Fleisch (2007)

Filmhandlung und Hintergrund

ProSieben wagt sich an einen Klassiker: Vor dreißig Jahren schockierte Rainer Erler die TV-Nation mit einem ungeschönten Thriller über den internationalen Organhandel. Das Remake hält überraschend gut mit.

Die Geschichte war schon damals überschaubar: Ein Syndikat entführt wahllos Menschen, um sie als Ersatzteillager zu missbrauchen. 1979 aber war das ein völlig neuer Stoff. Heute ist das Thema längst durch und wird selbst in Krimireihen ungleich komplexer behandelt. Streng genommen müsste man die Geschichte also ganz anders erzählen. Thomas Gaschler aber hält sich bei seinem Drehbuchdebüt eng an die Vorlage: “Fleisch” (2008) ist ein werkgetreues Remake – und es funktioniert. Erlers Südstaaten der USA sind nun Südafrika, was durchaus sinnvoll ist. Dass die Organ-Mafia auf Nachschub aus Europa angewiesen ist, wirkt angesichts der hohen Aids-Rate gleichfalls glaubwürdig. Deshalb ist es fast schon ein Pakt mit dem Tod, als Frank und Marisa (Sebastian Ströbel, Theresa Scholze) ein Schnäppchenangebot nutzen und Flitterwochen in Südafrika buchen. Die beiden ahnen nicht, dass die Besitzerin des Hotels mit Organhändlern zusammenarbeitet: Das Prächen soll in einem Krankenwagen abtransportiert werden. Marisa gelingt die Flucht ins nächste Township, wo sie unerwartete Hilfe bekommt: Barbesitzer Biko (Tony Kgoroge) hat vor zwei Jahren seinen Sohn verloren. Er ist auf offener Straße angefahren und verschleppt worden; ein Augenzeuge schwört, das Unfallauto sei ein Krankenwagen gewesen.

Oliver Schmitz, gebürtiger Südafrikaner, hat bislang vor allem Komödien gedreht. Im vergangenen Jahr gab’s für die Regie zu “Türkisch für Anfänger” einen Adolf Grimme Preis, zuletzt hat Sat.1 die muntere Familienkomödie “Allein unter Töchtern” (mit Hannes Jaenicke) gezeigt. Seine Stärke, das Inszenieren von Figuren und Dialogen, nützt ihm hier aber nichts, denn die Menschen in diesem Film reden nicht viel. Gerade die Verfolgungsjagd im ersten Drittel inszeniert Schmitz dafür ziemlich packend. Hier ist der Film sogar fesselnder als das Original; Action-Szenen wirkten in den Filmen von Rainer Erler immer etwas ungelenk. Außerdem ist das Township, als Drehort in den Produktionen etwa von ARD-Tochter Degeto sorgfältig gemieden, eine reizvolle Kulisse.

Auch Schmitz aber ist nicht vor Fehlern gefeit. Einige standen offenbar schon im Drehbuch: Gerade noch ist Frank praktisch gelähmt, da sitzt er kurz drauf schon ruckzuck im Auto. Die Figuren zaubern immer wieder mal wie aus dem Nichts einen Revolver hervor, haben einen Moment später aber schon wieder vergessen, dass sie bewaffnet sind. Und dann gibt es noch den mittlerweile beinahe üblichen Anschlussfehler, als eine Akte mal auf dem Gesicht, mal mit der Schrift nach oben auf dem Boden liegt. Davon abgesehen aber ist “Fleisch” ein durchaus sehenswerter Thriller. tpg.

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