Hai-Alarm am Müggelsee (2013)

Hai-Alarm am Müggelsee Poster
Nicht mehr im Kino.
Userwertung (0)
  1. Ø 0
Kritikerwertung (2)
  1. Ø 3

Filmhandlung und Hintergrund

Hai-Alarm am Müggelsee: Satirisches, schräges Abenteuer um einen Haijäger, der sich eigentlich zur Ruhe setzen will von und mit Leander Haußmann und Sven Regener.

Als dem Bademeister im Müggelsee der Arm von einem Hai abgebissen wird, herrscht Chaos in der Gemeinde Friedrichshagen. Während eine vom Bürgermeister Müller eilig einberufene Expertenkommission beschließt, den Hai-Alarm auszurufen, kehrt der berüchtigte Haijäger Snake Müller nach jahrelangem Exil auf Hawaii in die Heimat zurück, als seine gefälschte Green Card auffliegt. Er soll sich um das Monster kümmern, dass das Süßwasser unsicher macht, hat aber bald noch ganz andere Sorgen am Hals. Frauensorgen…

Ein Hai sorgt für Schrecken am Müggelsee und stellt damit die gesamte Gemeinde Friedrichshagen auf den Kopf. Anarchokomödie von Leander Haußmann und Sven Regener, die sich über “Der weiße Hai” lustig macht.

Videos und Bilder

Auf DVD & Blu-ray (1)

Kritiken und Bewertungen

So werten die User (0)
5
 
0 Stimmen
4
 
0 Stimmen
3
 
0 Stimmen
2
 
0 Stimmen
1
 
0 Stimmen
So werten die Kritiker (2 Stimmen)
5
 
0 Stimmen
4
 
0 Stimmen
3
 
2 Stimmen
2
 
0 Stimmen
1
 
0 Stimmen

Wie wertest Du? Klicke auf einen der Sterne:

Kritikerrezensionen

  • Eine laute, brachiale Komödie – manchmal narzisstisch und nervig, oft aber originell und witzig.
  • Hinreißende Chaos-Groteske über eine kleine Berliner Gemeinde, die vermeintlich von einem Monster bedroht wird.

    Morgendliche Idylle am Müggelsee, das größte Binnengewässer Berlins ganz im Osten der Stadt. Verschlafene Stimmung. Der Bademeister watet ein paar Meter ins Wasser. Prüfend hält er den rechten Arm kurz unter die Oberfläche. Als er ihn wieder herauszieht, ist ein wild blutender Stumpf alles, was davon geblieben ist. “Waddn diddn?”, fragt der Bademeister ungerührt. Schnitt auf die Titel.

    Waddn diddn? Das ist eine Frage, die man sich auch als Zuschauer stellt am Anfang des Kinoschwanks von Leander Haußmann und Sven Regener. In vermeintlich willkürlicher Abfolge reihen sich die ersten Szenen aneinander. Sie sind grotesk, absurd, dadaistisch, albern, low-budget und low-fi, uninteressiert an den Gesetzen der Vernunft und Logik. So entschlossen formulieren die Herren Regisseure ihre Absicht, unter allen Umständen witzig sein zu wollen, dass man irritiert ist: Schlimmer als ein erklärter Witz ist vermutlich nur ein Witz, der mit erklärtem Ernst erzählt wird.

    Aber nach und nach macht “Hai-Alarm am Müggelsee” auch etwaige Zweifler mürbe und zu Adepten: So konsequent ist das Konzept und so virtuos seine Umsetzung, dass man sich einlässt auf diesen kuriosen Unsinn, der an Helge Schneider ebenso erinnert wie an die Farrellys, an eine deutsche Comedy-Tradition, wie sie in den Siebzigern im Fernsehen von “Klimbim” oder “Nonstop Nonsens” geradezu meisterlich gepflegt wurde. Selbst Spuren von Achternbusch und Kaurismäki finden sich in dieser Kommunalgroteske, die sich mit den Mitteln der Anarchokomödie an der Handlung von “Der weiße Hai” entlang hangelt: Es gibt ein Monster – dass man nie zu sehen bekommt. Es gibt einen zögerlichen Haudegen namens Snake – nur dass er keine Augenklappe, sondern einen Bierbauch hat und es auch sonst eher gemütlich angehen lässt. Es gibt einen Fischforscher, auf den niemand hört, einen Großgrundbesitzer, dem das wirtschaftliche Wohl wichtiger ist als die Gesundheit der Menschen, einen Bürgermeister, der seine Gemeinde liebt, aber von der Situation sichtlich überfordert ist, eine kesse Marketingspezialistin, die ihre große Chance gekommen sieht, und Polizisten, auf deren Ordnungssinn unbedingt Verlass ist. Haußmann und Regener begleiten das Geschehen als griechischer Chor mit ein paar eingängigen Liedern, wie es Nat King Cole einst in “Cat Ballou” tat.

    Das präzise choreographierte Chaos, das Haußmann und Regener, die zuvor bereits an “Herr Lehmann” gemeinsam gearbeitet hatten, damals aber noch getrennt als Regisseur und Autor, entfesseln, erinnert an Richard Lesters großartigen Beatles-Film “Hi-Hi-Hilfe”: Weil alles erlaubt ist, was Spaß macht, und das in bisweilen atemberaubend innovativ realisierten Plansequenzen, ist “Hai-Alarm am Müggelsee” auch ein herzhaft antiautoritäres Statement, das nicht nur Quatsch macht, sondern auch viel erzählt über die Dynamik in kleinen Gemeinden. Das danken Schauspieler wie Henry Hübchen, Michael Gwisdek, Tom Schilling und Benno Fürmann mit entfesselt uneitlen Auftritten. Und das sollte, will man meinen, auch ein großes Kinopublikum honorieren. ts.
  • Leander Haußmann ("Dinosaurier – Gegen uns seht ihr alt aus") hat für Sven Regener schon dessen Drehbuch "Herr Lehmann" nach Regeners eigener Romanvorlage verfilmt. Nun hat er mit dem musikalisch-literarischen Multitalent ein interessantes filmisches Experiment geschaffen: "Hai-Alarm am Müggelsee", das ist die Komödie als Ego-Trip: mal unerträglich selbstverliebt in ihre Insider-Gags und nervig stolz auf den eigenen Ideenreichtum – dann aber auch wieder mit trefflicher satirischer Schärfe und zündenden Gags. Und das alles von Regener und Haußmann als Autoren, Regisseure, Komponisten, Ko-Produzenten – und als Pausenclowns mit Mundharmonika und Gitarre.

    Nun funktioniert Komik nur ganz selten, wenn sie ausschließlich auf die Welterfahrung eines ganz bestimmten Milieus zielt. Da setzt Haußmann etwa seine Theaterkollegen Jürgen Flimm und Frank Castorf in eine griechische Taverne und lässt sie das Geschehen kommentieren, vor jedem Ouzo heißt es auf Griechisch Gute Nacht statt Prost. Gerade zu Beginn soll der Film allzu oft auch durch schliche Kontrastierung witzig wirken – also dadurch, dass im Bild zwei Dinge zusammengepresst sind, die eigentlich nicht zusammen gehören. Zwei Taucher zum Beispiel, wiederum Haußmann und Regener selbst, die auf ihren Flossen durch eine Kleinstadtstraße watscheln und auf dem Amt in voller Montur auf dem Gang sitzen. Oder Katharina Thalbach als „zynische Irre“, die vor dem Rathaustor ein Schild in die Höhe hält, auf dem wahlweise Ficken steht Ficken oder Günther Jauch.

    Anderes wiederum ist absolut gelungen, etwa wenn Detlev Buck als stoischer Dorfbulle im Boot eine störrische Schwimmerin davon überzeugen will, endlich den See zu verlassen - eine Szene, die sich Zeit nimmt, die Skurrilität ihrer Situation und die spezifischen Charakterzüge ihrer Figuren zu entwickeln statt auf einen bloßen Überraschungseffekt zu setzen. Running Gags, die eng mit den jeweiligen Charakteren verbunden sind, erweisen sich – eigentlich eine Binsenweisheit - als zunehmend effektiver, je besser man mit den Figuren vertraut ist. Und als Satire auf die hysterisch-provinziellen Umtriebe des Städtemarketings funktioniert der Film sogar ganz hervorragend, nicht zuletzt durch seine folkig-bluesige musikalische Untermalung mit vor Sarkasmus nur so strotzenden Texten.

    Fazit: Anfänglich scheint die erste gemeinsame Regiearbeit von Leander Haußmann und Sven Regener noch in bemüht originelle Einzelszenen zu zerfallen. Doch im Verlaufe der Handlung nimmt "Hai-Alarm am Müggelsee" immer mehr Fahrt auf und ist immer dort witzig und originell, wo die Regisseure sich gerade nicht in verkrampft unkonventioneller Komik versuchen.
Alle ansehen

Darsteller und Crew

Kommentare