Die Geschwister Savage (2007)

Filmhandlung und Hintergrund

Tamara Jenkins’ Film über ein Geschwisterpaar und ihren Pflegefall ist ein Lehrstück, wie einfühlsam und witzig man sich einem Tabuthema nähern kann.

“Hauptsache Beverly Hills” hieß die Devise 1998 in Jenkins’ familiärem Vorgängerfilm, Hauptsache Heim lautet die Richtungsanweisung für den Nachfolger. Damals entdeckte ein Teenager, wie sich Welt und Körper veränderten, jetzt erleben das zwei Geschwister um die 40, als sich ihr Vater dem fortschreitenden Verfall des Alters beugen muss. Etwa 600 Kilometer liegen zwischen Beverly Hills und Sun City, Arizona, einem der Schauplätze von Jenkins’ neuem Film. Warum die Autorin und Regisseurin neun Jahre für diese Strecke brauchte, zeigt diese exquisite Annäherung von Komik und Tragik, die sich nie im Ton vergreift und die Mechanismen von Familienbeziehungen mit Sensibilität und darstellerischer Kompetenz realistisch abbildet. In ihrer Kindheit war Lenny Savage (Philip Bosco) für Wendy (Laura Linney) und ihren Bruder Jon (Philip Seymour Hoffman) ein Mann, der Härte, aber keine Liebe zeigte und als Vater versagte. Als Erwachsene ist er für sie nur noch verdrängte quälende Erinnerung – ein Fremder, räumlich und emotional weit von den Geschwistern entfernt. Einige Anrufe aus der strahlenden Seniorenidylle Sun City verändern alles. Als bei ihrem Vater Demenz und Parkinson diagnostiziert werden und seine langjährige Lebensgefährtin stirbt, muss der alte Mann von Arizona in ein Pflegeheim an der Ostküste umziehen. “Vielleicht hat er uns ja nicht verlassen, sondern nur vergessen”, witzelt Wendy nach der Diagnose – eines von vielen Bonmots, mit denen Jenkins schmerzliche Ereignisse und Erinnerungen bissig-komisch kommentiert.

Bewusst, aber nicht betroffen machen ist ihr Credo, dass sie konsequent durchhält. Mit Wendy und Jon bekommt man Einblicke in die oft ausgeblendeten Begleiterscheinungen des Alters. Die bittere, triste Realität der Heime als Kontrast zu den sonnendurchfluteten Werbespots der Pflegeparadiese. Die Hilflosigkeit der betreuten Elternteile, aber auch die der Kinder. Der Druck, sich um jemanden kümmern zu müssen, der das vielleicht selbst nie tat – ein Konflikt, der für Hoffmans distanziertere Figur gar nicht existiert: “Wir sind nicht in einem Sam-Shepard-Drama!” Von diesem Schwerpunkt ausgehend, beleuchtet der Film auch die unterschiedlichen Persönlichkeiten und das Beziehungsleben der Geschwister – untereinander, wie auch zu ihren Partnern. Wie im wunderbaren, symbolischen Schlussbild mit Hund gelingen Jenkins dabei berührende, leise komische und schrullige Szenen. Beeindruckend unterstützt wird sie dabei von Hoffman, vor allem aber von Laura Linney, die sich hier mit Autorin Jenkins für einen Oscar empfiehlt. kob.

Als Vater ließ Lenny Savage (Philip Bosco) seine Kinder Wendy (Laura Linney) und Jon (Philip Seymour Hoffman) im Stich. Deshalb halten sie schon lange keinen Kontakt mehr zu ihm. Doch seitdem bei ihm Altersdemenz diagnostiziert wurde und er vom Seniorenparadies Sun City in ein tristes Pflegeheim umziehen muss, sorgen sie widerwillig für den schwierigen Greis. Das konfrontiert beide mit Verfall und Beziehungen – zu ihrem Vater, sich selbst und ihrem Leben.

Eine sehr wahrhaftige Familienkonstellation gibt den Startschuss für ein Drama der leisen und oft komischen Töne über die Tabuthemen Alter, Verfall und Sterben. Tamara Jenkins (“Hauptsache Beverly Hills”) kommt in dem außergewöhnlichen Familienfilm ihren Figuren ganz nahe.

Seit Langem haben Wendy Savage und ihr Bruder Jon kaum Kontakt zu ihrem Vater Lenny, der sie als Kinder im Stich ließ. Trotzdem kümmern sie sich um ihn, als bei ihm Demenz diagnostiziert wird und er vom Seniorenparadies Sun City in ein tristes Pflegeheim umziehen muss. Durch das Wiedersehen mit Lenny werden die Geschwister mit dem Verfall des Alters, aber auch mit unverheilten Wunden ihrer Jugend konfrontiert.

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