Falscher Bekenner (2005)

Falscher Bekenner Poster
Nicht mehr im Kino.
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Filmhandlung und Hintergrund

Falscher Bekenner: Sozialkritischer Spielfilm um einen deutschen Teenager, der sich zu fremden Taten bekennt.

Im Leben des achtzehnjährigen Arnim (Constantin von Jascheroff) sind Höhepunkte dünn gesät. Mutter nervt, Vater setzt ihn mit hohen Erwartungen unter Druck, die Bewerbungsgespräche verlaufen stets gleich frustrierend, und daheim im trostlosen Vorort im Schatten des Autobahnzubringers ist in Sachen Freizeitspaß der Hund begraben. Schließlich brechen sich Sehnsucht nach Ausbruch und Anerkennung auf ihre Weise Bahn: Arnim übernimmt Verantwortung – für anderer Leute Untaten.

Christoph Hochhäusler

Nach der Mittleren Reife lungert der 18-jährige Armin frustriert in seiner Vorstadt herum, genervt von seinen Eltern, die hohe Erwartungen an seine berufliche Zukunft stellen. Aus Langeweile beginnt er, anonyme Bekennerbriefe zu verfassen – er bekennt sich als Zeuge eines Unfalls, dann als Verantwortlicher eines Verbrechens – und entwickelt daraus eine krankhafte Obsession.

Armin Steeb hat zwar sein Abschlusszeugnis in der Hand, aber keine Ahnung, was er von nun an mit seinem Leben anfangen soll. Seinen Eltern muss er versprechen, pro Tag eine Bewerbung abzuschicken, eine Aufgabe, der er sich mit der gleichen Lustlosigkeit widmet wie den folgenden Vorstellungsgesprächen. Doch eines Abends kommt er an den Schauplatz eines tödlichen Unfalls und verfasst einen gefälschten Bekennerbrief, in dem er die Verantwortung für die Tragödie übernimmt. Bald stürzen die Medien sich auf das Thema.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Er sucht und er sucht nicht. Er passt sich an und er verweigert sich, erscheint abwesend, langsam, orientierungs- und ratlos. Auf der einen Seite ist seine Zukunft vorprogrammiert, auf der anderen Seite erscheint sie hoffnungslos unsicher. Eine unerträgliche Situation, die ihn zu Recht lähmt. Bemächtigt von einer rastlosen Langeweile läuft der Antiheld Armin durch seine mittelständische Lebenswelt und auch wenn er der einzige ist, der offensiv lügt, ist er nicht der einzige falsche Bekenner.

    Denn was seine beruflichen Ambitionen betrifft, gibt er nicht vor, etwas zu sein, was er nicht ist. Er hat kein Interesse an der Arbeit, die ihm Familie und Gesellschaft aufdrängen wollen, er verkauft sich nicht, auch wenn es genau das ist, was laufend von ihm gefordert wird. Selbst in Augenblicken, in denen er hemmungslos ehrlich wirkt, kann man sich nicht sicher sein, ob sich hinter seinem Gesicht nicht doch eine Lüge verbirgt. Nichts ist eindeutig in diesem Film und eigentlich hat man auch nach neunzig Minuten keine Ahnung, wer Armin ist oder welche Beweggründe seine Handlungen motivieren.

    „Falscher Bekenner“ liefert die erstaunlich treffende Beschreibung eines gesellschaftlichen Zustands, ohne dafür einseitige oder eindeutige Bilder zu bemühen. Gerade durch die Auslassungen gelingt es, mehr zu vermitteln, als Bild und Dialog allein es könnten. Es wird nicht alles angekündigt, sondern einfach gezeigt. Dabei werden manche Erzählstränge als plötzlich auftauchende Erinnerungsfetzen in Rückblenden eingeschoben, ohne dass man sich immer sicher sein könnte, ob es sich überhaupt um eine Erinnerung handelt. Schließlich können Bilder ebenso lügen wie Menschen.

    Aus der erstickenden Idylle seines scheinbar gut funktionierenden Elternhauses heraus, kreiert sich Armin ein Doppelleben, mit dessen Hilfe es ihm gelingt, dem auf ihm lastenden Druck zumindest teilweise zu entkommen. Dabei scheinen immer wieder unterdrückte Begierden aufzuflackern, was sich in kurzen und überraschend sinnlichen Momenten oder in direkten sexuellen Begegnungen manifestiert.

    Die Ratlosigkeit gegenüber der Situation scheint das einzig gemeinsame zu sein, das Armin mit seiner Familie teilt. Auch seiner Bekannten Katja scheint dieses Gefühl nicht fremd zu sein. Ebenso arbeitslos wie Armin hangelt die sich von einem Selbsterfahrungskurs zum nächsten, vielleicht auch, um eine Antwort auf die in den Bewerbungsgesprächen immer wieder gestellte Frage zu finden: „Wie sehen Sie sich selbst?“ Eine Frage, auf die Armin eine sehr logische und bezeichnende Antwort weiß.

    Fazit: Ein erstaunlich wahrer Film über die Symptome einer ratlosen Generation. Gelungen und lohnenswert.
  • Beeindruckendes, dicht inszeniertes Porträt eines Jugendlichen ohne Perspektive, mit Humor und Fantasiesequenzen aufgelockert.

    Armin Steeb, 18 (Constantin von Jascheroff), hat nach dem Schulabschluss nicht die mindeste Vorstellung, was er anfangen soll. Er leidet unter der Fürsorge der Mutter, den Hoffnungen des Vaters, dem er versprochen hat, jeden Tag eine Bewerbung aufzugeben, und der tödlichen Langeweile seines Vorortlebens irgendwo im Ruhrgebiet am Rand einer Autobahn. Als Achim eines Nachts die Folgen eines Autounfalls erlebt – ein Jaguar aufgebäumt am Brückenpfeiler – , nimmt er, ohne länger nachzudenken, ein zerbrochenes Achsenteil mit. Später

    schreibt er einen anonymen Brief und bekennt, er habe Sabotage begangen. Irgendwie reizt es Achim, die Sache fortzuspinnen, er bekennt er sich zu weiteren Taten, die er nicht begangen hat und die ihn in die Zeitung bringen. Die Polizei ist auf seiner Spur…

    Der zweite Spielfilm von Christoph Hochhäusler (“Milchwald”) fängt als Low-Budget-Produktion dank seines dichten Skripts, der funktionalen Inszenierung und vorzüglicher Schauspielerleistungen das junge Menschen erstickende bürgerliche Leben in Eigenheim-Vorstädten und seine Banalitäten gekonnt ein. Dazu trägt die Farbgebung bei: Alles ist milchig bis farblos, nie scheint genug Licht in den Wohnungen zu herrschen, selbst der Garten verschwindet in diffusen Schleiern. Das entspricht Achims Selbsteinschätzung: Er kommt nicht von selbst aus dem Milieu heraus, würde jemand dafür an seiner Seite brauchen, deutet der von ihm verehrten älteren und kügeren Katja (Nora von Waldstatten) seine Biedermann-Brandstiftungen an.

    Wie der österreichische Film “Lovely Rita” (von Jessica Hausner), mit dem er viele gemeinsame Züge absurder Komik trägt, ist “Falscher Bekenner” durch einen trockenen Humor aufgelockert, der die beängstigend gut beobachteten demütigenden Abläufe von Bewerbungsgesprächen ebenso präzise notiert wie ein Familientreffen, das für Achim zur Katastrophe im Selbstbewusstsein gerät. Die Fantasiesequenzen (seine Vergewaltigung durch eine Rockerbande) spielen mit Armins unentschiedener Sexualität. Hauptdarsteller und Neuling Constantin von Jascheroff trägt den Film weitgend und wird von Manfred Zapatka unterstützt, der als generös gutmeinender, aber nicht wirklich verstehender Vater eine weitere seiner vielen Glanzleistungen liefert. Ein kleiner feiner Film, zu dem sich Arthouse-Kinos bekennen sollten. ger.

Darsteller und Crew

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