In Darkness (2011)

In Darkness Poster
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Filmhandlung und Hintergrund

In Darkness: Agnieszka Holland erzählt in ihrem höchst authentisch gestaltetem Holocaust-Drama eine wahre (Helden-)Geschichte über Mut, Menschlichkeit und Mitgefühl.

1943: Das polnische Lvov (Lemberg) ist von den Nationalsozialisten besetzt. Zahlreiche jüdische Bürger halten sich in der Kanalisation versteckt. Der städtische Angestellte Leopold Socha betreibt hier ein lukratives Geschäft: Er lässt sich für sein Stillschweigen gegenüber den Nazis entlohnen. Das Unterfangen kompliziert sich jedoch, als ein Jude namens Ignacy Chiger Socha einen Deal anbietet: Gegen regelmäßige Bezahlung soll er zehn Juden, darunter ein Widerstandskämpfer und Chigers Frau, beschützen und mit Lebensmitteln versorgen.

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Kritikerrezensionen

  • Holocaust- – oder um politisch zu 100% korrekt zu sein – Schoah-Filme wirken in der Regel immer noch ein bisschen bedrückender, wenn sie exakt auf einer wahren Begebenheit beruhen und nicht nur lose auf den grauenhaften Ereignissen des Zweiten Weltkriegs basieren. Mit „In Darkness“ versucht Regisseurin Agnieszka Holland, sich genau das zu Nutze zu machen. Das Drehbuch stammt von David F. Shamoon. Der Drehbuchautor war durch das Buch von Martin Marshall „In The Sewers of Lvov“ auf die reale Geschichte von Leopold Socha und „seinen“ Juden aufmerksam geworden. Nach Fertigstellung des Drehbuchs dauerte der Weg auf die Leinwand fünf Jahre. Unter anderem deshalb, weil Regieerstwahl Agieszka Holland das Projekt angeblich zweimal abgelehnt haben soll. Bis sich die Produktion dazu entschlossen hat, den Film statt in Englisch, in den Originalsprachen Polnisch, Deutsch, Jiddisch, Ukrainisch und sogar dem zur damaligen Zeit in Lvov verwendeten Dialekt Balak zu drehen. Holland tat gut daran, darauf zu bestehen, denn in der deutsch synchronisierten Version verliert die Geschichte ungemein an Authentizität.

    Was „In Darkness“ von seinen weltweit bekannten Vorgängern wie „Schindlers Liste“ und „Der Pianist“ unterscheidet, ist die Tatsache, dass weder die Juden noch deren polnische Retter als plakative Opposition zu den grausamen Nazis fungieren. Niemand wird als vollkommener Gutmensch dargestellt, Socha ist ein Gelegenheitsdieb und Opportunist und auch in der kleinen Gruppe in den Abwasserkanälen befinden sich Betrüger, Ehebrecher und alle sind (verständlicherweise) die meiste Zeit am Nörgeln. Nicht perfekt, aber zutiefst menschlich – was jede einzelne Figur zugänglich fürs Publikum macht. Was die Gräueltaten betrifft, beziehen sich Shamoon und Holland aber sehr wohl auf die Vorgänger und vertrauen darauf, dass sie dem Publikum bekannt sind und begnügen sich damit, vieles lediglich anzudeuten. Schließlich geht es in „In Darkness“ auch in erster Linie um das Überleben in der Kloake.

    Ein Teil der Abwasserkanäle wurde im Studio nachgebaut. Der dadurch kalkuliert entstandene Platz für Crew und Ausrüstung ist bisweilen leider spürbar, weshalb man als Zuschauer das Gefühl der Enge nicht so recht mit doch eigentlich auf engstem Raum Zusammengepferchten teilen mag. Anders ist es mit der Dunkelheit und dem Mangel an frischer Luft. Bei den wenigen Szenen an der Oberfläche wird sich auch der Zuschauer des Öfteren dabei ertappen können, den ein oder anderen tiefen Atemzug zu nehmen. In der Lichtdramaturgie bilden die Abwasserkanäle und Sochas Wohnung den absoluten Gegensatz: In der Kanalisation ist es dunkel und nasskalt, Sochas Wohnung dagegen ist hell und angenehm heimelig warm.

    Fazit: Eine kleine Gruppe Juden kämpft versteckt in der Kanalisation ums Überleben – da riecht es nicht nur nach Kloake, sondern auch verdächtig nach einer Osacarnominierung als bester ausländischer Film.
  • Agnieszka Holland erzählt in ihrem höchst authentisch gestaltetem Holocaust-Drama eine wahre (Helden-)Geschichte über Mut, Menschlichkeit und Mitgefühl.

    Um die schwierige deutsch-polnische Geschichte kreisen die Filme Agnieszka Hollands gerne, der Holocaust ist eins ihrer bevorzugten Themen – was bei einer 1948 geborenen Nachkommin polnischer NS-Opfer wenig verwundert. Ihr “Hitlerjunge Salomon” wurde 1992 für den Oscar als bester fremdsprachiger Film nominiert, nun soll “In Darkness” Polen bei den diesjährigen Academy Awards vertreten. Eine wahre Geschichte liegt ihrem Drama zugrunde, David F. Shamoon hat Robert Marshalls Tatsachenroman “In the Sewers Of Lvov” zu einem vorzüglichen, höchst glaubwürdigen Drehbuch umgearbeitet.

    Im Jahr 1943 verbreiten die nationalsozialistischen Besatzer im polnischen Lvov (Lemberg) Angst und Schrecken. Zahlreiche jüdische Bürger halten sich in der Kanalisation versteckt. Hier kennt sich der städtische Angestellte Leopold Socha (Robert Wieckiewicz) auf Grund seines Berufs bestens aus – und betreibt ein lukratives Geschäft: Er lässt sich für sein Stillschweigen den Nazis gegenüber entlohnen. Das Unterfangen kompliziert sich jedoch, als ein Jude namens Ignacy Chiger (Herbert Knaup) Socha einen Deal anbietet: Gegen regelmäßige Bezahlung soll er zehn Juden, darunter ein Widerstandskämpfer (Benno Fürmann) und Chigers Frau (Maria Schrader), beschützen und mit Lebensmitteln versorgen.

    Auf zwei Ebenen spielt die Geschichte über Mut, Menschlichkeit und Mitgefühl. Über der Erde steht das Familienleben Sochas im Blickpunkt. Ein Katholik ist er, ein Antisemit, ein auf seinen Vorteil bedachter Bürger. Unter der Erde, in der titelgebenden Finsternis, die natürlich auch die Kriegsfinsternis meint, kämpfen die Juden ums Überleben. Grundwerte wie (Nächsten-)Liebe, Hilfsbereitschaft und Loyalität werden auf eine harte Probe gestellt. Der Kriegsgewinnler Socha beginnt langsam sein Gewissen zu entdecken, setzt so aber auch die Sicherheit seiner Familie aufs Spiel. Eine gefährliche, Nerven zehrende Gratwanderung.

    Vielschichtig legt Holland ihr Personenarsenal an, die Grenzen zwischen Gut und Böse verwischen. Das Innenleben ihrer Figuren ist so verzweigt, so komplex wie das unterirdische Labyrinth in dem sie sich bewegen. Nervös taumelt Jolanta Dylewskas Kamera durch dunkle Gänge, die Bilder lassen mehr erahnen als sie zeigen. Hinter jeder Ecke droht Gefahr, selbst Babygeschrei kann tödlich sein. Meisterlich ist der Spannungsaufbau, treffend sind die Dialoge, präzise sämtliche Schauspielleistungen. Ein unbequem realistische, differenzierte und streckenweise klaustrophobe Arbeit, die auf grelle Effekte und eindimensionale Helden verzichtet und sich vorschneller Antworten auf komplizierte Moralfragen verwehrt.

    geh.

Darsteller und Crew

News und Stories

  • Fakten und Hintergründe zum Film "In Darkness"

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