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Fakten und Hintergründe zum Film "Der Knochenmann"

Mehr zum Film? Wir haben die wichtigsten Hintergründe und Fakten für Dich gesammelt: detaillierte Inhaltsangaben, Wissenswertes über die Entstehung des Films, ausführliche Produktionsnotizen. Klick rein!

Interview mit Josef Hader (Buch)

DER KNOCHENMANN ist bereits der dritte Kino-Auftritt des Herrn Brenner. Was macht die Figur ihrer Meinung nach so sympathisch und interessant fürs Publikum?

Also richtig sympathisch ist der Brenner nicht. Man kann ihn vielleicht mögen, in seinem Trotz und in seinem würdevollen Scheitern, aber der totale Sympathieträger ist er nicht. Der Brenner ist im Prinzip keine Figur, die nur allein für sich funktioniert. Da spielt das Umfeld ganz stark mit. Das bedeutet, zu den Geschichten von Wolf Haas kommt das Tragisch-Komische von mir, das dann mit diesem typischen Murnberger-Stil verfilmt wird, der alles nicht so edel nimmt. Das spielt alles miteinander. Der Brenner ist nur ein Teil davon.

Zwischen dem ersten Brenner-Film und DER KNOCHENMANN liegen acht Jahre. Lernt man als Schauspieler die Figur besser kennen, wenn man sich über einen so langen Zeitraum hinweg mit ihr beschäftigt?

Ich glaube, dass man die Figur vor allem als Drehbuchautor gut kennen lernt. Da hat man sie nämlich wirklich lang im Kopf. Unsere Bearbeitungen erstrecken sich meist über ein Jahr, wo wir verschiedene Fassung schreiben. Diesmal waren es acht. Da hat man einerseits die Figur im Kopf, wie sie das letzte Mal war, aber andererseits gibt es den Ehrgeiz, dass der nächste Film auch immer einen Schritt weitergehen soll. Dass er was können soll, was der vorherige nicht konnte. Irgendwie entwickelt sich dadurch automatisch auch die Figur weiter. Es ist zum Beispiel in dem Film so, dass der Brenner absolut nicht mehr der außenstehende Beobachter ist, der irgendwie cool über den Dingen steht oder auch quasi ein Fremdkörper in einer total fremden Welt ist, so wie in SILENTIUM, sondern er wird diesmal sehr schnell Teil der Katastrophe. Er wird hineingezogen, einerseits über die Liebe, andererseits grundsätzlich dadurch, dass er am Land in so eine Familie und damit auch in deren Konflikte hineinrutscht. Dadurch wird er plötzlich auch Teil des Problems. Und das erfordert dann ganz automatisch einen anderen Brenner. Vielleicht einen, der nicht so cool ist wie das letzte Mal. Ein bisschen mehr in Schwierigkeiten und ein bisschen weniger souverän. Ob das ein Fortschritt ist, wissen wir nicht. Aber wir wissen, dass die Geschichte das von uns gefordert hat.

Dann handelt es sich bei den Brenner-Filmen grob gesagt um eine Krimi-Reihe, deren Hauptfigur sich ständig verändert…

Wir haben bei der Entwicklung von Film zu Film an gute James Bond-Filme gedacht. In den Phasen, wo sie sich wirklich zusammengerissen haben, war es auch so, dass sie sowohl die Figur als auch die Art des Films ständig weiter entwickelt haben. Bei jedem Film irgendwo die Schrauben andrehen und schauen, wie können wir noch einen Schritt weitergehen – so wollten wir das auch machen.

In DER KNOCHENMANN hat der Brenner zum ersten Mal einen richtig prominenten Gegenspieler.

Wichtiger noch: Er hat einen gleich starken Gegenspieler, auf dem noch dazu ein beträchtlicher Teil der Sympathien des Publikums ruht. Das war bis jetzt noch nie der Fall. Dieser Wirt, der Löschenkohl, der macht am Anfang etwas, wo jeder Zuschauer sagt: „Ja, das ist richtig. Das gehört so.“ Aber dann ist er dadurch plötzlich gezwungen, immer ärgere Dinge zu tun. Weil halt Gewalt manchmal noch mehr Gewalt nach sich zieht. So rutscht er in eine völlige Gewaltspirale hinein. Und der Zuschauer muss sich die ganze Zeit entscheiden, wo er seine Sympathie hingibt, zum Löschenkohl oder zum Brenner. Dazu kommt, dass der Brenner wiederum mit der Schwiegertochter des Wirtes in so eine Liebesgeschichte hineinkommt, die ihn viel stärker berührt als alles, was bisher so an Geplänkel war in vorigen Filmen. Er rutscht richtig ganz tief in die Liebe, aber auch in diese Familie hinein. Und in die Konflikte dieser Familie. Ich denke, so starke Figuren hatten wir noch nie. Es geht nicht mehr um Institutionen wie Kirche oder Rettung oder Salzburger Festspiele, sondern es geht nur mehr um Menschen, die völlig unlösbar ineinander verstrickt sind.

Wenn der erste Brenner-Film eine Krimi-Komödie war und der zweite eine Thriller-Komödie, dann ist das jetzt…

…eine Horror-Thriller-Romantik-Komödie. Das Arge ist nämlich, dass der Film durchaus Elemente hat, die in die Nähe eines Horrorfilms gehen. Und er hat diese Liebesgeschichte, die allerdings keine Blümchenromantik hat. Der Brenner und die Schwiegertochter vom Wirt, die wird von der Birgit Minichmayr gespielt und die ist auf gut österreichisch gesagt schon eher „a wülde Zechn“. Die kommen sich näher, weil sie den rauen Charme aneinander mögen. Thriller ist es immer noch. Es ist nur so, dass der Zuschauer von Anfang an eh fast alles weiß. Und eigentlich nur dem Spiel der Kräfte zuschaut.

Brenners wichtigste Bezugspersonen in DER KNOCHENMANN werden von Josef Bierbichler und Birgit Minichmayr gespielt.

Das sind gigantische Schauspieler. Die mich hie und da auch ein bisschen an die Wand spielen. Aber das tut nichts zur Sache. Ich habe die Dialoge so geschrieben und freue mich sogar, wenn ich von denen an die Wand gespielt werde.

Sie haben die Dialoge schon mit den Schauspielern im Kopf geschrieben?

Der Film war von Anfang an auf diese beiden Schauspieler konzipiert. Wir haben die Dialoge so geschrieben, dass wir uns gedacht haben, da müssten sie sich wieder finden können. Das hat funktioniert.

Wie würden Sie das Verhältnis zwischen Josef Hader und Simon Brenner beschreiben. Sind das zwei, die sich gefunden haben?

Das Gute ist, dass man mit so einer Rolle zur Marke werden kann. Das hilft dann natürlich auch, wenn man Kabarettprogramme spielt. Im deutschen Raum zum Beispiel sitzt immer ein Teil im Publikum, der vom Kino her kommt. Dass mit meinem Namen etwas Bestimmtes verbunden wird, dass er zur Marke wird, das hat allerdings schon vorher mit INDIEN begonnen. Die Brenner-Filme mit ihrer Art, den Menschen tragisch und komisch und grauslich zu zeigen, manchmal auch was Nettes über Menschen zu sagen, stehen eigentlich in der Tradition von INDIEN. Für mich war das ein großes Glück, dass sich das so fortgesetzt hat.

Trotzdem habe ich das Gefühl, dass Ihnen der Brenner sympathisch ist.

Sagen wir so: Ich versteh ihn recht gut. Ich kann seinen Trotz verstehen und das Beleidigtsein auf die Welt. Dass er ein bisschen stolz ist. Dass er schnell verletzt ist. Dass er nichts aus sich herauslässt. Da sehe ich viel von mir wieder. Auch wenn es bei mir nicht immer so schön anzuschauen ist wie bei ihm.

Interview mit Wolfgang Murnberger (Regie, Buch)

Wo ist der Brenner denn diesmal gelandet?

WOLFGANG MURNBERGER: DER KNOCHENMANN lässt sich schwer in irgendein Genre reinbringen. Ich habe mich selber schon öfters gefragt: Was ist das jetzt? Der Film sitzt sicher zwischen allen Stühlen. Wir haben versucht, noch näher an die Figuren heranzugehen. Es gibt mehr privaten Brenner. Er ist verliebt. Dadurch hat es den Anschein, dass er vielleicht ein bisschen weicher wird. Trotzdem gibt es auch harte, gewaltvolle Szenen. Das Ganze spielt sich in einem sehr privaten Bereich ab. Eigentlich geht es um eine Figur, die genau so stark ist wie der Brenner. Wo man sehr genau erlebt, wie dieser Mensch in eine Gewaltspirale hinein gezogen wird, ohne dass er es wirklich will. Deswegen wird er auch hoffentlich über weite Strecken die Sympathie des Publikums haben und diese erst verlieren, wenn es wirklich heftig wird.

Dieser Gegenspieler von Josef Hader ist Josef Bierbichler.

Wir haben ihm die erste Drehbuchfassung geschickt. Da hat er gesagt, ja, ganz interessant, aber das macht er noch nicht. Dadurch waren wir natürlich sehr motiviert, uns anzustrengen und die Figur noch besser zu machen. Ab der dritten Fassung war er dann dabei.

Was fand er interessant?

Wir haben versucht, einen Menschen zu zeigen, der ohne sein Wollen in eine Gewaltspirale gerät. Und er kommt aus dieser Gewaltspirale einfach nicht mehr raus. Bis zum Ende. Ich glaube, das hat Josef Bierbichler angesprochen. Weil dieser Löschenkohl halt nicht einfach nur ein dumpfbackiger Bösewicht ist, der herumrennt und Leute umbringt. Sondern das hat alles seinen Grund. Natürlich kann man jetzt sagen, vielleicht hätte man selber anders gehandelt, wenn man in dieser Situation wäre. Aber ich glaube, dass es trotzdem nachvollziehbar ist.

DER KNOCHENMANN ist nach KOMM, SÜSSER TOD und SILENTIUM Ihr dritter Brenner-Film. Will man da jetzt partout etwas Neues reinbringen? Oder verlässt man sich auf bewährte Rezepte?

Bei KOMM, SÜSSER TOD hatten wir die Rettungsfahrer, die im Grunde in der Gesellschaft gut angesehen sind, aber wo man dann behauptet, da gibt es einen Bösewicht, der die Organisation für seine dunklen Machenschaften nützt. In SILENTIUM haben wir die Salzburger Festspiele und die katholische Kirche ziemlich durch den Kakao gezogen. Da steht auch so eine Organisation im Hintergrund, an deren Peripherie es Menschen gibt, die ihre bösen Spiele treiben. Jetzt in DER KNOCHENMANN sind wir in einer Familie, in der es ziemliches Konfliktpotential gibt. Genau da platzt jetzt der Brenner hinein und alles nimmt seinen Lauf. Also es gibt keine Organisation im Hintergrund, es ist fast eine private Geschichte. Es kommt ja in jedem Brenner-Film eine kleine Liebesgeschichte vor. Aber diesmal hat uns gereizt, der Liebe zwischen dem Brenner und einer Frau einmal mehr Raum zu geben.

Spielt DER KNOCHENMANN in Österreich oder liegt dieses Wirtshaus in einem imaginären Haas/Hader/Murnberger-Universum?

Es ist ein sehr starkes Haas/Hader/Murnberger-Universum, aber am Boden von Österreich. Die Figuren sind schon alle sehr österreichisch. Ich meine, Sepp Bierbichler ist zwar ein Bayer, aber wir haben gar nicht versucht, das zu verheimlichen… er spricht sowieso in seiner Sprache. Man baut das dann halt in die Geschichte ein.

Die letzten beiden Brenner-Filme waren sehr erfolgreich. Was bedeutet das für die Dreharbeiten des dritten?

Stress. Wir haben versucht, das Beste zu geben, beim Film und beim Drehbuch, aber das haben wir bei den ersten beiden auch gemacht. Wenn es funktioniert, dann funktioniert es. Und wenn nicht, hätten wir keine Ahnung, warum es diesmal nicht funktioniert. Wir wollen uns nicht auf unseren Lorbeeren ausruhen. Wir versuchen immer, einen Schritt in eine andere Richtung zu gehen. Die kann natürlich auch nicht so gut ankommen. Aber das wissen wir vorher nicht. Das lässt sich nicht so leicht planen.

Sie arbeiten mit Josef Hader schon über einen längeren Zeitraum zusammen. Hat er sich verändert als Schauspieler?

Er wird besser. Ich finde, man sieht, dass er mehr Erfahrung kriegt. Er spielt ja nicht nur in den Brenner-Filmen. Ich habe das Gefühl, er wird sicherer. Er weiß sehr genau, was er tut.

Und er hat in Birgit Minichmayr eine kongeniale Partnerin gefunden…

Vom Typ her ist sie die ideale Partnerin für Josef Hader in der Liebesgeschichte, die in diesem Film stattfindet. Sie passt auch optisch gut zum Josef, finde ich. Und sie passt auch sehr gut in dieses Wirtshaus hinein. Schon rein sprachlich. Birgit Minichmayr kommt auch aus Oberösterreich. Und sie spricht in DER KNOCHENMANN nicht so, wie sie am Burgtheater spricht. Sie kann ja auch ganz normal reden, sag ich jetzt einmal. Sehr österreichisch. Sehr ländlich.

Interview mit Simon Schwarz (als Berti)

Sie leben in Berlin. Wie wird die Welt des Simon Brenner in Deutschland aufgenommen?

SIMON SCHWARZ: Ich wohne gegenüber von einem kleinen Buchladen. Dort sind alle durch die Bank Fans von Wolf Haas. Im deutschen Sprachraum wird das schon sehr angenommen, denke ich. Man sieht auch an den Kinozahlen, dass das sehr gut funktioniert. Es ist ja nicht so, dass nur Josef Hader seine Fangemeinde hat. Mittlerweile hat auch Wolf Haas seine Fangemeinde.

Also sind Sie in Berlin in Ihrem Buchladen berühmt, weil sie in den Brenner-Filmen mitspielen?

Eigentlich ja. Das hat mir schon was gebracht. Zumindest werde ich ausgesprochen nett behandelt in diesem Buchladen. Als SILENTIUM in Deutschland gestartet ist, sind die wirklich in zwei Etappen geschlossen ins Kino gegangen.

In DER KNOCHENMANN haben wir einen Ermittler, der nicht der typische Ermittler ist, und einen Mörder, der nicht der typische Mörder ist. Was tut da Ihre Figur?

Das ist diesmal ein bisschen schwierig zu erklären. Ich bin der, der den Ermittler hinschickt. Mehr nicht. Ehrlich gesagt hat meine Figur in DER KNOCHENMANN keine zentrale Rolle. Der Berti versorgt den Brenner mit ein paar Jobs, die der eh nicht unbedingt machen will. Aber der Berti findet das interessant. Oder vielleicht tut er auch nur so. Und der schickt ihn dann wohin, ins Wirtshaus Löschenkohl, ohne zu wissen, was da so richtig abgeht. Der Berti hat nur eine Aufgabe im Film: Irgendwo muss der Brenner ja herkommen. Und er kommt vom Berti. Der holt ihn dann am Ende auch wieder ab. Weil irgendwer muss den Brenner ja auch wieder abholen. Und das tut auch der Berti.

Könnte man den Berti als die geerdete Version vom Brenner bezeichnen?

Nein, ich glaube, dass der ganz anders ist.

Aber zumindest ist der Berti in allen drei Filmen dabei…

Ich weiß auch nicht, wie er das geschafft hat. Ich meine, ich bin froh, dass es so ist, aber wie der Berti das geschafft hat, weiß ich nicht. Im Film ist es ein Konzept, das immer ganz gut funktioniert, wenn man einer Hauptrolle eine Nebenfigur gibt, die unterstützend einhergeht. Wo man auch so Dialoge aufbauen kann, die vertraut wirken, irgendwie eingespielt sind. Das ist wie mit Musikern. Wie ein Gitarrist, der perfekt zu einem Sänger passt. Der macht zwar nicht die Arbeit. Aber der unterstützt ihn positiv. Und wenn die Stimmung passt, dann ist es sicher gut, wenn man das Zusammenspiel weiter übernimmt. Im Film hast du das oft. Gerade bei Krimis wird dem Ermittler immer gern jemand zur Seite gestellt, in welcher Form auch immer. Also nicht als Gegenspieler, sondern irgendwie als Vertrauensperson, wo man sich reiben kann. Der Held braucht ja immer auch eine Figur, an der er sich abarbeiten kann. Insofern ist das ein gutes Konzept. Mir macht das Spaß. Ich habe das schon bei KOMM, SÜSSER TOD und SILENTIUM super gefunden.

Welche Welt wird in den Brenner-Filmen beschrieben?

Also für die Deutschen ist das schon Österreich, das da beschrieben wird. Oder zumindest stellen sie sich Österreich so vor. Zumindest in meinem Freundeskreis ist das so. Aber der besteht auch nicht aus ausgewiesenen Österreich-Spezialisten.

Ist Ihnen der Berti sympathisch?

Ja, der ist mir schon sympathisch. Aber mir sind immer alle Figuren sympathisch, die ich spiele. Weil ich versuche, irgendwas zu finden, das sie mit mir gemeinsam haben. Und wenn ich gar nichts finde, versuche ich mir das zumindest in irgendeiner Form einzureden. Mir persönlich ist es wichtig, dass ich die Figur mag, die ich spiele. Dass das Menschen sind, die ich mag. Und wenn es Mörder sind, dann muss ich mir das halt einreden. Bis ich glaub, dass ich die mag. Dass sie mir wirklich sympathisch sind. Irgendwas finde ich immer. Und bei Berti war das gar nicht schwierig.

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