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Geh und lebe (2005)

Originaltitel: Va, vis, et deviens
Geh und lebe Poster
Nicht mehr im Kino.
Userwertung (1)
  1. Ø 5
Kritikerwertung (2)
  1. Ø 4

Filmhandlung und Hintergrund

Geh und lebe: Drama über einen farbigen Jungen, der im Zuge der "Operation Moses" aus einem sudanesischen Flüchtlingslager als Jude nach Israel verpflanzt wird.

Nordafrika in den frühen 90er Jahren. Weil die israelische Regierung im Rahmen der “Operation Moses” mehrere tausend äthiopische Juden ins gelobte Land heimholt, gibt in einem Flüchtlingslager eine dem Hungertod ins Auge blickende äthiopische Christin ihren kleinen Sohn als Juden namens Salomon aus und lässt ihn nach Israel transferieren. Dort wächst Schlomo zum Mann mit eigener Familie heran, ohne sein Geheimnis zu verraten.

Den Panorama-Publikumspreis bei den Filmfestspielen von Berlin 2005 und den Publikumspreis von Toronto 2005 gab’s für das zweieinhalbstündige, zwanzig Lebensjahre umspannende Werk des Regisseurs Radu Mihaileanu (“Zug des Lebens”).

1994 in einem Flüchtlingslager im Sudan: Als der kleine Sohn einer Jüdin stirbt, schickt eine Christin ihren eigenen an dessen Stelle mit dem Transport nach Israel, um sein Überleben zu sichern. Der farbige Junge muss sich fortan als Jude Schlomo ausgeben, um nicht zurück gesandt zu werden. Nach Anpassungsschwierigkeiten wird Schlomo von einer israelischen Familie französischer Herkunft adoptiert.

Videos und Bilder

Auf DVD & Blu-ray (1)

Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • „Geh und lebe“ von Radu Mihaileanu bezieht sich auf die wenig bekannte „Operation Moses“: Mitte der achtziger Jahre flogen Israel und die USA 8.000 äthiopische Juden aus sudanesischen Lagern nach Israel aus. 4.000 weitere jedoch starben auf ihrem Fußmarsch in den Sudan oder in den Flüchtlingslagern. Die äthiopischen Juden, Falashas genannt, mussten ihre Identität im islamischen Sudan verbergen. Die Flüchtlingslager waren voll von anderen Afrikanern, die wegen Hunger und Dürre ihre Heimatländer verlassen hatten. In Israel stießen die Falashas als einzige schwarze Juden auf zahlreiche Vorurteile. 1991 wurde die Luftbrücke fortgesetzt.

    Doch der rumänisch-französische Regisseur interessiert sich mehr dafür, wie die Umstände einzelnen Menschen eine neue Identität aufzwingen. Wie fühlt sich ein Kind, das seine Herkunft verleugnen muss, in einem fremden Land? Die 144 Minuten dieses Dramas, das 2005 den Panorama-Publikumspreis auf der Berlinale gewann, geben einen tiefen Einblick in Schlomos Zerrissenheit und seinen inneren Kampf um Anpassung und Selbstfindung.

    Die israelische Adoptivmutter, der neue Opa, ein äthiopischer Rabbi, schließlich die in ihn verliebte Sarah: Sie alle suchen seine Nähe, sie alle will Schlomo nicht enttäuschen. Er versucht als Jugendlicher sogar, sich als Thora-Kenner zu beweisen. Manchmal steht er kurz davor, jemandem seine wahre Herkunft zu offenbaren, doch dann verlässt ihn der Mut. Schlomos Lebensphasen werden von drei verschiedenen Darstellern gespielt.

    Anders als in seinem Film „Zug des Lebens“ über jüdische Dorfbewohner während des Zweiten Weltkriegs, die einen Deportationszug zusammenstellen und sich als Nazis verkleiden, um über die Grenze zu fliehen, verzichtet Mihaileanu hier auf den absurden Witz. Schlomos Geschichte ist realitätsnah und immer ernst. Doch in einigen Details blitzt Mihaileanus Humor doch wieder auf, der Realitäten so entlarvend zuspitzt: Zum Beispiel wenn die Adoptiveltern, selber nicht religiös, ihren vermeintlich religiös erzogenen neuen Sohn zum Beten anhalten. Oder wenn ein Polizist, dem Schlomo seine Schuld beichten will, ihn missversteht, und ihm einen Vortrag hält darüber, wie schwer es Israel den jüdischen Einwanderern macht.

    Dieser sehr sorgfältige, psychologisch tiefe Film überzeugt auch durch das, was er nicht ist: kitschig oder übertrieben, oder gar gefühlsduselig. Schlomo beeindruckt durch den Verzicht auf Worte, die in seiner Umgebung doch nur Verstörung auslösen würden. Alle, die ihn umgeben, dürfen natürlich bleiben, Überzeugungen und Ansichten äußern, wie sie sie gelernt haben. Ein dichter, sehenswerter Film von einem Regisseur, der Fragen der Geschichte gerne psychologisch auf den Grund geht.

    Fazit: Dichtes psychologisches Drama mit zeitgeschichtlichem Hintergrund über einen äthiopischen Jungen, der sich in Israel als Jude ausgeben muss.
  • Mit der “Operation Moses” wurden Mitte der 80er Jahre Tausende äthiopischer Juden nach Israel geholt, um sie vor Verfolgung und Hungersnot zu retten. Unter ihnen ein neunjähriger Christenjunge, der im fremden Land eine jüdische Identität annehmen muss.

    Harmonisches Multikulti ist auch in Israel mehr Wunschdenken als Wirklichkeit. Als der israelische Geheimdienst mit Hilfe der USA äthiopische Juden, die “Falashas”, ins Land holt, merkt der kleine Farbige, der sich “Schlomo” nennt, dass seine Hautfarbe ihn ausgrenzt, auch wenn ihn eine französisch-stämmige jüdische Familie adoptiert und freundlich aufnimmt. In der Schule wird er geschnitten und als Teenager schlägt ihm der Vater seiner Freundin die Tür vor der Nase zu. Den Äthiopiern, den einzigen schwarzen Juden, unterstellt man Betrug am Judentum. Was niemand weiß: Schlomo ist Christ, seine Mutter schickte ihn ins gelobte Land, um ihn am Leben zu erhalten. Er schweigt über seine Herkunft, weil er sonst das Land verlassen müsste. Mit der falschen Identität versucht er sich anzupassen, aber als seine Adoptivmutter stirbt, die ihn als ihren Sohn ausgab, ist er auf sich allein gestellt, flüchtet sich in kindliche Aggression. Je älter er wird, um so schwerer fällt es ihm, sein Geheimnis zu wahren. Nach einem Aufenthalt im Kibbuz und Studium in Paris heiratet er seine Jugendliebe, die wegen ihm mit ihrer Familie bricht. Irgendwann muss er ihr die Wahrheit sagen.

    Um so authentisch wie möglich zu sein, recherchierte Radu Mihaileanu bei jüdischen Äthiopiern, Mitgliedern des Mossad, Soziologen und Historikern, ließ sich dadurch nicht nur für die Handlung, sondern auch zu Dialogen inspirieren. Neben dem Konflikt zwischen zwei Identitäten geht es vor allem um die verzweifelte Suche nach der leiblichen Mutter. Als der Erwachsene sie wiederfindet, ist auch sein Selbstfindungsprozess abgeschlossen. Die lange Reise eines Entwurzelten zu sich selbst wird ohne Hektik und nahe an den Figuren erzählt, respektiert die geschichtliche Realität dieses modernen Exodus über die Lager im Sudan. Das anrührende Drama konzentriert sich nicht nur auf ein individuelles Schicksal, sondern zeigt die israelische Gesellschaft im Zwiespalt und Wandel, die Schwierigkeiten der Integration. mk.

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