Drei Affen - Nichts hören, nichts sehen, nichts sagen (2008)

Originaltitel: Üc maymun
Drei Affen - Nichts hören, nichts sehen, nichts sagen Poster
Nicht mehr im Kino.
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Filmhandlung und Hintergrund

Drei Affen - Nichts hören, nichts sehen, nichts sagen: Drama über eine Familie, die ihre Augen vor einem düsteren Geheimnis verschließt.

Schlechtes Karma für Politiker Servet (Ercan Kesal): Er hat im Sekundenschlaf einen Mann mit dem Auto überfahren. Wenn die Öffentlichkeit davon erfährt, kann er seine Karriere vergessen. Also bietet er seinem Chauffeur Eyüp (Yavuz Bingöl) Geld, damit dieser die Schuld auf sich nimmt. Während Eyüp in Haft sitzt, gerät sein Sohn auf die schiefe Bahn. Mutter Hacer (Hatice Aslan Kaleli) fordert einen Vorschuss. Servet willigt ein – für Sex.

Exquisites Moraldrama vom türkischen Regiemeister Nuri Bilge Ceylan (“Uzak”), den viele als neuen Michelangelo Antonioni feiern. Eine Kaskade finsterer Geheimnisse ruiniert in dem Lehrstück eine ganze Familie. Sinnbild dafür sind die drei Affen, die sich der Wahrheit verschließen.

Eine Familie hat darunter zu leiden, dass sich die kleinen Geheimnisse mehr und mehr zu großen Lügen auswachsen, die die Harmonie behindern. Nach Art der sprichwörtlichen drei Affen werden Augen, Ohren und der Mund vor der Wahrheit verschlossen. Stellt sich nur die Frage, ob das nachhaltig möglich ist.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Regisseur Nuri Bilge Ceylan’s Filme sind geprägt von der Kommunikationsunfähigkeit seiner Charaktere. In Drei Affen will Eyüp nicht hören, was in seiner Abwesenheit geschehen ist, Hacer verschweigt die Wahrheit und ihr Sohn Ismail gibt vor, nichts gesehen zu haben. Eine Metapher für eine Familie, die an diesen Geheimnissen zu zerbrechen droht.

    In langen Einstellungen sieht man die Charaktere immer wieder auf der Couch sitzen, im Bett liegen, in der Küche sitzen. Manchmal reden sie, die meiste Zeit schweigen sie. Dann wechselt der Film in nahe Großaufnahmen der Menschen, die immer wieder in die eine, in die andere Richtung schauen, bis alles aus ihren Gesichtern fällt.

    Das ist zermürbend, doch es gibt Fälle, aus denen man aus einem derartigen Film mit dem eigenartigen Gefühl einer Reinigung geht. Als hätte man etwas Wahrhaftiges gesehen. Doch leider ist dies bei Drei Affen nicht der Fall.

    Zwar gibt es immer wieder Momente, in denen man sich den Charakteren nahe fühlt, ihren Schmerz kurzzeitig nachempfinden kann. Doch dann schweift der Film wieder in seine stilisierte Ästhetik ab und auf einmal werden die Gesichter zu Masken. Die keinerlei Leben beinhalten und die Gedanken, die dahinter stehen, sind auf einmal egal. Das liegt nicht immer nur am mangelnden Timing, sei es der Darsteller, sei es der Regie, des Schnittes. Dies liegt auch an einem elementaren dramaturgischen Problem.

    Zuschauer brauchen einen Protagonisten, der sie auf die eine oder andere Weise durch die Geschichte führt. Doch dieser Film hat keinen Protagonisten. Er hat drei ebenbürtige Charaktere, die alle den gleichen Raum bekommen. Dadurch verspielt Ceylan die Möglichkeit Einblick in einen spezifischen Charakter zu gewähren.

    So wird der Film zunehmend belanglos, der Konflikt wirkt aufgesetzt, man hat nicht mehr die Muße verstehen zu wollen, warum Hacer nicht gegen ihren Mann offen aufbegehrt, warum dieser seine Liebe nicht anders ausdrücken kann, warum Ismail so betroffen ist von dem Unglück seiner Eltern.

    So scheitert Ceylans Film ausgerechnet dort, wo er eigentlich triumphieren wollte. Dies ist kein authentischer Einblick in das Leben. Dies hier fühlt sich an wie eine Seifenoper mit interessanten Gesichtern, die aber aufgrund ihrer Belanglosigkeit verblassen.

    Fazit: Ein Film, der zuviel wollte und in der Umsetzung kläglich scheitert.
  • Kommunikationslosigkeit führt in dieser mit der Palme für die Beste Regie ausgezeichneten türkischen Familientragödie in die menschliche Katastrophe.

    Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen. Wie die drei sprichwörtlichen Affen verhalten sich Nuri Bilge Ceylans Protagonisten. Das spröde Drama beginnt auf einer Landstraße. Der Politiker Servet steht kurz vor einer wichtigen Wahl, brettert mit überhöhter Geschwindigkeit durch die Nacht und tötet einen Spaziergänger. Statt sich um das Opfer zu kümmern, begeht er Fahrerflucht. Um seine Karriere nicht zu gefährden, soll sich sein Chauffeur für schuldig bekennen und dafür finanziell belohnt werden. Der Angestellte landet für neun Monate im Knast, dessen Familie profitiert vom Schweigegeld. Die Ehefrau beginnt ein Verhältnis mit dem verheirateten Servet, der erwachsene Sohn ertappt sie quasi in flagranti. Da ist es nicht weit bis zum Gewaltausbruch, die vorhersehbare Katastrophe köchelt vor sich hin, der Ehebruch ist nur der Auslöser für lang verdeckte Konflikte. Alle Beteiligten sind in Zwängen und Ängsten gefangen, sehen das Leben vorbeiziehen. Geduld und Aufmerksamkeit sind gefragt in dieser kunstvoll geflochtenen und an Worten nicht gerade reichen Studie über Entfremdung, Verdrängung und Einsamkeit. Die Körpersprache, kleine Gesten und bedeutende Blicke ersetzen verbale Äußerungen. Lange statische Einstellungen werden durch Close-Ups von Gesichtern unterbrochen, um Eingang in Gefühlswelten zu ermöglichen, die emotionale Eruption ahnen zu lassen. Dennoch bleiben die Charaktere fremd und fern, nur in seltenen Momenten offenbaren sie ihr Inneres. Manchmal geht es sehr symbolisch zu, wenn die Kamera sich penetrant auf ein Küchenmesser richtet, beim drohenden Konfliktausbruch ein Gewitter losdonnert oder die Zuggleise und Autostraßen vor dem Haus ins Nirgendwo führen, keine Fluchtmöglichkeiten eröffnen. Am Ende steht die Schuld, das Schweigen, die Scham. Nur Scheitern, keine Hoffnung, nirgends. mk.

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