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I'm Not a F**king Princess (2011)

Originaltitel: My Little Princess
I'm Not a F**king Princess Poster
Nicht mehr im Kino.
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Filmhandlung und Hintergrund

I'm Not a F**king Princess: Regiedebüt der Schauspielerin Eva Ionesco über eine ehrgeizige Fotografin (Isabelle Huppert), die ihre Tochter als Muse entdeckt und in die Lolita-Rolle drängt.

Im Paris der Siebzigerjahre beginnt eine Fotografin, ihre zehnjährige Tochter Violetta als verführerische Lolita vor der Kamera zu inszenieren, um Geld zu verdienen und berühmt zu werden. Anfänglich liebt das Mädchen die Verkleidung und das Posieren, aber nach und nach gestalten sich die Aufnahmen immer freizügiger mit Strapsen, Schminke und lasziver Haltung. Als sie sich bei einem Shooting mit einem Rockstar weigert, sich auszuziehen, eskaliert die Situation. Das Objekt der Begierde versucht, sich dem Einfluss der Mutter zu entziehen.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • In ihrem Langfilmdebüt erzählt die französische Regisseurin Eva Ionesco eine stark autobiografisch geprägte Mutter-Tochter-Geschichte. Wie die zehnjährige Violetta im Film diente auch Eva Ionesco ihrer Mutter als Modell für erotische Aufnahmen. Die aus einer rumänischen Einwandererfamilie stammende Fotografin Irina Ionesco hatte im Paris der siebziger Jahre künstlerischen Erfolg mit den Aktfotos ihrer kleinen Tochter, war damit aber auch stets umstritten.

    Auch der Film, der explizite Nacktaufnahmen vermeidet, widmet sich ausführlich der Zwiespältigkeit der fotografischen Inszenierungen zwischen kreativem und ästhetischem Anspruch einerseits und pornografischer Ausbeutung eines Kindes andererseits. Es ist die schonungslose Abrechnung einer Tochter mit ihrer geliebten Mutter. Isabelle Huppert spielt diese Hannah als schillernden Paradiesvogel am Rande der Pariser Kunstszene, aber auch als getriebene, problematische Figur ohne jegliches Verständnis für ihre Rolle als Mutter.

    Beim Betrachten dieses Films muss man sich erst ins Gedächtnis rufen, dass mehr oder weniger zum Pornografischen tendierende Fotografien mit minderjährigen Mädchen in den siebziger Jahren durchaus künstlerisches Thema waren. Es ging um Provokation, Spiel mit Erwartungen, Hinterfragen von Rollenbildern und um Tabubruch, letzteres in einer Art und Weise, die heute so nicht mehr denkbar wäre. Eva Ionesco jedenfalls bescherte als kindliches Aktmodell ihrer Mutter künstlerisches Aufsehen etwa in Form von Fotoausstellungen in Galerien. Im Alter von elf Jahren posierte Eva für den italienischen Playboy als jüngstes Nacktmodell dieser Zeitschrift. Aber der Mutter wurde 1977 das Sorgerecht für die Tochter schließlich doch noch entzogen.

    Der Film greift, aus der Perspektive des zehnjährigen Mädchens, die fatale Entwicklung der Mutter-Tochter-Beziehung auf. Von den ersten Aufnahmen, die Violetta dankbar von sich machen lässt, weil sie endlich eine Rolle im Leben der bewunderten Mutter spielt, bis zum endgültigen Bruch mit Hannah, die ihre Tochter nur als Fotomodell begreifen kann, wird der dramatische Bogen gespannt. Dazwischen gibt es häufige Zerwürfnisse und Versöhnungen, denn die heranwachsende Violetta ist hin- und hergerissen zwischen Liebe zur Mutter und Ablehnung dieser vollkommen in ihrer eigenen Welt gefangenen Frau.

    Die Rumänin Anamaria Vartolomei spielt Violetta in ihrer Debütrolle. Selbst als die Beziehung zu Hannah schon ernsthaft kriselt, schafft es das Mädchen nicht mehr, auf Schminke und aufreizende, spärliche Kleidung zu verzichten. Ihr Image hat eine Schattenseite, die Violetta deutlich zu spüren bekommt. Es scheint, als habe sie die Mutter in eine Sackgasse getrieben, die im Grunde eine Flucht vor deren eigenen Dämonen ist. Spät eröffnet der Film diese Perspektive, wobei unklar bleibt, ob sie nicht nur aus Gründen moralischer Korrektheit eingeflochten wird. Dass Kunst oder die kreative Ader des fantasiebegabten Menschen auch dazu dienen können, eine noch viel krudere Realität zu ummanteln, hat auch „Bibliotheque Pascal“ von Szabolcs Hajdu auf ähnliche Weise thematisiert. Und dennoch wird Violetta mit zunehmender Länge auch vom Film als voyeuristisches Objekt benutzt.

    Fazit: Das Drama einer ausbeuterischen Mutter-Tochter-Beziehung ist zugleich ein Versuch der Regisseurin, ihre Kindheit zu bewältigen.
  • Autobiografisch geprägtes Regiedebüt über ein sehr junges Mädchen, das von seiner exzentrischen Mutter als verführerische Lolita vor der Kamera inszeniert wird.

    Die Figur der Lolita gehört zum Kino. Unvergessen bis heute der Skandal-Tsunami bei Stanley Kubricks “Lolita” aus dem Jahre 1961, Adrian Lynes Neuverfilmung von Vladimir Nabokovs literarischer Vorlage erschütterte 1998 weniger. Im Gegensatz zur Altherrenfantasie ist es hier der voyeuristische Blick einer Mutter auf ihre Tochter, der eine Kindheit zerstört. Und das ist auch das Verstörende an Eva Ionescos auf Kindheitserinnerungen basierendem Drama. Für ihre Mutter stand sie ab dem vierten Lebensjahr Modell, machte 1974 Furore durch eine Ausstellung mit erotischen Schwarzweißfotos, es folgten Aktaufnahmen der Minderjährigen in morbiden Settings und Nacktfotos in Playboy und Penthouse. Die Violetta im Film ist beim ersten Posieren zehn Jahre alt und von ihrer schillernden Mutter fasziniert. Die kreuzt auf, wann es ihr gefällt und überlässt ihre Erziehung der frommen rumänischen Urgroßmutter. Was als Verkleidung inmitten von Requisiten beginnt, wird zur freizügigen Fotografie mit Strapsen, Schminke, toupierten Haaren und lasziver Haltung. “Die kleine Prinzessin eines einzigartigen Universums” wird zum Star. Als sie sich bei einem Shooting an der Seite eines englischen Rockstars ausziehen soll, weigert sie sich. Nach dem plötzlichen Tod der Urgroßmutter eskaliert die Situation.

    Emotional anrührend zeichnet der fulminant ausgestattete Film die Entwicklung von Mutter und Tochter, deren Rollen sich vertauschen – das Mädchen wandelt sich zur Frau und rebelliert gegen die Mutter, die regrediert und Selbstporträts in Mädchenkleidern inmitten von Puppen macht. Durch den bewussten Verzicht auf eine moralische Sichtweise gerät das kindliche Leid (eine Entdeckung: Anamaria Vartolomei) etwas aus dem Fokus, auch wenn Einsamkeit, Ausgrenzung und Isolation, Sehnsucht nach Normalität wie eine Wunde brennen. Isabelle Huppert spielt sich in einer Mischung aus blondem Vamp und alles verschlingender Hexe im märchenhaften Spiegelkabinett in den Vordergrund. Das Porträt einer dekadenten Zeit wird die Debatte um Kinderpornografie neu entfachen. mk.

Darsteller und Crew

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