Die Mühle und das Kreuz (2011)

Originaltitel: The Mill and the Cross
Die Mühle und das Kreuz Poster
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Filmhandlung und Hintergrund

Die Mühle und das Kreuz: Zwischen Real- und Animationsfilm angelegte Arbeit, die die Geschichte von Peter Bruegels Bild über den Kreuzweg Christi erzählt - mit Rutger Hauer als berühmtem Maler.

Flandern 1564. Schwer bewaffnete Söldner terrorisieren im Namen der spanischen Krone und Inquisition die Landbevölkerung ihrer niederländischen Kolonie und bestrafen zarte Reformationsversuche mit drakonischer Grausamkeit. Auch der Kunstsammler Nicolas Jonghelinck beklagt die gnadenlose Unterdrückung. Er hat dem Künstler Pieter Bruegel den Auftrag erteilt, die Kreuztragung Christi zu malen. Beeinflusst vom Leiden der Landsleute, verlegt dieser die Szenerie in die flandrische Gegenwart und spielt auf die haltlosen Zustände in der Heimat an.

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Kritikerrezensionen

  • Immer wieder inspirierten berühmte Gemälde und ihre Entstehungsphase die Fantasie von Filmemachern – von Carol Reeds „Inferno und Ekstase“ über Michelangelos Deckengemälde in der Sixtinischen Kapelle zu „Das Mädchen mit dem Perlohrring“ über ein Jan Vermeer-Gemälde bis hin zu Peter Greenaways „Nightwatching“ über Rembrandts berühmtes Werk. Schon Greenaways letzte Filme tendierten stark in Richtung Videokunst, wozu auch Lech Majewskis Arbeiten fallen. Ausgehend von Michael Francis Gibsons gleichnamiger Bildinterpretation von 2000 zu Pieter Bruegels „Die Kreuztragung Christi“ schuf der Pole eine eigenwillige Bildanalyse, wobei er zudem gleich mehrere wichtige Funktionen vom Coautor bis zum Sound- und Landschaftsdesigner übernahm.

    Dabei tritt Bruegel in sein eigenes Tableau ein, um die formale Gestaltung mit Auftaggeber Jongheinck zu diskutierten. Nicht nur das Geschehen auf dem legendären Gemälde fließt in die rudimentäre Handlung ein, auch andere Arbeiten finden ihre filmische Verwendung in dem teils authentisch, teils surreal angelegtem Panorama. Mitunter agieren die Charaktere in realen, international aufgenommenen Landschaften, mitunter vor einer Blue Screen, wobei mittels CGI Technologie manchmal mehrere Schichten übereinander gelegt wurden.

    Schönheit und Schrecken liegen nahe beieinander. Eine idyllische, unbeschwerte Szene kann innerhalb Sekunden in Schrecken umschlagen, da die rot gekleideten Reiter der Inquisition mit erbarmungsloser Gewalt vorgehen. Nahtlos fügt sich in die Kreuzigung in eine Abfolge naturalistischer Beobachtungen, als habe sie im Zeitalter der strengen spanischen Herrschaft statt gefunden. Deshalb wurden die zahlreichen polnischen Darsteller spanisch nachsynchronisiert, aber gesprochen wird ohnehin nur selten – in der ersten halben Stunde fast gar nicht. Die einzigen längeren Dialogsequenzen bleiben den drei englischsprachigen Stars vorbehalten – neben Hauer und York agiert Charlotte Rampling als Jungfrau Maria, die zu Reflexionen über das Jesu Leiden und weltliche Ungerechtigkeit ansetzt. Ansonsten beschränken sich die Äußerungen der Bauern und Bürger auf unverständliches Gemurmel.

    Dieses Stilmittel trägt ebenso wie die ungewöhnliche visuelle Gestaltung zur dichten Atmosphäre der filmischen Auseinandersetzung mit dem Wesen der Malerei bei. Neben einem deutlichen Appell für Gedanken- und Religionsfreiheit wirft die cineastische Meditation gleichsam Fragen nach der Verantwortung des Künstlers und der Rezeption seines Werks auf, um mit einer langen Kamerafahrt aus dem (echten) Bild heraus zu schließen.

    Fazit: Faszinierende, dialogarme Reise in das Innere eines berühmten Gemäldes, die deutliche Kritik an der Unterdrückung Andersdenkender einschließt.
  • Pieter Bruegels der Ältere berühmtes Gemälde “Die Kreuztragung Christi” wird in Lech Majewskis Passionsgeschichte für Kunstsinnige spektakulär lebendig.

    Näher kann man einem Kunstwerk nicht kommen. Der polnische Filmemacher Lech Majekswi, Drehbuchautor von “Basquiat” und selbst mal bildender Künstler, hat in drei Jahren Arbeit das Gemälde eines alten Meisters mit neuester Technik im wahrsten Wortsinn zum Leben erweckt. Mehr noch als in seinem Werk über Boschs “Der Garten der Lüste” bilden computeranimierte Hintergründe nach Bruegels Motiven ein halluzinogenes Szenario, das eine Brücke zwischen Sozialrealismus und Phantastik, zwischen Leben und Bild schlägt.

    Anstatt vor üblicher Historienkulisse ein Kostümbiopic über Genie und Wahn eines Künstlers auszubreiten, hat Majewski einen radikalen, bestechenden Ansatz gewählt, der einen vollendeten Kunstfilm gebiert. Von Beginn an versenkt sich die Kamera andächtig in das raue Naturidyll Flanderns anno 1564, durchmisst respektvoll Tableaus von Bauernstilleben und Nebellandschaften, beschwört eine fabelhafte Atmosphäre und genießt diese in ausführlicher Ruhe. Aus den gut 500 Gestalten des Mammutbildes wählt Majewski ein Dutzend, deren Tagwerk auf Höfen, Feldern und Märkten er in detailgenau ausgestattetem Naturalismus abbildet – unverklärt und doch lyrisch. Er evoziert eine fast handlungslose Gemäldegalerie in gedeckten Farben, viel indirektem Naturlicht und dunklen Tönen. Lange Zeit lässt er Bilder und Geräusche für sich sprechen, bis sich Kunstsammler Nicolas Jonghelinck (Michael York) über die Unterdrückung durch die Spanier, Maler Bruegel (Rutger Hauer) über Genese und Herangehensweise seines Bildes und die Jungfrau Maria (Charlotte Rampling) über Jesu Tod monologisch auslassen.

    Über der nun angerissenen Passionsgeschichte, die durchaus an Mel Gibson abzüglich des Splatters erinnert, thront ein Felsmassiv, das sich zu einem gigantischen Windmühlenturm verjüngt. Die sozialkritische Nacherzählung von Jesu Kreuzestod lässt rote Waffenröcke im Namen der spanische Krone und Inquisition gegen zarte Reformationsversuche mit aller gebotenen Grausamkeit wüten, Männer aufs Rad flechten, Frauen lebendig begraben. Unter dem Vorwand der Ketzerei werden die Einheimischen im eigenen Land zu Bettlern degradiert – damit folgt Majewski der Bruegel-Interpretation Michael Gibsons, dessen Sichtweise er zu einem digitalen Bildteppich verwebt, der fasziniert, aber auch Geduld fordert. tk.

Darsteller und Crew

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