahl, ausgebleicht, trostlos sind die Bilder, an den Nerven zerrt Johannes Repkas Musik, bei der kreischende Gitarreriffs sich mit melancholischen Klängen abwechseln. Die universelle Frage nach der Verantwortung, für sich selbst, für andere und die Gesellschaft steht im Mittelpunkt dieser schonungslosen Arbeit, die keine einfachen Erklärungen zulässt. Fast dokumentarisch mutet dieses mutige Debüt an, für das Drehbuchautor Wnendt den Förderpreis Deutscher Film gewann und Alina Levshin als beste Darstellerin ausgezeichnet wurde.

    geh.

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