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Kohlhaas oder Die Verhältnismäßigkeit der Mittel (2012)

Kohlhaas oder Die Verhältnismäßigkeit der Mittel Poster
Nicht mehr im Kino.
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Filmhandlung und Hintergrund

Kohlhaas oder Die Verhältnismäßigkeit der Mittel: Ein Film über die schwierige Produktion einer Verfilmung von Heinrich von Kleists Novelle "Michael Kohlhaas".

Jungfilmer Lehmann hat mit seinem Team gerade den ersten Drehtag für sein ambitioniertes Historienepos “Kohlhaas” absolviert, da ereilt ihn die Hiobsbotschaft, dass alle Fördergelder gestrichen wurden. Ohne finanzielle Mittel bleibt dem wild Entschlossenen nur ein treues Rumpfteam, um in der fränkischen Provinzgemeinde Speckbrodi mit Hilfe der dortigen Bevölkerung seine Vision auf die Beine zu stellen. Rasch zerstreiten sich alle Beteiligten, während das Unternehmen im Chaos versinkt.

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Kritiken und Bewertungen

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    Da steht er nun, mitten in der bayerischen Provinz: Lehmann, der Regisseur. Er hat die schwierige Aufgabe, seinem Filmteam die Nachricht zu überbringen, dass die Finanzierung weggebrochen ist. Und zwar komplett. Es gibt kein Geld, mit dem er die Novelle KOHLHAAS von Heinrich von Kleist adäquat verfilmen kann. Doch Lehmann gibt nicht auf, bittet sein Team, am Drehort zu bleiben und hofft auf die Unterstützung der lokalen Bevölkerung. Und auf die Vorstellungskraft aller Beteiligten. Denn wenn man sich Dinge vorstellen kann, sind sie auch real. Irgendwie. Regisseur Aron Lehmann erzählt in seinem Debütfilm von den alltäglichen Tücken des Filmemachens. Seine Figuren bedienen Klischees und sind doch echt, wirken überzogen und gleichzeitig bodenständig authentisch. Robert Gwisdek verkörpert überzeugend und mit vollem Einsatz den Regisseur selbst, der die Hoffnung auf seine filmische Vision nicht aufgeben kann und will. Immer wieder präsentiert Lehmann die Ebene des Film-im-Film, wechselt zwischen dokumentarischem "Making Of" und der eigentlichen Kohlhaas-Verfilmung, wobei auch Ton- und Musikebene dramaturgisch eine wichtige Funktion innehaben. Der Humor ist mal still, mal irrwitzig, mal trocken, mal albern. Und doch schimmert immer wieder auch die Tragik des Künstlers durch, der gegen Windmühlen um seinen Traum kämpfen muss. Ein leichtfüßig erzählter und origineller Film über das Filmemachen. Und die Macht der Illusion, die Kino heißt.

    Jurybegründung:

    "Michael Kohlhaas" von Kleist - kulturelles Allgemeingut, das man kennen muss. Umso interessanter ist der Ansatz des Regisseurs Aron Lehmann, dem Stoff neue Aspekte und Aktualität zu verleihen.

    Der gewählte Ansatz ist sicherlich nicht jedermanns Sache, in sofern konnte der Hauptausschuss das Urteil der Erstjury nachvollziehen. Wenn man keinen Zugang zum Regiekonzept findet, bleibt man als Zuschauer außen vor und empfindet die Mischung aus Laienspiel und professioneller Darbietung, aus echter Inszenierung und Imagination als befremdend. Wenn man sich als Zuschauer jedoch darauf einlässt, wird man auf vielerlei Weise überrascht und bekommt einen vollkommen neuen Kohlhaas präsentiert.

    Viele kleine Nebenerzählstränge und beiläufig wirkende Regieeinfälle sorgen für Kurzweil. Wenn der Film ins Chargieren abzudriften droht, kommen Momente großer Tiefe und Ernsthaftigkeit. Auch das gekonnte Verschränken von imaginiertem Spiel und realer Tonebene (die Ritte ohne Pferd, die Schlachten ohne Feind und Waffen) beeindrucken in ihrer Schlichtheit und Wirkung. Das liegt vor allem auch dem hervorragend agierenden und ebenso hervorragend geführten Ensemble aus professionellen Schauspielern und Laiendarstellern, die sich niemals gegenseitig an die Wand spielen oder dem anderen Raum streitig machen.

    Der Spannungsbogen wird stets neu gespannt und es bleibt zu hoffen, dass sich viele Zuschauer finden werden, die sich auf dieses geglückte filmische Experiment einlassen und es zu würdigen wissen. Ihnen winkt ein subversives Kinovergnügen, wie es nur selten zustande kommt und konzeptionell aufgeht.

    Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)

Kritikerrezensionen

  • Realsatire, Reise in den Wahn, Ode an die Fantasie: Ein Filmteam dreht “Kohlhaas” und scheitert tragikomisch.

    Einen Monat, bevor Mads Mikkelsen in “Michael Kohlhaas” für sein Recht kämpft, kommt HFF-Absolvent Aron Lehmanns 2012 auf dem Filmfest München uraufgeführtes (Nominierung für beste Regie) und 2013 mit dem Publikumspreis des Max-Ophüls-Festivals ausgezeichnetes Spielfilmdebüt ins Kino. Statt Heinrich von Kleists Schullektüren-Novelle klassisch zu adaptieren, macht Lehmann aus der Budgetnot eine Tugend und reflektiert mit einer Mischung aus “Living in Oblivion” und “Lost in La Mancha” so realsatirisch wie tragikomisch die Tücken der (teutonischen) Filmfinanzierung.

    Er zeigt ein Filmteam im Provinznest Speckbrodi, das als Kulisse für ein Historienepos dient. Gleich am ersten Drehtag erreicht den entgeisterten Nachwuchsregisseur Lehmann (ausdrucksstark: Michael Gwisdeks vielbeschäftigter Sohn Robert) die Hiobsbotschaft: Die Fördergelder sind gestrichen, er und die Reste seines ratlosen Filmteams stehen auf dem Acker. Lehmann aber will nicht aufgeben. Mag man ihm auch seine Rüstung nehmen, als Ritter von der traurigen Gestalt kämpft er verbissen für seine Vision. Es folgt Apocalypse Now in der fränkischen Pampa inklusive Reise in den Wahnsinn.

    Sein Hauptdarsteller (Tatort-Pathologe Jan Messutat) muss statt einem Pferd nun einen obstinaten 900-Kilo-Ochsen reiten, der Bürgermeister mit Schauspielambitionen sichert die Unterstützung der gesamten Gemeinde zu. Doch Idealismus und Improvisation haben ihre Grenzen genauso wie das Kunstverständnis der Provinzbewohner. Das Chaosprojekt entwickelt sich zum Alptraum, der jedermanns Nerven bloßlegt und viel Streit vom Zaun bricht. Derweil verschwimmen die Grenzen zwischen Fiktion und Realität, zwischen Kunst und Dilettantismus.

    Clever verstrickt Aron Lehmann Ausschnitte aus dem Film-im-Film mit Handkameraaufnahmen von Set, variiert zwischen poetischen Impressionen und Schreitiraden der überzeugend echten, hochemotional agierenden Darstellerriege. Auf beiden Ebenen münden die Konflikte in einen Krieg, wobei Lehmanns alter ego mehr tragisch als komisch, aber immer treffend satirisch, tief fällt. Lehmann liefert eine hintersinnige Allegorie mit Seitenhieben aufs Filmbiz, die gleichzeitig als eine Hommage an die Vorstellungskraft eine Lanze für die künstlerische Freiheit bricht.

    tk.

Darsteller und Crew

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