Gran Torino (2008)

Gran Torino Poster
Nicht mehr im Kino.
Userwertung (3)
  1. Ø 4.3
Kritikerwertung (1)
  1. Ø 3.5

Filmhandlung und Hintergrund

Gran Torino: Packendes Drama von Clint Eastwood über einen greisen Koreakrieg-Veteranen, der nicht mehr länger mit ansehen will, wie seine Nachbarschaft vor die Hunde geht.

Walt Kowalski (Clint Eastwood) diente in Korea, arbeitete sein Leben lang bei Ford und lebt in einem heruntergekommenen Viertel von Detroit. Nach dem Tod seiner Frau würde ihn sein entfremdeter Sohn gern in ein Altersheim schicken, doch der grantige Rentner schmeißt den Nachwuchs kurzerhand aus seinem bescheidenen Haus.

Auch seine Nachbarn sind dem mürrischen Walt ein Dorn im Auge. Der Rassist hegt wenig Sympathien für die zugezogenen Hmong, erst recht nicht, als der junge Tao (Bee Vang) versucht, seinen kostbarsten Besitz, einen Ford Gran Torino zu stehlen. Als Wiedergutmachung besteht dessen Familie jedoch darauf, dass der Teenager seine Schuld bei dem Griesgram abarbeitet. Der kann gegen die Hartnäckigkeit seines Umfelds letztlich nichts ausrichten und nimmt mürrisch an.

Als eine Gang den jungen Tao eines Nachts angreift und es zu einer Auseinandersetzung in Walts Vorgarten kommt, steht der alte Mann plötzlich mit geladener Schrotflinte vor den halbstarken Gangstern und zischt: „Runter von meinem Rasen!“ Nach diesem Vorfall ist nichts mehr so, wie es war und die Hmong feiern den überrumpelten Walt als Helden. Er wird mit Geschenken überhäuft und zum Barbecue eingeladen. Da sich seine Biervorräte dem Ende nähern, nimmt er an und merkt schnell, dass er mit seinen einst so ungeliebten Nachbarn mehr gemeinsam hat, als er ursprünglich dachte.

Zwischen Walt und Tao entwickelt sich allmählich so etwas wie eine Freundschaft und der alte Mann ist auch in weiteren, brenzligen Situationen des Getto-Alltags zur Stelle. Doch die Gang lässt sich nicht so einfach vertreiben und Walt muss sich zu einem letzten, großen Kampf rüsten.

Videos und Bilder

Auf DVD & Blu-ray (3)

Kritiken und Bewertungen

So werten die User Ø
(3)
5
 
2 Stimmen
4
 
0 Stimmen
3
 
1 Stimme
2
 
0 Stimmen
1
 
0 Stimmen
So werten die Kritiker (1 Stimmen)
5
 
0 Stimmen
4
 
1 Stimme
3
 
0 Stimmen
2
 
0 Stimmen
1
 
0 Stimmen

Wie wertest Du? Klicke auf einen der Sterne:

Kritikerrezensionen

  • Clint Eastwood in seiner vielleicht letzten Hauptrolle: „Gran Torino“ ist eine einfühlsame Abrechnung mit dem Dirty-Harry-Image, wunderbar bissig und wehmütig zugleich.
  • In seiner 29. Arbeit als Regisseur setzt Clint Eastwood sich und seiner archetypischen Figur in einer stillen Ballade ein nachdenklich stimmendes Denkmal.

    In der letzten Szene von “Million Dollar Baby” lässt die Kamera Clint Eastwood in einem Gasthaus zurück, den Rücken zum Publikum gekehrt, allein mit sich und seiner Schuld, seinen Dämonen. Einen besseren Abschied, so glaubte man damals, könne der Regisseur Eastwood dem Schauspieler Eastwood nicht schenken: ein Farewell, das auch verdeutlicht, wie der Filmemacher heute zum leichtfertigen Morden eines Harry Callahan steht. Nun hat sich Clint Eastwood im Alter von 78 Jahren doch noch einmal vor die Kamera gewagt, in einer wohl allerletzten Performance als allamerikanischer Bockerer, die ihm einen Abgang beschert, der nicht den Hauch einer bittersüße Note anklingen lässt, sondern endgültig den Deckel auf all die verschiedenen Variationen des Mannes ohne Namen, der Eastwood in den Sechzigern berühmt machte, packt.

    “Gran Torino” ist ein kleiner, stiller und wehmütiger Film und doch von höchster Dringlichkeit, eine unverkennbar persönliche Arbeit. Der Film wurde in nur fünf Wochen vor Ort in einer Vorstadt des einst stolzen, mittlerweile aber seit Jahren darbenden Autoindustriezentrums Detroit gedreht, mit einer Spontaneität und gezielt kunstlosen Unmittelbarkeit, dass die anderen Werke des notorisch schnell arbeitenden Eastwood, der beim Dreh Wiederholungen von Szenen bekanntermaßen ohnehin scheut wie der Teufel das Weihwasser, dagegen wirken lässt wie die penibel durchkomponierten Epen eines David Lean. Das Lauteste in dieser Geschichte eines Witwers aus der Arbeiterklasse, der sich durch seine unerwartete Freundschaft zu den zwei jugendlichen Kindern der verhassten asiatischen Nachbarsfamilie gezwungen sieht, sich der eigenen Weltsicht und Dämonen der Vergangenheit zu stellen, ist Eastwoods Schauspiel.

    Seinen Walt Kowalski, einst hochdekorierter Kriegsheld und braver Arbeiter im Ford-Werk, nunmehr aber nur noch verbitterter und engstirniger Eigenbrötler, der sein Amerika nicht mehr wieder erkennt, spielt er hart am Rande zur Karikatur, als sprächen durch seine zusammengekniffenen Augen und rau hervorgepressten Sätze gleichzeitig Harry Callahan, der Mann ohne Namen, der Outlaw Josey Wales, William Munny und all die archetypischen Figuren aus “Der Mann, der niemals aufgibt”, “Heartbreak Ridge” oder “Weißer Jäger, schwarzes Herz” in einem regelrechten Chor die Summe der Stimmen vermeintlich echter Kerle aus Schrot und Korn. Wenn Walt, verraten von seinen Kindern und verfolgt von dem jungen Pfarrer der Gemeinde, nicht über Gott, Einwanderer und die Welt flucht, sieht er von seiner Veranda bei einem kalten Bier und Beef Jerky zu, wie seine einst heile Welt vor die Hunde geht. Jedes Vorurteil sieht der Korea-Veteran bei seinen Beobachtungen bestätigt. Bis er förmlich gezwungen wird, seine Passivität aufzugeben und zur Aktion zu schreiten, als er miterlebt, wie die Kinder der Hmong-Nachbarn von einer Gang drangsaliert werden. “Get! Off! My! Lawn!”, schnarrt der Rentner im besten Vigilantenstil und wird mit seinem Akt des Widerstands unfreiwillig zum Helden der Nachbarschaft und schließlich über manch auch humorige Umwege zum väterlichen Freund der Kids. Als Walt schließlich feststellt, dass er mit seiner Bereitschaft zur Gewalt alles noch schlimmer macht, sucht er nach einem Ausweg aus dem Dilemma.

    Was nach einem Drehbuch des Newcomers Nick Schenk ganz geradlinig beginnt wie der feuchte Traum jedes aufrechten Republikaners, entwickelt sich mehr und mehr zu einem komplexen und durchaus widersprüchlichen Spiel mit Eastwoods beliebtesten Themen: Um Rassismus geht es und die Last vergangener Gewalttaten, um die Falschheit von Heldenverehrung und natürlich um die verheerenden, nicht wieder gutzumachenden Auswirkungen von Gewalt. Unmöglich kann man ausblenden, wie Eastwood Bezug nimmt auf seine “Dirty Harry”-Filme, wie er inhaltlich Verbindungen knüpft zu “Erbarmungslos” und dem offenkundigen Schwesterfilm, “Million Dollar Baby”. Um dann anzuerkennen, dass diese wie mit der heißen Nadel gestrickte Ballade auch mühelos auf eigenen Beinen steht, gleichzeitig blendend unterhält und zur Auseinandersetzung einlädt. Dass der erste Film der Ära Obama von einem bekennenden Republikaner stammt, mag verblüffen. Dass dieser Republikaner Clint Eastwood heißt, dann wieder nicht: Weiter ist es verblüffend, wie dieser fast 80-jährige Mann bereit ist, mit jedem neuen Film dazuzulernen, nicht auf seiner Position zu verharren, längst Akzeptiertes wieder auf den Prüfstand zu stellen. Da gesteht man ihm dann auch gerne zu, mit seiner dünnen Reibeisenstimme den Abspannsong zu hauchen. Clint darf das. ts.

Darsteller und Crew

News und Stories

Kommentare

Liebe Nutzer, wir überarbeiten unser Kommentarsystem um es in Zukunft noch nutzerfreundlicher und weiter zugänglich zu machen. Bitte habt noch etwas Geduld mit uns, wir werden es euch dann bald an dieser Stelle zur Verfügung stellen.