Hautnah (2004)

Originaltitel: Closer
Hautnah Poster
Nicht mehr im Kino.
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Filmhandlung und Hintergrund

Hautnah: Starbesetztes Beziehungsdrama von Mike Nichols, in dem sich zwei Männer und zwei Frauen gegenseitig betrügen, belügen, verlieben und entlieben.

Die frisch geschiedene Fotografin Anna (Julia Roberts) beginnt ein Techtelmechtel mit dem aufstrebenden, doch einstweilen wenig erfolgreichen Literaten Dan (Jude Law), um dann doch den mit beiden Beinen im Leben stehenden Dermatologen Larry (Clive Owen) zu heiraten. Dan seinerseits findet in der Stripperin Alice (Natalie Portman) eine neue Freundin und Muse, die ihn nicht nur in seinem Schaffen unterstützt, sondern auch ermuntert, es doch nochmal bei Anna zu versuchen.

Starke Darstellerleistungen tragen einen stargespickten, dramatischen Beziehungsreigen von Regie-Altmeister Mike Nichols (“Catch 22”).

Der Schriftsteller Dan verliebt sich in die Stripperin Alice, die Fotografin Anna in den Arzt Larry. Dann begegnen sich Anna und Dan, beginnen eine Affäre, und setzen diese auch fort, als Anna und Larry heiraten. Als nach Jahre andauerndem Lug und Betrug schließlich alle Beteiligten mit der Wahrheit herausrücken, startet ein schonungsloser Kampf der beiden Männer um beide Frauen, bei dem Gefühle verletzt und Herzen gebrochen werden und die Liebe irgendwie auf der Strecke bleibt.

Mit einer Un- bzw. Zufallsbegegnung beginnen turbulente Zeiten für vier (Wahl)Londoner. Denn nach der Liebe auf den ersten Blick setzt der Alltag ein. Mit der Stripperin Alice, dem Journalisten Dan, der Fotografin Anna und dem Hautarzt Larry geraten vier Großstädter aneinander, die sich über mehrere Jahre ver- und entlieben, anbeten und verachten, demütigen und vergöttern. Selbst die Heirat von Anna und Larry setzt dem Bäumchen-wechsel-dich-Spiel kein Ende, sondern bildet nur den Auftakt für neuerliche emotionale Kahlschläge.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Mike Nichols will es noch einmal (oder mal wieder?) wissen und präsentiert einen Film mit sauberen Bildern und schmutzigen Worten. An schön fotografierten Locations treffen sich die vier Hauptpersonen, um die sich die Intrigen und Eifersüchteleien von "Hautnah" drehen: Der erst etwas unsichere, doch dann machohafte Journalist Dan, die kindliche Stripperin und Kellnerin Alice, die künstlerisch ambitionierte Fotografin Anna und der Arzt Larry. Ob in Tiefseeaquarien oder schmucken Kunstgalerien, sie werden immer aus der Menschenmasse hervorgehoben und facettenreich beleuchtet - allerdings nur visuell. Über die Charaktere selbst erzählt "Hautnah" nur wenig. Die aktuelle Beziehungskonstellation rückt in den Vordergrund.

    Die offenen Verhältnisse und besonders Dans lockere Art gegenüber Anna erwecken zunächst Spannung. In einem Chatroom sprechen Dan und Larry zum ersten Mal miteinander. Unter Dans Scheinidentität als Frau entwickelt sich ein obszöner Dialog, der untermalt von klassischer Musik einen humoristischen Höhepunkt des Films darstellt. Anschließend geht es langsam aber konstant abwärts. Die sich wiederholenden Wortwitze vermögen kaum mehr zu überraschen und auch das Spannungspotenzial der Viererbeziehung sinkt beständig.

    Immer mehr dominieren die theatralen Elemente der Dramenvorlage und die Dialoge nehmen an Künstlichkeit und Länge zu. Zwar wird der Film hierdurch nicht zwingend langweilig, enttäuscht aber die hohen Erwartungen, die der Anfang entstehen lässt. Die Partner in "Hautnah" wechseln bald eher unmotiviert als durch Konflikte gezwungen. Genauso auch die Zeitsprünge, die verbindungslos einige Monate überspringen und eher einem funktionellen als einem ästhetischen Zweck dienen.

    Dan, Alice, Larry und Anna werden mit der Zeit immer blasser. Sie sind Durchschnittsmenschen der oberen Mittelklasse und führen, abgesehen von ihren Affären, ein langweiliges Leben. Wenn sie manchmal direkt miteinander reden, klingt es wie eine Auflistung beliebiger Sex-Vokabeln die weder aufregen noch begeistern können. Auch täuscht das nicht darüber hinweg, dass das Budget offenbar nicht dafür gelangt hat, nackte Haut von Julia Roberts oder Jude Law zu zeigen - dies ist Natalie Portmans Aufgabe. Dennoch ist das halb so schlimm, verbessert hätte es den Film nicht.

    "Hautnah" ist somit eine sehenswerte, teils witzige und bildschöne Beziehungsstory. Durch ihr schauspielerisches Talent schaffen es die Darsteller, den flachen Figuren Leben einzuhauchen. Dennoch zeigt die filmische Umsetzung schwächen. Sie hält den Zuschauer immer auf einer kühlen Distanz und vermag es kaum, Emotionen hervorzurufen.

    Fazit: Interessante Story um vier Liebende mit starkem Anfang und schwachem Ende
  • Im besten Fall zeichnen sich die Filme von Mike Nichols seit Mitte der sechziger Jahre durch Direktheit, Ehrlichkeit und bissige Satire aus, mit der der Filmemacher menschliche wie gesellschaftliche Zustände kommentiert. Nichols’ Begeisterung für das Spiel mit Worten geht mit seiner Liebe zum Theater einher, die er nicht nur auf der Bühne, sondern auch immer wieder mit Leinwand-Adaptionen von Klassikern wie seinem Debüt “Wer hat Angst vor Virginia Woolf” bis zu seinem Golden-Globe- und Emmy-Abräumer “Angels in America” von 2003 verwirklicht hat. Und nun also auch mit “Hautnah”, der auf einem gefeierten Stück des Briten Patrick Marber beruht, das den Begriff “Beziehungsdrama” so wörtlich nimmt wie Nichols die Prämissen der Bühnenvorlage.

    Die Zutaten für die filmische Version von “Closer” kann man fast an einer Hand abzählen: Vier Hollywoodstars; die fast irrelevante, regnerisch graue Kulisse Londons, die wie die Stars in ihren unauffälligen bis trashigen Klamotten angenehm unglamourös auftritt; sowie ausgefeilte, messerscharf gewetzte und manchmal umwerfend komische Dialoge, die im Krieg der Geschlechter die wirksamsten Waffen sind. Der beginnt, als den gescheiterten Schriftsteller Dan (Jude Law) die Liebe zur New Yorker Stripperin Alice (Natalie Portman) so zufällig trifft, wie Alice das Taxi, vor das sie versehentlich läuft, weil sie mitten im Londoner Straßenverkehr die Augen einfach nicht von Dan abwenden kann. Ebenfalls eher die Folge einer Art “Unfall” ist die Beziehung zwischen dem Dermatologen Larry (Clive Owen) und der Fotografin Anna (Julia Roberts), die Dan später für seinen ersten veröffentlichten Roman ablichten wird. Dann beginnen Dan und Anna eine Affäre. Es vergeht zunächst ein Jahr, in dem beide ihre Partner belügen und betrügen und schließlich – trotz Annas und Larrys Heirat -, die Wahrheit gestehen. Ohne Rücksicht auf verletzte Gefühle und gebrochene Herzen setzen von nun an beide Männer alles daran, Anna für sich zu gewinnen, was weniger mit der Sehnsucht nach der großen Liebe als mit dem Triumph des männlichen Egos, mit Macht und Sex zu tun hat.

    In chronologisch aufeinander folgenden Episoden, deren unterschiedliche zeitliche Abstände vom Zuschauer jedoch jeweils erst nach und nach zu erschließen sind, was die Struktur des Films interessant und reizvoll macht, konfrontiert Nichols jeweils zwei seiner Figuren miteinander, lässt sie flirten oder streiten, sich wahlweise mit der Wahrheit oder ihren Lügen Schmerz zufügen, manchmal unvermeidlich, manchmal absichtlich, und den Verlauf der Verhältnisse wieder und wieder in eine neue Richtung lenken. Der Film und vor allem seine Dialoge sind herrlich freizügig, manchmal sogar richtiggehend schamlos schmutzig. Marbers Drehbuch zufolge wird hier kein Blatt vor den Mund genommen, was schon früh in einer Sequenz gipfelt, in der Dan und Larry in einem Internet-Sex-Chatroom zusammen kommen – einer verblüffend langen und grenzüberschreitenden Szene, die irgendwann peinlich berührt. Genau diese Reaktion reizt Nichols auch am Ende aus, wenn er Larry und Alice in einem Stripclub aufeinandertreffen lässt, wenn Portman zwar nicht alle stofflichen Hüllen fallen lässt, aber auch hier beide Figuren in einer schmerzhaft emotionalen Tortur einen Seelenstrip vorführen. Alle vier spielen hervorragend, intensiv, und sind – einmal abgesehen von Owens eher typisiertem ehrgeizigem Dermatologen – nachvollziehbar und glaubwürdig. Die menschlichen Makel der Charaktere und die ständigen Wechsel der Vorzeichen machen es wiederum dem Zuschauer nicht einfach, Partei und Sympathien zu ergreifen. Eher hasst und liebt man gleichermaßen, wobei man jedoch seinen Blick vor allem von Jude Law in seiner bislang komplexesten Rolle nicht abwenden mag. Natalie Portman, deren Alice schon in der ersten Szene und der ersten Begegnung mit Dan Verletzungen davon trägt, entlockt der zerbrechlichen Schale ihrer mädchenhaften Figur schließlich eine erstaunlich starke Frau, die vielleicht als Einzige im Reigen aufrichtig genannt werden kann. Der Film stellt in seinem Beziehungsreigen die richtigen Fragen – nach der Liebe, der Existenz einer Liebe auf den ersten Blick, der Notwendigkeit von Wahrheit oder Lügen in Beziehungen, der Bedeutung von Sex und dem, was geschlechtsreife Großstädter im Jahr 2004 zusammenbringt. Er ist sehr sinnlich, erotisch, unterhaltsam und geht in seinen eindringlichsten Momenten wirklich unter die Haut. Und das ist vor allem Law, Roberts, Portman und Owen zu verdanken, die sich bei der Vergabe der Schauspieler-Oscars damit schon mal vorne anstellen dürfen. deg.

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