Die Frau des Polizisten (2013)

Die Frau des Polizisten Poster
Nicht mehr im Kino.
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Filmhandlung und Hintergrund

Die Frau des Polizisten: Außergewöhnlich umgesetztes, intensives, verstörendes Beziehungs- und Familiendrama um häusliche Gewalt.

Christine und Uwe sind ein junges Paar, das sich liebevoll um seine kleine Tochter Clara kümmert. Sie leben in einem Backsteinhaus in einer Kleinstadt, er arbeitet als Polizist, zum Teil auch Nachtschicht, sie bleibt zu Hause. Sie machen einen gemeinsamen Osterausflug, er kocht abends für alle, sie spielen zusammen. Doch die Familien-Idylle trügt. Uwe wird schnell wütend, will immer ganz genau wissen, wo Christine ist. Sie trägt blaue Flecken am Körper, die nicht nur von ihren spielerischen Kämpfen mit Uwe stammen können.

Ein angesehener Kleinstadtpolizist gerät Zuhause schneller in Rage, als es seiner Familie lieb sein kann. Außergewöhnlich umgesetztes, ebenso intensives wie verstörendes Beziehungs- und Familiendrama um häusliche Gewalt.

Videos und Bilder

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Kritiken und Bewertungen

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    Eine ganz normale Familie. Uwe ist Polizist, arbeitet im Schichtdienst. Christine ist zuhause und kümmert sich um die kleine Tochter Clara. Doch die gemeinsamen Familienausflüge, die Spieleabende und die harmonischen Abendessen in der Küche können nicht darüber hinwegtäuschen, dass diese Idylle nur Fassade ist. Denn immer schneller wirkt Uwe gereizt und reagiert aggressiv, immer ängstlicher und unsicherer wirkt das Kind und immer mehr blaue Flecken zeigen sich auf Christines Armen und Beinen. Eine Spirale dreht sich nach oben. Ohne Ausweg. Philipp Gröning ist mit DIE FRAU DES POLIZISTEN eine bedrohlich intensive und verstörende Auseinandersetzung mit dem Thema Gewalt in der Ehe gelungen. Dabei zeigt er die Brutalität des Ehemanns nie direkt. Seine Bilder aber von dem mit blauen Flecken übersäten Körper der Frau sprechen eine deutliche Sprache und lassen das Kino im Kopf des Zuschauers weiterlaufen. Wie eine zusätzliche Hauptfigur fungiert dabei das Setting. Ein kleines Backsteinhaus, mitten in der Dorfgemeinschaft und doch isoliert von der Außenwelt, zeigt die Enge und Unausweichlichkeit der Situation, aus der Christine keine Flucht gelingt. Dagegen stehen die äußerst sensibel inszenierten Szenen der innigen Nähe zwischen Mutter und Tochter. Der annähernd dokumentarische Stil und die konsequente Einteilung in kurze Kapitel, die durch Schwarzblenden voneinander abgesetzt werden, wahren die emotionale Distanz zum Geschehen. Doch entziehen kann sich der Zuschauer dennoch nicht. Durch das Auge der Kamera wird er zum hilflosen Betrachter einer Situation, die eskaliert. Ein beklemmender und beeindruckender Film, der sich einer Schwarz-Weiß-Zeichnung verweigert und den Zuschauer in jeglicher Form herausfordert.

    Jurybegründung:

    Der Regisseur, Autor, Kameramann und Cutter Philip Gröning hat viele Gespräche mit Frauen über häusliche Gewalterfahrungen geführt, heißt es im Abspann seines Films. Für dieses Thema entwickelte er daraus ein sehr eigenwilliges, intensiv wirkendes Filmkonzept, das wie auf einem Seziertisch eine Kleinfamilie in alltäglichen Abschnitten zeigt. In 59 Tableaus erhalten wir einen nahezu lähmenden Blick auf schleichende, zunächst kaum merkbare Veränderungen von der scheinbaren Idylle bis hin zur Katastrophe.

    Uwe ist Polizist, zusammen mit seiner Frau Christine kümmert er sich liebevoll um Tochter Clara. Sie bewohnen ein kleines, etwas beengtes Haus in einer ebenso beengenden Backsteinsiedlung einer Kleinstadt. Tagsüber ist Christine alleine mit dem Kind, Außenkontakte fehlen völlig. Auseinandersetzungen, Kontrollzwänge des Ehemanns, später auch heftige Streitigkeiten nehmen zu. Ein Ausweg ist nicht in Sicht.

    Die Kamera bleibt nahe an den Personen, eigenwillig und beharrlich verweist sie auf die klaustrophobische Situation. Wie ein präziser Beobachter nimmt sie Veränderungen wahr. Auf dem Körper der Ehefrau zeigen sich blaue Hämatome, ohne dass wir ihre Herkunft miterlebt haben. Jetzt deuten wir die angelegten Spuren der Gewalt in den ersten Tableaus aus einer anderen Perspektive. Das Armdrücken als Kräftemessen, das zunächst nur wie ein Spiel des Paares wirkte, das Erschießen eines angefahrenen Rehs als normale Aufgabe eines Polizisten, der tödliche Unfall auf der Straße, den Uwe fotografieren muss. Die Pistole, die er offen ins Regal legt. Sein Kontrollwahn im Alltag. Die 4-jährige Clara, die im kindlichen, unbeobachtenden Spiel in die martialisch wirkenden Uniformteile des Vaters und dazu noch in das Hochzeitskleid der Mutter schlüpft und damit auf die leere Straße der Kleinstadt läuft. Unbewusst übernimmt sie beide Rollen der Eltern. Sie entwickelt Angst vor den kleinen Tieren im Stoffmuster ihres Schlafanzugs. Christine, die in der Spirale der Gewalt ihres Mannes seine Nähe sucht und nicht in der Lage ist, sich zu von ihm zu lösen. Ihre Verzweiflung und Ängste stehen im engen Bezug zur Verbindung mit ihrer Tochter, was wiederum die Eifersucht des Ehemanns schürt. Es sind ergreifende Pfade, die jeweils Teile der Unausweichlichkeit eines Dramas abbilden.

    Vieles bleibt im Dunklen, beispielsweise die Rolle des alten Mannes, nicht eingebunden in die Geschichte der Kleinfamilie. Er lebt einsam den kargen Alltag in seiner Wohnküche. Ist es der Vater, die Zukunft des Polizisten oder nur ein Sinnbild der Vereinsamung? Isolierung und Abschottung von der Außenwelt als Teil des Problems der sozialen und kommunikativen Verarmung, die den Film prägt?

    Mit drei Stunden ist DIE FRAU DES POLIZISTEN natürlich ein langer Film, der Geduld vom Zuschauer erwartet. Ab- und Aufblenden zählen die 59 Kapitel des Films mit, nehmen das Tempo, lassen Zeit zum Nachdenken, wirken wie eine Brecht'sche Illusionsbrechung, damit sich die Teile dennoch zu einem Ganzen binden. Die Kleinfamilie als Keimzelle des Bösen. Eine großartige hautnahe Kamera mit ungewöhnlicher Zeichen setzender Genauigkeit und, hervorragend überzeugend, das fast dokumentarisch wirkende Spiel der drei Protagonisten.

    Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)

Kritikerrezensionen

  • Intensives, verstörendes Beziehungs- und Familiendrama, das mit ungewöhnlicher, aufregender Kameraarbeit aufwartet.

    Eine grandiose surreale Szene und eine sich langsam zuspitzende, zutiefst beklemmende Atmosphäre bleiben in Erinnerung von diesem ungemein ästhetisch gestalteten und dennoch unglaublich authentisch wirkenden Drama, dessen Thema häusliche Gewalt sich erst langsam herausschält, dann aber mit umso größerer Wucht. Am Anfang stehen beiläufige bisweilen nahezu idyllisch wirkende Alltagsszenen eines scheinbar intakten Familienlebens, später nimmt die erst angedeutete Bedrohung überhand, werden die Bilder von makelloser Kinderhaut der schlafenden Tochter abgelöst von Aufnahmen blauer Flecken auf dem Körper der Mutter. Die spielerischen Kämpfe zwischen dem jungen Paar sind in einseitige Gewalteruptionen übergegangen.

    Den wohl größten Raum im kunstvollen Drama nehmen die zärtlichen Mutter-Tochter-Szenen ein. Sie liegen eng beieinander unter der Decke mit Taschenlampe, in der Badewanne ineinander verschlungen, singen zusammen. Kinderlieder- und Reime werden auch direkt in die Kamera vorgetragen und unterbrechen – zu Familien-Schnappschüssen arrangiert – die lockere, assoziative, nicht unbedingt chronologische Szenenfolge. Bewusste Breaks setzt außerdem die Einteilung mit Schwarzblenden und Schrift in 60 Kapitel, die die Geduld des Zuschauers auf eine (unnötig) harte Probe stellt.

    Gröning, der außer Buch, Regie, Produktion und Schnitt auch die Kameraarbeit selbst übernimmt, wählt ungewöhnliche Ausschnitte und Perspektiven, oft Großaufnahmen, arrangiert aber auch durchkomponierte Tableaux, etwa von einem Autounfall, zu dem der Polizist geholt wird. Mit seiner Erzählweise und Geschichte irritiert, bewegt, fordert er heraus, lässt aber nicht kalt. Der Film, der in unerbitterlicher Konsequenz auf eine Katastrophe zusteuert, bleibt in manchem rätselhaft, mag vielleicht als prätentiös betrachtet werden, ist aber faszinierendes Arthousekino eines Auteurs, das das Thema in gänzlich neuer Form aufgreift und schmerzhaft vor Augen führt. hai.

Darsteller und Crew

News und Stories

  • Spezialpreis der Jury für "Die Frau des Polizisten"

    Der deutsche Beitrag im Wettbewerb der 70. Mostra, "Die Frau des Polizisten", wurde mit dem Spezialpreis der Jury ausgezeichnet. Der Goldene Löwe ging an den italienischen Dokumentarfilm "Sacro Ga".

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