Grenzverkehr (2005)

Grenzverkehr Poster
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Filmhandlung und Hintergrund

Grenzverkehr: Coming-of-Age-Komödie und Roadmovie um drei Freunde aus der bayerischen Provinz, die ihr erstes Mal in einem tschechischen Bordell erleben wollen.

Wong (Andreas Buntscheck), Schilcher (Ferdinand Schmidt-Modrow) und Hunter (Joseph M’Barek), drei aufgeweckte Knaben aus der ostbayrischen Provinz, träumen von wilden Liebesnächten. Doch einstweilen wollen die Dorfschönheiten von den pubertierenden Jünglingen noch nichts wissen. Auf ins benachbarte Tschechien, lautet daher die Devise, denn da warten bekanntlich käufliche Damen auf solvente Entdecker. Doch statt amouröser Abenteuer steht mächtiger Ärger auf dem Reiseprogramm, haben doch die jugendlichen Sextouristen nicht mit üblen Gaunern, ungnädigen Zuhältern und der Tücke des Objekts gerechnet.

Womöglich eigene Erfahrungen und Beobachtungen aus der grenznahen Heimat bei Vilsbiburg verarbeitet Newcomer Stefan Betz in seinem ersten abendfüllenden Spielfilm, der bajuwarischen Antwort auf den Coming-of-Age-Klamauk aus Hollywood.

Ein 16-jähriger Ministrant aus der niederbayerischen Provinz und seine zwei Freunde wollen in einem tschechischen Bordell ihr erstes Mal erleben, ihr Plan geht allerdings gehörig daneben. Nur einer von ihnen kommt überhaupt zum Zug, bevor alle vor den Handlangern des Zuhälters flüchten und zu guter Letzt auch noch einer Schwangeren bei der Entbindung behilflich sein müssen.

Ihren Freund Ralf, der mit dem Mofa verunglückt ist, haben Wolfgang, Hunter und Schilcher gerade beerdigt – dabei hat er’s trotz fester Freundin noch nicht einmal “getan”. Schrecklich! Damit sich so etwas nicht wiederholt, muss postwendend die eigene Unschuld dran glauben. Und weil sich die heimischen Mädels blöderweise lieber den PS-stärkeren Fiesta- und Golffahrern an den Hals werfen, planen die geplagten Mofafahrer einen Trip ins benachbarte Tschechien. Die käufliche Liebe ist dort angeblich preiswert und leicht zu finden.

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Kritikerrezensionen

  • Dem aus Niederbayern stammenden Stefan Betz (Buch und Regie) ist mit seinem ersten Spielfilm eine fulminante Komödie gelungen. Rund um die Pubertätskrisen 16jähriger Jungen hat er mit dem knappen Budget von 1,1 Millionen Euro eine erfrischend lebendige Milieustudie und ein grenzüberschreitendes Roadmovie inszeniert.

    Wong, Schilcher und Hunter sind von Machofantasien und Sehnsucht nach echten Abenteuern getrieben, doch immer wieder macht ihnen die Umgebung einen peinlichen Strich durch die Rechnung. Ihre Bruchlandungen werden treffend in Situationskomik und Dialogwitz umgesetzt. Zum Beispiel will Wongs Mutter wissen, für wen er beim Zelten diesen String-Tanga anzieht, und selbst im Bordell bringt sie ihn mit einem Handyanruf in Bedrängnis.

    Die drei Abiturienten Andreas Buntscheck als Wong, Ferdinand Schmidt-Modrow als Schilcher und Joseph M’Barek als Hunter beherrschen die ganze Klaviatur der Pubertätsgefühle von der Fettnäpfchen-Angst bis zum berauschenden Triumph. Als sich ihr Abenteuer dann rasant verselbstständigt, haben die Charaktere keine Zeit mehr, sich um ihr Image Sorgen zu machen.

    Obwohl so ähnlich schon zigmal gesehen, sind auch die Bordellszenen zum Schieflachen. Helena (Dana Vávrová), die Mutterfigur und Hure in einer Person ist, kann Wong die erste Sex-Blamage nicht ersparen, und der dicke Hunter kotzt. Die Realität im tschechischen Grenzland begegnet den Jungs auch in Gestalt des heimatlichen Schützenvereins, der hier wie viele sexgeile deutsche Männer die Sau rauslässt.

    Unverblümt und typisch in ihrer Ignoranz sind die Kommentare der Drei auf Alicias Herkunft aus der Ukraine: Ukraine, Tschechien – das sei doch alles das Gleiche. Oder auf die indischen Flüchtlinge, denen die Zuhälter gegen Bares über die deutsche Grenze helfen: Was die alle bei uns wollten, es sei doch hier eh ziemlich langweilig.

    Die selbstbewusste Alicia (Henriette Richter-Röhl) und schließlich die Geburt ihres Babys machen mächtig Eindruck auf Wong, Schilcher und Hunter. Letzterer bricht während der Entbindung in panischen Ministrantengesang aus. Diesen köstlichen Filmspaß garnieren Mofa-, Moped- und Autofahrten über Land und durch einen Weiher, sowie ein guter Soundtrack von Joe Mubare und Manuel Lopez.

    Fazit: Köstlicher Filmspaß aus Niederbayern über 16jährige Jungs und ihr tschechisches Bordellabenteuer.
  • “Her mit den kleinen Tschechinnen”, denken sich drei Freunde aus der tiefen bayerischen Provinz und fahren über die nahe Grenze, um ihre Unschuld zu verlieren. Was natürlich gehörige Probleme nach sich zieht, wie Nachwuchsregisseur Stefan Betz in seinem Langfilmdebüt humorvoll vor Augen führt. Mit “Grenzverkehr” treffend betitelt, zielt die Mischung aus Initiations-Komödie und Roadmovie eher aufs Teenpublikum, das sich auch in vielen Szenen leicht wiederfinden kann.

    Zuerst stehen sie am Grab, der Wolfgang, wegen seiner Nahkampfkünste Wong genannt, und seine Kumpels Hunter und Schilcher. Ihren Freund Ralf, der mit seinem Mofa verunglückt ist, haben die drei Ministranten gerade beerdigt – dabei hat er’s trotz fester Freundin noch nicht einmal “getan”. Ein wahrhaft schreckliches Los. Damit sich so etwas nicht wiederholt, muss postwendend die eigene Unschuld dran glauben. Und weil sich die heimischen Mädels blöderweise lieber den PS-stärkeren Fiesta- und Golffahrern an den Hals werfen, planen die geplagten Mofafahrer einen Trip ins benachbarte Tschechien.

    Wieder mal “das erste Mal”. Ob kleine Französinnen, amerikanische Teen-Queens oder leichte tschechische Mädchen, der zu beseitigende pubertäre Hormonstau taugt immer wieder zum Kinostoff – schlüpfrige Witze inklusive. Dabei hält sich Spielfilmdebütanten Stefan Betz in Sachen schneller Sex und platte Zoten angenehm zurück und lenkt mehr Augenmerk auf die alltäglichen Sorgen und Nöte seiner heranwachsenden Protagonisten. In der bayerischen Provinz nimmt die von ihm verfasste Geschichte ihren Anfang. Terrain, das der im nahen Landshut geborene Filmemacher gut kennt. Entsprechend sorgfältig und liebevoll zeichnet er seine Figuren, nutzt seine Ortskenntnisse um reichlich Lokalkolorit einzufangen. Sind die Personen einmal etabliert, verwandelt sich sein etwas anderer, von Kameramann Alexander Fischerkoesen versiert auf Super-16 gebannter “Heimatfilm” zum Roadmovie.

    Die Mofas werden heimlich gegen schnellere Mopeds “getauscht” – praktisch, dass Schilchers Vater im Nebenerwerb Zweiräder verkauft – und schon geht’s ab in den (reichlich trostlosen) “Temple of Love”. Hier heißt’s Hosen runter – zumindest für den einen -, während beim anderen der zu schnell konsumierte Bailey partout nicht im Magen bleiben will. Was zwei Zuhälter auf den Plan ruft, die 500 Euro zwecks Schadenbeseitigung fordern und als “Pfand” die fahrbaren Untersätze nebst Klamotten kassieren. Wie jetzt nach Hause kommen? Wie den ahnungslosen Eltern die missliche Lage erklären, wie der gerade noch an der Grenze aufgelesenen, hochschwangeren Alicia (sympathisch: Henriette Richter-Röhl) helfen?

    Einmal im Bordell angekommen – die Chefin gibt Dana Vávrová, ihre willfährigen Helfer spielen in launiger Laurel-und-Hardy-Manier Götz Otto und Oliver Korritke -, wandelt sich Betz’ Stil noch einmal. Slapstick ist angesagt, turbulente Comedy mit klassischen Verfolgungsjagden, Verwechslungen und Verletzungen. War das Tempo zunächst gemächlich, sprich bayerisch-gemütlich, ist es jetzt hoch. Die Pointen kommen schnell und die zunächst etwas kantig wirkenden Jungs -Andreas Buntscheck, Ferdinand Schmidt-Modrow und Joseph M’Barek – gehen voll in ihren Rollen auf. Als Zuschauer leidet man mit den gebeutelten Helden mit, Identifikation findet statt, der Funke springt über. Mehr kann man von einem Erstling nicht erwarten. geh.

Darsteller und Crew

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