Jimmy's Hall (2014)

Jimmy's Hall Poster
Nicht mehr im Kino.
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Filmhandlung und Hintergrund

Jimmy's Hall: Beschwingt erzähltes Drama von Ken Loach über den einzigen gebürtigen Iren, der jemals aus seinem Geburtsland ausgewiesen wurde.

Im Jahr 1909 muss der 23-jährige Ire James \”Jimmy\” Gralton (Barry Ward) nach einigen Auseinandersetzungen mit der Kirche und den Großgrundbesitzern seine Heimat verlassen und in die Vereinigten Staaten auswandern. Zehn Jahre später kehrt er nach Irland zurück, um seiner inzwischen verwitweten Mutter bei der Arbeit auf der Familienfarm zu helfen. Eine neue Regierung ist an der Macht und der Bürgerkrieg lange vorbei, aber vielerorts herrschen immer noch Armut und Hunger. Anfangs sind alle froh über seine Rückkehr, insbesondere Jimmys Mutter und seine Freunde von früher. Doch obwohl er seine alten Feinde eigentlich nicht wieder verärgern wollte, gerät er schnell wieder ins Fadenkreuz von Kirche und Behörden. Jimmy ist inzwischen überzeugter Kommunist und engagiert sich für die Dorfjugend, indem er die örtliche Tanzhalle wieder eröffnet, wo die Heranwachsenden unter anderem tanzen, Sport treiben, lesen und diskutieren können. Dem örtlichen Priester, Vater Sheridan, ist das ein Dorn im Auge und er befürchtet, dass der wachsende Einfluss von Jimmy und seinen Ideen eine Gefahr für die Jugendlichen der Gemeinde werden könnten. Wenn es nach dem Klerus geht, würde er das unbeschwerte Treiben in „Jimmy\’s Hall“ am liebsten sofort verbieten. Als Jimmy und seine Anhänger einem vertriebenen Pächter helfen, bringt das auch die Großgrundbesitzer gegen ihn auf und die Situation spitzt sich zu. Die treibenden Kräfte der Gemeinde wollen, dass Jimmy verschwindet und schrecken auch nicht davor zurück, das Gesetz zu beugen, um ihr Ziel zu erreichen...

Das Drama von Ken Loach („The Wind That Shakes the Barley“) basiert auf dem Leben von James Gralton (1886–1945), dem einzigen gebürtigen Iren, der jemals aus seiner Heimat ausgewiesen wurde. Nach der Deportation kehrte er nie wieder nach Irland zurück und verbrachte den Rest seines Lebens in New York.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Das Drama "Jimmy`s Hall" basiert auf der wahren Geschichte von James Gralton. Noch heute erinnert in der irischen Grafschaft Leitrim am Standort des 1932 zerstörten Gemeindesaals eine Holztafel an seinen Erbauer. Der englische Regisseur Ken Loach ("The Wind That Shakes the Barley", "Angels` Share") taucht mit dieser gefühlvollen Ballade tief in die schwierige Vergangenheit des Landes ein. Er erzählt davon, wie sich Dorfbewohner mit einem unabhängigen Begegnungszentrum vor über 80 Jahren einen kleinen Freiraum gegenüber Kirche und politischen Machthabern zu sichern versuchten.

    Als Jimmy Gralton 1932 aus New York zurückkehrt, ist das Land immer noch vom Unabhängigkeits- und anschließenden Bürgerkrieg zu Anfang der 1920er Jahre gezeichnet. In Rückblenden werden diese Wurzeln aufgezeigt, um zu demonstrieren, wie labil die Lage ist. In der Politik gibt es immer noch die alten Lager. Die mächtige Kirche kontrolliert das gesellschaftliche Leben und die Großgrundbesitzer vertreiben zahlungsunfähige Pächter aus ihren Häusern. Aber die Einheimischen kommen in Scharen in die wiedereröffnete Halle, damit Jimmy sie die modernen Tänze aus New York, wie den Shim Sham, lehrt. Pater Sheridan wettert von seiner Kanzel herab über diese „Los-Angelisierung unserer Kultur". Loach schneidet die Bilder des Tanzabends und der Predigt gegeneinander und fängt so die spannungsgeladene Atmosphäre jener Zeit wirkungsvoll ein.

    Trotz oder gerade wegen des repressiven Klimas dominieren in diesem Film die Lebensfreude und der Geist der Rebellion. Besonders in der ausführlichen Sequenz des Tanzfests, die sich so viel Zeit nimmt, um die Stimmung einzufangen und den Menschen nahe zu kommen, zeigt sich das souveräne Können des Regie-Altmeisters Loach. Jimmy bekommt auch eine zarte Romanze zu der längst vergebenen Jugendfreundin Oonagh (Simone Kirby) angedichtet. Auch dadurch gibt es immer wieder kleine poetische Höhepunkte, in denen sich Realität und Erinnerung, der Augenblick und die Ewigkeit begegnen. Die Musik und die schönen Landschaftsbilder sorgen ebenfalls dafür, dass diese Hommage an einen mutigen Mann aus dem Volk gelingt.

    Fazit: Ken Loachs stimmungsvolle, emotionsstarke Ballade "Jimmy`s Hall" erzählt vom unbändigen Lebenshunger der Iren im äußerst repressiven Klima zu Anfang der 1930er Jahre.
  • Mit einer gewissen Milde und Sehnsucht, aber doch stets frei von Sentimentalität und mit gewohnt unverstelltem Blick geht Ken Loach hier ans Werk, der nach seinem Goldene-Palme-Gewinner “The Wind that Shakes the Barley” aus dem Jahr 2006 wieder eine verbürgte Episode aus der bewegten Geschichte Irlands erzählt. Vor dem Festival de Cannes 2014 angekündigt als sein letzter Film, was Loach bei der Pressekonferenz aber relativierte, erzählt der 77-Jährige von dem einzigen gebürtigen Iren, der jemals aus seinem Heimatland deportiert wurde: Als so brandgefährlich für die Moral einer kleinen Gemeinde wurde die Tanzhalle von Jimmy Gralton in den Dreißigerjahren empfunden, dass sich die Staatsmacht nicht anders zu behelfen wusste, als den Mann per Gerichtsbeschluss wieder nach Amerika zu schicken, wo er sich zuvor Jahre lang aufgehalten und von wo er vermeintlich verwerfliche Jazzmusik mitgebracht hatte.

    Das ist natürlich auch ein ernstes Thema, und Loach wird ihm mit Hilfe seines begnadeten Drehbuchautors Paul Laverty jederzeit gerecht mit einem hoch politischen Film über die Notwendigkeit von Zusammenhalt und Solidarität. Es ist aber auch ein zarter und zärtlicher, ein beschwingter und swingender Film, in dem viel getanzt und gelacht und ein bisschen geliebt wird – mit unverkennbaren Anklängen an John Fords “Der Sieger” von 1952, in dem John Wayne als ehemaliger Boxer aus den USA in seine irische Heimat zurückkehrt: “Jimmy’s Hall” ist eine der wenigen Arbeiten von Ken Loach, wo man sich auch gemütlich zurücklehnen und die prächtige Kulisse des ländlichen Irland genießen kann. Bis es dann die bestehenden Mächte sind, die der Harmonie einen Strich durch die Rechnung machen, die der Solidarität der Menschen nicht länger tatenlos zusehen können, weil sie ihre Stellung bedroht sehen. Eindringlich führt der Regisseur vor Augen, warum Musik und Lebensfreude gefährlich für den Status Quo gewesen waren – und in nicht wenigen Ländern auf der Welt auch immer noch als gefährlich angesehen wird. Und doch erzählt er entspannt und sieht auch gerne zu, wie seine wie immer exquisit ausgewählten Schauspieler Spaß an ihren Figuren und Rollen haben. Vor allem Barry Ward, der zuletzt vor 14 Jahren in Michael Winterbottoms “Das Reich und die Herrlichkeit” eine nennenswerte Kinorolle hatte, ist eine Entdeckung in der Titelrolle: Er wirkt wie ein junger George Segal. ts.

Darsteller und Crew

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