Der Rote Punkt (2008)

Der Rote Punkt Poster
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Filmhandlung und Hintergrund

Der Rote Punkt: Ruhiges Debütdrama um eine junge Japanerin auf Entdeckungsreise in ihre Vergangenheit, die sie nach Deutschland führt.

Träume über ihre Kindheit führen die junge Japanerin Aki (Yuki Inomata) zu ihrem Elternhaus, wo sie eine deutsche Landkarte mit roter Markierung und einen unentwickelten Film entdeckt. Statt nach ihrem Studium nun auf Jobsuche zu gehen, reist sie entgegen der Bedenken ihres Freundes und der Pflegeeltern ins ferne Deutschland, um den eingezeichneten Ort zu suchen. Im ländlichen Ostallgäu hilft Elias (Orlando Klaus), die Spur ihrer leiblichen Eltern aufzunehmen.

Eine Entdeckungsreise in die Vergangenheit unternimmt eine junge Japanerin in diesem geruhsamen Debütdrama von Marie Miyayama. Sie legt eigene Familiengeheimnisse frei und gibt damit auch den Anstoß für eine deutsche Familie, ihre verschwiegene Geschichte aufzuarbeiten.

Die junge Japanerin Aki sollte sich eigentlich auf die Jobsuche nach dem Studium konzentrieren und mit ihrem Freund eine Zukunft aufbauen. Beim Kramen im Elternhaus findet sie jedoch eine deutsche Landkarte mit einem eingezeichneten roten Punkt darauf und einen alten Fotoapparat, in dem noch ein Film steckt, den sie entwickeln lässt. Die alten Familienbilder wecken ihre Neugier und sie begibt sich auf eine Reise nach Deutschland, in ihre Vergangenheit. Vor Ort im ländlichen Ostallgäu hilft ihr eine einheimische Familie bei der Suche nach dem Punkt.

Junge Japanerin entdeckt Landkarte mit eingezeichnetem roten Punkt und begibt sich auf Spurensuche ihrer Familie in Deutschland. Marie Miyayamas mehrfach ausgezeichneter Debütfilm ist ein sensibles, manchmal poetisches Drama.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Dies ist ein Debütfilm, und das merkt man, im Guten wie im Schlechten. Regisseurin Marie Miyayama erzählt eine ganz kleine, alltägliche Geschichte in ambitionierten Bildern, von denen jedes deutlich ausdrückt, dass sich die Regisseurin viele Gedanken gemacht hat, wie was wirkungsvoll in Szene gesetzt wird. Die Landschaft des Ostallgäus und die Menschen darin sind perfekt eingefangen und aufeinander hin arrangiert; und die Geschichte geht subtil in tiefe psychologische Urgründe hinein.

    Da ist Aki, die träumt, und sie ahnt, dass dieser Traum an ihrer Vergangenheit im Kleinkindalter rührt. Der Zuschauer spürt ihre Unruhe und bekommt allmählich mit, was passiert ist – der Film lässt ihn nie informationslos allein, überfüttert ihn aber auch nicht. Sondern er lässt ihn teilhaben, erst am äußeren Geschehen und darüber dann am Gefühlsleben der Figuren. Er erzählt langsam, über Gesten und Blicke und nicht direkt über das, was zwischen den Figuren besteht, sondern, was über sie und zwischen ihnen entsteht. Und um ihrem Film Gehalt zuzuführen, unterfüttert die Regisseurin ihn mit einer ausgeklügelten Symbolik.

    Ein roter Lippenstift, eingemachte rote Pflaumen, ein roter Punkt auf der Landkarte; ein Kind auf einer Schaukel; Spiegelungen von Gesichtern in Fensterscheiben; geschnitzte Madonnen; das Zählen auf Japanisch: das sind sinnbildliche Leitmotive, die nicht eindeutig erklärt werden, deren metaphorische Bedeutsamkeit aber dennoch stets bewusst in den Film hineingetragen ist, die zu seiner Substanz beitragen.

    Freilich liegt hier auch die Crux: so genau Miyayama und ihr Co-Autor Christoph Tomkewitsch den Film ausgetüftelt haben, so kalkuliert wirkt er auch. Seine Bilder sind allzu offensichtlich auf Perfektion getrimmt, in Komposition und Symbolik, so dass ihnen auch etwas Steriles, Lebloses anhaftet. Die Schauspieler agieren offenbar genauso, wie es Miyayama im Kopf hatte – aber eben nicht mehr, nicht aus sich heraus, ohne eigenen, neuen Input zum Film; man hätte auch ein Puppentheater nehmen können.

    Es geht um kulturellen Austausch (hierin steckt sicherlich Autobiographisches der japanischstämmigen Regisseurin, die an der Münchner HFF studiert hat), um Unfähigkeiten der Kommunikation (nicht nur wegen Sprachschwierigkeiten, auch wegen emotionaler Hürden der Figuren), und es geht um das Vergangene, das verdrängt wird und wiederkehrt, mit dem man sich auseinandersetzen muss, weil es einen sonst einholt (hierin steckt vielleicht Miyayamas Interesse an der Psychologie C.G. Jungs). Das alles wird im Film Stück für Stück durchexerziert: der Vater, der einmal zu schnell gefahren ist und der nun daran emotional fast erstickt, der 18jährige Sohn, dessen Rebellion sich ausgerechnet im Rasen mit dem Motorrad ausdrückt, die Mutter, die hilf- und sprachlos daneben steht. Und Aki, die ihrem Traum auf die Spur kommen will, die von Japan ins Ostallgäu fährt, um auch zu den eigenen Wurzeln und zu sich selbst zu reisen; die sich gezielt der Vergangenheit stellt und dadurch reift. Doch irgendwie, gerade will alles so kalkuliert wirkt, springt kein Funke rüber.

    „Ich habe einen Freund in Japan“, sagt Aki einmal, als sie schon Hals über Kopf im Allgäu angekommen ist, „aber ich bin mir nicht sicher. Er macht immer alles richtig.“ Und das kann man dem Film auch nachsagen: er will alles zu perfekt machen und lässt keinen Platz, um Leben eindringen zu lassen.

    Fazit: Regiedebüt einer talentierten Regisseurin mit ambitionierten Bildern und ausgeklügelter Symbolik, das aber zu berechnet, zu steril wirkt.
  • Mit verschütteten Erinnerungen aus Kindheitstagen konfrontiert, begibt sich eine japanische Studentin auf die Spuren der Vergangenheit nach Deutschland.

    Während ihres Studiums an der HFF München drehte Marie Miyayama Kurz- und Dokumentarfilme mit interkulturellen Themen und bleibt ihrem Faible auch im ersten abendfüllenden Spielfilm treu.

    Am Anfang steht eine Landkarte mit einem roten Punkt. Für die junge Japanerin Aki Ausgangspunkt einer Reise ins ferne Deutschland, obwohl sie sich eigentlich auf Jobsuche nach dem Studium konzentrieren und mit ihrem ehrgeizigen Freund eine Zukunft aufbauen sollte. Beim Kramen im Elternhaus findet sie die ausländische Karte und einen alten Fotoapparat, in dem noch ein Film steckt, den sie entwickeln lässt. Ihre Neugier ist geweckt. Im idyllischen Ostallgäu trifft sie auf Fremde, die zu Freunden werden, auf hilfsbereite Menschen, den 18-jährigen Elias, der Vater und Mutter durch zu schnelles Motorradfahren auf die Palme bringt und auch sonst jede Möglichkeit zur Provokation nutzt, seine freundliche Schwester, die sympathischen Eltern, in deren Beziehung es kriselt. Akis Suche nach der Stelle, an der ihre Eltern und ihr kleiner Bruder tödlich verunglückten, führt durch die schicksalhafte Verknüpfung der japanischen und deutschen Familie zur reinigenden Katharsis.

    Lang verschwiegene Familiengeheimnisse kommen ans Tageslicht, sich der Wahrheit zu stellen, löst seelische Befreiung aus. Mag es auch bei der sensibel erzählten Geschichte über eine innere Reise in der Struktur noch manchmal etwas knirschen und die narrative Langsamkeit irritieren, die Stärke des Dramas liegt im Ausspielen der nonverbalen Ebene, den kleinen Gesten und Blickkontakten, einer Annäherung von fast zärtlicher Sprödigkeit. Die gelungene HFF-Abschlussarbeit mit atmosphärisch dichten Kinobildern lässt an Miyayamas Talent keinen Zweifel und noch einiges von ihr erwarten. Als Belohnung gab es den Förderpreis Deutscher Film für DoP Oliver Sachs für eine sich auf wenige Bewegungen beschränkte Bildgestaltung mit sorgfältigen Kadragen, für den Komponisten Helmut Sinz und die Regisseurin und Cutterin in Personalunion. Martin Blankemeyer von der Münchner Filmwerkstatt erhielt den VGF-Nachwuchsproduzentenpreis. mk.

Darsteller und Crew

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