Genug gesagt (2013)

Filmhandlung und Hintergrund

Nicole Holofcener bleibt ihrem Walking-and-Talking-Stil treu in ihrer bisher reifsten Beziehungskomödie zwischen Woody Allen und Eric Rohmer.

Nachdem sich Nicole Holofcener mit ihrer letzten Komödie “Please Give”, die 2010 in Sundance und auf der Berlinale gezeigt wurde, zuletzt in ihre Geburtsstadt New York gewagt hatte, kehrt die Filmemacherin mit ihrer fünften Regiearbeit wieder zurück in heimische Gefilde, in die sonnendurchfluteten Upper-Middle-Class-Wohngebiete von Los Angeles, wo sie selbst seit ihrem achten Lebensjahr lebt und die zwei Filme davor gespielt hatten. Es ist also nur passend, dass die 53-jährige Stieftochter des ehemaligen Woody-Allen-Produzenten Charles H. Joffe, die bislang stets ihre enge Freundin Catherine Keener als eine Art Alter Ego für ihre humorvollen Betrachtungen der weiblichen Psyche eingesetzt hat, hier mit Julia Louis-Dreyfus – auf immer und ewig die Stadtneurotikerin Elaine aus “Seinfeld”, zuletzt aber auch in der HBO-Serie “Veep” brüllend komisch – eine archetypische New Yorkerin an die Westküste verpflanzt hat.

Als Fremde in einer fremden Welt ist sie die Idealbesetzung für die vom Leben überforderte Masseuse Eva, die sich seit ihrer Scheidung aus der Bahn geworfen fühlt und mit nachhaltiger Einsamkeit konfrontiert sieht, wenn ihre flügge gewordene Tochter in Kürze aufs College geht und ihr Zuhause verlässt. Auf einer schicken Cocktailparty kommt sie mit einem Mann ins Gespräch, der äußerlich mit seinem dicken Bauch und seinem schütteren Haar so gar nicht Evas Typ ist. Auch Albert ist gerade geschieden und muss seine Tochter in Kürze ziehen lassen, aber vor allem ist er witzig und unterhaltsam und einfühlsam, sodass sich Eva zu einem Rendezvous mit ihm trifft und dabei in ihn verliebt. Das erweist sich nur deshalb als Problem, weil Eva auf besagter Cocktail-Party auch die esoterische Dichterin Marianne – eine Freundin von Joni Mitchell, wie sie sagt! – kennengelernt hat, die all das verkörpert und ausstrahlt, was Eva sich unter dem Idealbild einer starken, modernen Frau vorstellt. Weil sie so geblendet ist von deren souveränem Auftreten, realisiert Eva viel zu spät, dass ausgerechnet ihr Albert der geschiedene Mann von Marianne ist, über den sie sich unentwegt lustig macht.

Trotz aller dramatischer Verflechtungen ist es ein leichter Film mit guten Lachern und viel Wahrheit, der sich vor den Komplexitäten des Lebens nicht verschließt: So wie die Figuren ihre verletzten Seelen hinter ihren Marotten und Unsicherheiten verbergen, nutzt der Film seine lustigen Verstrickungen wie einen Schutzwall, hinter dem sich sein sanftes und zartes Herz versteckt. Also kann man lachen über die amüsierten Beobachtungen und bestechenden Dialoge, aber auch Anteil nehmen am romantischen Schicksal seiner Protagonisten. Vor allem aber ist “Genug gesagt” ein großes Geschenk von Nicole Holofcener an ihre Schauspieler, das sie danken annehmen. Julia Louis-Dreyfus gelingt ein bestechendes Porträt einer Frau, die es allen recht machen will und am Ende völlig allein dastehen könnte. Aber wirklich gehören tut der Film dem großen James Gandolfini in seiner vorletzten Rolle: Er spielt seinen Albert mit einem Höchstmaß an Einfühlungsvermögen und Zärtlichkeit als Gegenentwurf zu seiner Paraderolle des Tony Soprano. Sein komisches Timing könnte nicht besser sein. Ein schöner Schauspielerfilm mit entspanntem Kalifornienfeeling und großem Herz. ts.

Die geschiedene Masseurin Eva macht bei einer Gartenparty neue Bekanntschaften. Mit Gedichteschreiberin Marianne versteht sie sich so gut, dass sie nicht nur eine neue Kundin gewinnt, sondern auch bald eine Freundin. Eva wird auch Albert vorgestellt, von dem sie nicht besonders beeindruckt ist. Doch er will sie besser kennenlernen. Eva lässt sich auf ein erstes Date ein, ihr gefällt sein Humor, wie sie ist er geschieden und hat eine Tochter im gleichen Alter. Sie verlieben sich. Doch dann entdeckt Eva, dass Albert Mariannes Ex ist, über dessen Gewohnheiten sie ständig lästert.

Eine geschiedene Masseurin verliebt sich neu – und freundet sich ausgerechnet auch noch mit dessen Ex an. Wunderbare, ebenso leichtfüßige wie ehrliche Independentkomödie um die Beziehungsnöte Geschiedener.

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